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Mohamed Salah ist der Spieler der Vorrunde

Fabian Ruch am Mittwoch den 18. Dezember 2013


Die Super League ist möglicherweise die spannendste Liga der Welt, an der Tabellenspitze jedenfalls sind fünf Teams bloss durch vier Zähler getrennt. Wir nehmen das Ende der Vorrunde zum Anlass, Spieler und Teams in diversen Kategorien auszuzeichnen – oder sie zu kritisieren.

Spieler der Vorrunde: Mohamed Salah, ganz klar! Vielleicht wird man in ein paar Jahren sagen, Salah sei der beste Spieler, der bisher in der Schweiz gespielt habe. Der junge Ägypter hat alles, was es braucht, um ein Weltklassespieler zu sein. Mit seinen überragenden Leistungen in der Champions League – vor allem gegen Chelsea – hat er seinen Marktwert in die Höhe getrieben. Vermutlich wird der wertvollste Akteur, der bisher in der Schweiz gespielt hat, für über 15 Millionen Franken den Klub wechseln. Es ist fraglich, ob Salah auch Spieler der Rückrunde wird, weil er wohl schon im Januar den nächsten Schritt in seiner Karriere macht. Und wenn er ein bisschen effizienter wird, kostet der Flügelflitzer beim übernächsten Transfer vermutlich 50 Millionen Franken.

Tor der Vorrunde: Nein, nicht Christian Constantin, der als Architekt dieser Sion-Mannschaft versagt hat und am besten schleunigst einen schlauen Sportchef engagiert! Das Tor des Jahres schoss Aaraus Sven Lüscher am Sonntag mit seinem fantastischen Volleyschuss gegen Thun (2:1). Hätte Superstar Cristiano Ronaldo so einen Treffer erzielt, würde er millionenfach auf Youtube, Facebook und Twitter gepriesen.

Überraschung der Vorrunde: Hier stehen zwei Teams ganz oben: Luzern und St. Gallen. Sie sind gut organisierte, emsige Punktesammler, ohne zu brillieren oder spektakulär zu agieren. Die Handschrift der Trainer Carlos Bernegger und Jeff Saibene ist in Luzern und St. Gallen zu erkennen. Natürlich stehen die zwei Mannschaften in der Rangliste auch so nahe an Rang 1, weil Primus Basel in der Liga ungeahnte Probleme offenbarte.

Enttäuschung der Vorrunde: Vielleicht ist diese Wahl einfallslos, aber der FC Sion ist in dieser Kategorie halt Seriensieger. Mal wieder blieb das prominent besetzte, aber konfus zusammengestellte Walliser Team weit hinter den Erwartungen zurück.

Trainer der Vorrunde: Carlos Bernegger. Dass er ein ausgezeichneter Fussballlehrer ist, war in der Szene seit Jahren bekannt. Bernegger lehnte lange viele Angebote (auch von grossen Schweizer Clubs) ab, um im Nachwuchsbereich bei GC und später Basel zu arbeiten. In Luzern setzt er nun seine Ideen auf höchster Stufe konsequent um und führte den FCL beinahe zur Wintermeisterschaft. Und das mit einer nicht besonders talentierten Mannschaft.

Goalie der Vorrunde: Roman Bürki von GC überzeugte erneut, und es würde überhaupt nicht überraschen, wenn er im Frühling im Ausland spielen würde. Der Berner ist gut genug für die Bundesliga – nach Mainz zu gehen wäre eine kluge Entscheidung.

Verteidiger der Vorrunde: Das ist zweifellos Steve von Bergen. Der Nationalspieler hat die Abwehr von YB enorm stabilisiert. Er ist zweikampfstark und robust, erfahren und relativ schnell, er spielt einen präzisen Pass nach vorne und ist mit seiner Routine und Klasse einer der besten Spieler der Liga. Von Bergen hat sich auf und neben dem Platz auch mit seiner Art als Königstransfer der Young Boys erwiesen. Und weil er nahezu fehlerlos spielt, hat er auch seinen Stammplatz im Nationalteam verteidigt.

Mittelfeldspieler der Vorrunde: Mohamed Salah. Weil er eben der beste Akteur der Liga ist.

Stürmer der Vorrunde: Josef Martínez. Diese Wahl mag ein wenig überraschen, weil sich der junge Venezolaner als Leihspieler in Thun als wenig konstant erwies (und damit bestens zu YB passt …) – und zwischenzeitlich monatelang nicht besonders treffsicher agierte. Aber der 20-Jährge deutete seine Begabung immer wieder an und schoss zusammen mit Basels Marco Streller am meisten Tore in der Super League (acht). Dabei musste Martinez mehrmals beschwerliche Reisen zum Nationalteam Venezuelas unternehmen. Martínez kehrt nun zu YB zurück – und wenn er auch in der Rückrunde der beste Stürmer der Liga sein wird, dann besitzen die Young Boys gute Chancen, endlich mal wieder Meister zu werden.

Und so sieht unser Tipp für die Schlussrangliste aus:

1. Basel
2. YB
3. St. Gallen
4. GC
5. Luzern
6. Zürich
7. Thun
8. Sion
9. Aarau
10. Lausanne

Und wer war für Sie der beste Spieler der Vorrunde? Welche Fussballer und Teams überzeugten oder überraschten Sie? Und wie sieht Ihre Rangliste Ende Saison aus?

Murat Yakin ist zum Erfolg verdammt

Simon Zimmerli am Freitag den 13. Dezember 2013
Murat Yakin.

Wenn der FCB Murat Yakin nicht will, wird dieser nicht lange nach einer neuen Stelle suchen müssen: Basel-Trainer Yakin, 7. Dezember 2013. (Keystone/Patrick Straub)

Zwei Siege gegen Chelsea reichen dem FC Basel nicht, um die K.-o.-Phase der Champions League zu erreichen. Er spielt nach dem 0:2 gegen Schalke 04 im nächsten Frühjahr lediglich in der Europa League. Und auch sonst scheint die Sonne nicht am Rheinknie. Ein Rückblick auf die vergangenen Wochen.

«Der Trainer ist wichtig, aber nicht alles», liess sich Georg Heitz, Sportdirektor des FC Basel, von der «NZZ am Sonntag» vor knapp zwei Wochen entlocken und «überraschend ist einzig, dass Yakin so viel Erfolg hat». Es war der vorläufige Höhepunkt mit Kritik und – in diesem Fall – fehlender Wertschätzung an die Adresse von Murat Yakin. Im Vorfeld gab es «kommunikative» Missverständnisse zwischen Yakin und seinem Captain Marco Streller, Kritik innerhalb der Mannschaft an seinem Spielsystem, aufmuckende Zwillinge und Maulwürfe, welche die Medien in regelmässigen Abständen mit Internas fütterten und so einen wesentlichen Bestandteil der atmosphärischen Störungen bildeten, die von FCB-Präsident Bernhard Heusler ausgemacht wurden.

Yakin wurde mit dem FC Basel Meister und führte den Ligakrösus in den Cupfinal. Der FCB ist aktuell Tabellenführer der Super League und steht mit einem Bein im Halbfinal des Schweizer Cups. Ausserdem überwintert er international, wenn auch lediglich in der Europa League. Yakin hat mit den Baslern in dieser Saison nur drei Pflichtspiele verloren, gegen den FCZ und zweimal gegen Schalke 04.

Das Palmarès von Yakin liesse sich mit seiner Arbeit beim FC Luzern und beim FC Thun nach Belieben erweitern. Die Aufgabe in Basel ist eine andere und ungleich schwieriger, der Druck um einiges grösser. Dem Cheftaktiker stehen 16 aktuelle oder ehemalige Nationalspieler zur Verfügung, die alle den Anspruch haben, zu spielen. Das birgt, neben Yakins natürlicher Autorität, die ihm oft als Arroganz angelastet wird, Probleme. Der 39-jährige Münchensteiner nimmt keine Rücksicht auf prominente Namen, das hat er bereits bei der Personalakte A. Frei demonstriert. Viele Spieler tun sich zudem schwer mit seinem distanzierten Führungsstil. Yakin scheint unnahbar und mit seinen mangelnden Soft-Skills ist er zum Erfolg verdammt. Bleibt dieser Erfolg aus, ist er angreifbar, wie zuletzt nach zwei Unentschieden in der Meisterschaft und zwei Punkteteilungen gegen den amtierenden rumänischen Meister Steaua Bukarest.

Auch im Anschluss an das Champions-League-Spiel in Gelsenkirchen liess Heitz ein klares Bekenntnis zum Trainer vermissen. Soll sich die Basler Führungsetage ruhig noch ein wenig Zeit lassen mit der Vertragsverlängerung. So bleibt die kleine Hoffnung, dass uns der Schweizerische Fussballverband SFV – entgegen allen Erwartungen – ein schönes Geschenk in Form eines neuen Nationaltrainers unter den Weihnachtsbaum legt: Murat Yakin.

Was denken Sie, liebe Steilpass-Leser, wechselt Yakin bereits in der Winterpause zu Lazio Rom? Bleibt er dem FCB auch in der neuen Saison erhalten oder wird er gar Nati-Trainer?

Heute sind alle für den FC Basel! Oder?

Fabian Ruch am Mittwoch den 11. Dezember 2013
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Wer qualifiziert sich für das Achtelfinale?: Setzt sich der FC Basel morgen gegen Schalke 04 durch, ist das gut für die ganze Fussballschweiz. (Laurent Gilliéron/Keystone)

Am Mittwochabend tritt der FC Basel ja zum Champions-League-Gruppenfinal in Gelsenkirchen gegen Schalke 04 an. Ein Unentschieden genügt den Baslern zum Weiterkommen. Es wäre der nächste kontinentale Grosserfolg nach der Qualifikation für die Achtelfinals der Königsklasse vor zwei Jahren und dem Erreichen der Europa-League-Halbfinals letzte Saison.

Die ganze Fussballschweiz fiebert heute also mit dem FCB mit!

Die ganze Fussballschweiz?

Eine kleine Umfrage im Freundeskreis ergab, dass die Mehrheit heute Abend nicht für den FCB ist. Selbstredend ist das keine repräsentative Umfrage, zudem lebe ich in Bern. Dennoch ist es im Vereinsfussball offenbar auch in der Schweiz so, dass die Klubliebe weit über der Nationalität steht. Ein Manchester-United-Fan ist niemals für Liverpool. Ein Milan-Tifoso unterstützt im Champions-League-Final Bayern München und nicht Inter Mailand. Und so weiter, und so typisch.

Bei Hardcore-Fans ist diese Haltung verständlich, schliesslich erzeugt eine uneingeschränkte Leidenschaft für – zum Beispiel – den FC St. Gallen automatisch auch eine grenzenlose Abneigung gegen den grossen und starken, mächtigen und erfolgreichen FC Basel. Aber auch relativ neutrale Fussballbeobachter in unserem Land unterstützen den FCB auf dessen Streifzügen durch Europa nicht vorbehaltlos.

Ich finde das bedauerlich.

Denn es ist doch wunderbar, wenn ein Schweizer Team – egal welches – die Champions League erreicht! Dann sind Weltgrössen wie Chelsea, Bayern München, Manchester United live und sogar in einem wichtigen Pflichtspiel in der Schweiz zu sehen. Zudem legt der FCB Ehre ein für unser kleines Fussballland, das kann nicht schlecht sein. Er ist ein prächtiger Werbeträger für den Schweizer Sport. Und: Der FCB sammelt fleissig Punkte im Ranking des Europäischen Fussballverbandes (UEFA). Es geht um den wertvollen UEFA-Koeffizienten. Davon profitiert letztlich die Super League, denn je mehr Erfolg Basel hat, umso mehr Vereine kann die Schweiz im Europacup an den Start schicken. So ist das – stark vereinfacht erklärt.

Entscheidend ist dabei vor allem, dass der Schweizer Meister in dieser Saison vermutlich direkt für die nächste Champions-League-Gruppenphase qualifiziert sein wird. Eben auch dank des FCB und dessen starken Resultaten in den letzten Jahren. Doch wahrscheinlich werden ja ohnehin die Basler davon profitieren…

Wenn der FC Basel heute aber erneut den Sprung in die Achtelfinals realisiert und weiter Zähler sammelt, könnte der Schweizer Champion bald auf sicher direkt in der Königsklasse stehen – und nicht nur, wie in dieser Saison, wenn sich der Champions-League-Sieger auch über die nationale Meisterschaft für den grössten Klubwettbewerb der Welt qualifiziert. Davon wiederum könnten auch YB, Zürich, Sion, GC, Luzern, St. Gallen und andere mögliche oder selbsternannte Titelkandidaten profitieren. Zumindest theoretisch.

Ein starker FCB jedenfalls ist gut für den Schweizer Fussball. Davon bin ich überzeugt. Dank Basel wird von unserer Liga ausserhalb des Landes überhaupt Notiz genommen. Also ist es sehr gut, wenn die beste Mannschaft der Schweiz regelmässig Europa aufmischt.

Sind diese Überlegungen naiv in einem Geschäft, in dem sogar Basler Nationalspieler in Schweizer Stadien ausgepfiffen werden, wenn sie das Nationaltrikot tragen? Und selbstverständlich ist es nicht ideal, wenn Basel in der Schweiz zu dominant wird, weil der Verein in der Champions League Jahr für Jahr Millionen verdient. Zumindest in dieser Saison aber zieht der FCB in der Liga (noch) nicht davon. Und das ist sowieso nicht sein Problem. Sondern das seiner Konkurrenz.

Wie sehen Sie das? Unterstützen Sie heute Basel, selbst wenn Sie nicht FCB-Fan sind? Oder ist es für Sie nachvollziehbar, dass man in Bern, Zürich oder St. Gallen in der Champions League immer gegen Basel ist?

Das perfekte Fussballteam

Simon Zimmerli am Montag den 9. Dezember 2013
Gehts noch besser? Franck Ribéry (r.) und David Alaba stossen mit den Bayern in neue Dimensionen vor.

Gehts noch besser? Franck Ribéry (r.) und David Alaba stossen mit den Bayern in neue Dimensionen vor.

Seit 40 Bundesliga-Spielen ist der FC Bayern nun ungeschlagen. Zuletzt gab der deutsche Rekordmeister seinen einstigen Erzrivalen Werder Bremen der Lächerlichkeit preis. Ein 7:0 für die Bayern leuchtete am Samstag auf der Anzeigetafel des Weserstadions auf. Zweikampfstärke, Passgenauigkeit, gedankliche Schnelligkeit – die Gäste brillierten von A bis Z. Die Bremer Fans pfiffen nicht einmal. «Ich danke meinen Spielern für diese Leistung. Es ist eine Ehre, ihr Trainer zu sein», schwärmte der Münchner Chefcoach Pep Guardiola.

Oliver Kreuzer, der Sportchef des Hamburger SV, war von diesem Resultat so beeindruckt, dass er seine Mannschaft eindringlich um eine baldige Leistungssteigerung bat. Sie muss am kommenden Samstag um 15.30 Uhr in München aufs Feld. «So kriegen wir gegen Bayern zwölf Stück. Wir sollten bei der DFL beantragen, mit 13 Spielern oder zwei Torhütern aufzulaufen», sagte Kreuzer nach dem 0:1 des HSV gegen Augsburg.

Ganz unberechtigt sind die Ängste des früheren Bayern- und Basel-Profis nicht: Die Bayern treffen derzeit nach Belieben, und das Hamburger Ensemble gleicht in der Defensive auch nach dem Trainerwechsel (Bert van Marwijk übernahm von Thorsten Fink) bisweilen einem Wackelpudding. 32-mal hat es in dieser Saison schon im Hamburger Kasten geklingelt, nur Hoffenheim steht mit 35 Gegentreffern noch schlechter da. Die Bayern dagegen weisen eine Tordifferenz von 39:7 auf.

Die vor der Saison aufgeworfene Frage, ob der Triple-Sieger Bayern München mit Guardiola auf der Trainerbank noch besser werden könne als unter dessen Vorgänger Jupp Heynckes, kann man nun getrost mit einem Ja beantworten. Die «Bild am Sonntag» behauptet sogar, dass der FC Bayern in dieser Form Weltmeister würde und damit besser sei als die deutsche Nationalelf und der aktuelle Welt- und Europameister Spanien.

Gewöhnlich übertreiben die Journalisten der Zeitung mit den grossen Buchstaben, aber diesmal könnten sie richtig liegen. Bei den Bayern greift ein Rädchen ins andere, als wären sie wirklich eine Maschine. Zudem wissen sie mit Guardiola und Sportvorstand Matthias Sammer zwei absolute Perfektionisten in ihren Reihen, die unnachgiebig immer noch mehr Leistung fordern. Der Konkurrenzkampf auf allen Positionen tut das Übrige. Ganz generell sind Vereinsmannschaften wohl höher einzuschätzen als Nationalteams. Nicht zuletzt deshalb, weil der Trainer täglich und nicht nur alle paar Wochen mit seinen Spielern arbeiten kann und sich die Teams über Transfers flexibel verstärken lassen.

Man darf sich durchaus fragen, wann es bei einem Bayern-Spiel zweistellig wird. Dem HSV schenkten die Bundesliga-Überflieger bereits in der vergangenen Saison neun Tore ein. Das 0:7, das der FC Basel in der vorletzten Saison im Rückspiel der Champions-League-Achtelfinals bezog, erscheint allmählich gar nicht mehr so beschämend. Schliesslich ist der FCB in guter Gesellschaft.

Was meint ihr, liebe Steilpass-Leser – sind die Bayern wirklich so gut, dass sie Weltmeister würden, wenn sie Sepp Blatter in Brasilien spielen liesse? Oder steht hinter der Behauptung das übergrosse deutsche Fussball-Selbstbewusstsein?

Im WM-Viertelfinal in Rio gegen Deutschland

Fabian Ruch am Samstag den 7. Dezember 2013
Das Maracana-Stadion in Rio de Janeiro. (Keystone)

Verläuft die WM wie vorgestellt, spielt die Schweiz hier gegen Deutschland im Viertelfinal: Das Maracana-Stadion in Rio de Janeiro. (Keystone)

Ottmar Hitzfeld ist ein Glückskind. So muss man das sehen. Die WM-Auslosung am Freitagabend in Brasilien jedenfalls lief mal wieder ganz nach dem Geschmack des Nationaltrainers. Die Schweiz ist in der ziemlich langweiligen Gruppe mit Ecuador, Honduras und Frankreich in einer Favoritenrolle. Die Aufgabe im nächsten Sommer aber wird in der Vorrunde schwieriger, als viele denken. Ecuador und Honduras sind als Vertreter von Süd- und Mittelamerika im klimatisch extrem schwierigen brasilianischen Winter nicht zu unterschätzen – und ziemlich unangenehme Kontrahenten. Frankreich wiederum besitzt mit Weltstar Franck Ribéry und dem Mittelfeld-Dynamiker Paul Pogba die zwei besten Individualisten der Gruppe E. Nach harzigen Jahren lechzen die Franzosen zudem nach Wiedergutmachung.

Zu erwarten sind in der Schweizer Gruppe auf jeden Fall enge, spannende Partien. Wir wagen die Prognose, dass sich die talentierte, ambitionierte Schweizer Auswahl knapp als Gruppensieger durchsetzen wird. Möglicherweise reichen dazu ja 5 Punkte – mit einem nicht zu knappen Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Honduras nach zwei Unentschieden gegen Ecuador und Frankreich. Dieser Rang 1 würde der Schweiz auch den gar nicht so schwierigen Weg in den Viertelfinal vorbereiten. Denn nicht nur die Vorrundenauslosung verlief für die Nationalmannschaft ideal. Hitzfelds Team wird im Achtelfinal auch den Vertretern der Gruppen mit zwei Topteams (Spanien/Holland, Deutschland/Portugal, Italien/England) aus dem Weg gehen können. Und weil die Argentinier die Gruppe F dominieren dürften, würde die Schweiz als Gewinner der Vorrunde auf eine Nation aus dem Trio Bosnien-Herzegowina/Nigeria/Iran treffen. Es wäre die nächste lösbare Aufgabe.

Wir haben die WM simuliert und alle Resultate getippt – dabei kommt es zu einigen Überraschungen. So weicht Brasilien einem Knüller-Achtelfinal gegen Spanien oder Holland aus. Und neben den Holländern, die an Chile scheitern, scheiden auch die europäischen Vertreter Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Russland bereits in der Vorrunde aus. Unsere Achtelfinals der WM 2014 sehen so aus:

Brasilien – Chile

Kolumbien – England

Schweiz – Nigeria

Deutschland – Südkorea

Spanien – Mexiko

Italien – Japan

Argentinien – Frankreich

Belgien – Portugal

Und so steht die Schweiz tatsächlich im WM-Viertelfinal. Am Freitagabend, 4. Juli. In Rio de Janeiro. Und gegen Deutschland. Was für eine tolle Affiche! Hitzfelds vielleicht letzter Auftritt als hoch dekorierter Fussballtrainer ausgerechnet gegen sein Heimatland? Die spektakulären Viertelfinals im Überblick:

Brasilien – Kolumbien

Schweiz – Deutschland

Spanien – Italien

Argentinien – Portugal

Das von vielen prognostizierte Endspiel zwischen Brasilien und Deutschland also kann es in unserer virtuellen Weltmeisterschaft nicht geben, weil die zwei vielleicht grössten WM-Favoriten bereits im Halbfinal aufeinandertreffen. Weltmeister Spanien könnte im Viertelfinal gegen die Turniermannschaft Italien ausscheiden, weil der Titelverteidiger nicht mehr ganz so stark wie in den letzten Jahren ist – und möglicherweise ein wenig satt. Und im Gigantenduell zwischen den Superstars Lionel Messi und Cristiano Ronaldo sind die Argentinier leicht zu favorisieren. Unsere Halbfinals sehen deshalb so aus:

Brasilien – Deutschland

Italien – Argentinien

Es kommt also so oder so zu einem Traumfinal:

Brasilien – Italien

In unserem Tippspiel setzt sich Brasilien im Endspiel in Rio de Janeiro gegen Italien durch – und holt zu Hause seinen 6. Weltmeistertitel…

Und was tippen Sie? Wer wird Weltmeister? Wie weit kommt die Schweiz? Welche Favoriten könnten nach dieser Auslosung früh scheitern? Und welche Teams werden in Brasilien überraschen?

Das ist die beste WM-Gruppe für die Schweiz

Fabian Ruch am Mittwoch den 4. Dezember 2013

Am Freitag blickt die Sportwelt gebannt nach Brasilien, wenn die Vorrundengruppen der WM 2014 ausgelost werden. Die Schweiz ist nach ihren starken Resultaten zuletzt bekanntlich in Topf 1 eingeteilt – und kann damit den Weltgrössen Brasilien und Spanien, Deutschland und Argentinien aus dem Weg gehen. Zumindest in der Vorrunde. Dennoch drohen natürlich bereits in den ersten Partien starke Kontrahenten. Wir stellen ein paar besonders interessante Gruppen vor.

Und so sehen die Töpfe aus:

Topf 1: Brasilien, Spanien, Deutschland, Argentinien, Kolumbien, Belgien, Schweiz, Uruguay.
Topf 2: Algerien, Kamerun, Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria, Chile, Ecuador.
Topf 3: Australien, Iran, Japan, Südkorea, Costa Rica, Honduras, Mexiko, USA.
Topf 4: Holland, Italien, England, Portugal, Griechenland, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Russland, Frankreich.

Zur Erklärung: Im Topf 4 stehen neun europäische Teams, eines wird zu Beginn in Topf 2 gelost. Es können nicht mehr als zwei europäische Teams in einer Gruppe und nicht zwei südamerikanische Teams in der gleichen Gruppe sein.

Die Hammergruppe für die Schweiz: Chile, USA, Portugal.

In dieser sehr attraktiven Gruppe wäre die Schweiz kaum Favorit. Sie ist 8. der FIFA-Weltrangliste und würde auf den 4. (Portugal), den 14. (USA) und den 15. (Chile) treffen! Die Portugiesen waren an Turnieren zuletzt meistens stark. Und wenn der famose Cristiano Ronaldo seine sensationelle Form konservieren kann, wird er als aktuell bester Spieler der Welt auch an der WM in Galaverfassung sein. Die USA sind an Weltmeisterschaften stets ein unangenehmer Gegner. Und die Chilenen liegen der Schweiz nicht, an der letzten WM verlor die Mannschaft von Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld in der Vorrunde in einer emotionalen Begegnung 0:1. Für Zündstoff wäre gesorgt. Mit Arturo Vidal von Juventus sowie Alexis Sanchez von Barcelona stehen zwei absolute Weltklassespieler im chilenischen Team.

Die schwierigste Gruppe für die Schweiz: Elfenbeinküste, Mexiko, Italien.

Noch schwieriger als die zuvor beschriebene Hammergruppe wäre ein Treffen mit der Elfenbeinküste, Mexiko und Italien. Die Elfenbeinküste ist die beste afrikanische Mannschaft, gespickt mit Starspielern wie Yaya Touré von Manchester City, Gervinho (AS Roma) oder dem früheren YB-Angreifer Seydou Doumbia (ZSKA Moskau). Aber der alternde, einflussreiche Star Didier Drogba wird an der WM 36 Jahre alt sein. Kann er seine Landsleute auch leistungsmässig noch ein letztes Mal dirigieren? Die Mexikaner wiederum zitterten sich erstaunlicherweise Richtung WM 2014, dabei sind sie neben den USA das klar beste und grösste Team Mittel- und Nordamerikas. Es fehlt im mexikanischen Team zwar an den ganz grossen Namen, aber in der Auswahl stehen viele Talente. Zudem kennt die mexikanische Mannschaft die klimatischen Bedingungen in Brasilien bestens – wie auch die Elfenbeinküste. Und Italien schliesslich ist Italien. Die Squadra Azzurra ist an Weltmeisterschaften meistens sehr schwierig zu bezwingen. Der smarte Nationalcoach Cesare Prandelli wird die Italiener an der WM ziemlich weit führen.

Die beste Gruppe für die Schweiz: Ecuador, Honduras, Griechenland.

Das ist die einfachste Gruppe für die Schweizer. Gegen Ecuador, Honduras und Griechenland wäre ein Weiterkommen in die Achtelfinals als Gruppensieger Pflicht. Aber: An der letzten WM kamen die Schweizer gegen Honduras nicht über ein 0:0 hinaus. Und die Griechen spielen zwar nicht mehr so defensiv und sind nicht mehr so unbequem wie vor ein paar Jahren – aber sie setzten sich zuletzt in der Barrage souverän und stilsicher gegen die Rumänen durch. Dennoch wäre diese angenehme Gruppe der letzte Beweis dafür, dass der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld bei Auslosungen (und auch sonst im Fussball) oft vom Glück begünstigt wird.

Die attraktivste Gruppe für die Schweiz: Kamerun, Australien, Holland.

Darauf könnte man sich ein halbes Jahr freuen. Gegen Kamerun mit Weltstar Samuel Eto’o, gegen das tolle Riesenland und Reiseland Australien – sowie gegen die Holländer mit ihren Offensivkünstlern wie Arjen Robben und Robin van Persie. Und: Selbst in dieser Gruppe wäre Rang 2 für die Schweiz gewiss zu erreichen.

Die unattraktivste Gruppe für die Schweiz: Algerien, Iran, Bosnien-Herzegowina.

Langweiliger geht es nicht. Und gewaltig unter Druck wäre die Schweiz als Favorit auch noch. Diese Auslosung wäre zwar möglicherweise sportlich interessant, aber sie wäre mehr ein Graus denn ein Traum.

Die Hammergruppe: Brasilien, Holland, Mexiko, Italien!

Man stelle sich vor: Italien (oder Holland) wird in Topf 2 gelost – und dann zu Brasilien und Mexiko und Holland (oder Italien) gezogen. Ein Weltmeisterkandidat würde in dieser Konstellation sicher bereits in der Vorrunde ausscheiden. Und Gastgeber sowie Topfavorit Brasilien wäre sofort heftig gefordert. Mit so einer Gruppe würde die Weltmeisterschaft vom ersten Tag an auf Hochtouren laufen.

Und was finden Sie? Wer sind Ihre Wunschgegner für die Schweiz? Was wäre unangenehm? Und wie sieht Ihre Hammergruppe aus?

Natitrainer (50%) gesucht

Simon Zimmerli am Montag den 2. Dezember 2013
Der Platz neben Pont wird frei: Die Nati steht vor dem Spiel gegen Albanien während die Nationalhymne ertönt. Rechts der abtretende Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld. (Keystone/Peter Klaunzer)

Der Platz neben Michel Pont wird frei: Ein Teil der Nati singt vor dem Spiel gegen Albanien die Nationalhymne. Rechts der abtretende Trainer Ottmar Hitzfeld. (Keystone/Peter Klaunzer)

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Nebst Ihrer interkulturellen Kompetenz ist auch pädagogisches Geschick gefragt. Sie verstehen es wie kein anderer, auf sensible Spieler einzugehen und in Kurznachrichten die richtigen Worte für die Nichtnomination zu finden. Sie bewahren auch nach Niederlagen einen kühlen Kopf und sind ein Kommunikationsprofi. Die Freude am Reisen und Ihre Offenheit gegenüber Menschen aus fremden Kulturen runden Ihr Profil ab.

Ihre besonderen Fähigkeiten

  • Unpopuläre Einwechslungen nach der 75. Minute
  • Aushalten eines fix definierten Tribünenplatzes
  • Versierte zweisprachige Aussagen und Floskeln nach Kanterniederlagen
  • Ein eng geschnürter Regenmantel in heiklen Situationen
  • Durchhalteparolen nachdem man gegen Gegner ausserhalb der Top 100 ein 4:1 verspielt hat
  • Plausible Erklärungen nachdem man dem Linienrichter den Stinkefinger gezeigt hat
  • Taktische Kabinettstückchen, die gegen übermächtige Gegner zu Zufallstoren führen
  • Glaubwürdige Gestik an der Seitenlinie in ausweglosen Situationen
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Arbeitsort: Tessin und Feusisberg

Mario Götze ist das grösste Talent der Welt

Fabian Ruch am Mittwoch den 27. November 2013

Es wird ja gerne lustvoll darüber debattiert, wer aktuell der beste Fussballer weltweit ist (unter uns: Cristiano Ronaldo vor Zlatan Ibrahimovic…). Aber darum geht es hier jetzt nicht. Ich stelle ein Ranking der grössten Versprechen des Weltfussballs auf. Die zwei Kriterien: Die Talente, die meistens bereits viel mehr als nur Talente sind, müssen 21 Jahre alt oder jünger sein – und ihre Klasse bereits auf hohem Niveau nachgewiesen haben. Hochbegabte wie der Belgier Eden Hazard, der 22-jährig ist, finden deshalb ebenso keine Aufnahme ins Ranking wie ganz junge Akteure wie die 17-jährigen Timo Werner (Stuttgart) und Alen Halilovic (Dinamo Zagreb), denen eine grossartige Zukunft prophezeit wird. Werner und Halilovic stehen erst ganz am Anfang ihrer Karriere im Profifussball. Schweizer haben es keine in die Rangliste geschafft, Xherdan Shaqiri ist 22 Jahre alt.

Knapp verpasst haben die Top 10 der U-21-Fussballer übrigens Real Madrids Isco und Arsenals Jack Wilshere, die gleichfalls hoch eingeschätzt werden. Und hier sind die zehn grössten Talente des Weltfussballs (absolut objektiv und unbestechlich und natürlich völlig frei von persönlichen Interessen – es gibt nun mal viele begabte Brasilianer…):

10. Lucas (21, Paris Saint-Germain)

Der Saint Germain Spieler Lucas während einem Champions-League-Spiel in Paris, 5. November 2013. (Bild: Keystone/ Yoan Valat)

Paris-Spieler Lucas. (Keystone)

Vor einem Jahr wäre er in dieser Liste wohl noch besser platziert gewesen. Der 172 Zentimeter grosse Dribbler ist Mitglied der brasilianischen Nationalmannschaft. Als kreativer Offensivspieler beschäftigt Lucas mit seiner Schnelligkeit die gegnerischen Verteidiger. Er muss aber noch effizienter werden – und steht bei PSG im Schatten der Superstars Ibrahimovic und Edinson Cavani.

9. Marquinhos (19, Paris Saint-Germain)

Marquinho freut sich über sein Tor während einem Champions-League-Spiel mit Paris Saint Germain, 2. Oktober 2013. Bild: (Keystone/ François Mori)

Torjubel von Marquinho. (Keystone)

Der Brasilianer gilt als grösstes Verteidigertalent der Welt – das teuerste ist er längst. Für unfassbare (und übertriebene) rund 40 Millionen Franken Ablösesumme verpflichtete PSG im Sommer den zentralen Abwehrspieler. Marquinhos ist ein moderner, spielstarker Verteidiger, der zudem auch relativ torgefährlich ist.

 

8. Philippe Coutinho (21, Liverpool)

Philippe Coutinho (R) im Zweikampf mit Seamus Coleman, 23. November 2013. (Bild: Keystone/ Peter Powell)

Philippe Coutinho (r.). (Keystone)

Für viele mag er die Überraschung in diesem Ranking sein. Aber Coutinho ist auf dem besten Weg, seine Sonderklasse mit Verzögerung endlich unter Beweis zu stellen. Bei Inter Mailand stagnierte der Brasilianer in den letzten Jahren in leicht chaotischem Umfeld. Bei Liverpool aber überzeugt der wie Lucas 1,72 m grosse Spielmacher und Spektakelmacher. Coutinho kann auch am Flügel wirbeln und ist dank der Premier-League-Härte daran, seine Flausen und seine Verspieltheit zu verlieren.

7. Raphael Varane (20, Real Madrid)

Raphael Varane macht einen Kopfball während dem Match zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid, 26. Februar 2013. (Bild: Keystone/ Manu Fernandez)

Raphael Varane (M.) steigt in die Luft (Keystone)

Er wird in seiner Heimat Frankreich bereits mit dem legendären Abwehrchef Laurent Blanc verglichen. Varane agiert ruhig, souverän, stabil, er ist mit 1,91 Metern gross genug, um den Luftraum zu dominieren. Und er wird bei Real Madrid auch im Training täglich auf allerhöchstem Niveau gefordert. Varane überzeugte letzte Woche beim 3:0-Sieg im WM-Playoff-Rückspiel der Franzosen gegen die Ukraine mit einer abgeklärten, starken Vorstellung.

6. Julian Draxler (20, Schalke)

Julian Draxler im Match seines Teams gegen den FC Chelsea, 22. Oktober 2013. (Bild: Keystone/ Martin Meissner)

Julian Draxler am Ball. (Keystone)

Er ist einer der zahlreichen äusserst starken deutschen Offensivakteure, die erst am Anfang einer wohl glanzvollen Karriere stehen. Draxler ist technisch überragend, er kann ein Spiel lesen und leiten, er hat einen ausgezeichneten Schuss und ist sehr selbstbewusst. Nach einigen schwierigen Wochen beim notorisch unruhigen Schalke steigerte sich Draxler zuletzt wieder. Selbst wenn die Konkurrenz riesig ist, dürfte Draxler im deutschen WM-Team 2014 stehen.

5. David Alaba (21 Jahre, Bayern München)

David Alaba, rechts, während eines Bundesligaspiels gegen Borussia Dortmund, 23. November 2013. (Bild: Keystone/ Federico Gambarini)

David Alaba am Ball. (Keystone)

Der Sohn eines Nigerianers und einer Philippinin ist als österreichischer Nationalspieler ein Gesicht des globalisierten Fussballs. Alaba agiert seit Jahren konstant auf hohem Niveau. Bei Bayern muss er derzeit als Linksverteidiger ran, aber noch stärker, prägender, auffälliger spielt Alaba im Nationalteam im zentralen Aufbau. Dort sieht der ballsichere Österreicher auch seine Zukunft.

4. Mateo Kovacic (19, Inter Mailand)

Eine künstlerische Einlage von Mateo Kovacic im Spiel gegen Atlanta Bergamo, 29. Oktober 2013. (Bild: Keystone/ Paolo Magni)

Mateo Kovacic. (Keystone)

Ihn kennt man noch nicht so gut. Aber Kovacic hat längst unter Beweis gestellt, die hohen Erwartungen, die ihn seit Jahren begleiten, erfüllen zu können. Der Regisseur ist erst 19 Jahre alt, aber im kroatischen Nationalteam eine Stütze – wie zuletzt in den WM-Playoffs gegen Island, als er im Rückspiel (2:0) auftrumpfte. Inter Mailands Urgestein Javier Zanetti sagte kürzlich, er habe bei Inter ausser Ronaldo nie einen so starken Fussballer wie Kovacic gesehen. Und Zanetti spielte immerhin mit Weltgrössen wie Ibrahimovic, Samuel Eto’o, Wesley Sneijder und anderen zusammen.

3. Paul Pogba (20, Juventus)

Paul Pogba vor einem Spiel zwischen Frankreich und der Ukraine, 19. November 2013. (Bild: Keystone/ Michel Euler)

Paul Pogba vor einem Spiel. (Keystone)

Der kräftige Mittelfeldspieler kann in den nächsten Jahren ein Beherrscher des Aufbaus werden. Pogba führte Frankreich im Sommer an der U-20-Weltmeisterschaft in der Türkei zum Titel – und wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt. Auch im französischen Nationalteam ist er bereits unverzichtbar, wie seine überragende Leistung beim 3:0-Sieg letzte Woche gegen die Ukraine im WM-Playoff-Rückspiel zeigte. Seine zuweilen undisziplinierte Spielweise und seine harten Fouls hat der überragende Balleroberer und Stratege weitgehend abgelegt.

2. Neymar (21, Barcelona)

Neymar vor dem Publikum im Camp Nou Stadion in Barcelona, 23. November 2013. (Bild: Keystone/ Manu Fernandez)

Neymar bejubelt einen Treffer. (Keystone)

Neymar ist nicht die Nummer 1 der U-21-Akteure? Jawohl, Neymar ist nicht die Nummer 1, obwohl er natürlich sogar die Anlagen besitzt, die Nummer 1 der Welt aller Spieler zu werden! Vielleicht schon nächstes Jahr, an der WM 2014 im eigenen Land. Der fantastische Brasilianer leistet sich derzeit zu viele Pausen, hat aber immerhin in wichtigen Partien (wie gegen Real Madrid) auch bei Barcelona demonstriert, wie stark er ist. Neymar und seine Entourage tauchen zu oft auf dem Boulevard auf. Brasiliens Hoffnungsträger sollte sich mehr aufs Fussballspielen konzentrieren.

Mario Götze (21, Bayern München)

Platz 1 für Mario Götze: Hier an einem Bundesligaspiel gegen Borussia Dortmund, 23. November 2013. (Bild: Keystone/ Friso Gentsch)

Platz 1 für Mario Götze. (Keystone)

Er weiss vielleicht selber noch gar nicht, wie gut er spielen kann – und wo seine Grenzen liegen. Götze ist ein Artist, der auf engstem Raum eine hochklassige Partie mit einer genialen Aktion entscheiden kann. Wie am Samstag, als er beim 3:0-Sieg der Münchner im Bundesligagipfel kurz nach seiner Einwechslung einen harten Pass traumhaft stoppte und sofort mit dem anderen Fuss und mit einem Aussenrist-Spitze-Kunststück zum 1:0 ins Tor schoss. Ausgerechnet in Dortmund, gegen seinen früheren Verein. Götze kann auf allen Positionen in der Offensive eingesetzt werden, er ist wirkungsvoll und als kleiner, flinker, technisch perfekter Fussballer prädestiniert für die Zukunft, wo auf dem Spielfeld alles noch enger und schneller wird. Und: Im Gegensatz zu den brasilianischen Künstlern auf dieser Liste ist Götze konkreter in seiner Aktionen. Bleibt nur zu hoffen, dass Mario Götze sein Verletzungspech los wird.

Wen erachten Sie als grösstes Talent der Welt? Welchem jungen Fussballer trauen Sie in den nächsten Jahren am meisten zu? Und gehört für Sie ein Schweizer in die Top 10?

Pass Maradona, Tor Caniggia

Fabian Ruch am Mittwoch den 20. November 2013
Der Brasilianer Romario und der Italiener Paulo Maldini kämpfen um den Ball, 17. Juli 1994. (Keystone/Thomas Kienzle)

Es gibt Spiele, die man nie vergisst: Der Brasilianer Romario und der Italiener Paulo Maldini kämpfen während des WM-Finals 1994 um den Ball, 17. Juli 1994. (Keystone/Thomas Kienzle)

Heute möchte ich über Erinnerungen an Fussball-Weltmeisterschaften schreiben. Die erste WM, die ich bewusst wahrnahm, war jene 1986 in Mexiko, da war ich acht Jahre alt. Ich fieberte mit den Brasilianern mit, der Viertelfinal gegen Frankreich gilt ja als eines der besten Spiele der Geschichte. Leider verschoss Zico, diese wunderbare Nummer 10, in der regulären Spielzeit einen Elfmeter, und riesengross war meine Trauer nach dem Abgang der Brasilianer im Elfmeterschiessen. Ich beschloss als spontane Trotzreaktion, mein erstes Panini-Album nicht mehr füllen zu wollen, obwohl bloss noch wenige Kleber fehlten – und obwohl ich vorher wochenlang auf dem Pausenplatz und in der Badi akribisch um die Maradonas und Platinis, bärtigen Ungarn und glitzernden Länderwappen gefeilscht hatte.

Vier Jahre später, an der WM 1990 in Italien, flossen dann sogar bittere Tränen, als Brasilien ausgerechnet gegen den Rivalen Argentinien (ja: Pass Maradona, Tor Caniggia) bereits im Achtelfinal ausschied (0:1). Ich wollte damals als spontane Trotzreaktion vom Balkon im 3. Stock unserer Wohnung springen, wie meine Mutter erzählt, weil ich so untröstlich und traurig war – und die Laune besserte sich keineswegs auf, als wenige Stunden später Deutschland gegen Holland siegte. Ich war (und bin es manchmal immer noch) nämlich einer dieser Schweizer, die an einem leichten Deutschlandkomplex leiden und Land, Leute, Bundesliga zwar supertoll finden, aber die Schadenfreude über ein Scheitern der Deutschen (möglichst spät und spektakulär) lustvoll pflegen können.

Fussballweltmeisterschaften sind nicht nur für Kinder eine grosse Sache, jeder Fan verbindet spezielle Erinnerungen mit ihnen. Mein schönstes Erlebnis fand 1994 in Los Angeles statt. Als Höhepunkt einer knapp dreiwöchigen WM-Reise mit meinem Vater durch die USA besuchten wir den Final, wo sich Brasilien gegen Italien im Elfmeterschiessen durchsetzte. Der Ball, den Roberto Baggio bei seinem Penalty weit übers Tor schoss, ist angeblich bis heute nicht gefunden worden. An den Endspielen 1998 und 2002 litt ich dann mit den Brasilianern vor dem TV mit. 1998 war die 0:3-Niederlage gegen Frankreich, ausgerechnet einen Tag vor dem Einrücken in die Rekrutenschule, Grund für ein gepflegtes Besäufnis, 2002 führten Ronaldos zwei Tore auf dem Weg zum 2:0-Sieg gegen Deutschland zum legendären Bild mit dem geschlagenen deutschen Wundertorhüter Oli Kahn am Torpfosten.

Derzeit steht die WM 2022 in Katar heftig in den Negativschlagzeilen. Vor wenigen Tagen hiess es mal wieder, die vielen Arbeiter aus Drittweltländern würden in Katar wie Sklaven gehalten. Sie bauen die zahlreichen Attraktionen, Bauten und Stadien im Land auf, verdienen kaum etwas, werden ausgebeutet und mies behandelt, schreiben Menschenrechtsorganisationen. Die Arbeits- und Wohnbedingungen seien hundsmiserabel. Natürlich gab und gibt es regelmässig vor Weltmeisterschaften kritische Berichte übers Austragungsland, weil beispielsweise die Kosten explodieren. Der Weltverband FIFA wäre jedoch nicht falsch beraten, wenn er die ohnehin fragwürdige WM-Vergabe 2022 noch einmal überprüfen würde.

Denn es ist in jeder Hinsicht ziemlich ungewöhnlich, den grössten und beliebtesten Sportanlass der Welt ausgerechnet im Kleinstaat Katar auszutragen. Die unerträgliche Hitze im Sommer ist dabei nur ein Grund. Ich besuchte vor Jahren Hakan Yakin in Katar, als er dort spielte. Es war auch im Herbst noch derart heiss, dass die Trainings und Spiele erst sehr spät am Abend stattfanden. Am Tag hielt sich niemand draussen auf. Und sollte die WM 2022 in den europäischen Winter verlegt werden, hätte das ein gewaltiges Terminchaos zur Folge. Zudem wäre das rechtlich ein Problem.

Immerhin: Die FIFA-Idee, mit der WM in bisher unberücksichtigte Regionen gehen zu wollen, ist löblich. Allerdings ist zu offensichtlich, warum das schwer- und einflussreiche Katar den Zuschlag erhielt. Und: In Australien fand auch noch nie eine Weltmeisterschaft statt. Auf eine WM 2022 in diesem herrlichen Land könnte man sich bereits jetzt freuen.

Was sind Ihre ersten oder schönsten oder bittersten Erinnerungen an Weltmeisterschaften? Wie erlebten Sie die Turniere in der Jugend? Und was wäre ein geeignetes Austragungsland für die WM 2022?

The Voice of Bundesliga

Annette Fetscherin am Dienstag den 19. November 2013
Wer wird triumphieren? Bild oben: Jürgen Klopp und Pep Guardiola. (Keystone)

Wer wird triumphieren? Bild oben: Dortmund-Trainer Jürgen Klopp (l.) und Bayern-Coach Pep Guardiola. (Keystone)

Noch vier Tage bis zum absoluten Knüller der Bundesliga. Dann könnte die Meisterschaft vorentschieden werden, so befürchten viele. Oder aber es werden die Weichen für eine ultraspannende Rückrunde gestellt. Dortmund empfängt die Bayern und Deutschland fiebert seit Tagen darauf hin. Auf das Battle zwischen Gelb-Schwarz und Rot-Weiss. Zwischen Herausforderer und Dominator.

Das Battle. Ein Wort das gerade in aller Munde ist. In einer anderen Welt, einer glitzernden, aufgeblähten. Im Pop-Universum. Bei «The Voice of Germany» batteln sich deutsche Gesangstalente und satte fünf Millionen Leute fiebern mit. Ist diese Welt wirklich so weit entfernt von der Bundesliga? Nicht wenn Dortmund gegen die Bayern spielt, wenn Jürgen Klopp auf Pep Guardiola trifft, deutscher auf spanischen Popstar.

Ihr findet das Wort Popstar unangebracht für einen Fussballtrainer? Ich nicht. Nicht für diese Beiden. Denn Jürgen Klopp trägt die Haare jetzt im Hipster-Look. Richtig gehört, sein poppiger neuer Haarschnitt war der «Bild Online» tatsächlich eine News-Meldung wert.  Dabei konnte man hoffen, dass Jürgens Haare endlich vom Tisch seien, die Haartransplantation hatten wir ja schon im Frühling. Aber Klopp hat eben Popstar-Status und das macht selbst seine Haare spannend.

Ein Fussballtrainer wird in erster Linie am Erfolg gemessen und Klopps Leistungsausweis spricht ohne Zweifel für ihn. Doch dieser Kerl hat mehr als das. Kaum jemand, der den Charakterkopf nicht einfach sympathisch findet. Er verstellt sich nie und spricht die Sprache der Fans. Klopft gerne Sprüche, zeigt sich hemdsärmelig und volksnah. So erreicht er ganz offensichtlich auch seine Spieler. Warum würden sie sich sonst Spiel für Spiel die Lunge aus dem Leib rennen? Laufbereitschaft ist das Stichwort. Und sagt jetzt nicht für Geld. «Du hast mein Herz erreicht», würden die Herren und Damen Juroren in der Casting-Show sülzen. Damit ist der Mann mit der Trend-Frisur nicht nur für Borussia Dortmund Gold wert, sondern punktet auch gewaltig im Battle mit dem zweiten Trainerstar der Liga: Pep Guardiola.

Der Mann, der als weltbester Trainer gilt, hat die momentan stärkste Mannschaft. Eine Geschichte, wie für die Schlagzeile geschaffen. Damit geht Pep klar als Favorit ins Battle. Der Hype ist grenzenlos und schafft auch Probleme. Man erwartet Wunderdinge, doch auch er muss zuerst abliefern. Und die Jury ist gnadenlos. Nicht Nena, nicht Samu Haber, nein, gemeint ist der deutsche Fussball-Liebhaber. Er beobachtet Pep auf Schritt und Tritt. Diskutiert hin und zurück, inwiefern er das Spielsystem der Bayern aufgepeppt hat (ja, einmal muss ich jetzt das Wort einsetzen). Die knallharte Jury der Sportfreaks hat den neuen Bayern-Coach bereits lieben gelernt. Für sein Charisma, für seine akribische Arbeit, den absoluten Erfolgswillen.

Und da ist es wieder, das Stichwort «Erfolg». Man muss ihn haben, um das Battle zu gewinnen. Wenn Pep im Direktduell am Samstag einen Dreier holt, liegen seine Bayern schon sieben Punkte vor Dortmund. Bedeutet das den Sieg im Battle gegen Jürgen Klopp? Zählen nur die Zahlen? Oder auch das Herz, wie die Juroren so gerne beteuern? Wen würdet ihr auswählen, Jürgen Klopp oder Pep Guardiola? Popstars sind beide. Auch wenn das viele nicht gerne hören werden.