Highlights der Mailänder Möbelmesse

Die Möbelmesse in Mailand ist die bedeutendste der Welt. Kein Wunder, werden hier Trends kreiert. Die neusten führen zurück – ziemlich genau 100 Jahre!

Neue Trends sind meist Interpretationen von alten. Und diese waren wiederum Interpretationen von noch älteren. So werden Trends menschlich und natürlich. Sie sind nämlich immer ein Spiegel der Zeit und eine ganz selbstverständliche Entwicklung. Momentan, also im Frühling 2019, sind wir gerade in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts angelangt, sowie in der Zeit davor. Elemente vom Jugendstil und Art déco waren in Mailand an sehr vielen Orten zu entdecken. Natürlich nicht das erste Mal. Bereits in den 80er-Jahren war das so: Damals entstand mit der grossen Memphis-Bewegung eine Art neuer Art déco. Heute ist beides wieder aktuell und Inspiration für brandneues Design. Der bedeutendste Aspekt aber ist, dass Design immer stärker zur Kunst wird und dass das Kunsthandwerk dabei die Hauptrolle spielt. Viele Highlights der Messe wurden denn auch in Galerien und Museen ausgestellt und bleiben für die meisten unerreichbar. Aber auch in den Messehallen der eigentlichen Möbelmesse, in der Rho Fiera, war das Niveau sehr hoch. Doch die Designstücke der bekannten und renommierten italienischen Möbelfirmen könnte man sich leisten. Sie bestechen mit Eleganz, welche Zeitlosigkeit mit Moderne vermischt, und sind immer eine gute Entscheidung.

Auf diesem Bild ist der neue rote Lacktisch «Red Diamond» von MDF Italia zu sehen: formal und geometrisch inszeniert – ganz im neuen Art-déco-Stil. Dieser Tisch funktioniert im Privatbereich in grossen Wohnungen und Häusern als schmucker Esstisch, aber auch in Geschäftsräumen als Sitzungstisch. Selbstverständlich kann man ihn auch in anderen Ausführungen und Grössen haben. 

Eine renommierte italienische Firma, bei der die Lederverarbeitung die Hauptrolle spielt, ist Poltrona Frau. Es ist jeweils eine wahre Freude, sich die Ausstellung der fantastischen, handwerklich auf höchstem Niveau hergestellten Möbel anzusehen. Doch bei Poltrona Frau gibt es nicht nur Sessel und Sofas aus Leder. Ganze Wohnwelten sind inszeniert, und jede Saison kommen spannende Neuigkeiten dazu. Der Teppich Billie von Max Huber zeigt sich im neuen Art déco Stil und ist eine Art konkrete Kunst auf dem Boden. 

Cappellini hat an der Messe eine Art Zirkus veranstaltet und feierte dabei seine eigenen Ikonen: die «Roaring 80ties und 90ties». Dabei war der S-Stuhl rechts zu sehen. Mit dem an Sonja Delauney erinnernden Stoff könnte er fast aus den Zwanzigerjahren stammen. Doch sein Design ist von 1991 und von Tom Dixon. Neu am S-Stuhl ist sein geometrischer Stoffbezug vom Dimore Studio. Und der kleine Luxuseffekt, der zum Art déco passt: Man kann den Stuhl nach eigenen Wünschen anfertigen lassen, und das mit dem Namen des Besitzers. Links ist der Stuhl 01 von Shiro Kuramata. Er ist ein Tribut an die 80er-Jahre, da wurde er nämlich entworfen. Dabei entführt er aber auch in die Wiener Kaffeehäuser der Jugendstilzeit.

Ach ja, das anregende Motto, das Cappellini im Presseportfolio angegeben hat, möchte ich Ihnen auf keinen Fall vorenthalten:

«The secret to happiness is freedom, the secret to freedom is courage.» Tucidide 
«Das Geheimnis von Glück ist Freiheit, das Geheimnis von Freiheit ist Mut!» Thukydides  

Obschon der Original Wiener Stuhl von Michael Thonet bereits 1859 als Stuhl Nr. 14 entwickelt wurde, ist er der Inbegriff der Wiener Kaffeehausstühle und wird dem Jugendstil zugeordnet. Da er schlussendlich supermodern und auch der Superstar aller Stühle war und ist, passt er zu dieser Reformbewegung. Die von Michael Thonet gegründete Firma heisst Gebrüder Thonet und ist heute als GTV, Gebrüder Thonet Vienna, bekannt. Sie bleibt ihrem Stil treu und ist dabei einfallsreich und schöpferisch. Die neuen Designs erinnern an den Ursprung und sind doch immer brandneu und aktuell. So auch das Yvette-Kopfende von Chiara Andreatti. Es lässt von vergangenen Zeiten träumen und zeigt, was heute wichtig ist: Status, Reminiszenz, Handwerk und Koketterie. 

Vom Kaffeehaus gehts direkt zu Klimt. Die weltberühmte Keramikplättchenfirma Bisazza ist, zumindest für mich, ein Stück Klimt. Denn die Bilder von Klimt, fast eine Art Pointilismus, sind sehr dekorativ und golden. Als ich in den Flagship-Store von Bisazza trat, kam mir eine Modeschau in den Sinn, die ich vor langer Zeit in einem Klimt-artigen Raum in London gesehen habe. Die Kollektion war von English Eccentrics, und es war eine Hommage an Klimt. Die Kleider bestickt und golden, die Frisuren kraus, die Gesichter blass geschminkt mit roten runden Wangen aufgemalt. Im Bisazza-Shop in Brera hätten diese Models mit ihren langen Gewändern auch eine angemessene Umgebung bekommen. Hier waren die Säulen mit goldenen Mosaiksteinen besetzt und die Wände in Ultramarinblau gestrichen. Die Helden aber waren Steine, eine Art Hocker, entworfen von Marcel Wanders. Auch sie wirken wie aus einem Klimt-Gemälde. Das Beste daran ist: Wer immer ein Fan ist von den charmanten Bisazza-Mosaiken und keine Wohnung oder kein Haus besitzt, in dem er ein Bad, eine Küche oder sonst was mit den Steinen besetzen kann, der kann nun zumindest einen Bisazza-Stein erstehen! 

Von Gold und Glitzer zu Schimmer und Glas Italia. Die italienische Firma, die auf Kreationen aus Glas spezialisiert ist, hat einen charmanten Tisch lanciert. Er heisst L.A. Sunset und ist von der berühmten Designerin Patricia Urquiola.

Ein anderes verführerisches Objekt von Glas Italia ist der gebogene Spiegel Marlene von Philippe Starck und Sergio Schito.

Zurück zur Eleganz der leichten Möbel des Art déco: Dieses multifunktionale Objekt mit Lampe und Lesetisch von Living Divani, «Light with table», wird bestimmt ein Liebling in vielen Wohnungen und Häusern. 

Ein Kernstück des Art déco ist das grosse weisse Sofa. Weiss war bis in den Zwanzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts keine Wohnfarbe. Interiordesignerinnen wie Elsie de Wolfe und Syrie Maugham machten Weiss erst kommerziell. Das neue Sofa Shiki, welches Damian Williamson für Zanotta entworfen hat, können wir uns gut in der Villa des grossen Gatsby vorstellen.

Da jedes schicke Sofa einen angemessenen Tisch braucht, kommt hier der hübsche, elegante Couchtisch Gio von Tacchini gerade recht, den Gianfranco Frattini 1957 entworfen hat. Tacchini legt ihn neu auf mit einem Finishing, das an Horn und Schildpatt erinnert. In dieser Version erinnert der Tisch an die leichte, elegante Geometrie des Art déco. 

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