Weshalb so viele Einrichtungen stagnieren

Wohnen Sie immer noch genau gleich wie vor einigen Jahren? Das muss nicht sein, wie diese zwölf Tipps zeigen.

Eine Einrichtung bleibt nur dann lebendig, wenn sie sich mit uns bewegen kann. Das Wort Möbel kommt von Mobilität, also Beweglichkeit. Bleibt die Einrichtung immer gleich, so altert sie schnell, wird muffig und museal. Oft macht man sich einen genauen Plan, schon lange bevor man irgendwo einzieht, oder man kopiert bei einem Umzug die alte Wohnung. Wenn man sich neue Möbel kauft, entscheidet man sich gerne für Klassiker, von denen man das Gefühl hat, dass sie einem nie verleiden. Häufig fehlt ganz einfach der Mut, ein Sofa mit grünem Bezug zu wählen, die Wände zu streichen oder nach unkonventionellen Lösungen zu suchen. (Bild über: Apartment Therapy)

So steht denn auch das Mobiliar meist noch nach Jahren genau am gleichen Platz, die Farbigkeit ist neutral, die Anmutung austauschbar. Doch ist das nicht erst recht langweilig? Es gibt keinen vernünftigen Grund, Beige, Braun und Grau einer Farbe vorzuziehen oder dezente Formen statt Charakter zu wählen. Möbel sind ähnlich wie Freunde oder Familienmitglieder: Diese lieben wir ja genau für ihre Ecken und Kanten, ihren Humor, ihr Charisma. Wählen und mischen Sie Möbel und Wohnaccessoires so, dass Sie jedes Stück aus einem bestimmten Grund lieben. Stellen Sie sie so zusammen, dass sie sich gegenseitig ergänzen und sich entfalten können. Das bedeutet – wie im Leben –, dass ab und zu Veränderungen nötig sind. (Bild: Zara Home)

1 — Spielen Sie mit Texturen und Schichtungen

Okay, Farbe und eklektische Wohnstile sind nicht immer und für jeden die richtige Lösung. Wenn Sie monochrome und neutrale Einrichtungen vorziehen, bedeutet das nicht, dass diese langweilig und statisch sein müssen. Schön ist es, wenn Sie mit verschiedenen Texturen und Schichten spielen. Das erlaubt es, ab und zu etwas zu ergänzen oder zu reduzieren. Legen Sie zum Beispiel, wenn die kältere Saison kommt, einen Teppich über einen anderen Teppich und Felle auf Stühle. Wählen Sie diverse Stoffbezüge aus edlen Materialien für Kissen. Auch unterschiedliche Bilderrahmen, das Mischen von glänzenden und rauen Oberflächen und Wohnaccessoires, die nicht immer am gleichen Ort in Gruppen stehen, sind gute Beispiele dafür. (Bild über: Casinha Colorida)

2 — Lassen Sie Leben zu

Lebendige Wohnungen strahlen echtes Leben aus. Das bedeutet, dass man dieses zulässt und nicht etwa künstlich mit Dekoration inszeniert. So dürfen sich Bücher stapeln, Zeitungen auf dem Couchtisch liegen oder Hunde auch mal aufs Sofa hüpfen. Legen Sie dafür Decken auf die Sitzmöbel und wechseln Sie diese ab und zu. Essen Sie auch mal im Wohnzimmer und nicht nur am grossen Esstisch. Kommt dies öfter vor, dann kreieren Sie einen kleinen, zweiten Essplatz. Wenn Sie so wohnen, wie Sie gerade am liebsten leben, ist Veränderung ganz automatisch inbegriffen. (Bild über: Masseria Moroseta

3 — Wecken Sie die Einrichtung mit alten Stücken

Schauen Sie sich um und analysieren Sie Ihr bestehendes Mobiliar. Ist alles vom Möbelhaus oder der Designboutique, ist die Chance gross, dass die Einrichtung ein bisschen zu gestylt wirkt. Mischen Sie Einzelstücke darunter, die ganz anders sind – alt zum Beispiel. Das belebt und bewegt die bestehende Einrichtung. (Bild über: Daily Dream Decor

4 — Setzen Sie Farbe ein

Meine Mutter nähte einmal wunderschöne, neue Vorhänge aus einem Stoff, auf dem unter anderem rote Blüten abgebildet waren. Als die fertigen, perfekt genähten und gefütterten Vorhänge an den Fenstern hingen, gefiel ihr das Ganze doch nicht so recht. Sie nähte kurzerhand eine zweite Version mit zarten grünen Blüten. Die roten Vorhänge kamen von da an jeweils in der Weihnachtszeit an die Fenster. Für mich ist das ein schönes Beispiel dafür, dass es sich immer lohnt, etwas Neues auszuprobieren. Versuchen Sie, das Gleiche mit einem farbigen Teppich. Oder wagen Sie sich an die Wände und streichen diese. Wenn Sie Ihnen nicht mehr gefallen, dann streichen Sie sie halt wieder um. Das müssen Sie ja nicht gerade jede Saison tun. Aber wenn Sie es nie wagen, dann wissen Sie nicht, ob farbige Wände genau das sind, was Ihrer Wohnung gut tut. (Bild über: SF Girl)

5 — Schaffen Sie den kleinen Unterschied

Abwechslung schaffen Sie auch mit kleinen Dingen und Veränderungen. Peppen Sie Ihr weisses Bett mit Farbakzenten auf. Tauschen Sie die Bezüge von Zierkissen aus. Wechseln Sie auch mal die Leuchten in der Wohnung. Dort, wo sonst eine Tischleuchte auf dem Beistelltisch steht, kommt eine Stehleuchte hin und umgekehrt. Verrücken Sie kleine Möbel an ungewohnte Orte: den Nachttisch ins Badezimmer, den Hocker neben das Bett oder die Kommode in die Stube. (Bild über: SF Girl)

6 — Mischen Sie Unterschiedliches

Wenn etwas organisch wächst, dann wirkt es automatisch lebendig. Das bedeutet aber, dass die Einrichtung Wachstum zulassen kann. Denken Sie nicht immer an das grosse, fertige Werk. Lassen Sie sich von einem charmanten alten oder neuen Möbelstück verführen und schaffen Sie dann Platz dafür. Wenn Sie sich von etwas anderem verabschieden müssen, gibt es viele Möglichkeiten dafür. «Instasales» sind gerade angesagt. Oder man kann alte Stücke auch verschenken. Einfach vorher fragen, ob das Geschenk überhaupt willkommen ist. (Bild über: Homes to love)

7 — Machen Sie Kleines grossartig

Lassen Sie auch Ihre Möbel wachsen. Mit neuen Modulen wird ein kleines Sofa gross oder mit einem riesigen, edlen Kissen grossartig. Ein einfaches Bett wird mit einem Gestell zum Himmelbett, ein langweiliger Esstisch mit roter Lackfarbe zum Prunkstück. Sehen Sie selbst! Geben Sie diesen Herbst Ihrem Bett einen eleganten Samtüberwurf, stellen Sie einen kleinen Sessel oder einen gepolsterten Stuhl in die Küche – für Besuch oder für sich selbst –, um es dort gemütlicher und eleganter zu haben. Solche Wohnideen helfen, dass Ihre Wohnung nicht einfach immer so bleibt wie beim Einzug. Dass Sie bewusster und lieber wohnen und mehr Freude haben am Zuhausesein. (Bild über: Katie Considers

8 — Überraschen Sie

Beim Einrichten haben viele das Gefühl, es handle sich um eine einmalige Sache und man brauche dafür den grossen Masterplan. Wenn für Sie Wohnen ein echtes Zuhausegefühl bedeutet und nicht einfach Status und Repräsentation, dann ist das falsch gedacht. Wohnen hat bei den meisten mit Freude, Geborgenheit, Wohlfühlen und Rückzug zu tun. Klar öffnet man sein Zuhause auch gerne Gästen, doch auch diese fühlen sich wohler, wenn es ein echtes Zuhause ist und keine Ausstellung. Also überraschen Sie sich, Ihre Liebsten, mit denen Sie das Zuhause teilen, und Freunde, die zu Besuch kommen, immer mal wieder mit einer neuen Wohnidee. Mit einer schlichten Holzbank etwa, die im Entree oder in einem Durchgang Platz für Bücher, Blumen und hübsche Kleinigkeiten bietet. (Bild über: Sabon Home Blog)

9 — Vergessen Sie die Kunst nicht

Schönes regt an und bereichert das Leben. Öffnen Sie sich der Kunst. Wer Kunst in sein Zuhause aufnimmt, hat mehr als bloss Schmuck. «Kunst ist», wie Picasso einmal so schön sagte, «dazu da, um den Staub des Alltags von der Seele zu waschen.» (Bild über: SF Girl)

10 — Verleihen Sie allem Liebe

Ich lese in den Kommentaren von «Sweet Home» sehr viel über das Abstauben. Wenn Sie schon am Abstauben sind, dann richten Sie doch alles gleich hübscher her, stellen Sie Blumen in kleine Vasen oder Gläser, türmen Sie neue Lieblingsbücher auf Beistellmöbel und Nachttische und schaffen Sie somit Freundlichkeit und Liebe. (Bild über: My Domaine

11 — Dekorieren Sie nicht

Dieses Bild ist von einer Möbelfirma und es geht darum, Wohnaccessoires begehrenswert zu machen. Das müssen Sie zu Hause nicht. Denn da geht es darum, sich wohlzufühlen. Dekorieren Sie Ihre Wohnung nicht wie für einen Katalog oder ein Instagramfoto, sondern arrangieren Sie die Dinge so, dass Sie sie gerne benutzen und sich an ihnen freuen. Und das ist eben immer mal wieder ein bisschen anders. (Bild: Oyoy)

12 — Stecken Sie mehr Energie in Alltägliches

Die Wohnungseinrichtung stagniert auch, weil wir die Routinen des Alltags selten brechen. Wir gewöhnen uns daran, dass alles so ist, wie es ist, und überlegen dabei gar nicht, wie es anders vielleicht noch besser und schöner sein könnte. Wenn Sie den kleinen Dingen mehr Aufmerksamkeit schenken, dann bereichern Sie damit den Alltag. Sammeln Sie Beauty-Artikel im Bad in einem Tablett. Das sieht nicht nur schön aus, sondern ist auch viel praktischer. Das Gleiche funktioniert in der Küche mit gewissen Werkzeugen oder Zutaten, die Sie jeden Tag brauchen. Haben Sie wirklich hübsche Tassen, aus denen Sie jeden Morgen Ihren Kaffee oder Tee trinken? Und sind sie griffbereit? Sind Ihre Stühle bequem? Braucht Ihr Sofa langsam eine neue Aufpolsterung oder die Kommode oder der Schrank endlich gute und attraktivere Griffe? Vergessen Sie nie: Es sind oft die wenig beachteten Dinge, die grosse Veränderungen bringen. (Bild über: Roomerve)

Credits: 

Blogs und Magazine: Apartment TherapyRoomerve, Sabon Home Blog, Katie Considers, Daily Dream Decor, SF Girl, Homes to love, My Domaine 
Hotels und Ferienhäuser: Masseria Moroseta
Shops und Kollektionen: Zara Home, Oyoy

 

8 Kommentare zu «Weshalb so viele Einrichtungen stagnieren»

  • Tulpe sagt:

    Zu Bild 2 und 11: Ich war gestern zu Besuch in einer neuen Wohnung, alles sehr stilvoll und chic…. alles neu und super aufgeräumt, wie aus dem Möbelprospekt und schön dekoriert. Aber irgendwie …… zu perfekt. Jetzt weiss ich genau was Sie meinen, Frau Kohler.
    Danke!!

  • ABCDEGF sagt:

    Jesses, man könnte meinen, die Kommentatoren hätten ihre Einrichtung über Nacht gekauft. Ich nicht, schon aus Geldgründen. Und natürlich trennt man sich dann irgendwann von seinen überlebten Studentenstücken, zumal die selten von der Qualität waren, dass sie die Bücherlast oder was auch immer auf ewig trügen. Dann stirbt jemand aus der Generation vor einem, manche Erinnerung kann sinnvoll integriert werden, anderes (auch eigenes) hat sich überlebt, weil die eigenen Bedürfnisse sich geändert haben oder schlicht, weil es auseinanderfällt. Man braucht plötzlich einen bequemeren Sessel oder in der Küche eine bessere Beleuchtung. Und ja, auch der Geschmack entwickelt sich, heute habe ich mehr Mut als früher, nicht nur beim Einrichten. Leben und leben lassen!

  • Claudia sagt:

    Ich glaube Frau Kohler meinte einfach, dass nach ein paar Jahren ein frischer Wind einziehen kann. Farbige Wände, ein neuer Teppich, alles etwas ausmisten und auch mal ein neues Stück (kann ja auch vom Brocki sein) gibt einfach wieder neuen Schwung und ein anderes Lebensgefühl. Ich habe auch diverse Klassiker, die mich schon seit Jahren begleiten aber ich stelle auch gerne mal um oder habe letzthin einen neuen Teppich in knalligem Blau gekauft. Das Wohnzimmer wirkt wieder ganz anders. Man kann ja auch mit kleinen Änderungen ein neues Lebensgefühl schaffen.

  • Suko sagt:

    Was hat Möbel umstellen, eine individuelle, langsam gewachsene Einrichtung, Kunst in der Wohnung, ein Stapel Bücher und die allgemeine Freude am Wohnen damit zu tun, regelmässig neuen Trödel anzuschaffen und den Wirtschaftsmotor am Laufen zu halten?? Das Gegenteil ist der Fall: Man muss eben nichts Neues kaufen, sondern kann mit dem Vorhandenen ab und zu wieder eine völlig neue Wohnsituation schaffen ohne einen Rappen auszugeben. Braucht bloss ein wenig Fantasie und Kreativität. Und auch wenn mir wichtig ist wie ich wohne und eingerichtet bin, heisst das noch lange nicht, dass ich sonst nichts auf die Reihe kriege.

  • Cornelia sagt:

    Das Leben ist so viel leichter wenn man sich nicht ständig neu erfinden muss nur um den Wirtschaftsmotor am Laufen zu halten…

  • Hans-Ruedi sagt:

    Selbst wer Wohnen als sinnstiftende Tätigkeit begreift, sollte sich überlegen, ob er oder sie regelmässig neuen Trödel anschleppen muss, der wieder einen Platz in der Hütte benötigt und für den ich wieder etwas entsorgen muss. Nachhaltig geht anders.
    Aber vor allem: wie armselig muss das Gefühl sein, wenn man kurz vor seinem Tode die Bilanz zieht: ich hab zwar im Leben sonst nichts auf die Kette gekriegt, aber wenigstens habe jedes halbe Jahr ein neues Nachtschränkchen gekauft. Und das Klöppeldeckchen vom Flohmarkt war der Höhepunkt meines Schaffens.
    Sorry – ich würde gern für andere Dinge erinnert werden.

  • Sebastian Fogfey sagt:

    Wunderschön. Aber ich möchte es bei mir gar nicht „anders“. Wie sagte Karl Kraus so schön: „Gemütlich bin ich selber“ :-)

  • graf beat sagt:

    alle paar Jahre die Möbel zu wechseln rentiert nicht. Aber ab und zu die Möbel umstellen geht auch. Und wie halten Sie es mit dem Umweltschutz?

Kommentar

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