Gygax zum FCZ

Simon Zimmerli am Freitag, den 21. Februar 2014
Gygax

FCL-Spieler Daniel Gygax erzielt ein Tor gegen den FC Basel, 21. April 2013. (Keystone/Georgios Kefalas)

Der Vertrag von Daniel Gygax mit dem FC Luzern wird nicht verlängert, sodass der FC Zürich den Offensivspieler im Sommer ablösefrei verpflichten könnte. Er täte gut daran, dem farblosen Verein mit der Integrationsfigur und Führungspersönlichkeit einen neuen Anstrich zu verpassen.

Gygax polarisiert in Luzern. Für die einen ist er der FCZler, der sein Herz im Letzigrund liess und deshalb in Luzern nichts zu suchen hat, andere haben grosse Achtung vor ihm, weil er keinen Wert darauf legt, der Allgemeinheit zu gefallen, und sich stets treu blieb. Grossen Respekt bei den Luzerner Fans verdiente sich der 32-jährige Aargauer während eines Fanprotestes. Als das Luzerner Publikum während des Spiels gegen die Grasshoppers den Support im Stadion eingestellt hatte und er das 1:1 erzielte, schwieg er ebenfalls und brachte so die Luzerner Fans zum Entzücken (siehe Video unten).

Grossartige Aktion von Gygax (ab Min. 4:00) und Interview (ab 5:20).

Mit einem Monatssalär von 35’000 Franken konnte er aber die sportliche Erwartungshaltung des anspruchsvollen Luzerner Publikums nie erfüllen. In dieser Saison absolvierte Gygax aufgrund einer Verletzung lediglich fünf Teileinsätze, und so ist der Grossteil der Luzerner Fans zufrieden mit dem Entscheid der Führungsriege, seinen Vertrag nicht mehr zu verlängern.

Mit seiner Schnelligkeit, seiner Kopfballstärke und seinem strammen Schuss war der talentierte Offensivspieler beim FCZ Symbol des Zürcher Aufschwungs 2004. «Gigiii» war unumstrittener Publikumsliebling im Letzigrund und nahm sich nach den Spielen viel Zeit für seine Fans in der legendären Flachpassbar. Er zeigte keinerlei Starallüren und nahm sich und den Fussball nie so wichtig, wie dies andere Spieler taten. Unvergessen bleiben seine drei Tore beim 5:6 gegen die Grasshoppers, die am Schluss leider nutzlos blieben.

Vielleicht blieb Gygax die ganz grosse Karriere verwehrt, da es für ihn auch neben dem Fussballplatz ein Leben gab und ihm so die leistungsmässige Konstanz fehlte. 15 Jahre ist Gygax nun im Profifussballgeschäft tätig und blickt auf einen Cupsieg mit dem FCZ, auf den Aufstieg mit Nürnberg und auf drei Teilnahmen als Nationalspieler an grossen Turnieren zurück. Gygax ist nach wie vor hungrig und möchte unbedingt noch einen Meistertitel gewinnen. Ins Ausland wird er wohl kaum wechseln, und der FC Basel und die Grasshoppers sind sicher keine Option für ihn. Deshalb kann sein zukünftiger Verein eigentlich nur FC Zürich heissen.

Dieser Blog ist der wundervollen Cátia gewidmet <3.

Wie stehen Sie zum FC Basel?

Fabian Ruch am Mittwoch, den 19. Februar 2014
Fans des FCB im St.-Jakob-Park. (Keystone/Georgios Kefalas)

Fans des FCB im St.-Jakob-Park. (Keystone/Georgios Kefalas)

Letzte Woche schrieb ich hier im Blog, dass der FC Basel einen Schiedsrichterbonus besitze. Das ist eine Urdebatte im Schweizer Fussball, klar, und doch war ich überrascht von den zahlreichen Reaktionen. Polemische und sachliche. Ausführliche Dokumentationen und primitives Geschwätz. Man kann sie grob so zusammenfassen: hier Basel, dort die Fussballrestschweiz.

Der FCB jedenfalls lässt kaum jemanden kalt, und auch das ist ja keine Überraschung, weil er derart dominant ist, dass er möglicherweise zu gut und zu gross für die Super League geworden ist. Sportlich. Und vor allem wirtschaftlich. Darüber schrieb ich hier letztes Jahr. Und auch damals waren die Kommentare und Reaktionen bemerkenswert vielfältig.

Und wenn sich in dieser Diskussion der ganze Rauch verzogen hat und der Puls bei allen Fans und Beteiligten gesunken ist, lässt sich sowieso festhalten: Ohne den FCB wäre die Super League erheblich langweiliger. Er geniesst völlig zu Recht einen Sonderstatus im Schweizer Fussball. Im Ausland. In den Medien. In diesem Blog. Und eben vielleicht manchmal auch bei den Schiedsrichtern.

So ist das. Wir sollten alle froh sein, gibt es diesen FC Basel, der uns Schweizer in der Champions League und in der Europa League ein bisschen am grossen Fussball teilhaben lässt. Der in der Liga und im Cup vor allem im Herbst nicht immer mit der nötigen Konsequenz spielt, am Ende im Frühling aber doch Trophäe um Trophäe gewinnt. Der schier Halbjahr für Halbjahr seine besten Kräfte ersetzen muss. Und dem das meistens ausgezeichnet gelingt.

Die Spieler des FC Basel nach einem Spiel gegen YB, 8. Februar 2014. (Keystone/Patrick Straub)

Die Spieler des FC Basel nach einem Spiel gegen YB, 8. Februar 2014. (Keystone/Patrick Straub)

Auch 2014 stehen die Chancen auf ein FCB-Double ja ausgezeichnet. Und auch dieses Jahr werden die Basler im Sommer höchstwahrscheinlich mehrere Stammspieler verlieren. Goalie Yann Sommer. Abwehrchef Fabian Schär. Flügelspieler Valentin Stocker. Zusammen mit den Einnahmen aus der Champions League und der stolzen Ablösesumme, die Chelsea im Januar für Mohamed Salah überwies, dürften es letztlich beinahe 50 Millionen Franken sein, die der FCB in dieser Saison allein aus Spielerverkäufen und in der Königsklasse verdient.

Zu gross?! Zu gut?! Zu mächtig?!

Der FC Basel polarisiert. Seine Nationalspieler, besonders diejenigen, die anecken, werden teilweise selbst im Nationaltrikot nicht bedingungslos unterstützt. Von der Fussballrestschweiz. Basel ist wie Juventus. Oder Bayern. Oder Real und Barcelona. Stark, erfolgreich, zuweilen arrogant. Geliebt. Oder verhasst. Partien gegen den FCB sind für die anderen Vereine Festspiele, weil sie selten etwas zu verlieren haben. Aber viel zu gewinnen. Und genau das macht die Basler Titelhamsterei auch so besonders beeindruckend. Super League ist, wenn am Ende der FC Basel jubelt.

Dabei, und das schreibe ich frei von Polemik, wäre dieser FCB in dieser Saison zu packen. Er gewinnt, das schon, aber er überzeugt keineswegs restlos. Noch fehlt der spielerische Glanz in seinen Auftritten. Luzern und St. Gallen allerdings sind durchzogen in die Rückrunde gestartet, sie besitzen ohnehin nicht die Klasse, um Basel anzugreifen. YB hätte bekanntlich ein ziemlich gutes Team, doch die bittere Niederlage in Basel vor eineinhalb Wochen, als der FCB dank drei krassen Schiedsrichterfehlern noch 3:2 siegte, hat die Young Boys getroffen. Zudem verloren sie in dieser Begegnung auch noch den ungemein wichtigen, mannschaftsdienlichen Stürmer Alexander Gerndt. Der Schwede verpasst – nach einem brutalen Foul von Basels Taulant Xhaka – mit mehreren Fussverletzungen den Rest der Saison. Zudem können die Young Boys kaum ins Titelrennen eingreifen, wenn sie in jeder Partie drei Gegentore erhalten. Die Defensive um die starken, teuren Innenverteidiger Steve von Bergen und Milan Vilotic muss sich schleunigst steigern.

Und GC? Wirkt weiterhin erstaunlich stabil – und kann am nächsten Sonntag im Heimspiel den FCB bremsen. Vielleicht erscheinen zu diesem Spitzenkampf ja für einmal mehr als bloss ein paar Tausend Zuschauer im Letzigrund. Es geht um die Spannung an der Super-League-Spitze. Und mal wieder hofft die Fussballschweiz (minus Basel-Fangemeinde) auf einen Ausrutscher des FCB.

Und wie stehen Sie zum FC Basel? Sind Sie stolz auf ihn, weil er in Europa grosse Ehre für den Schweizer Fussball einlegt? Oder nervt er Sie, weil er zu gross und erfolgreich und arrogant ist?

Hat der FC Basel einen Bonus bei den Schiedsrichtern?

Fabian Ruch am Mittwoch, den 12. Februar 2014
Schiedsrichtervorteil für den FC Basel? Basels Marco Streller diskutiert mit einem Schiedsrichter. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Schiedsrichtervorteil für den FC Basel? Basels Marco Streller diskutiert mit einem Schiedsrichter. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Der FC Basel hat in den letzten Jahren ausserordentliche Leistungen erbracht, der Verein arbeitet professionell und ausgezeichnet und ist sportlich wie wirtschaftlich fantastisch aufgestellt. Der FCB ist, das darf man so schreiben, der Stolz der Fussballschweiz. Das wurde auch in diesem Blog immer wieder ausführlich betont. Sein Stellenwert ist riesig, er ist der unangefochtene Primus des Landes. Geliebt. Gefürchtet. Respektiert.

Wie andere grosse Mannschaften aber profitiert Basel regelmässig von Schiedsrichterentscheidungen. Und man wird ja, gerade nach den Ereignissen vom Wochenende, mal wieder die Frage aufwerfen dürfen: Hat der FCB bei den Spielleitern einen Bonus?

Ich behaupte: ja!

Das heisst natürlich nicht, dass die Unparteiischen den FC Basel bewusst bevorzugen. Von dieser provokativen Meinung bin ich weit entfernt, das wäre kompletter Unsinn. Aber: Die Schiedsrichter lassen sich zu oft beeinflussen. Im St.-Jakob-Park ist die Stimmung zuweilen aufgeheizt, und dann fehlt den Referees der Mut, in heiklen Situationen gegen den FCB zu entscheiden. Beispiele aus den letzten Jahren gibt es viele. Und regelmässig erhält Basel ja gerade in der Schlussphase einer Begegnung Elfmeter zugesprochen. Nicht jeder ist gerechtfertigt. Die smarten FCB-Offensivkräfte wissen ganz genau, wie sie sich im gegnerischen Strafraum zu verhalten haben.

YB weiss ein trauriges Lied davon zu berichten. Am Samstag, nach der 2:3-Niederlage in Basel, meinte ein langjähriger Super-League-Spieler der Young Boys, er wisse nicht, der wievielte umstrittene Elfmeter im St.-Jakob-Park gegen seine Mannschaft gepfiffen worden sei. Es seien unglaublich viele. So ist die Wahrnehmung vieler Fussballer.

Die Debatte, ob der FCB einen Schiribonus besitzt, kocht immer wieder hoch. Natürlich hat sich der Schweizer Meister sein besonderes Standing mit harter, erfolgreicher Arbeit redlich verdient. Die Fehler der Schiedsrichter aber verfälschen das Tabellenbild. So hätten die Young Boys in der Vorrunde dieser Saison im Stade de Suisse in der 91. Minute einen Elfmeter zugesprochen erhalten sollen, als Basels Verteidiger Ivan Ivanov den YB-Stürmer Haris Tabakovic eindeutig an den Schultern zerrte. Der Pfiff von Nikolaj Hänni blieb aus, die Partie endete kurz darauf 2:2. Und am letzten Samstag fühlten sich die Young Boys eben zum wiederholten Mal in Basel benachteiligt. Hänni, wieder er, entschied gleich in drei wichtigen Szenen gegen die Berner. Es waren drei krasse Fehler.

Beim 1:2-Anschlusstor von Marco Streller standen zwei Basler deutlich im Abseits. Sie bückten sich bei Strellers Schuss und störten YB-Goalie Yvon Mvogo zweifellos. Taulant Xhaka wiederum hätte für sein brutales Foulspiel gegen Alexander Gerndt, der nun monatelang verletzt ausfällt, einen Platzverweis verdient gehabt. Oder wann sonst muss man für ein Foulspiel die Rote Karte zeigen? Und zu schlechter Letzt war es in der 89. Minute natürlich niemals ein Elfmeter, als Streller im YB-Strafraum zu Boden ging. Es hätte Freistoss rund 25 Meter vor dem Tor der Young Boys geben müssen, denn dort fand das Foulspiel von YB-Verteidiger Milan Vilotic statt.

Im Berner Lager wurde nach der Begegnung moniert, Nikolaj Hänni sei beeinflusst gewesen, weil Basler Spieler und Vertreter in der Pause mal wieder auf den Schiedsrichter eingeredet hätten. Hänni hatte ja in der ersten Halbzeit unglücklich das 2:0 der Young Boys eingeleitet, weil er eine Basler Kombination 80 Meter (!) vom FCB-Tor entfernt stoppte, als er im Weg stand. Er hatte möglicherweise ein schlechtes Gewissen – und entschied sich für diesen Kompensationselfmeter.

Es heisst, Fehlentscheidungen der Schiedsrichter würden sich im Verlauf einer Saison für die Mannschaften ausgleichen. Doch frei von Polemik darf man festhalten, dass die grossen, prominenten Teams im Fussball oft bevorzugt werden. Das ist nicht nur in der Schweiz so. Und es ist absolut nachvollziehbar. Schiedsrichter sind keine Übermenschen.

Was denken Sie? Besitzt der FC Basel bei den Schiedsrichtern tatsächlich einen Bonus, wie es immer wieder heisst? Oder sind die anderen Vereine einfach nur schlechte Verlierer? Und: Wie beurteilen Sie die Leistungen der Referees in der Super League?

Liebeserklärung an den Letzigrund

Steilpass-Redaktion am Dienstag, den 11. Februar 2014
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0:2, 38 Zuschauer, keine GC-Stürmer in Sicht.
Nur ein Zwischenstand, es besteht noch Hoffnung

Nach meiner Hommage an das Brügglifeld wurde ich von selbst gebackenen Rüeblitorten und VIP-Einladungen an AKW-Besichtigungen nur so überhäuft. Das schönste Geschenk war aber der Presseausweis für das Spiel zwischen dem FC Aarau und meinem FCZ, in knapp 2 Wochen, der auch in der Spielergarderobe seine Gültigkeit behält! Der Medienverantwortliche beim FC Aarau, Remo Conoci, erlief meinen Steilpass und spielt ihn als Gastblogger mit einer Liebeserklärung an den Letzigrund zurück.
Sportliche Grüsse nach Aarau und besten Dank, Remo!
Simon Zimmerli

Immer wird geschimpft, der Letzi sei für leichte Athleten gebaut worden, aber sicher nicht für Fussball-Schwergewichte. Und dennoch sind Woche für Woche für viele Sektoren gar keine Tickets erhältlich. Die Nähe, die Wärme im Stadion gehen so weit, dass, wenn ein Tor fällt, man hier spontan mit dem Sitznachbarn abklatscht, selbst wenn man dafür ein paar Sektoren rutschen muss. Auf dem Weg zurück in den kuscheligen Sitz Nr. 48 in der idyllisch mittig gelegenen Reihe 15 empfiehlt sich ein kleiner Abstecher an den Burger-Stand ganz hinten auf der Terrasse in der Ecke des Sektors F. Ohne lange anstehen zu müssen, bekommt man seinen Hamburger, der, durch beide Handflächen gewärmt, ganz ordentlich schmeckt. Hier trifft man Menschen, und es entwickeln sich freundschaftliche Gespräche wie: «Wo sitzt du? – Im Sektor A. – Ach so, du bist das.» Und man weiss, hier ist man zu Hause, hier ist man nicht allein.

 

Ich schreite durch den gefühlt 500 Meter langen Gang vom Medienraum zum Spielfeldeingang. Ach was, ich flaniere. Links und rechts das stilvolle Nichts von farblos gehaltenen Wänden. Ich spüre das Leben und die Leidenschaft dahinter, auf dem aufgeschütteten Uetliberg, der quasi den Grenzstein bildet zwischen GC und FCZ, eine Linie, die hier quer durchs Stadion führt. Dann ein Zwischenruf des Speakers, vielleicht etwas unmotiviert «Foschini» aussprechend, wie es geschrieben wird. Es steht 1:2 gegen das Heimteam, wer mag es ihm verübeln. Ich habe die Fototasche vergessen, also zurück in den Medienraum, diesmal über die Alternativroute via Tribüne, Terrasse und Burger-Stand im Sektor F, wo es auch Bier gibt. 1,8 Kilometer mit 7 Metern Höhenunterschied, ich erwarte jeden Moment einen Hauptwegweiserstandort.

 

Das Spiel ist aus, das Eventparadies ist schnell verlassen, doch Parkieren im Letzipark erwies sich als eigentlicher Höhepunkt des Tages. 20 Franken kostet das Parkhausticket oder so viel wie zweieinhalb Burger im Sektor F. Wir fahren am Grinsen des Parkhauswächters vorbei, stellen fest, dass es bei den Verrichtungsboxen weiter oben deutlich mehr Zuschauer gibt als im Sektor A, und lassen uns in der 60er-Zone auf der A 1 bei Altstetten für 40 Franken ein Blitzbild anfertigen. Dann hat uns der Aargau wieder. Und mit uns drei Punkte. Merci Letzigrund, wir kommen gern wieder.

 

Remo Conoci

 

Super League statt Olympia

Annette Fetscherin am Samstag, den 8. Februar 2014
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Ist doch klar, wer gewinnt: Die Super League natürlich. (Bilder: Keystone)

Sotschi glänzt in diesen Tagen im Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit. Die Olympischen Spiele stehen an – und das in Russland. Wir Schweizer, die wir ach so perfekte Organisationstalente sind, schauen mit Argwohn in den Osten: Können die das überhaupt? Die grössten Fragezeichen tanzen in diesen Tagen nicht darum, wer der beste Athlet, die schnellste Fahrerin, der ausdauerndste Läufer ist, sondern welcher Journalist das schlechteste Hotelzimmer erwischt hat, wo die Heizung nicht funktioniert, was noch alles unvollendet ist und ob die Zahnpasta Sprengstoff enthält.

Da lob ich mir doch unsere heimische Super League. Denn während im fernen Sotschi die pompöse Eröffnungsfeier über die Bühne geht, bereitet sich die Schweizer Fussball Liga auf den Spitzenkampf vom Samstag vor.

Fünf Gründe, sich noch mehr auf die kommenden Super-League-Wochen zu freuen, als auf das weltweit grösste Sportereignis:

  1. Der Spitzenkampf FC Basel gegen YB findet in einem modernen Stadion statt. In keinem das «hingeklöpft» wurde, sondern in einem, das man gebaut hat.  Die Arbeiter wurden dabei nicht ausgebeutet und die Decke droht einem nicht, auf den Kopf zu fallen. Selbst Greenpeace Aktivisten fühlen sich in dieser Atmosphäre wohl und machten die Probe aufs Exempel. Das Dach überlebt auch illegale Kletteraktionen.
  2. Der Rückrundenstart hat mehr Spektakel geboten, als jeder Slopestyle oder Skicross-Wettbewerb. Shkelzen Gashi zaubert einen genialen Hackentrick aufs Feld und Mario Gavranovic zeigt sich als begnadeter Techniker. Ballannahme mit rechts und Abschluss mit links zum Siegestreffer. Selbst in der Challenge League kann man von Patrick Rossini einen Fallrückzieher-Tor bestaunen. Das macht Lust auf mehr!
  3. Wir brauchen keinen Schnee für die Super League, nein, wir sind sind sogar froh, dass es keinen gibt. Keine Spielabsage in der obersten Liga am ersten Wochenende. Wenn jetzt auch noch das Tessin mitspielt, kann der Fussball-Frühling kommen!
  4. Fussball ist ein einfacher Sport. Es müssen keine Hundertstelsekunden gemessen werden, sondern die Tabelle ergibt sich wie von selbst. Der Erste (FC Basel), liegt 2 Punkte vor dem Zweiten (YB), 3 vor dem Dritten (GC) und 4 vor dem Vierten (FC Luzern). Daraus folgt dann auch gleich Punkt 5.
  5. Die Meisterschaft ist spannend wie kaum zuvor! Vier Punkte liegen zwischen dem ersten und dem vierten Rang. YB kann den FC Basel mit einem Sieg im Spitzenkampf überholen und auch GC könnte punktemässig mit nur einem Dreier nach ganz oben aufschliessen. Die Young Boys haben mit dem Transfer von Milan Vilotic die Zähne gefletscht. Sie möchten das Meisterschaftsrennen noch lange spannend halten und haben mit diesem Transfer den FC Basel gekitzelt. Auch der Ligakrösus war am kopfballstarken Innenverteidiger interessiert. Die Olympia-Abfahrt dauert knapp zwei Minuten. Die Super League noch fast vier Monate und die Spannung scheint bis auf Weiteres anzuhalten.

Keine Frage, Olympia ist toll. Dennoch konnte einem in den letzten Tagen und Wochen die Lust auf das Grossereignis vergehen. Terrorgefahr, Homophobie und Korruption sind nur ein paar der Stichworte, die einem die Lust am fröhlichen Beisammensein der Völker doch ein wenig verderben. Wahrscheinlich ist der Ausdruck «Spiele» im Zusammenhang mit Spitzensport grundsätzlich mit Vorsicht zu geniessen.  Und trotzdem freue ich mich auf das Spitzen-SPIEL der Super League Basel gegen YB. Es verspricht Spannung, Spektakel und Spass und – trotz allem – ein Stück heile Welt.

Wie sehen Sie das?

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Liebeserklärung an das Brügglifeld

Simon Zimmerli am Freitag, den 7. Februar 2014


Wenn der FCZ gleichzeitig im Letzigrund spielt, und meine Begleitung und ich viel Geld in Zugtickets nach Aarau investieren, dann ist es an der Zeit, dem FC Aarau zu huldigen und eine Hommage an das altehrwürdige Brügglifeld und seine Besucher zu schreiben. Und sich stolz zu outen, dass man in Berikon AG aufgewachsen ist. Trotzdem fühle ich mich verpflichtet, anzufügen, dass der stolze und mächtige Zürcher Grenzstein gleich hinter unserem Haus trohnte. Ich möchte ja dann auch nicht ständig gegen Klischeevorwürfe ankämpfen müssen wie beispielsweise die Kollegen aus dem Freiamt.

Während «The Final Countdown» durch die Stadionlautsprecher erklingt und die Spieler einlaufen lodert eine wunderbare Pyroshow im St. Galler Block, welcher aus einem aufgeschütteten Grashügel besteht. Vereinzelte Hopp-Aarou-Rufe dickeingepackter und älterer Herren auf der Tribüne gehen im Lärm der St. Galler Fans vorerst unter. Es ist ein packendes Spiel und als Sven Lüscher das Heimteam in Führung bringt, brechen alle Dämme. «34. Minute, Goal für de FC Aarou, Torschütz mit de Nommere Vierzäh Sven Lüüüüüscheeer, Sven Lüüüüüscheeer, Sven  Lüüüüüscheeer, neue Spielstand Aarou Eeeeis, St. Galle nuuuuuull, Danke, Biiiitttte», wechseln sich der Stadionspeaker, der hoch oben im Holzgebälk amtet, und die Zuschauer ab.

Zur Pause gibt es zur Feier des Rückrundenstarts Gratis Punsch. Wir entscheiden uns in der scharfen Kurve jedoch für den Kafi Zwetschge und den prächtigen Fackelspiess, der uns mit viel Freundlichkeit verkauft wird.  Das Musikkonzept zur Pause hat noch Luft nach oben aber selbst Haddaways «What is Love» ist in diesem grossartigen Ambiente nicht störend und passt zu Faserpelzjacken und Buffalo Schuhen wie die Faust aufs Auge.

Der Rasen verhindert in der zweiten Halbzeit einen gepflegten Spielaufbau und die Aarauer müssen kurz nach der Pause den Ausgleich hinnehmen. In einer unterhaltsamen Partie bleibt es dann auch bei der Punkteteilung.

Abgesehen vom Liebelei-Verbot am Stammtisch werden wir im Restaurant Sportplatz mit Herzlichkeit nur so überschüttet. Hier sind St. Gallen- und Aarau-Fans vereint und wir als Zürcher Willkommen. Roli gibt eine Runde aus und die junge Familie aus Gränichen überlässt uns temporär die kleine Mirja, welche mir versprochen hat, in zwei Wochen im FCZ-Tenue aufzulaufen, so dass den ersten Punkten gegen Aarau diese Saison nichts mehr im Wege stehen sollte. Aarau und sein Brügglifeld – das ist ein Stück Schweizer Fussballkultur, die uns hoffentlich noch lange erhalten bleibt.

Nur YB kann Basel gefährlich werden

Fabian Ruch am Mittwoch, den 5. Februar 2014
Grosses Potenzial in der Offensive: Der Berner Josef Martinez feiert seinen Treffer zum 1:0 gegen Thun am vergangenen Sonntag. (Foto: Peter Schneider/Keystone)

Grosses Potenzial in der Offensive: Der Berner Josef Martinez feiert seinen Treffer zum 1:0 gegen Thun am vergangenen Sonntag. (Foto: Peter Schneider/Keystone)

Auf dem Papier bahnt sich ja ein sehr spannender Titelkampf in der Super League an. Fünf Teams liegen an der Spitze nahe zusammen, und die vor der Saison hoch eingeschätzten Zürich und Sion sind nicht einmal im Meisterrennen involviert.

Dennoch behaupte ich: Es droht ein langweiliger Schweizer Fussballfrühling, weil der FCB zu stark und gross und dominant ist. Und: Nur YB kann Basel ernsthaft gefährlich werden.

Luzern und St. Gallen erlitten am letzten Wochenende zum Start der Rückrunde bereits kleine Dämpfer. Sie sind die wackeren Überraschungsteams, sie sind gut organisiert, solid, sie sind Trainerteams, weil Carlos Bernegger in Luzern sowie Jeff Saibene in St. Gallen das Optimum aus den Möglichkeiten des Kaders herausholen.

Das aber reicht niemals, um den FCB herauszufordern.

Bleiben YB und GC als Konkurrenten des Titelhamsterers aus Basel. GC war bereits in der letzten Saison nicht weit vom FCB entfernt, er forderte den Primus in der Liga und schlug ihn im Cupfinal. Und auch unter dem deutschen Coach Michael Skibbe wirkt der Grasshopper-Club ausbalanciert und homogen, der Zürcher Verein agiert trotz Finanzsorgen, Führungskapriolen und Stadionproblem relativ erfolgreich und reif und ist gut genug, um Dritter zu werden. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Die Mannschaft von GC ist klar schwächer als jene von Basel, und wenn Stammkräfte ausfallen, führt das sofort zu einem Leistungseinbruch. Die Personaldecke ist enorm dünn.

Zudem ist es wirklich erstaunlich, wie wenig Zuschauer GC anlocken kann. Das ist, man muss es mal wieder schreiben, sehr bitter. Das Team spielt seit eineinhalb Jahren ganz oben mit, aber Big Züri hat es nicht bemerkt – oder es interessiert (fast) niemanden. Fussballbegeisterung löst dieser Verein leider kaum aus.

Ganz anders in Bern, wo YB zwar seit Jahren der Musik hinterherläuft, aber mal wieder auf dem Weg der Besserung ist. So scheint es jedenfalls, am nächsten Samstag treten die Young Boys in Basel zum Spitzenspiel Zweiter beim Ersten an – bei einem FCB-Heimsieg jedoch würde der Champion bereits wieder fünf Punkte vor den Bernern liegen. Die Young Boys allerdings haben absolut nichts zu verlieren, und es gibt ja durchaus Gründe, die für einen YB-Höhenflug in den nächsten Wochen sprechen.

Da ist einerseits das Potenzial in der Offensive mit den jungen, sehr begabten Michael Frey, Josef Martinez und Yuya Kubo sowie den erfahrenen Gonzalo Zarate, Alexander Gerndt und Raphael Nuzzolo. Da ist aber, andererseits, vor allem diese überragende, kostspielige Innenverteidigung. Den neben Basels Fabian Schär besten Abwehrspieler der Liga besassen die Young Boys mit Nationalspieler Steve von Bergen bereits seit dem Sommer, und am Wochenende kam mit Milan Vilotic der wohl drittstärkste Verteidiger der Super League dazu. Von Bergen und Vilotic dürften bald ein überragendes Abwehrbollwerk darstellen.

Beim Transfer von Vilotic, der in Bern wieder beim letztjährigen GC-Trainer Uli Forte engagiert sein wird, sah man auch die Kräfteverhältnisse korrekt dargestellt. YB ist dank seinen finanzkräftigen Besitzern Andy und Hans-Ueli Rihs, die seit Jahren Millionendefizite decken, in der Lage, wirtschaftliche Risiken einzugehen. GC dagegen muss den Gürtel erheblich enger schnallen.

Nicht herausragend besetzt sind die Young Boys übrigens im zentralen Mittelfeld. Und der wohl stärkste Aufbauer der Super League spielt noch bei GC, er gilt wie Vilotic als ein Forte-Lieblingsspieler – und wäre gleichfalls gewiss sehr teuer. Mit Veroljub Salatic jedenfalls hätte YB endgültig eine Mannschaft, die Basel herausfordern könnte.

Was denken Sie? Wer kann Basel gefährden? Wie sieht derzeit die Hierarchie hinter dem FCB aus? Und was trauen Sie den Verfolgern zu?

Achtung: Hooligans!

Simon Zimmerli am Freitag, den 31. Januar 2014
FCL-Fans während eines Europaleague-Spiele gegen Genk, 23. August 2012. (Keystone/Urs Flüeler)

FCL-Fans während eines Europa-League-Spiels gegen Genk, 23. August 2012. (Keystone/Urs Flüeler)

«Hooligan-Alarm im FCL-Trainingslager» titelte Blick.ch vergangene Woche und legte auf der Titelseite der Printausgabe noch einen nach: «FCL-Hooligans wüten in Spanien». Auch die «Neue Luzerner Zeitung» sparte nicht an Druckerschwärze für diesen hochbrisanten Fall. Machte sie doch das «pikante» Detail öffentlich, dass sich die drei FC-Luzern-Hooligans nicht nur im gleichen Hotel wie die Mannschaft einquartierten, sondern dass im feudalen Gran Hotel Guadalpin Banus (5 Sterne), direkt am Strand der Costa del Sol, auch Präsident Stäger, Ehrenpräsident Stierli und weitere wichtige FCL-Persönlichkeiten ein- und ausgingen. So etwas! Der Fussballpöbel nächtigt im gleichen Hotel wie die elitäre Vereinsführung?

Während des Testspiels des FC Luzern gegen Steaua Bukarest (1:0) etwas ausserhalb des Stadtzentrums verhielten sich die drei jungen Luzerner Fans friedlich. Auch im Hotel attestierten ihnen die FCL-Verantwortlichen Freundlichkeit, Interesse und schlicht Freude, unter ihren Lieblingen zu sein. Ich wäre auch freundlich, interessiert und glücklich bei der Vorstellung, mit Yassine Chikhaoui am Frühstückstisch zu sitzen, das Brotkörbchen mit ihm zu teilen und ihm ab und an ein Honigschnittli zu streichen.

Zu später Stunde wurden jedoch zwei der Luzerner Fans verhaftet, nachdem sie den Sieg ihrer Mannschaft in der südspanischen Stadt Marbella mit einigen Drinks gefeiert hatten. Über den Grund der beiden Verhaftungen sind keine Details bekannt. Wer jedoch weiss, wie aggressiv die spanische Polizei gegen Touristen vorgeht, die sich etwas ausserhalb der Norm bewegen, kann sich vielleicht denken, wie viele Zeilen diese Bagatelle den seriös arbeitenden Journalisten wirklich wert gewesen wäre. Untermauert wird diese Vermutung durch die Tatsache, dass die verhafteten Fans schon am übernächsten Tag ohne Hinterlegung einer Kaution oder dergleichen aus der Haft entlassen wurden.

Weit dramatischer als die Verhaftung der beiden FCL-Fans ist die Berichterstattung der Schweizer Medien. Ohne die genauen Hintergründe der Verhaftung zu kennen, wird von Randalen und Schlägereien geschrieben und die Fans als Hooligans oder Ultras an den Pranger gestellt. Dass die Vorkommnisse in keinem direkten Zusammenhang mit einem Fussballspiel stehen und solche Verhaftungen in spanischen Ferienorten an der Tagesordnung sind, spielt hierbei keine Rolle. Schlagzeilen sorgen für Klicks und Umsatz und scheinen für gewisse Medien mittlerweile wichtiger als die Wahrheit. Aus Angst, eine Titelgeschichte zu verpassen, wird abgeschrieben, ohne die Richtigkeit der Geschichte zu hinterfragen. Dass sich solche Falschmeldungen anschliessend wie ein Lauffeuer verbreiten, hat die vermeintliche Verpflichtung von Ailton durch den 5.-Liga-Club Olympique Lucerne eindrücklich gezeigt.

Die Medien erweisen dem Fussball-Liebhaber, aktuell auch im Hinblick auf die Berner Abstimmung zur Verschärfung des Hooligan-Konkordats in einer Woche, immer wieder einen Bärendienst. Und so bleibt der Fussballfan eine grölende, saufende und prügelnde Steuergeldschleuder. Schade.

Die Herausforderungen für den grossen FC Basel

Fabian Ruch am Mittwoch, den 29. Januar 2014
Murat Yakin an einer Pressekonferenz, 4. Januar 2014.

Hat mit der Mannschaft ausgezeichnete Resultate erzielt: Murat Yakin an der Pressekonferenz zum Trainingsauftakt des FC Basel, 4. Januar 2014. (Keystone/Georgios Kefalas)

Wer bloss soll den FC Basel stoppen? Das ist die grosse Frage vor dem Start in die Rückrunde der Super League am Wochenende. Auf den ersten Blick präsentiert sich die Rangliste ja enorm spannend, fünf Teams sind durch nur vier Punkte getrennt. Aber irgendwie traut man es GC, Luzern und St. Gallen nicht zu, den FCB herauszufordern. Und YB? Hat zwar ein gutes Kader und mit Michael Frey, Yuya Kubo sowie Josef Martinez drei interessante Offensivkräfte, die alle noch nicht 21 Jahre alt sind – aber die Young Boys müssen deutlich konstanter werden, um den Primus aus Basel gefährden zu können.

Vermutlich können sich die überragenden Basler auf dem Weg zum nächsten Double nur selber stoppen. Selbst wenn sie – wie in der Vorrunde – selten restlos überzeugen, sind sie noch die Nummer 1 der Liga. Sie sind fast zu gut für die Schweiz und wären vielleicht in der Bundesliga besser aufgehoben. Aber das ist ein anderes und vor allem heikles Thema.

Der FCB jedenfalls ist der Schweizer Serienmeister und der Vorzeigeverein des Landes. Er hat in den letzten Jahren sehr vieles sehr richtig gemacht. Nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich ist Basel der nationalen Konkurrenz deutlich entrückt. Der Verkauf von Mohamed Salah für knapp 20 Millionen Franken Ablösesumme zu Chelsea war vor ein paar Tagen nur der letzte Beweis dafür, dass der FCB zu stark und zu mächtig für die Super League geworden ist.

Aber es besteht zumindest eine kleine Hoffnung für die anderen Schweizer Topvereine. Denn beim FC Basel ist zwar das Bankkonto beeindruckend wie der Leistungsausweis, der St.-Jakob-Park ist bestens ausgelastet und die Titelsammlung der letzten Jahre fantastisch, doch der Klub steht auch vor immensen Herausforderungen.

Einerseits, weil Trainer Murat Yakin wegen seiner ausgezeichneten Resultate nicht angreifbar, aber mit seiner zuweilen eigenwilligen Arbeitsweise in Basel keineswegs unumstritten ist. Yakin leidet gewiss nicht unter fehlendem Selbstvertrauen, muss sich aber auch mit den Vorstellungen der Basler Vereinsverantwortlichen arrangieren können. Und was für den FCB gilt, gilt für Murat Yakin ohnehin – er ist zu gross für das kleine Fussballland Schweiz. Der Weg des exzellenten Fussballkenners wird eher früher als später in eine Spitzenliga Europas führen. Vorerst darf man gespannt sein, wie Yakin die Rückrunde moderieren wird, zumal den Baslern die elektrisierenden Champions-League-Auftritte fehlen werden und vieles Alltagstrott sein wird.

Und andererseits werden die Basler im Sommer mal wieder eine Kaderanpassung der gröberen Sorte vornehmen müssen. Das haben sie in den letzten Jahren zwar schier Halbjahr für Halbjahr ausgezeichnet erledigt und fast jeden Abgang hervorragend kompensiert. Doch ob es den Baslern auch diesmal gelingen wird, alle Leistungsträger problemlos zu ersetzen, darf trotz reichlich Geld auf dem Festgeldkonto bezweifelt werden. Denn der personelle Aderlass dürfte gewaltig sein.

Neben Salah werden nächste Saison auch Yann Sommer, Fabian Schär und Valentin Stocker mit allergrösster Wahrscheinlichkeit im Ausland spielen. Innenverteidiger Schär ist der wunderbare Aufsteiger, der alle überrascht hat. Möglicherweise wäre es gar nicht schlecht für ihn, noch ein Jahr in der Schweiz zu bleiben, doch er ist gleichfalls zu gut für die Ausbildungsliga Super League geworden. Das sind Goalie Sommer und vor allem Identifikationsfigur Stocker schon lange, und es ist deshalb höchste Zeit, dass sie Ende Saison ins Ausland gehen. Als aktueller Schweizer Meister. Sie werden auch als Leaderfiguren eine beträchtliche Lücke hinterlassen.

Champion wird, das ist meine sehr originelle Prognose, also erneut der FC Basel. Und so sieht die Tabelle nach 36 Runden aus:

  1. Basel
  2. YB
  3. GC
  4. St. Gallen
  5. Luzern
  6. Zürich
  7. Thun
  8. Sion
  9. Aarau
  10. Lausanne

Und was denken Sie, wie viele Punkte Vorsprung wird der FC Basel Ende Saison haben? Wem trauen Sie zu, den FCB herauszufordern? Wie sieht Ihre Schlussrangliste aus? Und wird Basel die nächsten und prominenten Abgänge im Sommer erneut gut kompensieren können?

Retortenklubs schaden dem Fussball nicht

Fabian Ruch am Freitag, den 24. Januar 2014


Red Bull ist gut für den Fussball. Engagiert sich eine potente Weltfirma wie Red Bull, die über eines der grössten Werbebudgets verfügt, im Fussball, kann das nur positiv für die Sportart sein. Natürlich, Puristen rümpfen die Nase, wenn der Dosengigant wie in Leipzig einen Klub übernimmt, ihn alimentiert und ihm Flügel verleiht – und an die Spitze führen will. Sie schreien aufgeregt, RB Leipzig habe keine Tradition im Fussball und sei ein lächerlicher Retortenklub, der sich den Erfolg bloss erkaufe.

Ich frage: Wo ist das Problem?

Red Bull dominiert die Formel 1, Red Bull finanziert Fun- und Adventure-Sportarten, Red Bull kann auch den Fussball revolutionieren. RB steht ja nicht für Red Bull, sondern für RasenBallsport, weil Sponsoren nicht im Vereinsnamen stehen dürfen. Bayer Leverkusen bildet eine Ausnahme, weil dieser Klub schon seit Jahrzehnten so heisst. Heute regt sich übrigens auch kaum noch jemand auf, dass eine so kleine Stadt wie Leverkusen regelmässig an der Champions League teilnimmt.

RB jedenfalls ist ein genialer Brand. Und Red Bull ist eine dynamische, innovative Firma im Sportsponsoring, die im Fussball mächtig investiert, bei ihrem Engagement in Salzburg aber nicht immer glücklich agierte. In Leipzig wirbelt Red Bull erst seit ein paar Jahren, auf dem anvisierten Durchmarsch von der Fünftklassigkeit in die Champions League steht der Klub derzeit nach bisher zwei Aufstiegen in der 3. Liga auf Rang 2. Das würde zur Promotion in die 2. Bundesliga berechtigen.

In Deutschland tobt deshalb mal wieder eine lustvolle Debatte. Traditionsvereine fühlen sich von den aufstrebenden Klubs wie RB Leipzig und Hoffenheim bedroht, und sie argumentieren, für die neureichen Vereine interessiere sich kaum jemand. Zudem würden diese kaum Fans an die Auswärtsspiele mitbringen. Natürlich haben Klubs wie Köln, Kaiserslautern, 1860 München, Düsseldorf oder Dynamo Dresden eine tolle Vergangenheit, eine grosse Fangemeinde und enorm viel Potenzial. Wegen Misswirtschaft in den letzten Jahren aber spielen diese Klubs derzeit nicht in der Bundesliga. Ich finde das ebenfalls schade. Doch der Fussball hat auch in Leipzig eine grosse Tradition, und die TSG 1899 Hoffenheim gibt es offensichtlich schon seit 115 Jahren…

Gerade in Leipzig und in Hoffenheim wird der Erfolg zudem sowieso nicht (mehr) nur kurzfristig erkauft. Es wird auf Nachhaltigkeit gesetzt und beispielsweise in den Nachwuchs, in die Infrastruktur und in die Trainerausbildung investiert. Beide Vereine sind mittlerweile in der Region etabliert und ziemlich beliebt. Und wenn Hoffenheim stark spielt, ist das Stadion mit 30’000 Zuschauern auch ausverkauft, obwohl der Klub vor 30 Jahren noch in der 8. Liga vor 15 Leuten auftrat.

Zugegeben: Es wäre ungewöhnlich, wenn beispielsweise Wohlensee, Spreitenbach oder Agno in der Schweiz dank der Unterstützung einer grossen Firma um den Titel mitspielen würde. Aber wenn es so wäre, würde es mich überhaupt nicht stören. So kann das in der freien Marktwirtschaft gehen. Und sowieso: Wir wollen nicht grübeln, wie die meisten Weltklubs in der Vergangenheit wirtschafteten und mit Geld nur so um sich schmissen. Oder vielleicht nur ein bisschen. Barcelona und Real Madrid etwa werden in Spanien teilweise skandalös bevorzugt, wenn es um Immobilien, Ländereien, Steuern oder TV-Gelder geht. Und auch andere Traditionsvereine wie Milan, Inter Mailand oder Chelsea, um nur ein prominentes Trio zu nennen, haben Hunderte von Millionen Franken ausgegeben, die ihnen ihre vermögenden Besitzer zur Verfügung stellten. Das hat wenig mit der glanzvollen Vergangenheit zu tun.

Im modernen Fussball mit den Scheichen und Oligarchen, Indern und Spekulanten an den Schalthebeln der grössten Klubs der Welt, ist fast alles vorstellbar. Und es ist fraglich, ob das Financial-Fairplay, welches der Europäische Fussballverband einführt, viel daran ändern wird. Demnach dürfen Klubs – grob erklärt – bald nur noch so viel ausgeben, wie sie selber einnehmen. Sonst dürfen sie nicht am Europacup teilnehmen.

Bayern München ist das leuchtende Ausnahmebeispiel, dass man sportlich und finanziell Grosserfolg haben kann. Die Bayern treffen heute Abend im Startspiel der Bundesliga-Rückrunde auswärts auf Gladbach. Dieses Duell faszinierte in den Siebzigerjahren die Fussballwelt, und nicht nur Romantiker freuen sich auf diese Begegnung stärker als auf Hoffenheim – Wolfsburg (VW-Firmenteam). Dennoch muss es im Fussball Platz haben für viele Facetten, Veränderungen sind gut und auch in anderen Bereichen völlig normal. Oder wo war Google vor 20 Jahren? Fehlt Facebook nicht die Tradition? Und warum ist Kodak heute kein weltweiter Branchenleader mehr?

Was denken Sie? Stören Sie sich an neureichen Vereinen wie Hoffenheim und RB Leipzig? Wie wichtig ist Tradition im Fussball? Und wie werden Klubs in Zukunft geführt werden?