Alles unter einem Dach

In ihrem wunderschönen alten Bauernhaus in Schlans verbinden Silvio Pfister und Najat Zinbi gemütliches Wohnen, Bio-Landwirtschaft, Lebenscoaching und die Liebe zu Tieren.

Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home  

Silvio Pfister ist in Schlans geboren und aufgewachsen, Najat Zinbi stammt aus einem kleinen Dorf im Thurgau. So unterschiedlich ihre Berufe sind – er ist gelernter Landwirt und Metzger, sie Hair- und Make-up-Artistin und Life Coach – so eins sind sie sich in ihrer Art zu leben. Beide lieben die Verbundenheit zur Natur, die Nähe zu den Tieren und einen nachhaltigen Lebensstil. Dieser ist für sie kein Trend, sondern selbstverständlich; beide sind so aufgewachsen. In ihrem wunderschönen alten Bauernhaus in Schlans leben sie beinahe selbstversorgend. 

Silvio kümmert sich hauptsächlich um den Hof und die Tiere. Er führt den biologisch zertifizierten Zuchtbetrieb, wo er eigene Pferde, Schafe und Ziegen züchtet. Zusammen bieten die beiden sogenannte Time Outs an für Menschen, die Ruhe vom hektischen Alltag suchen. Najat führt den Haushalt, macht den Garten und hilft mit den Tieren. Das Paar unterstützt sich gegenseitig in den verschiedenen Bereichen. Zudem arbeitet Najat als Life Coach, und das gerne und oft mit Pferden. Sie hilft dabei Menschen, aus Krisen zu finden und ein zufriedenes Leben zu führen. Auch arbeitet sie immer noch in ihrem Beruf als Make-up- und Hair-Stylistin.

Für das Familienfoto haben sich die beiden mit dem schwarzen Hengst El Mares und dem Hund Bäri vor den Hauseingang gruppiert. Dieser wird von einem Schutzengel bewacht. Er heisst Shaikla und ist ein Weihnachtsgeschenk, das Najat und Silvio sich gegenseitig geschenkt haben. Leider hat er bei Bäri mal nicht richtig aufgepasst, denn der hat sich bei einem Kampf mit einem anderen Hund das Bein verletzt und muss grad einen Gips tragen. 

Als Najat Zinbi vor über zehn Jahren zu Silvio Pfister nach Schlans zog, spazierte sie oft am Haus vorbei, in dem die beiden heute wohnen. «Es war immer leer, und ich fand das traurig. Hinzu kam, dass wir für unsere Time-out-Gäste noch etwas mehr Platz suchten.» Tatsächlich wollten die Besitzer das freistehende Gebäude schon lange verkaufen, sie hatten jedoch Mühe, loszulassen. Die Idee des Paares, das Haus zu beleben, überzeugte sie jedoch, und so konnten sie es kaufen. Es ist wunderschön gelegen, das Grundstück hat einen Brunnen, einen Bach und als Nachbarn eine Kapelle sowie einen keltischen Hügel. 

In der gemütlichen Stube trocknen gerade Orangenschalen auf dem Ofen. «Wir produzieren sehr viel selbst oder beziehen es aus der Nähe. Doch Orangen und Mandarinen gönnen wir uns als einen köstlichen Luxus aus der Ferne, natürlich auch in Bioqualität! Die getrockneten Schalen geben Leckerbissen ab für unsere Ziegen und Schafe», erklärt Najat. «Auch die Eierschalen mahlen wir, und sie werden zu Futter. Eigentlich entsteht bei uns praktisch kein Abfall, den Küchenabfall bekommen die Hühner.» Nachhaltig zu leben, Bio-Landwirtschaft zu betreiben und die Schätze der Natur zu würdigen, ist für sie kein Trend, sondern eine Konstante in ihrem Leben. Sie sind so aufgewachsen, und es ist für sie selbstverständlich. 

Die Katze Saphira thront im Wohnzimmer auf einem fellbestückten Hocker und wundert sich über das Fotoshooting. Darüber hängt eine Fotografie von Bashida e Assuan, einem Hengst, der lange Zeit auf dem Hof gelebt hat. 

Eine grosse Couch und ein Sessel, auf dem man auch liegen kann, sind die kuschligen Lieblingsplätze der beiden, um an langen Winterabenden gute Filme anzuschauen.

«Dieser Tisch ist über 150 Jahre alt und stand früher bei Vorfahren von mir in einer Beiz.» Silvio Pfister hat ihn von seinem Vater geerbt. «Auch das wunderschöne alte Buffet hat eine lokale Geschichte: Es ist hier in Schlans entstanden, von einem Meisterschreiner.» Dieser arbeitete nicht nur im Dorf als Schreiner, sondern ging über den Sommer als Gasthandwerker nach St. Moritz. Dort hat er viel für das Hotel Palace geschreinert. Seine Frau und seine Kinder haben in der Zeit geheut und führten den Hof in Schlans weiter, erklärt Silvio das nicht immer ganz einfache Leben der Bergdorfbewohner. 

Zum Zvieri schneidet Silvio seinen selbstgemachten Schinken auf, mit einem alten Familienmesser. «Das Messer habe ich von meinem Grossvater geerbt. Auch er hat es zum Fleischschneiden und Metzgen gebraucht. Es hat sein Hauszeichen. Jedes Haus und jede Familie im Dorf hatten ihr eigenes Zeichen. So wusste man, wem was gehört.» Das Trockenfleisch wird von Silvio eingesalzen und zum Lufttrocknen aufgehängt – ganz so, wie es immer schon gemacht wurde. Nicht nur Trockenfleisch und Frischfleisch gibt es auf dem Hof, sondern auch Käse und Butter. Die Milch dafür geben ihre zwei Kühe, die den Sommer auf der Alp verbringen. Der Alpkäse lagert im Käseschrank im Keller. Kartoffeln pflanzen und ernten sie auf dem eigenen Acker, und die Hühner vom Hof legen die grossen Eier, die wir mit dem Schinken, dem frischen Zopf und Käse geniessen.

«So haben wir immer

genug zu essen im Haus» 

Silvio Pfister

Die grosse, sonnengelbe Küche hat als Herzstück einen alten Ofen, der mit Holz gefeuert wird. Sie bietet aber auch den modernen Komfort, der den Alltag leichter macht. 

Im Entree stehen Stiefel und Körbe, die zeigen, dass in diesem Zuhause das Drinnen und Draussen oft zusammenkommen. Najat kümmert sich auch um den Garten und pflanzt das Gemüse für den Menüplan des Selbstversorger-Haushalts. Zusammen mit Silvio sucht sie Kräuter in der Umgebung. Diese werden dann zu Heiltinkturen verarbeitet – für die Tiere und für sich selbst.

«Wir sind beide so aufgewachsen,

dass wir wissen, wo welche

Kräuter wachsen und für was sie gut sind.» 

Najat Zinbi und Silvio Pfister

Auf dem Ofensims steht eine Sammlung von bedeutenden Gegenständen. Es ist eine Art Altar mit Objekten aus dem Leben, die das Paar als Glücksbringer schätzen. Der Schädel ist von einem ganz speziellen Bündner Oberländerschaf. 

Im grossen Haus hat es drei Bäder. Dieses ist das Frauenbad, bestückt mit vielen Zimmerpflanzen, die von der Decke baumeln. Es wird gerade besucht von Kater Aragon, der mit dem Stöpsel der Wanne spielt. 

Seit drei Jahren züchten Najat und Silvio Bengalenkatzen. «Wir lieben ihren freundlichen, menschenbezogenen und aktiven Charakter. Jedes Mal, wenn ein neuer Wurf kleiner Kätzli gesund das Licht der Welt erblickt, freuen wir uns riesig», schwärmen die beiden. Die Katzen haben ein weitläufiges Gehege draussen, nennen den grossen Balkon ihr eigen und kommen auch gerne ins Haus auf Besuch. 

Der zweite, kleinere Balkon zeigt wunderschöne Holzornamente und bietet eine fantastische Aussicht auf die umliegende Landschaft. 

Im ersten Stock befinden sich ebenfalls die Schlafzimmer der Familie und ein Kleiderzimmer, das statt einem Schrank allen Kleidern Platz bietet. Dem langen Gang hat Najat einen bunten Kelimteppich gegeben, der auch für viel freundliche Farbe im Holzhaus sorgt. 

Das Schlafzimmer des Paares hat ein grosses, rustikales Holzbett, sonnengelbe Wäsche und Felle von den Schafen. An der Decke baumelt ein marokkanisches Lämpchen, und als Nachttische dienen Birkenstämme. Über dem Bett hängt ein Foto von Silvio vom Wolfshund Luv, der lange ein treuer Begleiter der Familie war.   

Im zweiten Stock sind die Schlafzimmer für die Time-out-Gäste und für Freunde. Auch das Büro befindet sich hier. Najat kümmert sich um das Marketing für die verschiedenen Bereiche des Betriebs. Die Gästezimmer zeigen alle farbige marokkanische Teppiche, bunte Decken und viel persönliche Gemütlichkeit. Bei den Time-out-Aufenthalten werden die Besucher aktiv in den Bergbauernalltag einbezogen. Sie können hier komplett abschalten, denn einen WLAN-Anschluss gibt es nicht, dafür Tiere, Natur und authentisches Landleben.  

So leben auf dem Hof viele Tiere, vor allem viele Pferde. Silvio Pfister züchtet Vollblut-Araber, arabische Mischrassen und Urfreiberger. Alle Tiere – Stuten, Hengste und Jungtiere – leben das ganze Jahr über zusammen in der Herde auf grossen Weiden mit viel Auslauf und im Winter in grosszügigen, offenen Ställen. Im Sommer geniessen sie jeweils eine Auszeit in den Alpen. Natürlich brauchen sie viel Pflege, Training und Futter. Zum Betrieb gehören auch Sommerweiden, eine Fohlenaufzucht und Alpweiden, auf der Plätze für Pferde angeboten werden. 

Die beiden lieben die Arbeit mit den Pferden ganz besonders. So nehmen sie sich viel Zeit für die Ausbildung der Jungtiere und besuchen immer wieder Weiterbildungskurse. Die Pferde werden unter anderem in Najats Coaching-Prozesse einbezogen. Für sie ist Coaching mit Pferden die beste Methode, um bei der Selbstwahrnehmung zu helfen.

«Mit Pferden entsteht ein direkter Dialog

mit unserem Leben, und

alles Unwichtige fällt von uns ab.»

Najat Zinbi

Die Ställe sind am Berghang und bieten eine atemberaubend schöne Aussicht auf das Tal und die Berge. Diese geniessen hier der Vollblut-Araberhengst Memphis und Silvio, der grad den offenen Stall putzt. 

Die Arbeit auf dem Betrieb ist sehr vielfältig. Silvio erklärt, was alles zum Betreuen seiner Tiere gehört. «Ich ziehe sie gross, lasse sie raus und schaue, dass jedes Tier sein Plätzchen hat und zu essen und zu trinken bekommt. Dazu gehört im Sommer natürlich das Heuen.» Neben den Pferden gibt es auch Schafe auf dem Hof. Da hat sich Silvio für die Zucht von Bündner Oberländerschafen entschieden. Die Aufrechterhaltung dieser robusten und menschenbezogenen Urrasse liegt ihm am Herzen. Dieses Lamm ist gerade eine Woche alt. Momentan sind etwa 30 kleine Lämmer im Stall. Zum Hofteam gehören auch die zwei Bordercollies Bärli und Teli, die beim Hüten der Schafherden mithelfen. 

Schon als Kind besass Silvio Ziegen, die er in seiner Freizeit hütete. Kein Wunder, dass er sie ganz besonders liebt. Silvio züchtet die Capra Grigia, die graue Bergziege, auch das eine alte Rasse, die vor dem Aussterben bedroht war. 

Die wunderschöne graue Farbe tarnt die Ziegen auf den felsigen Alpweiden und schützt sie vor Raubtieren. Auf dem Bio-Bergbauernhof werden sie zur Zucht und für die Weidepflege eingesetzt. Auch sie verbringen den Sommer auf der Alp. Aus ihrer Milch gibt es raren, delikaten Ziegen-Alpkäse. Das Zicklein ist vor fünf Tagen auf die Welt gekommen. 

Beim Einnachten leuchtet das goldene Licht warm aus dem stolzen alten Bauernhaus heraus. Es zeigt, dass dieses Haus voller Leben ist und ein Zuhause von Menschen und Tieren, die nicht nur den Hof, sondern auch die Landschaft und die Natur als Heimat lieben.

Silvio Pfister und Najat Zinbi auf dem Netz: 

Silvio Pfister
Website: Silvio Pfister 
und auf Instagram und Facebook 

Najat Zinbi
Life Coaching: Coaching mit Pferd
und auf Instagram und Facebook und Najat Zinbi Hair und Make up