Ein sizilianischer Garten in Fluntern

«Du, sag mal, du wohnst doch bestimmt auch schön?» Das war meine schnelle Frage an Rachel Schilirò, bevor sie aus dem Tram stieg. Wir hatten uns lange nicht mehr gesehen und plauderten ganz viel auf der kurzen, feierabendlichen Tramreise. Die Antwort war natürlich ein Ja. Wir trafen uns bald bei ihr zum Kaffee, sassen auf der grossen Terrasse, auf der man sich weit weg von Zürich fühlt, und plauderten weiter. Und ich kam wieder, diesmal mit der Fotografin Rita Palanikumar. Das Resultat ist ein freundlicher Sommergruss, den wir Ihnen hier nun mitten im Winter als Vorfreude auf wärmere Zeiten präsentieren.

Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Das Paar Rachel und Alfredo Schilirò ist sehr gerne zu Hause. Hier schalten beide ab von ihrem lebendigen, mit vielen Menschen und spannenden Projekten gefüllten Berufsalltag. Alfredo gehört die kleine, feine PR-Agentur Flowcube, in die auch Rachel mit ihrer Firma «rent a museum» vor ein paar Monaten einzog. Dass die beiden innovativen Unternehmer nicht nur privat, sondern auch beruflich zusammenpassen, wird beim Gespräch schnell klar. Beide sprühen nur so vor Ideen und Geschichten und beide haben ihre Berufskarrieren weit weg von PR und Agenturen angefangen. Alfredo hat in Florenz, seiner Lieblingsstadt, französische Gegenwartsliteratur studiert, eine Doktorarbeit über Julien Green in Paris geschrieben, ist erst mal durch die Welt gereist und hat sich in verschiedenen Jobs umgeschaut, bevor er seine Agentur gegründet hat.

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Auch Rachels beruflicher Werdegang hört sich an wie ein kleines Abenteuer: Sie begann mit einer Lehre als Coiffeuse, ging dann über die Handelsschule in ein Immobilienunternehmen und von da weiter in eine Einrichtungsfirma, wo sie die Chance bekam, eine Ausbildung als Innenarchitektin zu machen. Sie liebte die Vielseitigkeit der Branche und lernte alles Mögliche «vom Marketing bis zu Psychologie», lacht die quirlige Frau, «es war unglaublich spannend, zu sehen, was für eine persönliche Angelegenheit das Einrichten ist, man kommt den Menschen dabei wirklich nah!». Sie blieb eine Weile in der Firma, wechselte danach zu Vitra, von wo aus sie aber bald wieder Neues lockte. Ihre Zwillingsschwester, die als administrative Direktorin arbeitete, bat sie darum, einen Vorschlag zu machen, wie man das Museum «Haus Konstruktiv» zusätzlich profilieren könnte. Das brachte Rachel auf die Idee, das Museum für Unternehmensanlässe zu vermieten. Sie machte sich selbstständig, gründete «rent a museum» und spezialisierte sich damit auf die Entwicklung und Umsetzung von Corporate Events in Museen und Galerien. Alfred0, der eine Weile Präsident der Zürcher PR-Gesellschaft war, suchte nach einem interessanten Ort für die jährlichen Generalversammlung, hat das Haus Konstruktiv gewählt und dabei Rachel gefunden.

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Die tolle Wohnung im Zürcher Quartier Fluntern haben die beiden beim Spaziergang entdeckt. Da war ein riesengrosses Schild vor dem modernen Haus, auf dem stand: «Zu vermieten 2,5-Zimmer-Wohnung 150 m²». Das Paar verliebte sich sofort in die aussergewöhnliche Wohnung. «Ich bin eigentlich kein Freund von Gartenwohnungen, aber diese wirkt eher wie ein Pavillon mit einer Terrasse und überzeugte mich sofort», erzählt Alfredo. Und Rachel schwärmt: «Der Aufbau der Wohnung ist raffiniert und die Materialien, die gewählt wurden, sind von guter Qualität – und das ist bei Mietwohnungen nicht selbstverständlich.»

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

«Wir haben nicht mit einem Konzept eingerichtet, sondern einfach die Möbel von unserer alten Wohnung mitgenommen und ein wenig ergänzt. Wohnen bleibt schlussendlich immer Work in Progress», so Rachel. Fotografin Rita und Rachel sind sich in Sachen Fernseher total einig: «Der alte B+O Fernseher ist der einzig schöne, den es gibt. Was nützt da alle raffinierte Technik, wenn man dafür ein solches Unding wie gar einen Flachbildschirm einziehen lassen muss!» Von B+O und Vintage ist auch die Musikanlage. «Ich habe sie über Ricardo gefunden und bin gleich losgefahren, um sie beim Anbieter abzuholen. Unglaublich, der Typ hatte sein ganzes Zimmer voll mit den tollsten B+O-Teilen», erzählt Alfredo.

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Was beim Einzug aber erste Priorität hatte, war die Bepflanzung der grossen Terrasse, die eigentlich eine Veranda ist, denn die Wohnung ist umgeben von einem Garten. Er ist so angelegt, dass man die Nachbarhäuser praktisch nicht wahrnimmt. Man fühlt sich sofort wohl in dieser schicken, urbanen Oase, die irgendwie unzürcherisch anmutet, wäre da nicht der Blick auf den See.

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Neben dem grossen Wohn-Essraum führt ein Durchgang in die privaten Räume wie Schlaf- und Badezimmer. Entlang des Gangs haben die beiden ein grosses Bücherregal platziert, welches sie auf Mass anfertigen liessen.

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Die Wand hinter dem grossen Regal wurde in einem warmen Grauton gestrichen und gibt so eine Bühne für das schlichte weisse Bücherregal.

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Das Bild von Beat Zoderer nimmt einen dominanten Platz ein im Wohnzimmer, erinnert ein wenig an die Seventies und passt gut in den Raum und zu dem Wohnstil, welcher auch auf eine sanfte Art die Sprache dieser stilvollen Dekade aufnimmt.

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Die Küche geht ums Eck und bietet Aussicht auf den Garten. Im Gegensatz zu vielen Einbauküchen wurde hier auf die typisch schweizerischen «Chuchichäschtli» verzichtet, was viel Grosszügigkeit und Offenheit gibt. 

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Kleine Stücke mediterranes Lebensgefühl sind überall in der Wohnung zu entdecken. Alfredo Schilirò ist Sizilianer und in Basel aufgewachsen. Es hat ihn eher durch Zufall wieder in die Schweiz gezogen. Eigentlich wollte er vor allem in seiner Traumstadt Florenz leben und hat diese als Studienort gewählt. Auch in Paris, New York und London wohnte der Literaturwissenschafter. Nach seiner Doktorarbeit, zurück in der Schweiz, schlug er sich erst mal als Nachhilfelehrer für Französisch und Italienisch durch, arbeitete danach als PR-Berater für verschiedene Firmen und hat dabei herausgefunden, dass er eher Unternehmer als Angestellter ist. Zusammen mit Maja Amrein, die damals als Head Corporate Communications beim Migros-Genossenschafts-Bund arbeitete, gründete er 2001 die PR-Agentur Flowcube. Die beiden wurden belächelt, da keiner zuvor in einer Agentur gearbeitet hatte. Doch vielleicht war es genau dieser Umstand, der den Erfolg brachte. Seit knapp zwei Jahren ist Alfredo Schilirò Alleininhaber. «Wir wollten unbedingt klein bleiben und sind so was wie eine Boutique-Agentur, inhabergeführt mit Schwerpunkten in Produkte-PR und spezialisiert auf Unternehmenskommunikation. Flowcube bewegt sich vor allem in den Bereichen Retail, Lifestyle, Fashion, Interior, Design und Architektur.»

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Als Abtrennung von Küche und Entree dient ein selbst erfundenes Möbel, nämlich eine antike Kommode, die mit einer massiven Holzplatte versehen wurde und nun Küchenmöbel, Ablage und kleiner Frühstücksplatz ist. 

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Kunst hat eine grosse Bedeutung im Hause Schilirò und ist auf selbstverständliche Art integriert. 

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Auf die Olivenbäume sind Rachel und Alfredo besonders stolz. Alfredos Vater hat sie ihnen von Sizilien als Geschenk mitgebracht, als ein kleines Stückchen Heimat. In den drei Jahren, seit die Bäume bei den Schiliròs sind, haben sie das Dreifache an Grösse und Umfang zugelegt.

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Und da sind auch noch andere Geschenke wie zum Beispiel der wunderschöne Oleander. «Wir schicken die Pflanzen in die Winterferien», erklärt Rachel. «Das ist zwar ein teurer Luxus, aber sonst würden sie leider sterben. Ich kaufe zwar nur noch winterharte Pflanzen, aber am Anfang wussten wir noch nicht so gut Bescheid, wie man mit den Pflanzen am besten umgeht. Wir mussten viel lernen in Sachen Pflanzen und Töpfe. Uns sind anfänglich praktisch alle Töpfe gesprungen oder im Wind umgekippt. Nun wissen wir: keine edle Terracotta aus der Toscana, die springt im Winter, und keine eleganten konischen Formen, welche einfach nicht windfest genug sind!» Nera, der Labrador, geniesst auf der sonnigen Terrasse erst mal eine lange Siesta.

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«Diese Ecke ist das Chaosgärtli», so Rachel. «Die Möbel habe ich auf der Strasse gefunden, unglaublich, was die Leute zum Teil fortschmeissen! Eigentlich wollte ich sie mal schick schwarz lackieren, doch nun sind sie grün geblieben und sehen so ganz hübsch so aus.»

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Vom Schlafzimmer sieht man direkt ins charmante «Chaosgärtli», die Ecke der Terrasse, welche mit Dusche und kunterbunten Möbeln ein kleines Stück Süden zum Träumen ist. 

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Mittelmeerblau ist das schlichte Sofa, das im Schlafzimmer steht und viel dazu beiträgt, dass man in diesem Raum auch wohnen kann. Über dem Sofa hängt eine Fotoserie von Rachel.

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Die Bäder der schicken Mietwohnung sind sehr schön, schlicht und leicht ausgestattet. Auch hier ist der Blick nach draussen ein besonderer Genuss.  

Sweet Home

Dazugestellt haben die beiden nur das Nötigste, einen praktischen Trolley für alle Produkte und schlichte Staugefässe. 

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Stilmix trägt viel bei zu der Persönlichkeit einer Wohnung. Hier strahlt ein Blumenstrauss neben einer Designerlampe auf der antiken persischen Hochzeitstruhe.

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Ein besonderer Ausblick ist der auf den See. Überall wurden die Möbel so gestellt, dass ein harmonisches Ineinanderfliessen von Innen- und Aussenbereichen entstanden ist. 

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

Wichtig ist auch der grosse Holztisch, um den sich unterschiedliche Stühle gesellen. Denn hier wird Feiern auf die sizilianische Art möglich. 

Sweet Home bei Rachel und Alfredo Schilir˜, ©Rita Palanikumar

 Bald ist es wieder so weit und die Schiliròs können sich an den Gartentisch setzen und den nächsten Sommer geniessen.

 

17 Kommentare zu «Ein sizilianischer Garten in Fluntern»

  • Irène sagt:

    Wouww…eine wundeschöne Wohnung. Darin kann man sich wohl fühlen, denn es wurde nicht nur mit viel Geld sondern auch mit viel Liebe zur Geborgenheit eingerichtet. Ich finde auch, dass eine Küche ohne Oberschränke toll aussieht.

  • W.T. Matter sagt:

    Der wirkliche Vorzug dieser Wohnung ist wohl, dass der Chef gerne zu Hause ist – und nicht im Büro.

  • Daniela sagt:

    Faszinierende Biografie & coole Wohnung:-)

  • Astrid Meier sagt:

    Ich frage mich, wie die Olivenbäume den schweizer Winter überstehen?

    • déjà-vu sagt:

      nachlesen….! sie überwintern beim gärtner im glashaus. nicht zu warm (läuse und geiltriebe), nicht zu kalt (frost am wurzelballe, ist tödlich).

  • Lia sagt:

    Einmal ein stilvolles Haus das gefällt und wohnlich aussieht.

  • Diego Braun sagt:

    Wow! ECHT! Ein sympathisches Paar – und eine wunder- wunderschöne Wohnung – wenn man(!) das nötige Kleingeld hat!
    Dies sei hiermit gesagt: Ob Pro oder Contra, Sweet Home verpasse ich nie. So viel Inspiration! DANKE!

  • reto sagt:

    Ich glaube das ist die erste halbwegs normale Wohnung in dieser Serie, spricht mich auch an! Keine Staubfänger keine unpraktischen Designermöbel und trotzdem sehr individuell. Vielleicht etwas zuviel Garten für meinen Geschmack – aber hey ich bin ja auch noch keine 30. Was ich aus wahrscheinlich genau diesem Grund nicht verstehe, ist die kategorische Ablehnung von moderner Technik, respektive die Verklärung eines Röhrenbildschirms im Jahr 2015. Wie wollen Sie auf dem Ding die heutige multimediale Welt und ihre Inhalte geniessen? Bei dem Ding krieg ich ja Augenkrebs, egal ob er von B&O ist.

  • The it sagt:

    Ce bello!!!!

  • Siciliano sagt:

    Liebe Rachel, Caro Alfredo

    Glückwunsch zu der sehr geschmacksvollen eingerichtete Wohnung und bin mit Alfredo einverstanden, der B&O Fernseher ein formvollendetes Designelement ist und ist sogar im Design Museum von Kopenhagen ausgestellt. Meiner hat auch schon 25 Jahre auf dem Buckel und funktioniert einwandfrei.
    Zu den Blumentöpfen .. ich bevorzuge die toskanischen Impruneta Töpfe… meine sind schon 15 Jahre alt und haben bis jetzt dem Schweizer Winter getrotzt.
    Carissimi Saluti
    Siciliano

  • ri kauf sagt:

    Toll! Was mir besonders gefällt, ist, dass es in der Küche keine Oberchäschtli hat! Habe ich bei mir auch nicht. Das macht einfach grosszügiger! Lieber etwas weniger Utensilien sprich weniger Platz! Toll auch, dass Kunst so viel Platz hat. Stilmix finde ich immer gut. Besonders gefallen mir die Möbel von der Strasse! Sehr charmant! Ich hätte sicher anders möbliert, trotzdem gefällt mir diese Wohnung sehr gut!

  • Monisa sagt:

    Dass man sich in diese Wohnung verliebt, ist kein Wunder. Einfach superschön.

  • Hanna sagt:

    Nett, wer wohnt schon so? Nicht jeder Frau/Mann ist es vergönnt soviel Geld zu verdienen. Meine Wohnung hat 2 Zimmer und einen Balkon. Meine Einstellung dazu ist trotzdem gut. Ich habe meine eigenen 4 Wände nach meinem Geschmack eingerichtet. Mir gefällts. Weniger schöne Bäder und Küchen in Mietwohnungen kann man mit Deko oder anderer Fantasie auch aufpeppen.

    • déjà-vu sagt:

      ach, liebe hanna, träumen kostet doch nichts! diese wohnung ist nun mal so schön, da würde ich gerne auf einiges verzichten, um sie mir leisten zu können. so setzt jeder und jede eigene prioritäten. und so steht bei uns noch immer die ausbildung der kinder im vordergrund. aber danach, ja wer weiss, findet sich vielleicht ein solcher traum für den herbst des lebens. muss ja nicht zwingend am züriberg sein. es braucht grosszügigkeit, nicht nur räumliche…

    • Jasmin Walder sagt:

      Was ich mich immer wieder frage.. Wenn man „schönes Wohnen“ der Mitmenschen nicht erträgt, warum schaut man sich den Sweethomeblog überhaupt an? Giftige, neidige Kommentare finde ich hier sehr deplatziert.
      Menschen zeigen uns ihr persönliches Refugium. Ich finde dies immer wieder höchst spannend und freue mich auf jede neue Homestory.

  • adam gretener sagt:

    Vom Gretener heute also überhaupt nichts zu meckern. Unaufgeregt, unprätentiös und doch sehr geschmackvoll. Auch mal ein Holzbrett von der Ikea in der Küche, gemütliche Stühle auf denen man auch mal sitzen bleiben möchte.

    Die grüne Hecke würde ich ersetzen, aber das ist eine ganz persönliche Sache.

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