Ab unter die selbstgestrickte Decke

Für mich ist Stricken ein Luxus. Es bedeutet, dass ich Zeit habe, etwas zu tun, das entspannt und zugleich kreativ und sinnlich ist. Edles Garn, mithilfe von Nadeln zwischen die Finger zu ziehen und daraus ein textiles Gebilde zu gestalten, kommt einem kleinen Wunder gleich. Die Zeit im November mit langen, dunklen, gemütlichen Abenden ist dafür genau richtig. Hier einige Inspirationen für schöne Strickprojekte: 

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1 WARMER RESTENVERWERTER
Das einfachste Strickprojekt für einen langen Winter ist eine Restendecke. Stricken Sie aus allen Wollresten kleine oder grosse Quadrate oder Rechtecke, alle in der gleichen Breite. Nähen Sie sie am Schluss zusammen. Mit einer passenden Farbe wird dann die Decke umhäkelt. (Bild über: keltainentalorannalla)

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2 BAND DER FREUNDSCHAFT
Stricken ist perfekt, um Zeit zusammen zu verbringen. Man lässt die Nadeln klappern und erzählt sich Geschichten, trinkt ein Glas Wein und lässt etwas Schönes entstehen.

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3 FARBIGE ÜBERRASCHUNG
Partiell eingefärbtes Garn war in den 70er-Jahren ein Riesenhit und die Basis für so manche selbstgestrickten Projekte wie Wolljacken und Pullover. Solch buntes Garn macht Stricken spannend; kombiniert mit einer Unifarbe wie Weiss oder Schwarz kann daraus eine sehr stilvolle Decke entstehen. (Bild über: italiandishknits)

Tipp: Eine bestechende Idee ist es, eine Strickdecke mit einem passenden Stoff zu füttern.

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4 HÜBSCHES FÜR BABYS
Für Babys stricken ist immer eine gute Idee, es muss auch nicht immer ein kompliziertes Schlüttli sein – hübsche Babydecken kommen meist sogar besser an. (Bild über: 20th-century-man)

Das Bild ist eine Karikatur von Charles Addams, dem Vater der «Addams Family». Und weil es Geschichten im Leben gibt, die man gerne immer wieder erzählt, und Geschichtenerzählen auch zum gemeinsamen Stricken gehört, bekommen auch Sie diese kleine, glamouröse Anekdote aus meinem Leben zu lesen: Vor vielen Jahren flüchtete ich wegen Liebeskummer zu Weihnachten nach New York. Meine Freundin Nancy wohnte dort, und ich traf sie auf Long Island bei ihrem Bruder und ihrer Tante, wo sie die Weihnachtstage verbrachte. Nancys Tante arbeitete beim Magazin «New Yorker» und kannte viele interessante Leute. So kam eines Tages Charles Addams zum Lunch. Ich hatte in dieser Zeit, in der man nicht einfach alles googeln konnte, keine Ahnung, dass hinter der «Addams Family» tatsächlich jemand stand – für mich kamen diese klassischen Fernsehprogramme bloss aus dem Fernseher und halt aus Amerika. So staunte ich natürlich sehr. Charles Addams war damals ziemlich alt und sah aus wie Onkel Fester. Er kam in Begleitung  seiner Frau – die das Vorbild für Morticia war. Beide hatten einen Tumbler voll mit Whisky in der Hand, was Charles Addams nicht hinderte, mit der anderen Hand das Steuer des riesigen Autos zu bedienen. Später wurden wir dann zum Cocktail in das Haus der Addams eingeladen und das Staunen ging weiter: Die Weihnachtsdeko bestand nämlich aus allerlei Kuriosem, wie Handschellen mit Weihnachtskugeln oder einer ausgestopften Schlange mit Glittergirlanden. Wir gingen dann als jugendliche Entourage noch an andere Partys mit, zum Beispiel zu der Feministin Nancy Friday. Der Gin wurde meist aus grossen Plastikkanistern serviert, die Häppchen waren Nebensache und allerlei ältere, nette Menschen plauderten superfreundlich mit uns, typisch angelsächsisch eben. In diesen Ferien ass ich aber auch meinen ersten Weihnachtstruthahn und Schinken mit Honig – es war fantastisch. Wir feierten Neujahr in einem Club mit Blick auf den Times Square. Der Liebeskummer wurde im darauffolgenden Frühling geheilt, gestern war unser 2o. Hochzeitstag und Deckchen stricke ich heute, wenn ich Zeit habe,  für Miss C.

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5 FEINES STRICKWERK
Feines Mohairgarn eignet sich auch für feine, leichte, aber doch wärmende Decken. Versuchen Sie sich an eleganten Farben wie Grau oder Beige. (Bild über: Brooklyntweed)

 

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6 DICKES GARN UND GROSSE NADELN
So ziemlich das Gegenteil von Mohair, aber ebenfalls elegant ist eine dicke Decke aus grobem Garn. Stricken Sie mit dicken Nadeln, dann wird die Decke auch leicht und weich. (Bild über: moonandtrees)

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7 LINKS UND RECHTS IM WECHSEL
Grossflächige Piquémuster machen Spass beim Stricken und sind ganz leicht. Sie geben einer unifarbenen Decke eine interessante Struktur. (Bild über: foreverlovecom)

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8 STRICKEN IST AUCH GLAMOURÖS
Als ich noch Moderedakteurin war, viel reisen musste und oft abends alleine im Hotelzimmer sass, hatte ich immer Strickzeug dabei. Im Zimmer zu lesen, war mir einfach zu ruhig und Fernsehschauen, ohne etwas daneben zu machen, zu langweilig. So strickte ich, vor allem Pullover für meinen Mann. Stricken war schon immer eine beliebte Tätigkeit in Wartezeiten, so strickt Katherine Hepburn auf diesem Bild aus den 40er-Jahren in einer Drehpause, heute sind es Models hinter den Kulissen der Modeschauen. In der Schule hatte ich auch Männerfreunde, die gerne und oft strickten – ich finde, es lohnt sich für alle, stricken zu lernen, es ist ein kleiner Luxus im Alltag. (Bild über: Zsazsabellagio)

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9 ZARTE FARBEN – FEINES GARN
Edle, elegante und topmoderne Decken entstehen mit feinem Garn in zarten Pastelltönen. (Bild über: Purlbee)

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10 JACQUARD AUF DIE LEICHTE TOUR
Jacquardmuster sind nicht die einfachsten, sie erfordern ein wenig Übung und Konzentration. Versuchen Sie es zuerst mit einfachen zweifarbigen Dreiecksmustern – die sehen zudem noch toll aus. 

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11 STREIFENMUSTER FÜR ANFÄNGER
Anfänger stricken am liebsten Rippli. Diese sehen auch schön aus, besonders in Streifenmustern mit hübschen und spannenden Farbkombinationen. (Bild über: Purlbee)

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12 STRICKEN MIT TANZENDEN FLAPPER-NADELN
Stricken Sie mit glamourösen Flapper-Holzstricknadeln. Sie sind übrigens auch eine hübsche Geschenkidee für jemanden, der gerne strickt. Erhältlich über: Beeskneesindustries

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13 EIN ZWEITES LEBEN FÜR DEN  KAFFEEKRUG
Schöne Stricknadeln dürfen in der Wohnung durchaus sichtbar sein. Ein schönes Zuhause ist ein alter, romantischer Kaffeekrug.

21 Kommentare zu «Ab unter die selbstgestrickte Decke»

  • déjà-vu sagt:

    eine wunderbar schöne geschichte, danke vielmals für diesen köstlichen einblick. und natürlich herzliche gratulation zum jubiläum. so schön, dass dabei das richtige garn für den strick des lebens gefunden wurde!

  • marusca sagt:

    Diese „Blätzlideckien“ lassen mich schmunzeln, denn sie erinnern mich an ein Geschenk der damals 81-jährigen Oma meines Mannes zu Weihnachten 1974 und an den Kommentar, dass wir die Decke im Winter bestimmt gut während des Autofahrens gebrauchen können, damit wir nicht so sehr frieren müssen….jöööh!.1974 gab es in den Autos doch schon seit Jahrzehnten Heizungen….

  • Andrea Stirnimann sagt:

    Die Seite von http://www.purlbee.com kann ich nur wärmstens empfehlen, v.a. auch für Anfänger! Die haben wunderbar einfache und supertolle Projekte. Nur schon für die Augen ist die Seite ein Schmaus! Zudem lässt sich die für ein Projekt benötigte Wolle meistens in einem Kit bestellen. Purl hat mich zum Strickfan werden lassen :-)

  • adam gretener sagt:

    Ein Thema, da kann ich so überhaupt nicht mitreden. Ich musste mal in jungen Jahren, in einer Projektwoche, da gingen die Mädchen ins Werken und die Buben in die Handski – Socken stricken/lismen. Purer Horror. Wir strickten Socken mit vier Nadeln. Die Socken habe ich 30 Jahre lang später immer noch. Nur ungetragen, so haben die gebissen und gekratzt.

    • déjà-vu sagt:

      handski! dachte immer man fahre mit den füssen ski… ;-)

      • hyld of helmsby sagt:

        lol – das heisst auch nicht handski, sondern handsgi! Erinnert mich an andere Versprecher / „Verhörer“ von Kindern :-).
        Danke für die schönen Bilder / Ideen – ein Projekt ist bereits geplant, es fehlt noch ein wenig die Zeit … Toll, dass eine Frau wie Katharine Hepburn stricken konnte und es auch tat!

  • Heidi Arn sagt:

    Und haaha, schon wieder eine Zweihändertasse.

  • Heidi Arn sagt:

    Erst mal herzliche Gratulation zum 20., ich bewundere Leute, die es so weit schaffen! Und dankeschön für die herrliche Addams-Geschichte :-) Ihnen scheinen die Ideen nie auszugehen. Nr. 5 gefällt mir besonders.

  • Liebe Frau Kohler

    Alles Liebe und herzliche Gratulation zum 20. Hochzeitstag.
    Mögen Sie noch viele Jahre miteinander glücklich sein.
    Ein schöner Post über das Stricken.

    Liebe Grüsse

  • Jacqueline sagt:

    Ja – Babydecke stricken ist toll – meine Tochtr hat heute noch einen Wollknäuel im Bett von ihrem Babydeckchen, das sie vor 21 Jahren von meiner Grossmutter bekommen hat. Ihre grösse Angst in den Ferien war jeweils, dass ein Zimmermädchen versehentlich ihren Wollknäuel wegwirft. Der Knäuel ist nicht Abfall sondern ihr grösstes Heiligtum! Puppen und Stofftiere hat sie ihren Freundinnen verschenkt, aber jedes Füselchen von ihrer Decke mussten wir behalten.

  • ronaelle sagt:

    Endlich eine tolle Idee zur Verwendung von Restgarn! Jetzt müsste ich nur noch wissen, wie ich die Decke am Schluss umhäkle… Allgemein wäre es doch noch ein Bisschen hilfreicher, wenn die Anleitungen gleich dabei wären – aber das ist beschweren auf hohem Niveau… :-)

  • Irene feldmann sagt:

    Sehr schöne Beispiele, Nr. 3 finde ich am schönsten.

  • Antje sagt:

    Schafwolle ist nicht gleich Schafwolle. Auch hier gibt es Anbieter, welche nur noch tierfreundliche und/oder ökologische, und unter fairen Bedingungen produzierte Wolle anbieten. Dafür existiert ein Standard, GOTS. Auch in der Schweiz wird diese mittlerweile verkauft, so zum Beispiel von Wunderwolle (Link: http:/www.wunderwolle.ch).

  • morelina sagt:

    Mit den ersten kühleren Tagen wird in den letzten Jahren jeweils die Rückkehr des Strickbooms thematisiert. Doch obwohl ich schon mehrere solcher Artikel gelesen habe, macht Ihrer richtig Lust zu den Nadeln zu greifen – schön zusammengestellte Bilder und Texte – danke!

  • Veronica sagt:

    Mit Zweihände-Stricken säckt es weniger aus als mit dicker Wolle und dicken Nadeln. Es ist stricken mit zwei Fäden, je in einem Hand und deshalb ist es dicker und isolierend gestrickt. Ich lernte es lange her aus Alice Starmore’s Book of Fair Isle Knitting. Beispiel: http://www.youtube.com/watch?v=fWHr3PH0RHg. Pfui, gegenwartig wird aber doof gestrickt! Der Rechterhand muss am Nadel bleiben, nur der Zeigefinger muss den Faden umschlagen und der doppelter Umschlag am Ringfinger. Vielen stricken im Englischen Stil steif wie ein Brett. Meine Mutter strickte locker und blitzschnell im Englischen Stil.
    Als Weihnachtsgeschenk einen Set Knitpro Rundstrick-Nadeln?

    • Heidi Arn sagt:

      Guter Link, danke!

    • aurora sagt:

      Das tönt ja wie in der Handarbeitsstunde im vorigen Jahrtausend . Dabei ist Stricken Lust und ein Freizeitvergnügen ;-) Es hilft innerlich auf Reisen zu gehen und am Faden zu bleiben. Ich stricke wie eine Hexe farbenfroh und fliege auf meinen Stricknadeln in ferne Länder und Galaxien, hihihihi!

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