Shaqiri ist im Zentrum noch stärker

Fabian Ruch am Mittwoch, den 9. Oktober 2013
Shaqiri während eines Spiels gegen Island. (Keystone)

Xherdan Shaqiri muss mehr zum Einsatz kommen: Shaqiri während eines Spiels gegen Island. (Keystone)

Am Freitag oder spätestens am Dienstag wird sich die Schweizer Nationalmannschaft für die WM 2014 in Brasilien qualifizieren. Das ist schön. Und es ist die Basis für weitere Höhenflüge dieser talentierten Auswahl. Für die junge, freche, forsche Equipe ist in den nächsten Jahren viel möglich.

Xherdan Shaqiri ist das perfekte Sinnbild des Nationalteams. Der Offensivspieler ist bereits sehr gut, aber noch nicht am Ende der Entwicklung angelangt.

Shaqiri ist vieles, er ist spielstark und schnell, schussgewaltig und selbstbewusst. Und auch geduldig, aber zielstrebig, sonderbegabt, aber lernwillig. Seinen Wechsel zu Bayern München im Sommer 2012 durfte man als mutig, vielleicht sogar als verwegen bezeichnen. Möglicherweise war er auch falsch, weil ein junger, aufstrebender Fussballer wie Shaqiri in jedem Pflichtspiel im Einsatz stehen sollte. In den grossen Spielen der Bayern muss der 21-Jährige zu oft auf der Ersatzbank Platz nehmen – er darf dann in Freiburg, gegen Mainz oder mal im DFB-Pokal ran.

Das ist zu wenig, und vielleicht wäre – wie in diesem Blog bereits im Sommer gefordert – ein Transfer zu Wolfsburg, Leverkusen oder Schalke schlauer für die Entwicklung Shaqiris gewesen. Einerseits. Andererseits hat der frühere Basler möglicherweise doch vieles richtig gemacht. Bei Bayern spielt er im derzeit besten Clubteam der Welt, er trainiert täglich mit Superstars, und seit der smarte Coach Pep Guardiola im Sommer den Champions-League-Sieger übernommen hat, wird Shaqiri tatsächlich stärker gefördert. Shaqiri – klein, passbegabt, quirlig – ist ein perfekter Pep-Spieler. Am Samstagabend stand Shaqiri sogar im Spitzenkampf in Leverkusen (1:1) in der Startformation. Er war gut, teilweise brillant, vergab aber auch beste Gelegenheiten – und bleibt in der internen Hierarchie vorerst hinter den Weltgrössen Franck Ribéry und Arjen Robben. Freiburg und Mainz und DFB-Pokal: ja. Barcelona, Dortmund und ZSKA Moskau: leider nein.

Der polyvalente Shaqiri, auch als Aussenverteidiger oder Stürmer einsetzbar, ist am Flügel zwar schon sehr stark, doch es gibt eine Position, auf der er noch besser ist: Er ist derart spielfreudig und fussballintelligent, dass er im Zentrum des Aufbaus agieren sollte. Auch das ist an dieser Stelle schon gefordert worden. Bei Bayern ist die Konkurrenz, etwa durch Mario Götze, Toni Kroos, Thomas Müller, Thiago oder Bastian Schweinsteiger zwar riesig, und doch ist es nicht ausgeschlossen, dass sich Shaqiri mit seiner Klasse einen Platz im Zentrum erobern könnte.

Ganz sicher aber könnte Shaqiri im Nationalteam im 4-2-3-1-System von Ottmar Hitzfeld als offensiver Zentrumsspieler aufgestellt werden. Seine unberechenbare, rasante, draufgängerische Spielweise würde das Aufbauspiel der Auswahl im Zentrum merklich beleben. Hitzfeld setzt Shaqiri am rechten Flügel (mit vielen Freiheiten) ein, Shaqiri darf oft in die Mitte rücken. Aber Shaqiri wäre im Zentrum (mit allen Freiheiten) noch wirkungsvoller, torgefährlicher, besser. Der Weg zum gegnerischen Tor wäre kürzer, und mit seinem präzisen Schuss, seiner grossartigen Übersicht und seiner schnellen Übersetzung wäre Shaqiri für die Gegner schwierig unter Kontrolle zu bringen. Selbstverständlich kann er auch als Flügelspieler ein ganz Grosser werden. Doch als Nummer 10 wäre er ein atemberaubender Spektakelmacher.

Noch hat es kein Trainer gewagt, Xherdan Shaqiri auf dessen Lieblingsposition – als Regisseur – aufzustellen. Im Schweizer Nationalteam spielt dort mit Granit Xhaka ein grossartiger Stratege, der allerdings ein paar Meter weiter hinten noch stärker ist und sich dort auch wohler fühlt. Im zentralen, defensiven Aufbau stehen jedoch mit den drei Napoli-Akteuren Gökhan Inler, Valon Behrami und Blerim Dzemaili oder auch Pirmin Schwegler bereits hervorragende Akteure. Und dahinter warten weitere Fussballer, die in grossen Ligen engagiert sind, auf ihre Chance. Aus diesem Grund dürfte Shaqiri vorderhand weiter als Flügelspieler aufgestellt werden. Im Nationalteam. Und bei den Bayern.
Für die Fussballfans ist das irgendwie schade.

Was denken Sie? Auf welcher Position ist Xherdan Shaqiri am stärksten? Wo sollte er im Nationalteam spielen? Und: Setzt er sich bei den Bayern schon diese Saison durch?

Trainerentlassung ausser Mode?

Annette Fetscherin am Freitag, den 4. Oktober 2013
Sogar der Trainer des FC Sion ist noch im Amt: Michel Decastel, 25. August.

Sogar der Trainer des FC Sion ist noch im Amt: Michel Decastel, 25. August. (Keystone/Valentin Flauraud)

Etwas ist anders in diesem Herbst. Der Nebel zieht auf, laue Fussballabende weichen Nieselregen und Fröstelatmosphäre. Der Sommer ist vorbei. Der FC Basel steht ganz oben in der Tabelle, Monsieur Constantin neben der Spielerbank, YB vermasselt eine tolle Ausgangslage und der Schiri pfeift anscheinend konsequent gegen die Westschweizer. Ausgenommen er ist Österreicher, dann pfeift er… Naja, irgendwie speziell. Alles wie immer? Nein. Denn noch kein einziger Trainer wurde in der Super League gefeuert. Noch nicht mal in Sion. Und das nach zehn Runden.

CC gibt zwar in Basel den Spielern taktische Anweisungen, aber das soll keinesfalls als Einmischung in Michel Decastels Arbeit zu verstehen sein (Nein, nur die Medien machen da immer so ein Theater drum). Laurent Roussey rettet sich in letzter Sekunde mit einem Überraschungssieg im Kellerduell. Und alle anderen sitzen im Sattel wie angeleimt. Keine Spur vom regen Verkehr im Schweizer Luftraum über der Super League wie er noch vor Jahresfrist herrschte. Anfang Oktober 2012 waren mit Murat Yakin, Sébastien Fournier und João Alves schon drei Trainer geflogen. Heiko Vogel sollte bald folgen.

Läuft der Trend im Trainerbusiness nun etwa in Richtung Endlosverträge? So wie es der Präsident der Borussia Mönchengladbach für Lucien Favre gefordert hat? «Er macht tolle Arbeit und hat mittlerweile auch voll verstanden, dass Borussia der Verein für ihn ist.» So die lobenden Worte von Rolf Königs für seinen Trainer, der schon satte zweieinhalb Jahre für den Bundesligaverein hervorragende Arbeit leistet. Ja, der Trainer versteht meist schnell, dass sein aktueller Verein der richtige für ihn ist. Nur findet der Club meist ach so schnell, das der Trainer der falsche sei.

Hätte einen Endlosvertrag verdient: St.-Gallen-Trainer Jeff Saibenen, 19. September 2013.

Hätte eigentlich einen Endlosvertrag verdient: St.-Gallen-Trainer Jeff Saibene, 19. September 2013. (Keystone/Steffen Schmidt)

Auch in der Super League dürfte der Geduldsfaden bei einem der Kellerkinder früher oder später reissen. Und trotzdem gibt es hier tatsächlich einen, der einen Endlosvertrag verdient hätte: Jeff Saibene. Genau der Mann, den die Fans einst ins Pfefferland wünschten, obwohl er den direkten Wiederaufstieg schaffte. Der Mann, der in der Folge das Vertrauen der Vereinsführung zurückzahlte und mit dem FC St. Gallen einen Fussball spielen lässt, der Spass macht und erst noch erfolgreich ist.

Nach zwölf Jahren spielt der FCSG wieder europäisch, die Fans würdigen ihre Mannschaft mit: «Ihr sind Heldä.» Jeff Saibene hat seine Jungs in zwei Jahren und sieben Monaten zu einer, zur Einheit verschmolzenen Heldentruppe geformt und ist damit mit Abstand dienstältester Trainer der Super League.

Wer ist Euer Held in dieser Liga, liebe Steilpassgeber? Welcher Trainer hätte einen Endlosvertrag verdient?

Marco Streller muss mit der Nati nach Brasilien!

Fabian Ruch am Mittwoch, den 2. Oktober 2013
streller

Wie wärs mit einem Comeback? Doppeltorschütze Marco Streller freut sich über seinen zweiten Treffer für die Schweiz zum 3:1 gegen Österreich am 13. Oktober 2007. (Bild: Eddy Risch/Keystone)

Der FC Basel verlor zwar am Dienstagabend in der Champions League gegen Schalke 0:1, ist aber unbestritten das mit Abstand beste Schweizer Team. Das zeigte sich auch in den ersten Wochen dieser Saison eindrücklich. Und eigentlich ist es unglaublich, spielt der Captain und beste Stürmer des FCB nicht mehr im Schweizer Nationalteam. Marco Streller ist als Nationalspieler zurückgetreten, klar, aber es ist nicht derart viel Geschirr zerschlagen worden, um eine Rückkehr zu verhindern.

Denn: Marco Streller wäre mit seiner Klasse, Erfahrung und Persönlichkeit ein grosser Gewinn für das Nationalteam. Er ist derzeit der beste Schweizer Stürmer und war vielleicht noch nie so stark wie heute.

Die Schweiz besitzt ja einige talentierte Angreifer, deren Karrieren ins Stocken geraten sind. Als beste Beispiele seien Eren Derdiyok und Nassim Ben Khalifa erwähnt. Sie wären heute in der Nationalmannschaft Leistungsträger, hätten sich die Prognosen bewahrheitet, die vor ein paar Jahren aufgestellt worden waren. Derdiyok (in Leverkusen) und Ben Khalifa (bei GC) aber versuchen gerade mühevoll, ihre Laufbahnen neu zu lancieren.

Jene Stürmer, die in den letzten Monaten ins Nationalteam aufgeboten wurden, sind jung und begabt, müssen sich aber steigern. Haris Seferovic, Josip Drmic, Innnocent Emeghara, Mario Gavranovic und Admir Mehmedi sind noch nicht so gefestigt wie Streller. Drmic überzeugte zuletzt, muss sich jedoch bei Nürnberg noch einen Stammplatz erkämpfen. Emeghara ist schnell und ein idealer Konterstürmer, aber mit seinen spielerischen Mängeln im 4-2-3-1-System von Nationalcoach Ottmar Hitzfeld als Angreifer nicht die geeignete Wahl. Gavranovic schliesslich besitzt wie Drmic ausgezeichnete Anlagen, wurde aber beim FC Zürich wegen Fehlverhaltens suspendiert. Seine Karriere gleicht ebenfalls einer Achterbahn. Wie jene von Mehmedi. Dieser rappelt sich beim SC Freiburg nach seinem missglückten Abenteuer in Kiew gerade wieder auf.

Am weitesten aller Nationalteam-Sturmkandidaten ist Seferovic. Er ist noch talentierter, besser, schussstärker als seine Konkurrenten und hat seine Klasse auch beim neuen Arbeitgeber Real Sociedad San Sebastian bereits unter Beweis gestellt. Aber Seferovic ist gerade mal 21 Jahre alt, er ist noch im Lern- und Reifeprozess. Das kann gerade bei Stürmern länger dauern. Derdiyok, Ben Khalifa, Mehmedi und Gavranovic wissen Bescheid.

GRUPPENPHASE, UEFA CHAMPIONS LEAGUE, SAISON 2013/14, FC BASEL, FCB,  CHELSEA FOOTBALL CLUB, CHELSEA FC,

In grosser Form: FCB-Captain Streller feiert den Sieg über Chelsea an der Stamford Bridge am 18. September 2013. (Keystone)

Auch Marco Streller hat in seiner langen Karriere Brüche zu verzeichnen gehabt. Heute aber ist der Basler wertvoll wie nie. Er ist enorm routiniert, kann junge Spieler führen und inspirieren – und ist immer noch torgefährlich. Zudem besitzt die Schweiz ja Akteure aus der zweiten Reihe, die wie Xherdan Shaqiri gerne den Abschluss suchen. Streller wäre als kluger Passgeber und ideale Anspielstation, die Räume öffnen kann, die perfekte Ergänzung. Er ist ein grossgewachsener, technisch feiner Akteur, der die Bälle gut halten und verarbeiten kann. Ein Stürmer- und Spielertyp wie er fehlt im Nationalteam.

Marco Streller agiert als Champions-League-Teilnehmer auf höchstem Niveau. Ein kleines Fussballland wie die Schweiz kann es sich im Prinzip nicht leisten, auf einen Angreifer wie ihn zu verzichten. Und solange der Schweizerische Fussballverband nicht (wirklich) alles versucht hat, um Streller von einem Comeback zu überzeugen, ist das ausserordentlich schade. Insbesondere im Hinblick auf die sich abzeichnende WM-Teilnahme würde Streller als Figur, Führungsspieler und vor allem Stürmer ein belebendes Element sein. Vor und während einer Weltmeisterschaft ist die Auswahl mindestens einen Monat zusammen. Der lockere, gleichwohl fokussierte Streller wäre mit seiner Erfahrung eine Unterstützung für die Mannschaft – selbst wenn diese von jungen Secondos dominiert wird, die andere Typen als Streller sind. Oder vielleicht genau deshalb. Es gibt ausserdem im Nationalteam keinen derart erfolgreichen Spieler mit so vielen Titeln (6-mal Schweizer Meister, 3-Mal Cupsieger mit Basel) wie den 32-Jährigen, der früher auch in der Bundesliga spielte und Meister mit Stuttgart wurde.

Und: Streller ist auch als Einwechselspieler wirkungsvoll. Das war am letzten Mittwoch in Thun zu sehen, als der Basler Captain zuerst geschont worden war, nach seiner Einwechslung beim Stande von 0:0 aber sofort der dominierende Spieler auf dem Kunstrasen war – und den FCB noch zum 2:0-Erfolg führte.

Aus diesen Gründen wäre ein Comeback von Marco Streller im Nationalteam sinnvoll. Seine Fähigkeiten und seine Art würden der Auswahl gut tun.

Wer, liebe Fussballfreunde, ist für Sie der beste Schweizer Stürmer? Warum stagnieren so viele Angreifer in jungen Jahren? Und: Sollte Marco Streller ein Comeback im Nationalteam geben und an der WM dabei sein?

Spiele für die Ewigkeit

Simon Zimmerli am Freitag, den 27. September 2013
Siegtreffer des FCZ am 13. Mai 2006. (Keystone/ Patrick Staub)

Gewisse Spiele brennen sich in die Erinnerung ein: Julian Filipescu (3. v.l.) erzielt den Siegtreffer für den FCZ, 13. Mai 2006. (Keystone/ Patrick Staub)

Fussball ist Kampf und Technik, zum Fussball gehören schöne Tore, aber insbesondere auch Spannung, Dramaturgie und Emotionen. Ich habe Ihnen hier eine Liste mit Spielen aufbereitet, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde.

ManU – Bayern München – Champions League Final 1998/99

Als Mutter aller Niederlagen ging der denkwürdige Champions-League-Final 1998/99 in die Geschichtsbücher ein. Bayern München wähnte sich nach dem Freistosstor von Mario Basler bereits als Sieger, bevor Teddy Sheringham in der 91. Minute nach einem Eckball die vermeintliche Verlängerung erzwang. Zwei Minuten später war es Ole Gunnar Solskjaer, ebenfalls nach einem Eckball, der den Traum von Bayern München begrub.

Eintracht Frankfurt – SSV Reutlingen: Letzter Spieltag in der 2. Bundesliga 2002/03

Der SC Freiburg und der 1. FC Köln stehen schon vor dem letzten Spieltag als Aufsteiger fest. Dahinter streiten sich die Eintracht aus Frankfurt und der 1. FSV Mainz 05, damals mit Jürgen Klopp als Trainer, um den dritten Aufstiegsplatz. Beide Mannschaften haben vor dem letzten Spieltag 59 Punkte. Die Eintracht steht mit einem Tor besser da, hat aber weniger Tore als Mainz erzielt, muss also mindestens mit der gleichen Tordifferenz gewinnen. Da Mainz in der 61. Minute 4:0 führt und die Eintracht in der 56. Minute den Ausgleich zum 3:3 (Reutlingen kämpfte gegen den Abstieg) hinnehmen muss, sieht es nicht gut aus für die Frankfurter, aber schauen Sie selbst.

Manchester City – Queens Park Rangers: Letzter Spieltag in der Premier League 2011/12

Ebenfalls punktgleich gehen Manchester City und Stadtrivale Manchester United in das Fernduell am letzten Spieltag der Saison 2011/12, wobei die Citizens das um 8 Treffer bessere Torverhältnis aufweisen und mit einem Heimsieg gegen die Queens Park Rangers nach einer Durststrecke von 44 Jahren zum dritten Mal Meister werden können. Manchester United erfüllt die Pflicht und gewinnt seine Auswärtspartie gegen den FC Sunderland mit 1:0, Manchester City liegt nach der regulären Spielzeit mit 1:2 hinten.

HSV – FC Bayern München – letzter Spieltag in der 1. Bundesliga 2000/01

Unter dem damaligen Coach Ottmar Hitzfeld benötigten die Bayern einen Punkt, um im Fernduell gegen den FC Schalke 04 die Nase im Meisterschaftsrennen vorne zu haben. Die Gelsenkirchner gewannen in einem dramatischen Spiel 5:3 gegen die abstiegsbedrohten Unterhachinger, nachdem man 0:2 und 2:3 in Rückstand geriet. Und der Hamburger Sergej Barbarez traf in der 89. Minute zum 1:0 gegen die Bayern und verwandelte das Parkstadion auf Schalke in eine Festhütte. Der erste Meistertitel seit 43 Jahren schien Tatsache. Die Meisterfeier dauerte aber gerade mal vier Minuten.

FC Basel – FC Zürich: Letzter Spieltag der Super League Saison 2005/06

Mit drei Punkten Rückstand, aber dem besseren Torverhältnis reiste der FCZ in die Basler Festung St.-Jakob-Park. Nach dem Basler Ausgleich zum 1:1 gaben wir uns mit dem zweiten Platz und einer tollen Saison zufrieden und wollten die Mannschaft würdig verabschieden, bis die 93. Minute anbrach. Auch heute noch ein zuverlässiges Antidepressivum:

GC – FCZ – Cup-Halbfinal 2003/04

So grossartig es ist, das Stadionerlebnis vom 13.5.06 nicht vergessen zu können, so tief ist die Wunde von 2004, die nie mehr ganz verheilen wird. Der FC Zürich führte gegen den mächtigen Stadtrivalen GC nach 82 Minuten mit 5:2, war quasi im Final und hätte dort wohl auch den FC Wil ausgeschaltet. Es kam aber anders.

Liebe Steilpassblog-Leser und -Leserinnen, haben Sie auch Spiele, die Sie – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr vergessen werden? Ich bin gespannt.

Es ist Zeit für eine Fusion in Zürich

Fabian Ruch am Mittwoch, den 25. September 2013
Die Zürcher Veroljub Salatic, Anatole, Roman Buerki, Caio und Nassim Ben Khalifa, von links, feiern den Treffer zum 2:1 im Fussball-Super-League-Spiel zwischen den Berner Young Boys und dem Grasshopper-Club aus Zürich, am Sonntag, 25. August 2013, im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Nach dem Nein zum Stadion muss die Fusion der beiden Zürcher Super-League-Clubs wieder diskutiert werden: Die GC-Spieler Salatic, Anatole, Bürki, Caio und Ben Khalifa (v. l.) feiern einen Treffer, 25. August 2013. (Keystone/Peter Schneider)

Zürich erhält also kein eigenes, hübsches, passendes Fussballstadion. Die Reaktionen auf das bittere Abstimmungsergebnis am Sonntag waren hart, teilweise polemisch, und wenn sich der Rauch verzogen hat, wird man festhalten müssen: Es ist ziemlich peinlich, dass in der Finanzmetropole Zürich, wo der Fussballweltverband Fifa zu Hause ist, immer noch keine echte Fussballarena steht. Die Schadenfreude im Rest des Landes ist riesig. Dort entstehen überall wunderbare Stadien ohne lästige Leichtathletikbahn, aber mit netten VIP-Logen, in denen Einnahmen generiert werden können.

Zürich schafft das nicht. Es ist eine Fussballtragödie, und es geht jetzt hier nicht darum, ob sich die Steuerzahler mit 60, 80, 150 oder 220 Millionen Franken an einem Neubau beteiligen müssen. Es geht darum, dass die Fussballstadt Zürich ihre (offenbar eher bescheidenen) Kräfte endlich bündeln sollte, um gemeinsam in die Zukunft zu gehen. GC ist nach Verlustpunkten Leader und spielt einen tollen Fussball, hat eine starke Mannschaft und blickt auf sehr erfolgreiche Monate zurück, lockte aber am Sonntag gerade mal rund 5000 Zuschauer zum Heimspiel gegen Thun an. Wie viele wären in einer passablen Fussballarena gekommen?

FCZ Torschuetze Spieler Mario Gavranovic, Mitte rechts, jubelt mit seinem Mitspieler Amine Chermiti, Mitte links, zum 1:0 Goal beim Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Zürich und dem BSC Young Boys am Sonntag, 14. Juli 2013, im Letzigrund Stadion in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza

Eine Zürcher Mannschaft aus den besten Spielern von GC und FCZ wäre schwer zu schlagen: FCZ-Spieler Mario Gavranovic (M.) feiert mit Amine Chermiti (vorne links) und weitern Mitspielern ein Tor, 14. Juli 2013. (Keystone/Ennio Leanza)

Das weiss niemand. Tatsache aber ist: Zürich ist zwar reich, schön, gross, aber die Konkurrenz im Unterhaltungsbereich ist enorm attraktiv. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, sich in der Stadt zu vergnügen. Neu ist diese Erkenntnis nicht, aber sie ist umso aktueller geworden. Wenn man in Bern lebt, fragt man sich schon lange, warum GC und FCZ auf eigene Faust weitermachen und Jahr für Jahr Millionen verbrennen. Gut, Verluste einfahren kann man auch, wenn man der einzige Club der Stadt ist – wie in Bern. Aber das ist ein anderes Thema. Spitzenfussball ist teuer. Und in Zürich darf man (mal wieder) die Frage aufwerfen, ob ein Verschmelzen der beiden Marken nicht sinnvoller wäre.

Natürlich gibt es Traditionen, selbstverständlich sind beide Clubs stolz auf ihre Vergangenheit, und vermutlich wird es immer Fussballliebhaber geben, die den Rekordmeister GC und den FC Zürich irgendwie finanziell unterstützen werden. Vielleicht ist die Vorstellung einer Fusion auch naiv. Als Fussballromantiker ist sie zudem schmerzhaft, weil es so viele schöne Erinnerungen an GC und den FC Zürich gibt. Aber eine Fusion wäre: konsequent, gut, richtig.

Und die Zeit ist reif dafür. Spätestens seit Sonntag.

Die Vorstellung eines riesigen, mächtigen, potenten Zürcher Vereins ist reizvoll – und bedrohend für die Konkurrenz. Man stelle sich beispielsweise nur kurz eine Auswahl aus den aktuell besten Akteuren von GC und Zürich vor. Mit dem stärksten Torhüter der Liga, der wohl stabilsten Abwehr, einem stilprägenden Mittelfeld mit physisch überragenden Balleroberern und spielerisch grossartigen Technikern – und mit einem ausgezeichneten Sturm. Der FC Basel hätte wieder einen ernsthaften Rivalen. Man könnte die besten Kräfte bündeln und die stärksten Nachwuchsakteure im zweiten Team reifen lassen. Zudem wäre man auf allen Ebenen – sportlich und wirtschaftlich, personell und politisch – besser und wirkungsvoller aufgestellt. Und so könnte die Schmach, kein eigenes Fussballstadion zu haben, koordiniert bekämpft werden.

Denn die Stadt Zürich ist offensichtlich zu klein für zwei Fussballspitzenvereine.

Was denken Sie? Ist eine Fusion zwischen GC und dem FCZ ein naiver Vorschlag? Ist die Konkurrenz zwischen den Vereinen zu gross? Und warum ist die Fussballbegeisterung in Zürich so bescheiden?

Karrieren nach Mass

Thomas Kobler am Montag, den 23. September 2013


Noch kann man nicht sagen, ob die paar fehlenden Zentimeter Yann Sommer (183 cm) zum Glücksfall oder zum Pechvogel machen werden. Aber eines ist klar: Sie haben einen entscheidenden Einfluss auf seine Karriere. Noch im Sommer war er einer der meistgehandelten Kandidaten für einen Wechsel aus der Super League in eine der europäischen Top-Ligen. Mittlerweile sind die warmen Tage vorüber, und das Transferfenster mit Blick auf den Winter ist wieder geschlossen. Damit tritt der Goalie des FC Basel ziemlich auf der Stelle. Dasselbe passiert ihm auch international: In der Nati ist Sommer Ersatz von Stammkeeper Diego Benaglio (194 cm), und in den grossen Cup-Wettbewerben scheint er in letzter Zeit immer gegen Chelsea zu spielen. Das allerdings hochklassig.

Für den FCB ist Sommers mindere Grösse ein wahrer Segen. Sie hält die Interessenten noch ab, die sich sonst wohl schon längst auf dieses Torhüterjuwel gestürzt hätten. Aber unter 188 Zentimetern fliegst du heute meist unter dem Radar der Clubs, die auch Sommer reizen könnten. Der FCB ist ein kleines Paradies im hektischen Fussball-Betrieb. Auch wenn es zwischendurch einmal donnert, so ist man doch geneigt zu glauben, dass die Rot-Blauen besser geführt sind als eine japanische Reisegruppe aufs Jungfraujoch. Es wird ein abwechslungsreiches Programm mit regelmässigen europäischen Ausflügen geboten, und das Brot- und Buttergeschäft Super League ist abgesehen von diesen vermaledeiten Sommermonaten, in denen auf dem Platz kaum je etwas schön zusammenläuft, recht angenehm. Bis man dann im Winter wieder im verschneiten St. Gallen oder im zugigen Letzigrund antreten muss. Was übrigens dem Zürcher Stimmvolk knapp recht zu sein scheint. In so einem Umfeld kann man es sich mit branchenüblicher Anstrengung schon gut gehen lassen: hochanständiges Salär und Prämien, abwechslungsreicher Arbeitsalltag und flotte Kollegen aus allen Herren Ländern. Wer würde da nicht zuweilen über sich hinaus- oder anwachsen wollen?

Der Einzige, der dieses Idyll etwas trüben könnte, misst 187 cm und trägt bei der Arbeit mit Vorliebe Barbie-Rosa. Im Kampf um die Nachfolge des nach wie vor unbestrittenen Benaglio ist Yann Sommer ein ernstzunehmender Konkurrent erwachsen: Wenn auch nur vier Finger breit grösser als Sommer, gehört Roman Bürki im GC-Tor zu jenen seltenen Wesen, die man Scheinriesen nennt. Je weiter weg man auf der Tribüne sitzt, desto grösser und «pinker» erscheint er einem, was ja auch wieder für den Letzigrund spräche. Wenn er sich dann noch aufplustert und Knie voran aus seinem Kasten herausstürzt, denkt man fast an Titanisches. Die rosa Urgewalt aus dem Fünfmeterraum.

Bisher sind Sommer weder die fehlenden Zentimeter noch Bürki gross im Weg gestanden. Aber die kleine Welt der Traumligen wird ihm wahrscheinlich verschlossen bleiben. Und der Kampf ums Nati-Goal wird eng werden. Dabei ist Sommer wohl nicht schlecht beraten, wenn er sich an das Schicksal von Ex-VfB-Hüter Timo Hildebrand (186 cm) erinnert, der als unangefochtene Nr. 1 im Schwaben-Tor Ikarus spielen und höher hinaus wollte als er fliegen konnte, um dann prompt in Valencia kolossal abzustürzen. Längst steht mit Sven Ulreich (192cm) ein Keeper mit Gardemass zwischen den VfB-Pfosten und macht aus Unhaltbarem Haltbares am Laufmeter. So kann es eben auch gehen.

Sind Sommers fehlende Zentimeter für ihn und den FCB ein Glücksfall? Oder wird er womöglich eines Tages bedauern, dass so wenig (die Spreizung zwischen Zeigefinger und Daumen) fehlte zur ganz, ganz grossen Karriere. Was denkt ihr, Sportsfreunde?

Fussball sucht Stadion

Simon Zimmerli am Freitag, den 20. September 2013
GC-Spieler Toko köpfelt den Ball, 29. August 2013. (Keystone/Salvatore Di Nolfi)

Eine Stadt mit zwei Super-League-Vereinen braucht ein Fussballstadion: GC-Spieler Toko köpfelt den Ball, 29. August 2013. (Keystone/Salvatore Di Nolfi)

Es Fuessballstadion in dr sälbschternannte Hauptstadt koschtet halt doch alli  Wält,
da zahlt mr am Carlos lieber no bitz meh Sagggäld.
So luegt mr wiiterhiin uf Tartaanbahn und lääri Sitz und frisst e Huft vom Rind,
bis alli Ziircher Clubs us dr Super League verschwunde sind. 

So oder ähnlich hallt es am 11. März aus einem dunklen Basler Keller, wo die Glaybaasler Fotzelschnitten oder die Muttänzer Trommelpeter Schnitzelbänke zum Besten geben. Die tobenden und schadenfreudigen Basler Fasnächtler sind aber das kleinste Problem. Hier geht es um weit mehr. Um die Existenz zweier Traditionsvereine.

Dass sich nun die Fifa kurz vor der Abstimmung einschaltet und das Stadionprojekt befürwortet, sorgt bei mir eher für Beunruhigung denn für Zuversicht. Das sieht für mich nämlich ganz danach aus, als könnte es knapp werden und sich die Fifa deshalb in einer Feuerwehrübung auch noch verpflichtet fühlt, die Werbetrommel zu rühren. Weiter dürfte die Unterstützung von Sepp Blatter zum Stadionprojekt etwa so hilfreich sein wie das Ja des Armeechefs zur Gripen-Abstimmung.

Nicht ohne Grund steht in meinem Kurzbeschrieb, dass ich meine schönste Saison im Jahre 2006/07 im Hardturmstadion erleben durfte. Klar, der FC Zürich wurde zum zweiten Mal in Serie Schweizer Meister und im stadioninternen Stübli neben unseren Plätzen gab es auch während der Hochrisikospiele ein kühles Bier (aus der Flasche!). Ein weiteres Plus war der ewige Süden – ein kleines Grüppchen hartgesottener Fans –, der drei Meter unter uns spielte und den Linienrichter bei heiklen Offsidesituationen freundlich aber bestimmt unterstützte. Es gab keine Gelegenheit, Augenkontakt mit dem Securitas-Hund aufzunehmen, der auf der Stabhochsprunganlage auf fliegende Würste wartete. Nach dem Spiel trippelten wir zufrieden über den Rasen, um mit Lucien Favre vor der Garderobe über Pouga abzulästern. «Pouga? Er ‘at keine Füsse, er ‘at nur Kopf.» Das Schönste an dieser Saison war allerdings, dass wir Fans einen grossen Anteil an diesem Meistertitel hatten. Wir haben den FC Zürich in einem nie dagewesenen Ambiente zum Meistertitel gepeitscht. Die Stimmung war geladen und die Gegner fürchteten den Hardturm. Zumindest bei Heimspielen des FC Zürich.

Schon das Abstimmungsergebnis über das Hooligan-Konkordat war für mich schockierend. 85,5 Prozent haben diese kantonale Vorlage angenommen, obwohl nie etwas passiert ist, was mit dieser Vorlage hätte verhindert werden können. Der Fussball oder die Fussballfans gelten als Steuergeldverschleuderer und deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass auch das Zürcher Stadionprojekt verworfen wird.

Hafenkräne, Kunststoffkühe und Velowege, da öffnet der Stadtzürcher gerne seine Brieftasche, aber wenn es darum geht, ein Stück Zürcher Fussballkultur am Leben zu erhalten ist, es vorbei mit der Grosszügigkeit.

Liebe Stadtzürcherinnen, liebe Stadtzürcher, bitte legt ein Ja in die Urne – wenn Ihr nicht schon brieflich abgestimmt habt – und lasst uns nicht zum Gespött werden als Grossstadt ohne eigenes Fussballstadion.

Gute Noten für Thun, YB und GC – der FCZ bisher ungenügend

Fabian Ruch am Mittwoch, den 18. September 2013

Nach drei Wochen Ligapause (wegen Länderspielen und Cup) nimmt die Super League am Wochenende ihren Spielbetrieb wieder auf – gleich mit einer englischen Woche und drei Runden innerhalb von acht Tagen. Vorher nehmen wir die zehn Mannschaften unter die Lupe und verteilen Noten im Zwischenzeugnis. Dabei wird auch Rücksicht auf die Möglichkeiten der Teams genommen und darauf geachtet, wie sie ihr Potenzial ausgeschöpft haben.

1. Thun            5,5

Thuns Trainer Urs Fischer gestikuliert an einem Super League Spiel. 14. April 2013. (Keystone/Marcel Bieri)

Thuns Trainer Urs Fischer gestikuliert an einem Super League Spiel. 14. April 2013. (Keystone/Marcel Bieri)

Die Thuner werden seit Jahren unterschätzt. Sie sind wie moderne Gallier, die sich gegen grössere Mächte erfolgreich zur Wehr setzen. So gesehen ist Sportchef Andres Gerber mit smarten Transfers der Schweizer Asterix. Und die Rolle von Obelix übernimmt – nun, ja – Trainer und Verbalvorkämpfer Urs Fischer  (figurentechnisch sei der Vergleich entschuldigt). Im beschaulichen Berner Oberland fallen zudem Fussballer, die bei bösen Gegnern in der Nachbarschaft nicht in Fahrt gekommen sind, offenbar immer wieder in eine Art Zaubertrank. Nach drei fünften Rängen in Serie überzeugten die Thuner in den ersten Wochen dieser Saison auch europäisch und qualifizierten sich souverän für die Europa League. Und in der Super League spielten sie mit Topskorer Josef Martinez ansprechend bis ausgezeichnet. Wären sie nicht mehrmals krass von den Schiedsrichtern benachteiligt worden, würden sie möglicherweise sogar als Tabellenführer grüssen.

2. YB              5,25

YB-Spieler Yuya Kubo feiert einen Treffer, 4. August 2013. (Keystone/Wlater Bieri)

YB-Spieler Yuya Kubo feiert einen Treffer. 4. August 2013. (Keystone/Walter Bieri)

Wochenlang waren die Young Boys unter dem neuen Lehrer Uli Forte beeindruckend unterwegs, es sah nach einer Bestnote im Saisonstart aus. Doch die 6 wurde letztlich  deutlich verpasst, weil es in Spitzenspielen gegen GC und in Basel (je 1:2) mal wieder Niederlagen setzte. Dennoch: Nach Rang 7 letzte Saison ist YB auf gutem Weg, den Klassenbesten FCB herausfordern zu können – dank verbesserter Defensive mit dem neuen Abwehrchef Steve von Bergen und einigen spektakulären Offensivkräften wie dem jungen Japaner Yuya Kubo.

3. GC              5,25

GC-Keeper Roman Bürki gilt als bester Goalie der Liga. 25. August 2013. (Keystone/Peter Schneider)

GC-Keeper Roman Bürki gilt als bester Goalie der Liga. 25. August 2013. (Keystone/Peter Schneider)

Viele sehen die Grasshoppers vermutlich nicht so positiv. Aber: Die Mannschaft hat bereits in den ersten Runden bewiesen, dass die letzte Erfolgssaison kein Zufall war. GC ist gut organisiert, solid, hat mit Roman Bürki den besten Goalie der Liga – und ist schwierig zu bezwingen. Auch im Europacup gelangen gegen Lyon und Fiorentina grösstenteils ordentliche Spiele. Doch gerade in diesen vier Begegnungen wurde das grösste Manko von GC offensichtlich: Es fehlt an einem Torjäger. Nur neun Treffer erzielten die Zürcher in sechs Ligaspielen, das ist enttäuschend. Die überragende Defensive dagegen liess erst vier Tore zu.

4. St. Gallen     5,25

St.-Gallen-Spieler Goran Karanovic (l.) köpfelt den Ball. 29. August 2013. (Keystone/Alexander Zemlianichenko)

St.-Gallen-Spieler Goran Karanovic (l.) köpfelt den Ball. 29. August 2013. (Keystone/Alexander Zemlianichenko)

St. Gallen fing sich nach relativ schwachem Beginn rasch auf, ist aber immer noch eine kleine Wundertüte. Das Potenzial wird wohl nicht ausreichen, um vorne mitzuspielen, zumal die Zusatzbelastung durch die Europa League zum Problem werden könnte. In den letzten Wochen aber überzeugten die Ostschweizer sehr. Und Stürmer Goran Karanovic schöpft seine Möglichkeiten unter Coach Jeff Saibene endlich aus. Er ist auf bestem Weg, zum Überflieger dieser Saison zu avancieren.

5. Luzern         4,75

Der FCL Cheftrainer Carlos Bernegger ruft bei einem Super League Spiel gegen den FC Basel aus. 24. August 2013 (Keystone/Sigi Tischler)

Der FCL Cheftrainer Carlos Bernegger ruft bei einem Super League Spiel gegen den FC Basel aus. 24. August 2013 (Keystone/Sigi Tischler)

Carlos Bernegger ist – nach allem was man so hört, sieht und liest – ein exzellenter Trainer. Seine Handschrift ist bei den Auftritten Luzerns zu erkennen, doch mit der 1:4-Niederlage vor der Ligapause in St. Gallen verspielte der FCL eine noch bessere Note. Wie die St. Galler könnten die Luzerner letztlich im Mittelfeld der Liga steckenbleiben, weil Basel, YB und auch GC wohl stärker sind. Behalten die Verantwortlichen aber die Ruhe, ist es Bernegger zuzutrauen, das Team in der Spitzengruppe zu etablieren. Möglicherweise fehlt der Mannschaft jedoch ein echter Skorer. Oder trifft der Australier Oliver Bozanic derart konstant weiter?

6. Basel           4,5

Basels Mohamed Salah setzt zum Schuss an. 1. September 2013. (Keystone/Georgios Kefalas)

Basels Mohamed Salah setzt zum Schuss an. 1. September 2013. (Keystone/Georgios Kefalas)

Die Basler haben den Schaden aus ihrem fast schon traditionellen Langsamstart in Grenzen gehalten – dank des mühevollen 2:1-Siegs gegen YB Anfang September. Der prächtig besetzte Primus hat selten überzeugt, er schleppte sich von Runde zu Runde, die herausragenden Akteure wie Mohamed Salah und Valentin Stocker retteten teilweise mit Geniestreichen das Team. Aber drei Punkte Rückstand auf den Leader YB sind akzeptabel, die Champions League wurde problemlos erreicht. Wenn der FCB sogar in dieser mittelmässigen Verfassung nicht zu distanzieren ist, sollte das der nationalen Konkurrenz zu denken geben.

7. Aarau          4

Aaraus Davide Calla (vorne) und Remo Staubli freuen sich über einen Treffer. 4. August 2013. (Keystone/Peter Schneider)

Aaraus Davide Callà (vorne) freut sich über einen Treffer. 4. August 2013. (Keystone)

Der Aufsteiger zahlte teilweise Lehrgeld, kassierte in sieben Begegnungen satte 17 Gegentore, hat sich aber stabilisiert. Die Aarauer sind gemessen an den bescheidenen Erwartungen an sie allemal genügend. Nicht weniger. Aber auch nicht mehr. Und das könnte zum Problem werden, denn irgendwann wird die Aufstiegseuphorie vorbei sein – und der FC Aarau sich im Niemandsland der Rangliste wiederfinden.

8. Zürich          3,75

FCZ-Stürmer Mario Gavranovic feiert nach einem Treffer. 14. Juli 2013. (Keystone/Ennio Leanza)

FCZ-Stürmer Mario Gavranovic feiert nach einem Treffer. 14. Juli 2013. (Keystone/Ennio Leanza)

Sein bemerkenswertes Offensivpotenzial hat der FCZ bisher nicht ausgeschöpft, er schoss erst acht Tore in sechs Begegnungen. Das ist schwach. Und in der Abwehr leisteten sich die Zürcher einige Fehler, aber sie haben sich gesteigert. Insgesamt jedoch reichen die Vorstellungen nicht aus, um als genügend eingestuft zu werden. Und im Europacup flog der FCZ sofort raus. Das passt zum verbesserungswürdigen Bild, das er in den ersten Wochen abgab.

9. Sion             3

FC Sions Dario Vidosoic (rechts) erkämpft sich den Ball im Spiel gegen den FC Wohlen. 15. September 2013. (Keystone/Alexandra Wey)

FC Sions Dario Vidosoic (rechts) versucht den Ball vor Joel Kiassumbua vom FC Wohlen zu erreichen. 15. September 2013. (Keystone/Alexandra Wey)

Ein Tor in sieben Partien, das ist natürlich ein Witz. Es reichte immerhin zum ersten Saisonsieg. Dieses 1:0 in Aarau soll der Startschuss zu einer Siegesserie sein. Man darf ein grosses Fragezeichen dahinter setzen. Der planlose Sion-Macher Christian Constantin hat im Sommer mal wieder fast das ganze Kader ausgewechselt, und noch passt gerade im Mittelfeld und im Angriff wenig zusammen. Die herausragende Abwehr aber ist mit bloss vier Gegentoren in sieben Spielen die beste der Liga. Sie wird den FC Sion vor dem Totalabsturz bewahren. Doch selbst der eigene Anhang wendete sich zuletzt von der Mannschaft (oder besser: von CC) ab.

10. Lausanne   2,5

Lausannes Trainer Laurent Roussey gibt seinen Spielern Tipps. 3. August 2013. (Keystone/Jean-Christophe Bott)

Lausannes Trainer Laurent Roussey gibt seinen Spielern Tipps. 3. August 2013. (Keystone/Jean-Christophe Bott)

Nur ein Wunder kann die Lausanner vor dem Abstieg retten. Sie haben das mit Abstand schwächste Team der Liga, da kann selbst der tüchtige Trainer Laurent Roussey nicht mehr herausholen. Dem schlauen Coach aber ist es zuzutrauen, dass Lausanne nicht bereits in der Winterpause völlig abgeschlagen ist. Es wird in den nächsten Monaten wieder jede Menge 0:0, 1:0 und 1:1 auf der schwach besuchten Lausanner Pontaise geben.

 

Und wie sieht Ihre Notengebung aus? Verdient ein Team die Bestnote? Wer war bisher – gemessen an den Erwartungen – genügend? Wer enttäuschte?

Flotter Dreier für Hitzfeld

Thomas Kobler am Montag, den 16. September 2013
Admir Mehmedi (l.) in einem Freundschaftspiel gegen Griechenland, 6. februar 2013. (Keystone/Georgios Kefalas)

Admir Mehmedi (l.) in einem Freundschaftspiel gegen Griechenland, 6. Februar 2013. (Keystone/Georgios Kefalas)

Seit gestern könnte der Kampf um den Startplatz als zentraler Stürmer der Nati wieder um einen weiteren Anwärter erweitert worden sein: Admir Mehmedi, vor kurzem auf Leihbasis vom Dnjepr, dem grossen slawischen Strom, an die beschaulich dahinplätschernde Dreisam gewechselt, schoss am Samstag in Augsburg sein erstes Bundesligator. Just vor der grossen Länderspielpause bei seinem ersten Freiburger Auftritt noch in letzter Minute eingewechselt und umgehend wieder vom Platz geflogen, hinterliess er bei seiner zweiten Chance einen weit erbaulicheren Eindruck bei Fans und Trainer. Christian Streich hatte schon nach dem Platzverweis väterlich darauf hingewiesen, unter welchem Druck der Junge stünde, und dass die Athletik der Bundesliga für Neuankömmlinge ziemlich gewöhnungsbedürftig sei: «Die Spieler hier rennen das ganze Spiel den Platz rauf und runter.» Vom psychologischen Druck – endlich wieder Einsatzzeit zu kriegen – gar nicht zu reden. Admir Mehmedi hätte nach seinem mutigen, aber glücklosen, Ausflug in die Wiege des russischen Reiches kaum eine bessere Wahl treffen können, um weiter im Spitzenfussball seinen Traum zu verfolgen. Jetzt schiesst er sich also wieder mit harter Stürmer-Währung ins Gedächtnis von Ottmar Hitzfeld zurück, wenn auch noch nicht als ständiges Icon auf der Toolbar des Nati-Verantwortlichen.

Eren Derdiyok (r.) im Spiel gegen Zypern, 23. März 2013. (Keystone)

Eren Derdiyok (r.) im Spiel gegen Zypern, 23. März 2013. (Keystone)

Und auch Eren Derdiyok, das unerfüllteste grosse Versprechen des Schweizer Fussballs, ist aus dem Hoffenheimer Straflager, das dort «Trainingsgruppe 2» heisst, und russische Gulags oder Guantánamo fast schon wie Kurorte erscheinen lässt, wieder auf die Bank zurückgekehrt. Frisch eingekleidet in Rot-Schwarz nahm er am Samstag in der BayArena darauf Platz. Hinter Stefan Kiessling, dem derzeit überragend aufspielenden Leverkusener Torjäger, soll er bereit sein einzuspringen, wenn es die Situation oder die Rotation erfordert. Als sich Kiessling gestern ein blaues Auge holte, wäre es fast schon so weit gewesen. Derdiyok  bekam diesen Sommer von Rudi Völler eher unerwartet ebenfalls eine zweite Chance. Denn 2012, als der Stürmer Bayer 04 in Richtung 1899 verliess, meinte der etwas enttäuscht: «Eren ist ein Riesen-Junge, aber er macht einfach zu wenig aus seinen Möglichkeiten.» Unter dem knallharten Ex-FC-Liverpool-Verteidiger Sami Hyppiä gibt es für Derdiyok jedoch nur noch eines: Fussball total – mit Halbheiten ist man beim Finnen sogleich weg vom Fenster. Im Gegensatz zu Hitzfeld kann sich dieser auf dem Transfermarkt zweimal jährlich mit Stürmern, die alles für ihren Beruf geben, eindecken.

Haris Seferovic am Ball gegen Island, 6. September 2013. (Keystone/Salvatore Di Nolfi)

Haris Seferovic am Ball gegen Island, 6. September 2013. (Keystone/Salvatore Di Nolfi)

Auch wenn Haris Seferovic im Moment die besten Karten besitzt, ist er natürlich noch längst nicht gesetzt für Brasilien. Er muss in dieser Saison in San Sebastián ebenso auf Spielzeit und Zählbares kommen wie seine beiden wieder aufgetauchten Konkurrenten. Pikanterweise könnte es dadurch, dass Real Sociedad in der gleichen Champions League-Gruppe wie Bayer Leverkusen spielt, sogar zum Direktvergleich auf höchster Ebene kommen. Mindestens jedoch sollte sich für Ottmar Hitzfeld die eine oder andere Gelegenheit ergeben, seine Kandidaten bei anspruchsvollsten Einsätzen beobachten zu können. Und auch Mehmedis SC Freiburg spielt in der Europa League. Wenn man sich diese ähnlichen Ausgangslagen anschaut, dann dürfte es weder für Hitzfeld noch für die drei Kandidaten auf die Selektion hin Ausreden geben.

Wem traut ihr es am ehesten zu, Nati-Startelfmittelstürmer in Brasilien zu werden, Sportsfreunde?

Dieses Schweizer Team ist noch besser,
als viele denken

Fabian Ruch am Mittwoch, den 11. September 2013
Torjubel in Oslo: Doppeltorschütze Fabian Schär (Mitte) lässt sich feiern, das Schweizer Team erledigte seinen Job beim 2:0 gegen Norwegen souverän.

Torjubel in Oslo: Doppeltorschütze Fabian Schär (Mitte) lässt sich feiern, das Schweizer Team erledigte seinen Job beim 2:0 gegen Norwegen souverän.

Nach dem diskussionslosen 2:0-Sieg am Dienstagabend in Oslo gegen Norwegen, den grössten Konkurrenten in der Gruppe, wird die Schweiz mit allergrösster Wahrscheinlichkeit an der WM 2014 in Brasilien teilnehmen. Und das ist richtig so. Dieses talentierte Team hat es verdient, an der Weltmeisterschaft im nächsten Jahr dabei zu sein. Da spielt es auch keine Rolle, dass sich die Schweizer in einer der schwächsten Qualifikationsgruppen, die es bisher in Europa gegeben hat, durchsetzen werden. Norwegen aus Topf 1 und Slowenien aus Topf 2 – diese Konstellation dürfte einzigartig bleiben.

Die Art, mit der die Schweiz in Norwegen siegte, ist beeindruckend. Sie war in allen Belangen die bessere Mannschaft, sie war bissiger und begabter, spielstärker und stabiler. Die Akteure kombinierten zuweilen flott und vernachlässigten dennoch nur selten ihre taktische Disziplin, sie waren solidarisch und leidenschaftlich. Die Schweizer hätten mit mehr Kaltblütigkeit auch 4:0 oder 5:0 gewinnen können und haben mit bemerkenswerter Reife auf den kolossalen Einbruch gegen Island reagiert. Sie bewiesen, den Ernst der Lage erkannt zu haben. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie in Oslo auftraten und den Gegner dominierten, lässt erahnen, welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt. Die Schweizer sind besser, als viele Leute heute denken. Ihre beste Zeit steht dieser Auswahl noch bevor.

Aber irgendwie scheinen zahlreiche Menschen dem Nationalteam immer noch nicht viel zuzutrauen. Anders ist es nicht zu erklären, warum der Auswahl nach dem 4:4 gegen Island in den letzten Tagen derart viel Misstrauen entgegenschlug. Viele Medien übertrieben es mit der Kritik. Natürlich gibt es keine Entschuldigung, wenn man einen 4:1-Vorsprung gegen eine mittelmässige Mannschaft wie Island verspielt. Aber im Fussball geschehen manchmal seltsame Dinge. Und die Schweizer haben sich dadurch nicht entmutigen lassen. Sie reagierten wild entschlossen und bewiesen in Oslo, eine aufstrebende Macht in Europa zu sein. Sie haben ein Zeugnis ihrer Reife abgelegt.

Vermutlich ist das belgische Team mit seinen zahlreichen Ausnahmetalenten derzeit sogar noch aufregender als die Schweizer Mannschaft. Aber diese muss sich nicht kleiner machen, als sie ist. Im Kader stehen ausgezeichnete Fachkräfte, die auf ihren Positionen zu den besten Europas gehören – und die meisten Nationalspieler besitzen ja noch Steigerungsmöglichkeiten. Der Prozess dieses Teams zu einer internationalen Topequipe ist noch lange nicht abgeschlossen. Aus dem grossartigen Nachwuchsbereich rücken immer wieder neue Talente nach.

Und einige wertvolle Akteure wie Xherdan Shaqiri oder Granit Xhaka, Haris Seferovic oder Ricardo Rodriguez sind immer noch jung. Am Ende ihrer Entwicklung ist diese Mannschaft deshalb noch lange nicht angelangt. In einer Generation, die U-17-Weltmeister wurde und Finalist der U-21-EM war, gibt es ohnehin viele ausserordentlich talentierte Akteure. Sie wissen, wie man grosse Fussballnationen bezwingt. Und deshalb darf die Schweiz der Fussball-WM im nächsten Sommer auch optimistisch entgegenblicken.

An der Weltmeisterschaft wird für das Team von Ottmar Hitzfeld einiges möglich sein. Gegen starke Teams agiert die Schweiz meistens noch besser, weil sie auf dem Rasen schnell von Defensive und Offensive umschalten kann und mit ihren flinken Akteuren unberechenbar bleibt. Bei günstiger Auslosung jedenfalls kann die Schweiz an der WM 2014 zum Favoritenschreck werden. Eine Qualifikation für die Achtelfinals muss das Ziel sein. Und an guten Tagen wird die Schweiz auch danach für Überraschungen sorgen können.

Und was meinen Sie? Was liegt für die Schweiz in Brasilien im nächsten Jahr drin? Oder zweifeln Sie noch an der WM-Qualifikation?