Highlights von der Schweizer Designmesse

Grosse Gefühle und Nachhaltigkeit: Die Zürcher Interior-Ausstellung «neue räume» inspiriert nicht nur zu neuen Wohnideen.

Die Ausstellung «neue räume» ermöglicht allen, sich wie Profis zu informieren, zu inspirieren und beraten zu lassen. Sie feiert dieses Jahr das 10. Jubiläum und findet noch bis am 17. November in der ABB-Eventhalle 550 in Zürich-Oerlikon statt. Ich war am Mittwochabend an der Eröffnung und habe hier für Sie einige persönliche Eindrücke gesammelt. Sie machen Lust, sich dieses Wochenende auf eine spannende Art mit dem Thema Wohnen und Design zu beschäftigen.

Wohnen ist Wachstum

Die Einrichtungsbranche befindet sich schon immer viel näher an der Natur und am Handwerk als andere Bereiche. Und doch spürt man dies momentan noch deutlicher. Wohnen bedeutet nicht nur als Privatangelegenheit beständiges Wachstum. Auch die Art, wie Produkte entstehen, ist stetig im Wandel. So wird an vielen Ständen, wie hier beim Schweizer Möbelhersteller Girsberger, dieses Wachstum und die Verbindung zur Natur auf schönste Art veranschaulicht.

Reine Gefühlssache

Bei meinem Rundgang habe ich mich mit Michael Fischbacher vom renommierten Schweizer Textilunternehmen Christian Fischbacher über Gefühle unterhalten. Ist ja logisch, denn nichts ist so stark Gefühlssache wie Stoffe. Aber wir haben auch darüber gesprochen, wie persönlich das Thema Wohnen ist und was für eine grosse Bedeutung das Zuhause für alle hat. Eine grosse Sensibilität für das Persönliche spürt man denn auch in der wunderschönen künstlerischen Kollektion. Da sind differenzierte Farbtöne, edle, neue Materialien und märchenhaft verführerische Designs. Die Firma Fischbacher stellt an der Ausstellung auch ein spannendes Recyclingprojekt vor, das überrascht. 

Grosse Traditionen

Die Schweizer Wohngeschichte ist voll grosser Lebensgeschichten und Traditionen. Spannend inszeniert hat das die Hochschule Luzern mit einer Hommage an den Schweizer Designer und Innenarchitekten Dieter Waeckerlin (1930–2013). Dieser prägte mit seiner Basler Firma Idealheim von 1950 bis 1980 die Schweizer Wohnkultur. Seine Entwürfe sind heute zu wertvollen Sammlerstücken geworden. 

Die Zukunft ist grün

Eine Namensvetterin ist die grosse Schweizer Wohnzeitschrift «Das Ideale Heim», welche die grüne Zukunft des Wohnens und Arbeitens auf eine sehr sinnliche Art zum Erlebnis macht. Die Szenografie, eine Art lebendiger Pavillon, macht Lust zum Anfassen, Erleben und neue hübsche Dinge mit vielen Geschichten dahinter fürs eigene Zuhause zu entdecken. 

Zurück zur Natur

Für die Schweizer Teppichfirma Ruckstuhl ist das Thema Natur nichts Neues, sondern der Baustein ihrer international begehrten Teppiche. Seit ihrer Gründung 1881 kreiert die Manufaktur ihre Bodenschätze aus Sisal, Kokos, Wolle oder Leinen. Erfahren Sie am Stand, woher die edlen Naturmaterialien kommen und was genau dahintersteckt. 

Glamour kann man nie genug haben

Mit interessanten Sonderausstellungen können Besucher Trends erleben wie hier die kokette Designwelt des Glamours: «Scent and Sensibility» eröffnet die Welt des Duftes, das Bauhaus besucht Zürich auf Rädern, die ZHDK stellt die Abstraktion der menschlichen Hand im robotischen Kontext vor, das grosse Schweizer Architektenpaar Trix und Robert Haussmann bekommt eine Hommage, und weitere Shows und Events zeigen andere sinnliche und spannende Aspekte des Wohnens.

Keine Angst vor Farben

Natürlich ist die Ausstellung keine rein schweizerische, sondern hat viele internationale Teilnehmer wie etwa das deutsche Möbelstudio COR, das für Farbe sorgt. Dabei sind unter anderem auch Rolf Benz, die grosse englische Farbfirma Farrow and Ball, neun italienische Firmen, darunter mein Liebling Tacchini und String, Vipp, Carl Hansen und viele mehr aus Skandinavien. Insgesamt sind es 34 Schweizer und 29 internationale Firmen, die zum Kennenlernen und Auskundschaften einladen. Dazu kommen noch 16 Schweizer Signatur Labels, das sind kleinere oder jüngere Unternehmen.

Das leuchtet ein

Auch das wichtige Novemberthema Licht kommt nicht zu kurz. Wem noch nicht das richtige Licht aufgegangen ist, findet Neuheiten und Klassiker sowie grosse Namen, wie hier Louis Poulsen. 

Hoffnung und Inspirationen

Die beiden wichtigsten Dinge, die ich am späten Abend auf den Nachhauseweg mitgenommen habe, sind Inspiration und Hoffnung. Die grossen News aus dem Schweizer Möbelhandel in diesem Jahr waren ja schlichtweg schockierend. Wer hätte gedacht, dass Möbel Pfister von ihrer Stiftung an einen Billigriesen verkauft wird. Oder dass Interio von der Migros so öffentlich auf dem Markt angeboten wird. Die Ausstellung inspiriert nicht nur, sie zeigt auch, dass die Zukunft der Schweizer Möbelbranche im kleineren, persönlichen Handel liegt. Und dass Handwerk, Nachhaltigkeit, Gefühle, der persönliche Kontakt zu Fachleuten und das Erlebnis bedeutender werden als die schnelle Schnäppchenjagd. 

Infos: 

Webseite: neue räume
Ort: ABB-Eventhalle 550, Zürich-Oerlikon, Ricarda-Huch-Strasse 150
Öffnungszeiten: heute: 12–21, Samstag: 10–21 und Sonntag 10–18 Uhr

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