Das Essen zum Retrolook

Sie lieben Hansen-Stühle, Sideboards aus den Sixties, haben eine Schwäche für Nierentischchen, wünschen sich eine Eames-Liege oder haben Louis-Poulsen-Lämpchen auf den Nachttischchen? Der Retrolook und Designerstücke aus vergangenen Dekaden begeistern Stilbewusste, Designliebhaber und Interiorfans. Aber haben Sie sich schon mal überlegt, wie das Leben zu dieser Zeit war? Zu welcher Musik man getanzt hat und was man gegessen hat? Hier sind einige Inspirationen und Rezepte, die zu den Retromöbeln passen. Lachen Sie, versuchen Sie es nachzukochen, organisieren Sie ein Retroparty oder sinnieren Sie einfach ein wenig nach, wie es denn damals so war. Holen Sie Kindheitserinnerungen hervor, fragen Sie Ihre Eltern und Grosseltern, was früher auf den Tisch kam und geniessen Sie mit Sweet Home einige Momente in der Küche von damals:
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 Tischlein deck dich neu

In den Fünfziger- und Sechzigerjahren begann das «moderne Leben». Am Tisch bedeutete dies farbige Tischsets anstelle von weissen Damasttischtüchern, kalte Platten statt einem 3-Gang-Menü und unkomplizierter Dosenfood ersetzte den Sonntagsbraten.

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 Gemüse gab es auch in den Sixties!

Putzig angerichtet waren «Erbsli und Rüebli» aus der Dose ein Dauerrenner, Spinat aus dem Gefrierfach, oft mit Salzkartoffeln und Spiegeleiern serviert, Zucchetti waren gross, so gross, dass sie mit Hackfleisch gefüllt in den Ofen kamen, auch Tomaten wurden gefüllt, mit Käse.

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 Gefüllte Tomaten

In meiner Kindheit waren solch gefüllte Tomaten eines meiner Lieblingsessen. Dazu gab es Oncle Ben’s Reis!

Zutaten: 
  • 6 grosse Tomaten
  • 200 Gramm geriebener Käse wie Gruyère und Parmesan
  • 1 Ei
  • 1 Bund gehackte Kräuter wie Petersilie, Basilikum, Estragon
  • 1 Knoblauchzehe gehackt
  • 2 Esslöffel Paniermehl vom Bäcker
  • Olivenöl
  • Salz und Pfeffer
Zubereitung:

Die Tomaten waschen, einen Deckel abschneiden, und entkernen. Den Käse mit den gehackten Kräutern, dem Knoblauch, Paniermehl und dem Ei zu einer Masse verrühren, die Tomaten damit füllen. Eine Gratinform mit Öl bestreichen, die gefüllten Tomaten darin verteilen, mit Olivenöl beträufeln und im vorgewärmten Ofen, bei 220 Grad ca. 30 Minuten backen. Die Deckel mitbacken und erst am Schluss wieder auf die Tomaten legen. 

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 Schürzen

Sie waren in den 50er- und 60er-Jahren ein Bestandteil jeder weiblichen Garderobe. Sie waren aber oft sexy, kokett, mit Rüschchen, Blümchen, Tupfen… Andere Küchen-Accessoires waren Gummihandschuhe, da es keine Geschirrspüler gab oder die meisten keinen hatten. Topflappen wurden gehäkelt, auch in der Handarbeitsschule, und Geschirrtücher waren noch ein wichtiger Bestandteil in der Aussteuer, meist mit dem Monogramm der Hausfrau versehen.

 

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 Riz Casimir 

Als ich jung war und noch nicht viel von der Welt gesehen habe, war Riz Casimir, der Curry, den ich kannte. Das Gericht wurde in allen Restaurants serviert und war ein Schweizer Klassiker. Meinem Mann, der mit karibischer und indischer Küche aufgewachsen ist, servierte ich Riz Casimir bloss einmal! 

Zutaten:
  • 500 Gramm Kalbsgeschnetzeltes
  • 1 Zwiebel, gehackt
  • 2 Esslöffel Currypulver
  • 1 Esslöffel Mehl
  • 2 Esslöffel Sonnenblumenöl
  • 1 dl Weisswein
  • 2 dl Bouillon
  • 2 dl Rahm
  • 400 Gramm Langkornreis
  • 20 Gramm Butter
  • Fruchtstücke von Ananas, Äpfeln, Trauben, Banane, Mango
  • 2 Esslöffel geröstete Mandelplättli
Zubereitung:

Das Fleisch im heissen Öl gut anbraten, danach salzen und pfeffern, die gehackte Zwiebel dazugeben, anbraten, Currypulver und Mehl beigeben, gut umrühren mit Weisswein ablöschen, Bouillon dazugeben, ein wenig einkochen lassen danach den Rahm beigeben, aufkochen und vom Feuer nehmen. Reis kochen, die Früchte in aufgekochtem Zuckerwasser weich ziehen lassen. Den Reis in Ringform anrichten das Currygeschnetzelte in den Ring geben und mit den Früchten garnieren, die gerösteten Mandelplättli darüberstreuen.

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 Toast Hawaii:

In der Kochschule war Toast Hawaii die erste Kochlektion! Wir fanden es toll!

Zutaten pro Toast:
  • 1 Scheibe Toastbrot
  • 1 Scheibe Ananas
  • 1 Tranche Schinken
  • 1 Käsescheibe
  • Butter
  • 1 Cocktailkirsche
Zubereitung:  

Den Ofen auf 220 Grad aufwärmen, Die Toastscheiben auf das mit Backpapier belegte Backblech legen, mit Butter bestreichen, belegen mit Schinken, Ananas, Käse und die Kirsche darüber, so lange toasten (ca. 10-15 Minuten) bis der Toast knusprig und der Käse geschmolzen ist.

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 Die Küche im Retrostil

Die typische Küche war klein und praktisch, Einbauküchen mit glänzendem Chromstahl und pastellfarbenen Schränkchen. Die meisten Schweizer Küchen aus dieser Zeit waren länglich gebaut mit einer Arbeitsfront und mit Glück mit ein wenig Platz auf der Gegenseite für einen kleinen Küchentisch mit Hockern oder kleinen Stühlen. Der Dampfkochtopf war ein beliebtes «Gadget». Mixer ersetzten Rührbesen und überhaupt ging auf einmal alles «automatisch». Das Essen war schnell gekocht und die Hausfrau musste es nur noch «garnieren». Überall kamen Peterlie-Röschen drauf, Eierscheiben, mit einem Drahtschneider geschnitten, zierten auch diverse Speisen und der Fantasie war keine Grenzen gesetzt.

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 Dekoration ohne Ende

Kalte Platten waren Hors d’oeuvres und ein Riesenhit. Das Aufschnittplättchen hat bis heute in vielen Restaurants überlebt. Aber im Gegensatz zu den Kunstwerken von damals sind sie sehr bescheiden mit Cornichons und Silberzwiebelchen garniert. Russischer Salat war im Trend, den gab es auch fertig aus der Dose und man musste ihn nur noch mit viel Mayonnaise anmachen und verzieren, Spargeln wurden mit Schinken umrollt, Pastetchen mit Salaten gefüllt, Canapés belegt und kunstvoll verziert, besonders Tartarbrötchen und solche mit Eiersalat waren Bestseller.

 Tartarcanapé

Diese Salon-Delikatesse hat überlebt und ist heute noch in vielen Confiserien und Traitteurgeschäften im Angebot.

Zutaten:
  • Rohes, mageres Rindshackfleisch, am besten vom Filet
  • nach Geschmack würzen mit Senf, Tabasco, Salz, Pfeffer. Cornichons, Zwiebeln, Kapern
  • 1 Eigelb
  • 2 Esslöffel Whisky oder Cognac 
Zubereitung:  

alle Zutaten fein hacken, das Fleisch mit den Zutaten und dem Eigelb mischen. Toastbrot damit bestreichen, garnieren mit Petersilie und einigen gehackten Zwiebeln.

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 Das Geschirr und Besteck nahm moderne Formen an

Chromstahlbesteck löste das Tafelsilber ab und Teller wurden farbig. Ich wuchs zum Beispiel genau mit diesem Geschirr auf. Es war ultramarinblau, von Arabia und Italla. Die finnische Glasfirma, zu der Arabia nun gehört, produziert es immer noch in Blau, Grün, Schwarz und Gelb. Dazu hatten meine Eltern Pott-Besteck, welches so moderne Formen hatte, dass es heute noch Gäste überrascht (siehe Links am Ende der Geschichte für Geschirr und Besteck). Dieser Tisch ist für Fondue Bourguignonne gedeckt. Fondues aller Art waren ein Partyhit der 60er- und 70er-Jahre. Überhaupt liebte man kleine Dinge in Schälchen, Snacks, Salzfischchen, Oliven, Gürkchen – hauptsache klein und fein und in hübschen Schälchen.

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Das Geschirr „Teema“ von Iitalla ist der Nachfolger des ursprünglichen Arabia Geschirrs.

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Das Pott Besteck, welches meine Eltern haben, und mit dem ich aufgewachsen bin, finde ich immer noch das allerschönste Besteck das es gibt.

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 Transparente Kunstwerke

Gemüse und Fleisch in Sülze zu Pasteten verarbeitetet erfreuten das Auge und den Gaumen der Gäste in den 50er- und 60er-Jahren. Sie waren die Zierde eines kalten Buffets und wurden mit passenden Saucen serviert, etwa mit Remouladensauce, Tartarsauce, Schneewittchensauce, Vinaigrette…

Rezepte für kalte Saucen:

TARTARSAUCE: Gehackte Schalotten, Cornichons, Sardellenfilets, Petersilie und Schnittlauch werden mit Mayonnaise vermischt, so dass die Sauce kräftig nach den gehackten Kräutern schmeckt.

REMOULADENSAUCE: 1 mittelgrosse Zwiebel, die gleiche Menge Cornichons, Kapern, etwas Schnittlauch und Peterli, alle Zutaten fein hacken und mit Mayonnaise mischen.

SCHNEEWITTCHENSAUCE: 1 Tasse Schlagrahm, 2-3 Löffel geriebener Meerrettich und etwas Salz. Den gut geschlagenen Rahm mit dem Meerrettich und dem Salz vermischen und kühl stellen. Zu Fisch, Pasteten, Wurstwaren oder Rindfleisch servieren.

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 Die Durchreiche

 Auch sie vereinfachte das Leben der Hausfrau. Ganz nach dem Motto «von der Küche direkt auf den Tisch» wurden offene Küchen vor allem in den 70er-Jahren oft in die Wohnungen eingebaut. Sie waren die Vorbereiter der heutigen offenen Küchen.

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 Frühstück

Das «Zmorge» wurde noch von der ganzen Familie am Tisch gegessen. «Confibrötli» waren selbstverständlich,  Milchgetränke für Kinder, beispielsweise Ovomaltine, Heliomalt, Kaba oder Suchard Express, Milchkaffee für die Grossen. Grapefruits sorgten für Vitamine und sahen hübsch aus! Das beliebteste Frühstücksgeschirr war pastellfarben und kam von Rössler.

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 Früchte

Auch sie kamen aus der Dose. Halbe Pfirsiche, Ananasscheiben und Fruchtsalat waren die Favoriten. Mit ihnen entstanden kunstvolle und schnelle Desserts. Andere Desserthits waren Eisbomben, Puddings und Cremes aus der Packung, kalt oder warm angerührt.

Fruchtsalat aus der Dose

Mischen Sie 1 grosse Dose Fruchtcocktail mit ein wenig Kirsch und servieren Sie alles in hübschen Glasschalen mit Schlagrahm obendrauf!

 

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 Flambieren

Gerichte, die Flammen zeigten, waren damals besonders beliebt. Die Aufregung war im ganzen Restaurant zu spüren, wenn der Wagen angerollt kam und der Kellner wie im Labor anfing zu mischen und giessen und endlich eine blaue Flamme zu entzünden. Mutige hielten diese Vorstellung vor Gästen auch zuhause ab. Crèpes Suzette war eines der beliebtesten Rezepte.

Crèpes Suzette wie sie Nigella Lawson macht:

Ein bisschen Sixties-Stimmung auf die englische Art:

Kennen Sie Fanny Cradock?

Schicken Sie uns doch Ihre Lieblingsrezepte von damals oder teilen Sie mit Sweet Home Kindheitserinnerungen.

Die Links zur «Retrofood»-Geschichte:
Iitalla Teema Geschirr
Pott Besteck

Keine Kommentare zu «Das Essen zum Retrolook»

  • Talira sagt:

    Der Artikel ist zwar richtig interessant, aber man sollte Markenname schon richtig schreiben: Die finnische Marke Ittala schreibt man mit zwei „t“ und nur einem „l“, nicht umgekehrt wie in diesem Artikel durchgehend…

  • Henne sagt:

    Da gab es doch noch die Fliegenpilztomaten: Tomate halbieren und aushöhlen, dann ein hartgekochtes Ei senkrecht aufstellen, Tomatenhälfte darüberstülpen und diese mit Mayonnaise-Tupfern «verzieren». Herrjeee, schmeckt nicht wirklich lecker, gehört aber auf ein sechziger/siebziger Buffet.
    Oder der Käse-Igel: Einen halben Kohlkopf mit Alufolie umwickeln und auf eine Platte setzen. Auf Zahnstocher abwechslungsweise Pumpernickel, Käsewürfel und Trauben stecken. Diese bestückten Zahnstocher in den Alu-Kohlkopf stecken. Gehörte damals auch auf jedes Buffet.
    Uiii, und dann erinnere ich mich noch an den «kalten Hund», einen unsäglichen Kuchen aus geschichteten Petit Beurre mit Schoggi überzogen. Das Rezept erspare ich mir.

  • maia sagt:

    zum Glück haben wir in den 60iger Jahren NICHT so gegessen. Aber zum Glück sind meine Zucchetti noch immer so gross, wie sie eben von Natur aus sind und nich künstlich klein gezüchtet.

  • elena sagt:

    echt spannend was schweizerinnen und schweizer zu der zeit assen: fast alles aus der dose! meine nonna hätte einen herzschlag gekriegt, wenn sie hier gewesen wäre:-)

  • Katrin Zbinden sagt:

    Das Party-Filet von Betty Bossi!
    DER Hit aller Schweizer Dinnerparties der Ende 70er und Anfang 80er Jahre.
    Feiert grade sein grosses Comeback.

    http://www.bettybossi.ch/shop/pdf_prod/rezept_26982_pdflink.pdf

  • Ernst Strickler sagt:

    ….und nicht zu vergessen: Es wurde bei Besuch aufgetischt, dass sich die Tischplatte(n) durchbogen. Hatten die Besucher genug hiess es „Jo isch es nid guet gsi“? Was vom Besucher vehement bestritten werden musste(!), mit vielen Gegenfragen, was wiederum als eigentliches Kompliment angesehen wurde. Als Gastgeber (-Kind) gab es dann mindestens 1 Woche den kulinarischen Rückblick. War man dann bei diesem Gast eingeladen, musste das ganze natürlich noch übertroffen werden. Möglichst mit vielen Neuheiten „das macht man jetzt so“. Diese Neuheiten waren auch noch welche, z.B. den „Stewi Party Jack“, mit einer Nadel pumpte man den Korken einfach aus der Weinflasche (ich vermisse diesen heute noch). Die Tafel Schokolade kostete damals in Fr. gleich viel wie heute in CHF . Auch die 3eckigen Tetrapacks (Milch mit Schoggigeschmack), waren ein Klassiker…..

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