Die erste eigene Bude

Die erste eigene Bude oder das erste eigene Zimmer weg von zu Hause ist nicht nur der erste Schritt ins Wohnleben, sondern auch der Anfang eines eigenen, selbstbestimmten Alltags. Diese einfachen, budgetfreundlichen Ideen sind natürlich auch geeignet für Teenagerzimmer zu Hause, aber sie machen viel Lust aufs Ausziehen und Einrichten.

 

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Meine erste Bude war ein Mansardenzimmer in einer WG am Zürcher Stauffacherplatz. Damals, in den 80er-Jahren, zahlten wir je 100 Franken pro Monat für ein Zimmer. Wir – das waren drei Girls, und später kam noch ein Boyfriend dazu – hatten kein Wohnzimmer, aber eine gemeinsame Küche, in der stand auch die Badewanne, chic auf geschwungenen Füsschen und marineblau angestrichen. Und jede Woche kam ein alter Mann, der Stumpen rauchend Küche, WC und Entree putzte – das war in der Miete inbegriffen. Alle Zimmer waren um einen Glashof angeordnet, man hörte die Musik der Nachbarn von unten, und manchmal machten wir daraus einen kleinen Lautstärke- und Musikstilwettkampf. Das Haus ist natürlich längst abgerissen, aber das Zimmer bleibt in Erinnerung. Ich lackierte Türen und Fensterrahmen in Türkis, hatte Sisalteppiche am Boden, ein Singlebett und einen Arbeitstisch auf Metallböcken. Den Tisch hatte ich ans Fenster gestellt. Die Sicht war einmalig, direkt auf die Sihl und auf das damalige Warenhaus Ober mit der schönen 30er-Jahre-Architektur und dem tollen Schriftzug. In der Küche hingen ein grosses Filmplakat und immer das neuste Kinoprogramm. Später hat dann der italienische Freund meiner Freundin ein Cynar-Plakat in leuchtenden Neonfarben aufgehängt. Den uralten Tisch bedeckten wir mit einem Plastiktuch.

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Meine Freunde haben inzwischen geheiratet. Ein Teil des Cynar-Plakates hängt noch im Zimmer der Tochter, die nun auch Studentin ist, aber kein zahlbares Zimmer in Mailand findet. Wir ehemaligen WG-Bewohnerinnen fragen uns, weshalb wir wohl den Tisch nicht einfach abgeschliffen haben. Aber es waren die 80er. Blau, Türkis, Plastik und Neon waren im Trend und diese Wohnung war unser kleiner Palast.

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Viel Farbe und dramatische Kulisse 

So ähnlich, wie das grosse Filmplakat damals unsere Küchen-, Wohn- und Badezimmer aufgewertet hat, kann ein schönes Stoffbild das Gleiche für ein erstes WG-Zimmer tun. Es bringt zudem optische Wärme und ein wenig Isolation. Toll sind hier auch die Farben auf dem Bett, das improvisierte Nachttischchen, das aus einer Kiste und einer runden Holzplatte besteht, die fröhliche Pompon-Girlande am Fenster und der Klappstuhl, der mit Fell bezogen einen gemütlichen Sessel abgibt. (Bild über: Interiors Porn)

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Eine Sofahusse aus alten Jeans

Ein altes Sofa kann, mit einer Jeans überzogen, ganz schön neu aussehen! Für diese Husse haben auch alte Jeans ein neues Leben bekommen. Die Idee ist genial und einfach zum Nachmachen. Der robuste Jeansstoff eignet sich übrigens sehr gut als Polsterstoff. Er kann gut gewaschen werden und ist so perfekt für das erste eigene Sofa. Auch toll sind der «Tie-Dye» (der partiell eingefärbte Vorhang, der die Schlafecke von der Wohnecke trennt), die vielen Zimmerpflanzen, die schwarze Wand und der coole Wandteppich. (Bild über: Dwellings)

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Neue Farbe gegen den Heimwehblues 

Ein Eisenbett wird sofort zum absoluten It-Stück, wenn es in einer leuchtenden Farbe (wie hier Electric-Blau) lackiert wird. Darauf lassen sich dann fröhlich Muster und Farben mischen und vom neuen, unabhängigen Leben träumen. (Bild über: Eclectica)

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Das perfekte Girlie-Regal

Ein Regal beherbergt am Anfang eines Wohnlebens fast alles, was man hat. Dieses hier ist perfekt, weil es an der Seite noch Miniregale hat, die Platz für Kosmetika bieten, und weil darunter ein kleines Puppenbett als Zeitschriftenstauraum Platz gefunden hat. Die aufgeklebten Lebensweisheiten daneben wirken sehr cool. Die dazugestellte schwarz gestrichene Leiter ist ideal, um Schuhe, Magazine, Schmuck und vieles mehr platzsparend, praktisch und dekorativ aufzuhängen. (Bild über: Interiors Porn)

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Neues Leben für tolle Kisten 

Europalette geben eine gutes Bett ab. Darauf wird einfach eine Matratze platziert und daneben wird aus einer alten Holzkiste ein Nachttischchen mit Stauraum. (Bild über: Nice Room)

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Kleine Hochstapler sind beliebt 

Palette, aufeinander gestapelt, bieten sogar noch praktischen Stauraum unter dem improvisierten Bett oder Sofa. Hier wurde Platz für Zeitschriften, Bücher, Laptops und vieles mehr geschaffen. (Bild über: Style Files)

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Leben mit lauter Lieblingsstücken 

Verschiedene Einzelstücke können auch eine Harmonie ergeben. Spielen Sie mit Kissen, Bettwäsche, kleinen Möbeln und Accessoires Patchwork und Collage und kreieren Sie damit Ihren eigenen Stil. (Bild über: Interiors Porn)

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Alles was uns lieb ist

Aus der Not kann auch eine Tugend werden – oder besser gesagt eine attraktive Dekoration. Stellen Sie einfach, ganz nach dem Aschenputtel-Prinzip, die schönen Dinge, die Sachen, die Ihnen besonders lieb sind, zur Schau und verstauen Sie die anderen in Kisten, Boxen, Truhen und Schränken. (Bild über: Rural Girl)

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Wohlgehütet in die Zukunft 

Passt der Hut nicht mehr zum aktuellen Modestil? Dann passt er bestimmt in die neue Bude! Als hübscher, dekorativer Lampenschirm. Eine Hängeleuchte ist damit schnell gemacht und verströmt erst noch warmes, weiches Licht. (Bild über: Iiinspired)

22 Kommentare zu «Die erste eigene Bude»

  • Katharina I sagt:

    Also, nein, wie in meiner ersten Bude will ich sicher nicht mehr wohnen. Aber ich hatte die Paletten auch, fein säuberlich zurecht gesägt, damit sie unter meine Matratze passten. Heute würde ich sie allerdings auch etwas abschleifen. Und ich habe tatsächlich noch Möbel aus dieser Zeit. Meine super praktischen Unima-Regale („Typ 11“, verzinkt), Stühle, zwei Tische und noch einen Sessel. Und sogar noch den Schuhschrank. :-)

  • Sabina M. sagt:

    Danke für die Tipps wegen den Paletten!!!!

  • maurena salzmann sagt:

    Liebe Frau Kohler, vielen Dank für die tollen Ideen!

    Als Nachfolger wünsche ich mir `Wenn Männlein und Weiblein zusammen ziehen`, welches das Thema „Geschlechtergerechtigkeit in der Wohnung“ kreativ umsetzt. Mein Mann und ich freuen uns auf Ihre Ideen! Gern auch mit integrierten Hundemöbeln da bald ein Welpe bei uns einzieht ;-)

    Sonnige Grüsse aus der schönen Stadt Baden

  • Markus sagt:

    Ausziehen Zuhause heisst einziehen in den 70ern? Die Zimmer scheinen mir weder schön noch praktisch, und wirklich günstig sehen die Möbel auch nicht aus – aber jedem das Seine!

  • Berner Bürger sagt:

    Toller Artikel. Bin auch Student. Mein Antikes Eisenbett gefällt mir originalvergoldet besser. Nur „Girls“ und „Boyfriend“ ist sowas von pseudo hip und veraltet. Wer das heute no sagt / schreibt muss +40 sein.

    • Marianne Kohler sagt:

      Ja, genau – Sie können ja mal rechnen … – meine erste WG war in den 80ern … aber Hauptsache Sie finden Ideen und Anregungen für erstes, eigenes Zuhause,
      Herzlich, Marianne Kohler Nizamuddin

      • Adam Gretener sagt:

        Bürger, warten Sie nur, bis Sie über 40 sind und dann noch „i like“ sagen oder sich die Ghetto-Faust geben. Ich dachte auch mal, älter werde ICH niemals. Ich sage Ihnen, ich lag falsch. Erinnern Sie sich bitte an diese Konversation wenn Sie dann mal ihren Kindern davon erzählen, wie man anno 2013 noch mit Bildschirmen vor dem Gesicht rumlief und so längst vergessene Ausdrucke wie Twitter oder Web 2.0 brauchte.

    • Adam Gretener sagt:

      Und äh, ich bin „erst“ 37…

    • Adam Gretener sagt:

      Oder man geht zum nächsten Spediteur, bringt ein Sixpack mit für die Lagermitarbeiter und kann sich locker 6 aussuchen. Die fahren die Paletten auch noch zum Auto. Und Neue sind sowieso nicht zu gebrauchen.

  • Sabina M. sagt:

    Wo ich die Paletten herbekomme, das interesssiert mich auch brennend…. Im Baumarkt haben sie keine, seien wohl auch ziemlich teuer und einfach unterwegs „mitnehmen“ ist auch keine Lösung :-) Ich wollte mir einen Tisch mit Rollen drunter bauen…. Wer was weiss bitte Kommentar hinterlassen…. Mir gefallen die Räume auch für die 3. oder 4. Bude..

  • Rebekka Meier sagt:

    die idee mit den europaletten als bettunterlage habe ich auch schon von einer freundin gehört. nur wie kommt man an diese dinger? es stehen zwar überall gebrauchte rum, aber für neue habe ich nur einen liferanten im aargau gefunden – das liegt gar nicht auf meinem weg. gibt es weitere bezugsquellen?

    • Damian sagt:

      Ich habe einen Couchtisch aus einer Europalette – mein Vater hat die in der Landi für 20.- gekauft…

    • Susanne sagt:

      Europaletten werden immer wieder verwendet, da sie genormte Masse haben und werden normalerweise erst ausrangiert wenn sie defekt sind – es gibt aber auch schöne Einwegpaletten aus Holz, die von den Firmen entsorgt werden – fragen Sie bei einer Firma in Ihrer Nähe. Fast alle Produktionsfirmen haben Anlieferungen auf Paletten, oft auch kleinere, handlichere Formate.
      Wenn Sie die als Bett benutzen, achten Sie darauf, dass das Holz ganz trocken ist, sonst kann die Matzratze schimmeln unter den Holzlatten (ist mir mal passiert)

    • richtigodergarnicht sagt:

      Man muss die alten nehmen, die rumliegen.

    • Julia sagt:

      In der Landi findest du Paletten für circa 10 Fr./ Stück.
      Liebe Grüsse

  • markus gerat sagt:

    was manche leute geld haben sich ihr erstes -und dann auch noch so grosses- zimmer im studium oder der ausbildung einzurichten. bizarr und unrealistisch

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