Entspannend unspektakulär

Bohemian Chic, Vintage-Look, Ethno, Romantik oder Landhausstil – Stile im Wohnbereich sind ein riesiges Thema. Doch, wie in der Mode, gibt es auch eine Tendenz zur Verweigerung, das ganz Normale wird mehr und mehr bewusst inszeniert. Man möchte es zu Hause unspektakulär entspannt haben. Dass dies durchaus schön sein kann, beweisen diese 10 ganz normalen Wohninspirationen.

 

sweet home

Es gibt verschiedene Strategien, sich einzurichten. Die eine ist, man lässt es einfach wachsen. Dabei ist das Risiko gross, dass sich der Einrichtungsstil verselbstständigt und der Wohnraum sich zu schnell und unkontrolliert füllt. Dann ist da andererseits die Wahl eines Stils, das Bedürfnis, einen ganz bestimmten Look umzusetzen. Die Gefahr hier ist, dass es am Schluss doch nicht ganz so aussieht wie in der tollen Wohnreportage, die man sich zum Vorbild genommen hat. Und wie können wir sicher sein, dass uns dieser bestimmte Look in ein paar Jahren noch gefällt?

Die Qual der Wahl in Sachen Konsum hat einen ganz bestimmten Trend entstehen lassen: nämlich den des Normalen. In der Mode nennt er sich Normcore, ein Stil, der eher casual rüberkommt und mit dem man in der Masse verschwinden kann, statt schillernd aus ihr herauszuleuchten. Das ist im Wohnbereich ähnlich. Das Bedürfnis, einfach nur leben zu wollen, zu wohnen und sich zu Hause zu fühlen, lässt die Wahl immer öfter auf dezente, neutrale und stilmässig unauffällige Stücke fallen. Im besten Fall achtet man auf die Qualität der Produkte, und wem das schnuppe ist, kauft von der Stange. (Bild über Anna Gillar)

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1 — Reine Formsache 

Jedes Möbelstück besticht hier durch Form und Material, und mit edlen Textilien ist Gemütlichkeit entstanden. Die Farben sind neutral, bis auf die Sofakissen, die sich in warmen Tönen zeigen und als Akzente eingesetzt sind. So wachsen starke Einzelstücke zu einem harmonischen Ganzen, das auf diskrete Art Stil und Eleganz ausdrückt. (Bild über: The designchaser)

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2 — Zufälligkeit bestimmt den Stil 

Auch hier sind es Einzelstücke, die für Charme und Persönlichkeit sorgen. Ein schlichter Holztisch hat ganz unterschiedliche Stühle bekommen und wirkt dadurch zufällig, spontan und einladend. (Bild über: Atelier deco)

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3 — Die Poesie liegt in der Einfachheit 

Neutrale Farben und natürliche Materialien sind immer eine gute Basis. Hier ist auch erkennbar, dass sich Reduktion durchaus mit Wohnlichkeit verträgt. Denn alles ist da: die Bücher, die Kuscheldecke, der Beistelltisch und die hübschen Wohnaccessoires. (Bild über: Designlykke)

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4 — Grau hilft immer 

Eine ideale Wandfarbe ist Grau. Sie bringt Eleganz und Tiefe in den Raum und lässt Möbel stärker wirken. Dabei ist sie diskret, unprätentiös und anpassungsfähig. (Bild über: Desire to inspire)

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5 — So funktioniert Klassik 

Wer das Normale will, sucht sich im grossen Angebot die Stücke mit der Aussage «Ich bleibe gerne lange» heraus. Also Stücke, die elegant über die Trendwellen hinwegsurfen und Beständigkeit in den Alltag bringen – Klassiker eben. (Bild über: Stil inspiration)

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6 — Auf neutralem Raum 

Unspektakulär wohnen bedeutet nicht Reduktion und Minimalismus, sondern leise Töne, Vertrautheit und Neutralität. Das entsteht am einfachsten mit neutralen Farben. Die Palette ist gross und Mischen einfach, denn Grau-, Beige-, Sand- und Steintöne passen immer zusammen. (Bild über: Transito inicial)

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7  — Einrichten mit weniger, dafür guten Zutaten 

Qualität und gutes Design sind die besten Zutaten, um einen beständigen Einrichtungsstil zu kreieren. Irgendwie erinnert das stark an die gute alte Zeit. Damals musste alles ein Leben lang halten. Und doch ist da ein Unterschied: Heute wünschen wir uns zwar Beständigkeit, aber auch Flexibilität. Denn das Leben ist schnell und bringt stetige Veränderungen. Die gute neue Zeit bringt Leichtigkeit mit sich. Das ist der grösste Unterschied zu früher, als Möbel und Wohnstile oft schwer und dunkel waren. (Bild über: Analog dialog)

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8 — Erst einmal alles in Schwarz und Weiss 

Der Verzicht auf Farbe ist ein anderes Merkmal des neuen normalen Wohnens. Hier sind die Skandinavier stark und konsequent, viele nordische Wohnungen zeigen sich simpel in Schwarz und Weiss. Das Einrichten und Kombinieren von passenden Wohnaccessoires wird damit zum Kinderspiel. (Bild über: Atelier deco)

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9 — Gemütlichkeit geht auch einfach 

Auch in Sachen Gemütlichkeit können wir viel von den Skandinaviern lernen. Sie haben nämlich keine Angst davor, sondern setzen sie auf eine reduzierte, zufällige Art ein: Die Sofas haben Kissen und Decken, die Betten sind mit Zierkissen und Plaids aufgekuschelt, Beistelltische stehen zu den Möbeln kombiniert und zeigen Wohnaccessoires und Pflanzen. Bilder, Teppiche und Vorhänge gehören durchaus zum Wohnkonzept, und das Licht wird punktuell und stimmungsvoll mit Steh-, Tisch- und Wandleuchten gesetzt. Bloss besticht alles durch eine gewisse Leichtigkeit, neutrale Farbtöne und schlichte Naturmaterialien. Auf Plüsch, Samt, Rüschen und allzu Verspieltes wird bewusst verzichtet. (Bild über: Riazzoli)

 

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10 — Ohne grosses Aufheben 

Die normalen Wohnrezepte sind einfach: Gemütliches Zusammensitzen wird ermöglicht mit der Gegenüberstellung von Sitzmöbeln, in Nischen entstehen Leseecken, Kunst hängt über dem Sofa, Symmetrie bringt Harmonie in den Raum, und unterschiedliche Stilelemente leben in Frieden zusammen. (Bild über: Automatism).

 

21 Kommentare zu «Entspannend unspektakulär»

  • Res Raschle sagt:

    Wer in diesen Einrichtungen keine Farbe sieht, siehe keine Farben mehr sondern nur noch bunte Haufen von Gegenständen. Man schaue doch einmal genau hin! Gerade der dezente Grund lässt auch leise Töne als „Farbe“ erscheinen und dies umso mehr. Abgesehen davon: Man stelle Menschen vor, die an den Tischen und in den Sesseln sitzen Kleider tragen, die „farbig“ sind. Reicht es dann noch immer nicht? Mir kommen die Kritiker-innen hier vor wie jene Menschen, die in ihrem Eigengeschmack wunderbare Gemüse und Fleischstücke erst mit Aromat (Geschmacksverstärker) zudecken müssen, bis sie sie essen können.
    Gewiss, jeder und jedem das Ihre bzw. das Seine. Aber auch jenen, die sich in ihren Wohnungen nicht mit Farben zudröhnen müssen.

  • Stylewatch sagt:

    Wer sich übrigens auch in den sog. „Nichtfarben“ einrichtet und wunderschöne Interiors kreiert ist die ehemalige Mödeschöpferin Malene Birger, die ihre Modefirma verkauft hat, und sich jetzt auf Interior Design konzentriert. Sie hat zwei Bücher geschrieben „Move and Work“ und „LIfe and Work“. Alles ganz und gar nicht langweilig, sonder m.E. wunderschön!

  • Veronica sagt:

    Schade das es fast ganz farblos ist. Leider sind es winterfarben – hallo Winterdepression.

  • Vivienne Tran sagt:

    Mal eine ganz andere Frage: wie ist damit umzugehen, wenn Mann & Frau sich nicht auf einen Stil einigen können? Ein Blog dazu wäre interessant. :)

  • Schenk sagt:

    Guten Abend zusammen,

    es hat doch Farbe drin in den Aufnahmen. Für mich sind es Beispiele, wie eine Wohnung aussehen könnte.
    Ich lese es hier immer wieder; Viele Schweizer mögen es bunter, aber sollten in einem Zuhause nicht die Menschen im Mittelpunkt sein, die auch Leben in die Räume bringen , – nicht die Möbel ?.

  • ina müller sagt:

    Super schön, so ähnlich halte ich es auch. Was das Ganze aber auch einfacher macht: Die wunderschönen Böden und Fenster in den meisten gezeigten Beispielen. Da sieht einfach alles gleich viel edler aus, egal, was man reinstellt.

  • ABCDEFG sagt:

    Jeder so, wie er mag. – Ruhig wirkt der hier gezeigte Einrichtungsstil sicherlich. Aber er funktioniert auch in Farbe, ohne dass die Räume ihre ruhige Ausstrahlung verlieren müssen.

  • ri kauf sagt:

    Ich finde das wieder einen weiteren wundervollen Beitrag!
    Mir gefällt fast alles. Ich halte mein Schlafzimmer auch fast nur in schwarz/weiss. Wobei Weiss dominiert. Ich habe sehr kleine Räume und da ist es besser, sie klar und schlicht zu halten. Sie wirken so leichter. Farbtupfer kommen dann auch sehr gut zur Geltung. In der Stube will ich nächstens eine Wand in einem schönen Grau streichen.

    • Stylewatch sagt:

      Grau für Wände ist einfach ultraschön! Ich habe ein Zimmer in grau gestrichen und es wirkt einfach. Bin am Ueberlegen, ob ich noch weitere Wände grau streichen soll, habe aber einfach noch nicht den Mut dazu (smile)

  • filosof sagt:

    Einrichtung für graue Mäuse. Man könnte sich auch auf dem Mars einrichten…

    • marusca sagt:

      Ja, die meisten richten sich tatsächlich so ein, wie sie selber sind, habe ich festgestellt, und das heisst ( besonders oft hier in der Deutschschweiz): bieder, freud- und farblos, und jeder Fantasielose äfft den andern Ebensolchen nach. Da kann ja nur alles schwarz/grau/weiss sein. Man mache sich einmal die Mühe, die gängigen Möbelhäuser der Schweiz zu besuchen: Man wird dabei leicht feststellen, dass sozusagen alle den gleichen eintönigen Einheitsbrei verscherbeln. Und wenn sich jemand doch einmal anders einrichtet, als im üblichen Stil, ist es dann promt kitschig. Na, wen wundert’s?

      • adam gretener sagt:

        Liebe Marusca, so absolut würde ich das jetzt auch nicht formulieren. Manche Leute – wie ich – haben soviele Farben im Kopf, da kommt einem etwas Ruhigeres zuhause gerade gelegen. Hat sich in den letzten Jahren etwas geändert. Aber im Grunde ist das so.

      • Stylewatch sagt:

        Das sehe ich leider gar nicht so. Obwohl ich in schwarz/weiss/grau lebe oder eben gerade weil ich so lebe, weil ich eben etwas Ruhe reinbringen will, weil ich so viele Stile mixe, für mich ist das die einzige Möglichkeit, die Stile zusammenzubringen, die ich geerbt habe, und in Ehren halte und die nirgends käuflich einfach so einfach zu erwerben sind. z.T. nämlich auch Spezialanfertigungen für meinen Grossvater, das hat niemand sonst :)

      • Jasmin Walder sagt:

        Top Kommentar *daumenhoch*

  • The it sagt:

    Es ist ein Fakt das farben einen Einfluss auf die Psyche haben, sowie Licht und Wärme auch. diese bildvorschläge finde ich klassisch und sicher für einige von uns sehr passend, Strahlen sie doch Ruhe, Stabilität, Focus aus, well Done!!!!

  • stylewatch sagt:

    Mir gefallen alle Beispiele sehr. Trotzdem finde ich es schwierig, so leben zu können. Sehr reduziert und aufgeräumt. Das bedeutet dauerndes Entrümpeln und höchste Disziplin. Ich selbst lebe zwar mehrheitlich auch in schwarz / weiss / natur- und Grautönen, doch sieht es bei mir nicht nur aufgrund exzessiven Stilmixes (von Empire über 20er Jahre über Bauhaus zu Ikea) und hunderten von Büchern deutlich anders (man würde wohl sagen, belebter) aus. Ich würde mir eine solch reduzierte Umgebung wünschen, nach einiger Zeit wäre es mir aber wohl doch zu eintönig.

    • ri kauf sagt:

      Na ja, wenn nächste Woche Sweet Home zu Ihnen zum Fotografieren käme, würden Sie wahrscheinlich vorgängig auch aufräumen, oder nicht? (smile)

      • Stylewatch sagt:

        Aber sicher, klar doch! Trotzdem würde es bei mir leider nie so aufgeräumt aussehen, da ich einfach viel zu viele Sachen habe :)

  • marusca sagt:

    Grau, grau, grau. Weiss, weiss, weiss. Schwarz, schwarz, schwarz. Trist, trist, trist!!

    • silvia büsch sagt:

      bin ganz ihrer ansicht r.e.michel und marusca – aber keine bange: bestimmt lesen wir bald an dieser stelle, wie ein weiss-schwarz-tristes wohnzimmer mit bunten accessoires und kissen bunter gestaltet werden kann… ausserdem richtet sich schlussendlich (hoffe ich doch), jede/r so ein, wie es ihr/ihm wirklich gefällt. und schliesslich: das geld, um viermal jährlich die wohnung völlig umzukrempeln (von schreiend bunt bis grau-in-grau, von top-modern bis grossmutters-style usw.) können und/oder wollen sich wohl eh nur die wenigsten leisten.

  • R.E.Michel sagt:

    Ich finde es erschreckend wie neuerdings alles in schwarz/weiss gehalte ist. Ohne Farbe geht ja gar nichts – gemütlich sieht für mich anders aus….

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