Dieser Trend stillt die Sehnsucht nach der Idylle

Cottagecore heisst ein derzeit angesagter Lifestyletrend. Bei uns bedeutet das ganz einfach Liebe zum Landleben.

Cottagecore

Da ist eine Welt, in der alles wunderbar ist. Die Blumen blühen im Garten, aus dem putzigen offenen Fenster duftet ein frisch gebackener Kuchen, das hübsche Gartentischchen ist zum Tee gedeckt, und die Bienen summen. Willkommen in der Welt von Cottagecore! Die Idylle des Landlebens erfreut sich gerade besonderer Beliebtheit. Und nein, nicht nur bei Frauen in einem gewissen Alter, Miss-Marple-Fans und Besitzerinnen von Boutiquen mit Landhausartikeln: die Cottageromantik ist ein richtig grosser Trend geworden, deswegen nennt sie sich Cottagecore – «core» bezeichnet ein Genre. (Bild über: House Aylin Journal)

Entdecken Sie das englische Landleben

In England spielte sich das gesellschaftlich relevante Leben schon immer auf dem Land ab. Die Landlords hatten zwar Stadtresidenzen für die Saison in London, die dem Heiratsmarkt und der kulturellen Betätigung diente. Aber ihre echten Herrschaftssitze waren auf dem Land. Diese Liebe und Verbundenheit zum englischen Landleben zeigt sich auch in der Gegenwart. Die Sehnsucht nach der ländlichen Idylle packt immer mehr Städter. Wer es sich leisten kann, der mietet, least oder kauft sich ein Landhäuschen, das in England Cottage heisst. Während der Corona-Krise sind denn auch alle, die sich so was leisten können, aufs Land geflüchtet. Das kostete zum Beispiel gar eine schottische Gesundheitsbeamtin den Job.

In anderen Ländern ist die Flucht oder die Sehnsucht nach dem Landleben auch Realität, aber dort sind die Landsitze eher Ferienorte oder Sommerresidenzen. Frankreich ist ein gutes Beispiel. Bei uns sind es die Ferienwohnungen im Tessin oder in den Bergen, die vergleichbar sind. Die Bedeutung des Landsitzes ist bei uns aber eine andere, denn die typische Schweizer Stadt ist im Vergleich zu den Grossstädten unserer Nachbarländer nie so urban und dicht besiedelt. Und trotzdem spielt auch hier die ländliche Idylle eine wichtige Rolle. Sie zeigt sich in vielen Aspekten des Alltags. Man sehnt sich nach Einfachheit, nach Ruhe, nach mehr Nähe zur Natur. (Bild über: Growing with plant)

Die Trendsetter: Luke Edward Hall und Duncan Campbell 

Die Könige der schönsten Cottage-Welten sind und bleiben die Engländer. Ihre Besitzer posten ihre Idylle fleissig auf Instagram und inspirieren damit Hunderttausende von Followern. Dazu gehört das englischen It-Couple Duncan Campbell und Luke Edward Hall. Sie haben ihr Cottage farbenfroh, schick und charmant eingerichtet, gärtnern fleissig, backen Brot und decken den Tisch entzückend mit Geschirr von Luke Edward Hall, das er für Richard Ginori entworfen hat, eine renommierte Porzellanfirma, die zur Gucci-Gruppe gehört. Dazu kombinieren sie die farbigen Muranogläser, ein Design aus Duncan Campbells Studio Campbell Rey. An den Wänden hängen Lukes berühmte Zeichnungen, und in antiken Krügen sind selbst gezogene Blumen eingestellt. (Bild: Luke Edward Hall on Instagram)  

Der Könner: Sean Anthony Pritchard

Ein anderes Traumcottage besitzt Sean Anthony Pritchard. Er hat es wunderbar inspirierend eingerichtet und stylt es traumhaft schön, typisch englisch eben – mit einem modernen Twist. Auch er zeigt es der Welt, oder zumindest all denen, die sich gerne von solcher Idylle ablenken lassen. Er postet nicht oft Bilder, aber die, die er zeigt, gehören zu den allerschönsten Cottage-Bildern in den Social Media. (Bild: Sean Anthony Pritchard on Instagram

Neue Gartenparadiese

Natürlich gehören zum Cottagecore auch der Garten und die Tiere. Selbst hierzulande sieht man in kleinen Gärten immer öfter Gartenbeete voller Kräuter, Blumen und Gemüse. Gärtnern ist zum grossen Corona-Trend geworden: Sehen Sie dazu den Sweet-Home-Beitrag vom Freitag. (Bild über: Homes to love

Der Gärtner: Monty Don

Wer in die schönsten Gartenwelten eintauchen möchte, der schaut sich die Sendungen von Monty Don auf BBC an. Seine Sendungen sind so wunderbar beruhigend und inspirierend. Man lernt viel, auch wenn man keine grünen Daumen hat. Wenn Sie also mal nachts oder frühmorgens von Corona-Sorgen geplagt aufwachen, versuchen Sie gar nicht erst, sich im Bett zu wälzen und nach dem verlorenen Schlaf zu suchen. Schalten Sie Monty Don ein und lassen Sie sich in eine Welt entführen, die Schönheit bringt und dabei unheimlich beruhigend wirkt. Lesen Sie auch die Bücher des Gartenfachmanns und abonnieren Sie seine wunderschöne Instagram-Seite. (Bild von der Website von Monty Don

Ein Cottage-Paradies ist auch im Stadtgarten möglich

Wer nun denkt, dass es zu einem wunderschönen Garten ein Landhaus braucht, liegt falsch. Entdecken Sie, was Interiordesigner Toby Alleyne-Gee von Phoebus Interiors aus seinem Zürcher Stadtgarten gemacht hat, der eigentlich bloss ein Gartensitzplatz einer Mietwohnung in einem Mehrfamilienhaus ist: Ein Stadtgarten wie in Südfrankreich. Der Designer richtet nicht nur ein, sondern berät auch beim Einrichten von Wohnungen und beim Gestalten von Gärten – auch online! (Bild: Toby Alleyne-Gee)

Landhausromantik auf dem Balkon

Was im Landhausgarten geht, funktioniert auch auf dem Balkon einer modernen Wohnung. Das haben sich Marlise und Roland Spirig vom Antiquitätenparadies Trouvaille gedacht und ihr kleines Outdoorparadies gekonnt mit Landhauseleganz eingerichtet. Wir haben das Paar im Winter besucht und ihre Gastfreundschaft, Kochkünste und zauberhafte Wohnung auf Sweet Home vorgestellt. Es lohnt sich, auch die Instagram-Seite der Trouvaille zu abonnieren, denn sie ist voller Inspirationen und macht natürlich Lust, den Shop in Widnau zu besuchen, wenn er wieder öffnen darf. (Bild: Trouvaille Spirig on Instagram)

Eintreten wie in ein Cottage

Etwas, das wir nun gerade gut daheim umsetzen können, ist die Idee des englischen Country Boot Rooms. So bezeichnet man nämlich den Alltagseingang eines Cottage. Wer vom Garten oder dem Spaziergang mit dem Hund zurückkommt, tritt zuerst in einen Raum ein, in dem man die Gummistiefel ausziehen und die Hundeleinen und schmutzigen, nassen Jacken aufhängen kann. Nun ist das selbstverständlich in einer städtischen Mietwohnung ganz anders. Und doch ist das Nachhausekommen momentan eine grössere Angelegenheit. Man muss die Schuhe waschen, die Hände desinfizieren, die Hundepfoten abreiben und die Maske entsorgen. Lassen Sie sich von diesen gemütlichen Boot Rooms inspirieren und richten Sie Ihren Platz neben der Wohnungstür entsprechend ein. Ein kleiner Tisch oder Hocker als Ablage, einen Kessel mit Seifenwasser und Lappen, einen Teppich, den man einfach waschen kann, und praktische Abstellflächen für die Schuhe. Das alles sieht hübscher und ein bisschen normaler aus, wenn es einen Country-Touch bekommt. (Bild über: Creating this life

So geht der Cottage-Einrichtungsstil

Wer sich noch mehr ländliche Cottage-Gemütlichkeit in die Wohnung holen möchte, setzt auf Holz, auf Rustikales und auf Gemütlichkeit. Vergessen Sie aber nie, dass der Cottagestil auch eine gewisse Eleganz hat, denn er zeigt im Kleinen das, was ein grosser Landhaussitz ausmacht. Also Chintz-Bezüge für die Sitzmöbel, hübsche Farben, viele Gartenblumen, Bilder, Kerzen auf dem Tisch, viele Bücher und antike Fundstücke. (Bild über: Ethnic Cottage)

Credits: 

Blogs und Magazine: Ethnic Cottage, Creating this life, Homes to love, Growing with plant, House Aylin Journal
Instagram: Trouvaille Spirig on Instagram, Sean Anthony Pritchard on Instagram, Luke Edward Hall on Instagram  
Interiordesign: Phoebus Interiors
Garten: Monty Don 

 

16 Kommentare zu «Dieser Trend stillt die Sehnsucht nach der Idylle»

  • Christa sagt:

    Ach Frau Kohler, mein Herz schlägt höher! Ein so wunderbarer Beitrag. Ich bin beglückt und inspiriert. Vielen Dank.

  • Suzy sagt:

    Richtig schön ! Aber ich überlasse es gerne den anderen.

    Hoffentlich baut sich dieser Trend aus und die echten Stadtratten übernehmen wieder die Stadt.
    Ich sehne mich nämlich nach dem Stadtleben der 70er und 80er, mit allem was dazu gehört. Heute ist es mir zu klinisch sauber, ruhe muss man auch ständig geben und die Kneipen sehen unterdessen alle gleich aus, wie die Flughafen Lounge

  • Peter Blaut sagt:

    Frische Luft, Ruhe, ein weiter Blick, keine Infrastruktur – das Landleben ist Genuss. Stadtluft ist sie einfach zu stickig. Das Landleben ist leiser – und gesünder. Sobald ich da draußen irgendwo bin, wo es schön idyllisch ist, ist alles andere vergessen :-) Da bin ich tatsächlich immer glücklich.
    https://youtu.be/LF6R5X10o3Q
    https://www.nordbayern.de/region/raus-aus-der-stadt-warum-das-landleben-schoner-ist-1.9385988
    https://wittiblaw.ch

  • Adrian Wehrli sagt:

    Core steht kurz für Hardcore.

    Also Cottage-Fetisch im Extremen, eben Cottagecore. Und wie jeder Fetisch, lebt auch Cottagecore vom Exhibitionismus, also den „Anderen vorzeigen“.

  • Margrit sagt:

    Ganz wunderschöne und inspirierende Bilder! Aber, lieber L E. Hall:
    Blumenvasen gehören nicht auf ein Buch…geben Flecken!

  • Andrea sagt:

    Wieder ein wundervoller und inspirierender Artikel, dankeschön

  • Mina Peter sagt:

    Immer eine Freude, dieser inspirierende Blog – besonders in diesen Zeiten.

  • Lucia sagt:

    Monty Don auf BB2 ist wie Freitagsteraphie fur mich. Dieses Blog bringt so viel Freude! Danke Marianne!

  • trouvaille sagt:

    liebe marianne,
    ein herzliches dankeschön, unser balkongarten macht uns sehr freude und wir nutzen ihn in dieser zeit besonders viel.
    die trouvaille in widnau öffnet wieder am 11.5. ihre türe und wir freuen uns sehr darauf. bis dahin wird gemütlich gewohnt und auf dem balkon gegärtnert, gekocht und staub gewischt!
    herzlichst m&r mit balzac

  • Martin sagt:

    Sehr gemütlich und „cosy“, aber es sind fast alles Neophyten in den abgebildeten Gärten und den Töpfen.

    • Zora sagt:

      Die bösen Ausländer.
      Durch die Globalisierung vermischen sich auch die Pflanzengemeinschaften. Zu bedenken: Noch keine einheimische Art wurde deshalb ausgerottet, auch wenn das viele befürchten – und den „Feind“ aussen sehen. Die Pflanzen und Tiere sterben bei uns aus ganz anderen Gründen aus: Landmangel, Zersiedelung, Pestizide, Intensivwirtschaft mit Monokulturen und übermässiger Viehwirtschaft, Überdüngung, Störung der Ökosysteme, steigende Temperaturen etc.
      Wir essen ausserdem täglich Neophyten – Kartoffeln & Co. Etliche Neophyten sind übrigens Heilpflanzen.
      Nach vielen vielen Jahren werden ehemalige Neophyten als einheimisch betrachtet – und haben endlich den begehrten Schweizer Pass :-).
      Unsensibel, wenn wir Asylbewerbende zum „Böse Neophyten Ausreissen“ verknurren.

      • Christine sagt:

        @ Zora Aber invasive Neophyten sind ein Problem, das man nicht kleinreden sollte, denn sie verdrängen durch ihre enorme Wüchsigkeit und Ausbreitungsfreude einheimische Pflanzen, welche als Raupen-Vogel-usw. Futter dienen und so eine wichtige Rolle für unsere Fauna spielen.

        • Zora sagt:

          Das ist Ansichtssache. Auch die Artengarnitur Fauna verändert sich. Von den Tieren ist durch die NP noch keine Art ausgestorben. Sondern durch all die oben genannten Faktoren. Und da wären tief greifende Veränderungen im Umwelt- und Artenschutz sowie sozialem Miteinander und Ernährungsgewohnheiten, die sich alle nicht voneinander trennen lassen, nötig. Wenn der Bund auf einmal soviel Geld aufwerfen würde wie für Corona, um unsere Grundlagen zu erhalten (und dazu gehört auch Friedensförderung und eine faire Entlöhnung der von uns bislang ausgebeuteten Staaten) – das wäre fein. Der Kampf gegen die Neophyten ist m.E. ein gutes Mittel, um abzulenken vom wahren Desaster. Man ist beschäftigt. Wir sägen die Äste ab, auf denen wir hocken. Und geben andern die Schuld, wenn wir fallen.

          • Christine sagt:

            Sowohl als auch: invasive Neophyten sind EIN Problem und deren Bekämpfung ist gerechtfertigt, aber die massgebenden Änderungen, welche nötig wären, sind sehr viel einschneidender, da haben Sie recht.

  • Pauline Overath sagt:

    Wunderschön! Vielen Dank! So sollten Garten aussehen, statt Kies und Beton.

  • Bufi sagt:

    I love love love it! You made my day!

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