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Wo ist eigentlich «in behind»?

Steilpass-Redaktion am Donnerstag den 28. April 2011

Heute vergibt Steilpass seine erste Carte Blanche an den Leser Auguste, der immer wieder mit präzisen Kommentaren die Diskussion hier im Blog befeuert hat. Willkommen!

Rainer-Maria Salzgeber? Nein, Auguste.

Rainer-Maria Salzgeber? Nein, Auguste.

In einem hat «ische Sepp» von der FIFA ja schon recht – kaum etwas sorgt für mehr Völkerverständigung auf der Welt als der Fussball. Mit seinen wunderbaren, völkerverbindenden Schmelztiegeln, die manchmal stolz nach Nationen benannt in den Himmel ragen, dann wieder zugig wie ein alte Scheune in Aussersihl, als längst verlassene Ruine neben einem unbeugsamen, «bernoullischen Dorf» oder wie eine überdimensionierte Baugerüst-Reklame entlang der Autobahn in Grenznähe rumstehen, bringt er Menschen aller Länder zusammen. Manchmal gar so nahe, dass die Verbundenheit noch in der Notaufnahme so richtig gepflegt wird. Heute sind selbst lokale Fussballmannschaften bunte Multi-Kulti-Truppen, die kicken und das Kauderwelsch pflegen.

Das Schweizer Fernsehen begleitet diese Entwicklung nach bestem Wissen und Gewissen. Für das Champions-League-Hinspiel zwischen Schalke 04 und Manchester United bot man das Kommentatoren-Urgestein Beni Thurnheer auf, damit sprachlich alle Register gezogen werden konnten. So halbwegs klappte das dann ja auch, obwohl die helvetischen Wortschöpfungen und Sprachbilder der «Mutter des hiesigen Fussball-Kommentars» selbst aus einen Champions-League-Halbfinale, wie üblich, eine blumige Angelegenheit machten, die einer Emmentaler Bauernhausfront im Sommer in nichts nachsteht.

Und wem das nicht reichte, dem bewies SF in der Halbzeitpause, dass man im Deutschschweizer Fernsehen nicht unbedingt Deutsch können muss, um Moderator oder Studio-Experte zu werden – Schweizer sein, genügt vollauf. Nach einer Halbzeitpause mit Rainer-Maria Salzgeber und Johann Vogel waren die letzten Zweifel beseitigt. Die Macher von «il Telesguard» hatten wieder zugeschlagen. Um die beiden einwandfrei verstehen zu können, war das Aufwachsen im deutschsprachigen Raum nicht wirklich hilfreich gewesen. Zum totalen Minderheiten-Programm wurde die Halbzeitpause durch Salzgebers Kleiderwahl.

Helle Hose mit einem dunklen Nadelstreifen-Veston, «Poschettli» und ohne Socken zu kombinieren, war ziemlich «Binnensee-Yachtclub-mässig». Ich kann mir nicht helfen, aber manchmal denke ich, dass entweder seine Studio-Stylistin oder seine Ehefrau dem Salzgeber gerne mal einen Streich spielt oder sich auf diese hinterhältige Weise an der «Walliser Stil-Ikone» für irgendetwas rächt.

Mit Johann Vogel, dem offensichtlich die Ehefrau die Haare im Bad schneidet oder der dem selben, durchgeknallten Figaro vertraut wie Gilbert Gress, Urs Fischer und Hakan Yakin, sank das Gesprochene unweigerlich auf die Ebene des Mundart-Fehlpasses ab. Wenigstens hatte man dadurch einen guten Grund ein Bier mehr vom Kühlschrank zu holen, denn solche Halbzeitpausen wie am Dienstag übersteht man eigentlich nur, wenn man sie sich schönsäuft und sich damit dem Niveau dieser SF «Challenged League» Schluck für Schluck annähert.

Da lob ich mir ja die Länderspielpausen, wenn man sich wenigstens fragen kann, ob der Alain den Hüppi diesmal endlich küssen wird oder ob er immer noch eingeschnappt ist, weil der wieder den ganzen Winter mit dem Russi in engen Kabinen rumgehängt ist und auch den neuen Schal nicht bemerkt hat.

Lieben Sie diese kleinen «Peinlichkeiten live» auch so wie ich, und freuen Sie sich auch auf die Studio-Rückkehr von Andy Egli?

Bis dahin zum Thema Sportstudio die «Fast Show»: