Stopfen Sie Löcher mit Stil

Kleider zu flicken ist ein Statement gegen den Wegwerfkonsum. Und dieses darf durchaus auffällig sein!

Haben Sie auch diesen Korb voll mit Kleidern, die irgendwo ein Loch haben, und Bettwäsche, der einige Knöpfe fehlen? Bei mir ruht dies leider so vor sich hin, weil ich auf diesen supergemütlichen Tag warte, an dem ich nichts zu tun habe, es draussen in Strömen regnet und Miss C., unser Hündchen, nicht zu lange raus will.

Für viele lohnt sich flicken nicht, da Kleider heute billige Wegwerfware geworden ist. Und viele wissen nicht, wie man mit Faden und Nadel umgeht. Doch das alles ändert sich gerade stark. Flicken ist ein Statement gegen den Wegwerfkonsum. So darf man Flickwerk sehen. Diese kleinen Kunstwerke sind Inspirationen und zeigen schöne, sichtbare Flickkunst. Wie man näht, stickt, wiefelt oder stopft, kann man heute bequem mit vielen Youtube-Videos lernen. (Bild über: Fibre Alchemy)

Der Riss

Solche eckigen Risse entstehen meist, wenn man irgendwo hängen bleibt. Dieser Riss ist mit einer dunkleren Stofflage unterlegt, was den Riss optisch hervorhebt. Das Weiss vom zerrissenen Jeansstoff wird sichtbar unterstützt mit weissen Stichen. So sind die Rissstellen mit weissen Stichen versäubert, und die Unterlage ist mit weissen Vorstichen befestigt. (Bild über: Pinterest)

Der Patch

Bei grösseren Löchern kann man entweder einen Stoffflicken aufnähen oder wie hier das Loch von unten her mit einem Stoffflicken ausfüllen und es damit sichtbar machen. Auch hier sind mit sichtbar hellem Garn die Reisskanten versäubert und der Flick befestigt. (Bild über: The Bandana Almanac)

Die Webstiche

Die einfachste Art zu flicken ist das Wiefeln mit der Maschine. Dabei wird auch mit einer Art Vorstich das Gewebe kreuz und quer vernäht und so wieder zusammengehalten. Die Farbe des Fadens wird normalerweise so gewählt, dass man das Flickwerk möglichst nicht sieht. Hier ist es genau umgekehrt. Mit grobem, kontrastfarbenem Garn ist das Loch im Stoff sichtbar geflickt. Dabei werden die Garnfäden verwoben. (Bild über: Pinterest)

Das Statement

Erst gerade kürzlich habe ich mich mit einer Freundin über Motten und Mottenkugeln unterhalten. Etwas, das man heute praktisch nicht mehr kennt. Kleider werden oft in Kleidersäcken gelagert, und durch das Waschen und Bügeln kommen Motten in den Wollsachen eigentlich nicht mehr vor. So ist auch der Mottenkugelduft verschwunden, den viele früher in den Kleidern, vor allem in Anzügen, mittrugen. Löcher aber gibt es trotzdem in den Pullovern und anderen Stricksachen. Perfekt geflickt werden sie mit Maschenstich und dem gleichem Garn. Der letzte Pullover, den mir meine Mutter geflickt hat, war grau, und sie hat den Flick wunderschön mit ultramarineblauem Garn und Maschenstich gestopft. Sie war Haute-Couture-Schneiderin und Handarbeitslehrerin und immer sehr modern. Bei diesem Pullover wurde nicht mit Maschenstich geflickt, sondern in einer Art Webstich, was aber die Flicken nicht mehr elastisch macht. Sichtbar und ultramarineblau sind diese Flicken aber auch. Und der Pullover hat auf diese Art so was wie Tattoos bekommen. (Bild über: Rue de Beautreillis)

Die Stickarbeit

Diese kleinen Stichproben auf einem Pulli zeigen, wie kunstvoll man mit Vorstichen Strickwaren zieren, flicken und verstärken kann. (Bild über: Indulgy)

Die Socken

Kann noch jemand Socken stricken? Diese Handarbeit gehörte lange zur Allgemeinbildung. Selbst gestrickte Socken haben einen ganz besonderen Reiz, denn sie sind ein kleines Kunsthandwerk im Alltag. Wenn sie durchgetreten sind, kann man sie auf solch charmante Art flicken. (Bild über: Instagram

Die Spitze

Zerrissene Jeans können auch ein Kunstwerk sein. Nämlich wenn man die Löcher noch verstärkt und damit spitzenartige Ornamente schafft. (Bild über: Pinterest)

Fast japanisch

Es gibt eine klassische alte japanische Flicktechnik namens Sashiko. Dabei werden Kleider mithilfe von Stoffresten und ganz simplen Vorstichen geflickt. Dieses kleine, einfache Beispiel zeigt, wie hübsch sich das auch auf westlicher Kleidung macht. (Bild über: Pinterest)

Die Farbe

Wenn man sichtbar flickt, dann kann man charmant mit Farben spielen und das Geflickte damit auch dekorieren und schmücken. Auch die Wahl des Garns und des Fadens kann ganz unterschiedlich zum bestehenden Textil gewählt werden. Das Unregelmässige wird dabei zum Gestaltungselement. (Bild über: The Yarn Loop)

Credits und spannende Links zum Thema:

Bilder über: The Yarn Loop, Pinterest, Indulgy, Rue de Beautreillis, The Bandana Almanac, Fibre Alchemy
Links zur Inspiration: Tom of Holland, Make do and mend – The art of repair

20 Kommentare zu «Stopfen Sie Löcher mit Stil»

  • Alex sagt:

    Falls jemand noch weitere Anleitungen/Hilfe/Inspiration benötigt, empfehle ich https://www.manuflicktur.com/

  • Veronica sagt:

    Apropos Socken stricken: Ich verwende Wollreste, so entstehen wunderbar farbige Socken, das Paar unterschiedlich , aber mit einer Gemeinsamkeit zum Wiedererkennen. Ich trage nur Wollsocken, oder keine. Habe die Lismete eigentlich immer dabei und stricke, wenn ich warten muss.
    Auch eine Art recycling;)

  • Hanne sagt:

    Wie kreativ & wunderschön! Die japanischen Beispiele gefallen mir besonders :) Und die vielen Tipps in den Kommentaren! Dankeschön :)

  • Luisa Aeby sagt:

    Super Idee…werde es nachmachen

  • Astrid Meier sagt:

    Toller Bericht, danke! Hoffentlich werden Viele die Idee, Flicken als Statement zu nutzen, anwenden.

  • barbara sagt:

    meine inzwischen erwachsenen kinder bringen mir seit eh und je ihre kaputten jeans zum flicken. normalerweise unterlege ich löcher oder abgewetzte stellen mit klebvliesline und wifle dann mit möglichst passendem faden (gar nicht so einfach zu finden) – nach dem waschen sind die reparaturen fast unsichtbar. mal sehen, ob ich meine kinder auch für ihre bunten ideen begeistern kann? danke jedenfalls für die witzigen anregungen.
    PS: eben habe ich meine feinen warmen alpaka-amediisli flicken müssen, nachdem mein hund sie angefressen hat ;-(

  • Danièle Brown sagt:

    Wie schön! Es geht doch noch mit guter alter Handarbeit. Danke für die Anregungen für’s Recycling der besonderen Art.

  • rotlang sagt:

    mir gefallen diese beispiele ebenfalls ausgesprochen gut. danke für die inspiration!

    ich flicke sehr gern, das hat für mich etwas entschleunigendes, zumal ich dabei immer hörspiele anhöre.

    mein trick bei kleineren löchern oder schäden: erst flicken, dann pailletten aufnähen, je nach dem auch an weiteren stellen, um ein harmonisches bild zu erhalten.

  • N. Halbeisen sagt:

    Löcher in einem Wollpulli kann man auch „verfilzen“. Guezliförmli, da gib’s ja hunderte von Motiven, aufs Loch legen, unter die Stopffläche ein Putzschwamm oder sonst was wo man hinein stechen kann legen. In das Förmli etwas Filzwolle oder ausgekämmte Wolle eines Wollknäuels legen und mit einer Filznadel filzen.

  • k. miller sagt:

    Das Flicken auf diese Art wirkt aber erst gut, wenn man das „Konzept“ dahinter erkennt. Beispiel beiger Pulli: wäre nur das kleine Loch am Ärmel geflickt (blau), wäre der Effekt eher… naja… Erst mit den vielen verschiedenen Stellen schauts dann gut aus.
    Die Socken sind übrigens klasse. Direkt schade, dass man die Lauffläche normalerweise nicht sieht.

    • urs m. widmer sagt:

      Bin da vollends anderer Meinung. Kreativ an sich benötigt kein „Konzept“. Es braucht nur das Selbstbewusstsein „speziell“ sein zu „dürfen“…anders als eben die H&M, oder Prada-Perfektion…

  • Jalia sagt:

    Wunderbarer Beitrag mit tollen Bildern!

  • bohrerin sagt:

    wow, sieht toll aus. mir passieren immer mal wieder missgeschicke mit dem porzellan…da habe ich einen zeitungsartikel gelesen, dass es in japan handwerker gibt, die das flicken und reparieren kunstvoll und vor allem sichtbar machen. seitdem ist der goldene Porzellanmalstift in der Küchenschublade und schon bekommen abgeplatze Stellen ein goldenes Siegel.

    • Edith sagt:

      Genau das gleiche erzählte mir eine Kollegin vor vielen Jahren. In Japan wird nicht so repariert wie bei uns. Man kreiert bewusst etwas neues auf die kaputte Stelle. In letzter Zeit dachte ich einige male, ich müsste eine goldige Masse erfinden womit man Tassen und Teller reparieren könnte!

    • Carmen Pachera sagt:

      Suchen Sie online nach „Kintsugi“ und „New Kintsugi Repair Kit“. Viel Spass!

  • filosof sagt:

    Hammer, diese Beispiele! Besonders die Socken und Spitzen in die Jeans schneiden! Werde ich mir unbedingt merken. Übrigens, ich habe mir vorgenommen, keine neuen Kleider mehr zu kaufen, solange die alten noch gut sind und ich mich darin wohlfühle. Ändere gerade einen Wintermantel zu einem sehr warmen Kleid ohne Ärmel. Darunter ziehe ich Rollkragenpullover an. Der Mantel ist fast 20 Jahre alt, hat aber trotz vielem Tragen noch keine Abnützungserscheinungen.

  • Blum Theres sagt:

    Vielen Dank für den tollen Beitrag.
    Als Textilfrau beeindruckt mich die Kreativität und Farbigkeit der Flickstücke.
    Die junge Generation entdeckt das (kreative) Flicken.
    Das macht Freude.

  • Wolke sagt:

    Ich habe angefangen, Sterne aus einer alten Jeans zu schneiden und benutze diese um die Hosen meines Kindes zu reparieren. Mit Zierstichen sieht das dann sogar gar nicht allzu sehr nach „bügelpatch“ aus. Mir gefällt die Idee mit dem gewobenen Garn, sieht aber aufwändig aus. Danke für das Thema!

  • Chris sagt:

    Liebe Frau Kohler

    Danke! Bei meines Mannes Freundeskreis gelte ich als Exot, da man mich gesehen hat, wie ich ein paar Espadrillen geflickt habe (Sohle und Schuh waren nicht gut miteinander verbunden).
    Die Espadrillen habe ich noch heute und sie gefallen mir genauso wie am ersten Tag.

Kommentar

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