Logo

Linsi hat gepokert und gewonnen – vorerst

Thomas Renggli am Mittwoch den 9. März 2011


Es ist höchste Zeit für eine Entschuldigung. Nein, nicht bei Urs Fischer und schon gar nicht bei Andrea Guatelli. Sondern bei jenem Mann, der im Zürcher Fussball in der vergangenen Woche die Rolle von Tom Cruise gespielt hat – der die Mission impossible erfüllt, das Unmögliche möglich gemacht hat: bei Urs Linsi.

Der GC-Verwaltungsratspräsident drohte mit dem Wegzug des Rekordmeisters nach Aarau oder Emmen. Es war ein Scheingefecht ohne Aussicht auf Erfolg. Denn in der Provinz hat man ungefähr soviel Verständnis für die Anliegen des maroden Nobelklubs wie an einer Zürcher Afterhour-Party für die Drogenprävention.

Und trotzdem feierte der frühere CS-Banker einen historischen Triumph. Er machte der Zürcher Stadtregierung klar, dass 27 Meistertitel mehr Gewicht haben als die hehren politischen Prinzipien, die für Spitzenklubs im Fussball und Eishockey keine Sonderstellung vorsehen. Noch Mitte Februar hatte Sportminister Gerold Lauber das Gesuch der Grasshoppers ultimativ abgeschmettert: «Wenn die Stadt auf die gewünschte Kostenreduktion eingegangen wäre, würden zwei Millionen Franken weniger in die Stadtkasse fliessen.»

Gleichzeitig sagte Linsi: «Der Letzigrund ist für GC keine Heimat – sondern eine lange Leidensgeschichte.»

Nun haben sich die Parteien doch noch gefunden. Die Stadt gewährt eine Mietzinsreduktion von 450’000 Franken – was eine Halbierung der Stadionkosten bedeutet sowie eine Plafonierung der Sicherheitskosten bei 500’000 Franken. Freuen darf sich auch der FCZ. Ohne einen Finger krumm gemacht zu haben, kommt er in den Genuss des gleichen Rabatts.

Im Falle der Grasshoppers stellt sich die Frage: Hat Linsi wirklich gewonnen – oder feierte er nur einen Pyrrhussieg? Einen Erfolg also, aus dem er ähnlich geschwächt hervorgeht als sei er eine Niederlage gewesen?

Angesichts des strukturellen Defizits von rund fünf Millionen Franken und den Infrastrukturkosten in Niederhasli von über zwei Millionen Franken ist der Preisabschlag im Letzigrund nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Er wiegt wohl nicht einmal den Imageschaden auf, den der Linsi-Poker verursacht hat.

So oder so geht die Leidensgeschichte des Rekordmeisters weiter. Nach dem ärgerlichen Cup-Out gegen Sion sind Einnahmen aus dem Europacup kurzfristig ausgeschlossen. Bis auf weiteres bleiben die Grasshoppers die Heimatlosen im eigenen Stadion. Das ändert sich erst, wenn sich die Stadtregierung konsequent zur Demokratie bekennt und das umsetzt, was zwei Drittel der Stimmbevölkerung vor acht Jahren beschlossen haben – den Bau einer reinen Fussballarena auf dem Hardturm-Areal. Die wichtigste Schlacht im Überlebenskampf haben Linsi & Co. noch nicht gewonnen…

« Zur Übersicht

30 Kommentare zu “Linsi hat gepokert und gewonnen – vorerst”

  1. René sagt:

    Nicht Linsi oder Canepa haben gewonnen, sondern die Fans, welche über 30M Unterschriften gesammelt haben und dies in sehr kurzer Zeit. Die entsprechenden Stadtbehörden haben dies rechtzeitig mitbekommen und sich für das kleinere Uebel entschlossen, die Kosten zu senken auf das gleiche Niveau, wie wenn GCZ ausgezogen wäre.
    Nebenbei, Herr Renggli, haben Sie am Fernsehen gesehen in welchen “Monturen” die beiden Protagonisten zur Sitzung mit der Stadt erschienen sind? Linsi im feinen Tuch mit Krawatte und Canepa wie ein “Landstreicher” in einer uralten Lederjacke. Da hat man den Unterschied, welcher das Derby jeweils so reizvoll macht, wieder einmal deutlich gesehen. Der “Edelclub” gegen den “Büezerclub”! Sorry, Thomas!

    • Kraft sagt:

      Lieber René
      Herr Renggli hat, wie der Tagi in corpore, natürlich gar nichts von all dem gesehen. Auch wenn es nur 30K und nicht M Unterschriften waren, ist es für die Hüter der Verbalpropaganda gegen den GCZ und der Definitionshoheit über gut und schlecht im Zürcher Fussball natürlich unmöglich, dass so viele Leute ihre Unterschrift auf ein Papier setzen, das an die IG GCZ adressiert ist. Deshalb erstaunt auch das mediale Schweigen, mit Ausnahme des 20min nicht. Derart viele Leute unterstützen den GCZ, obwohl wir immer schreiben, dass der Verein kaum 10 Anhänger hat? Was nicht sein darf, kann nicht sein.

      • FCZ Andy sagt:

        Moment Kraft!!! Da sind wohl einige tausend FCZ-Unterschriften dabei. (Habe ja selber auch gesammelt!) Nicht weil wir GCZ supporten oder unterstützen, sondern weil wir endlich auch ein richtiges Fussballstadion wollen. Und klar, ich gebe es zu, es freut auch mich, dass GCZ in Zürich bleibt. Denn ich hätte nie ein Zürcher Derby im AG oder LU besucht! Nb. wäre das eh die Lachnummer der Nation geworden, ein Zürcher Fussballverein spielt im AG, LU oder weiss Gott wo, nur nicht in Zürich!!!

        • Kraft sagt:

          Das ist mir schon klar, Andy. Aber gerade das ist doch der Beweis, dass die Fussballkultur in Zürich mit 2 Vereinen sehr lebendig ist und dass die wahren Anhänger der beiden Vereine wissen, wie wichtig nicht nur das Stadion, sondern auch diese Rivalität ist. Der FCZ hätte in diesem Fall den GCZ auch einfach zugrunde gehen lassen können. Und: Danke für die Unterschriften.

        • chris sagt:

          Danke Mike, danke Andy, danke Heinz, danke allen FCZ’ler die mitgemacht haben. Ihr wisst es selber, ihr seit die wenigen die mitgemacht haben. Aber wahrscheinlich genau DIE unter den wirklich wahren FCZ Fans !

  2. Jack Lüscher sagt:

    Nicht GC oder FCZ sondern der Fussball hat gewonnen im Interesse der Jugendarbeit welche viele Fussballclubs in Zürich machen. Jetzt wie erwähnt muss noch der VOLKSWILLE ernst genommen werden! Baut endlich dieses Stadion meine Herren VOLKSVERTRETER!

  3. Marcel sagt:

    thema stadion ….. und wieder konnte herr renggli es nicht lassen den namen guatelli (und fischer) zu erwähnen ……
    meiner meinung nach gibt es da persönliche animositäten ……. ich warte auf eine antwort im blog ……

    • Thomas Renggli sagt:

      Sehr geehrter Marcel – vielleicht könnte man A.G. ja als Hilfskraft beim Stadionbau einsetzen. Aber ich befürchte, die SUVA würde Ihr Veto einlegen. Das Unfallrisiko wäre zu gross. Denken Sie nur an all die fallengelassenen Ziegelsteine und Holzbretter…

      • biit sagt:

        Super Antwort =)

        • Sigg sagt:

          Super Antwort? Es zeigt nur wieder einmal mehr den Standpunkt des werten Herr Renggli wobei jegliche Objektivität von Anfang an ausgeschlossen ist. Mit so einem Statement zeigt er nur, dass er absolut keine Ahnung hat, WER genau den Image Schaden zugezogen hat. Nein! Nicht GCZ! Vom Trittbrettfahrer ännet den Gleisen reden wir gar nicht erst. NEIN! Jeder in der Schweiz (Und glauben Sie mir, auch in weiten Kreisen ausserhalb davon) weiss nun jeder, wie unfähig die Stadt Zürich ist. Im Fussball wird das Motto:” Wo Leidenschaft leiden schafft” ganz gross geschrieben. Der momentane Underdog wird zurück kehren…Grösser denn je. Man sieht sich immer zweimal im Leben.

          • Boris Sepulveda sagt:

            Ich wusste nicht das ein persönlicher Blog objektiv sein muss. Und wenn es dir nicht passt, wieso liest du dann den Text? respektive.. wieso kommentierst du dass auch noch?

            Ich habe absolutes Verständnis für Herrn Renggli. Guatelli ist ein Fliegenfänger und wird uns alles verbauen, wenn er weiter im Kasten steht. Er strahlt permanent Unsicherheit aus, trifft falsche Entscheidungen en masse und faustet trotz der Grösse jeden hohen Ball weg. Wenn er ihn ausnahmsweise versucht zu fangen, plumpst der Scheissball auf den Boden und es wird kritisch.

          • kurt abächerli sagt:

            der tagi hat die schon fast die hälfte seine texte in blogs ausgelagert. never mind the markest, politplog etc. so muss man nicht recherchieren und kann immer schön subjektiv sein. das ist auch ein grund, warum ich die printversion nicht mehr zahle… herr renggli leistet seiner zunft einen bärendienst, oder ist er überhaupt journi oder verkannter showmaster…

    • Angelika sagt:

      Sehr geehrter Herr Renggli (wenn Sie es den wirklich sind)
      Diese Antwort ist jezt unter jedem Niveau! Schon klar, ein Blog darf subjektiv sein, aber solche bösartigen Bemerkungen sind nicht nötig. Weder ist es Andrea Guatelli gegenüber fair und für Opfer von Unfällen auf Baustellen ist es ein Schlag ins Gesicht.

  4. Peter Zuberbühler sagt:

    Zu seinem Mut kann ich Herrn Linsi nur gratulieren.

  5. Gubser sagt:

    Ich denke wir sollten alle (Egal ob FCZ’ler, Grasshopper oder andere) Herrn Linsi einfach nur dankbar sein. Er hat grossartiges für beide Klubs geleistet. Der FCZ wird bald grössere Probleme bekommen. Er verliert die Meisterschaft und hat mittlerweile sein Geldpolster aus der Champions League aufgebraucht. Der Herr der sagt der GC wird stärker, grösser und mächtiger da raus kommen dürfte recht erhalten und behalten. Denn dann wird GC eher mehrere Jahre wieder die Nummer eins sein, als der FCZ die schweizer Nummer 2 hinter Basel bleiben.

  6. Christoph sagt:

    Herr Renggli
    Sie haben einfach keine Ahnung und Sie sehen gar nicht richtig hinter den GCZ. Aber schreiben Sie weiter solche sinnlose Beiträge, irgendwie müssen Sie ja Ihre Zeit auch vertreiben

  7. Urhopper sagt:

    Ja es gibt sie noch; die Urhopper. Ich bin einer.
    Herrlich an dieser Blog-Geschichte finde ich nicht die Subjektivität des Journalisten (eigner Blog, eigene Meinung), sondern die Kommentare einiger Leute. Kaum provoziert, schon hauen einige wie tollwütige Hunde in die Tasten. Weiter so, immer wieder ein Erlebnis für mich.
    Zum Thema GC und Linsi: Wenn das Defizit 5m beträgt, dann sind 500k wie ein Tropfen auf den heissen Stein.
    Dennoch, die Hoffnung stirbt zu letzt, vielleicht finden wir doch noch einen Saudi Prinzen…

  8. Toni sagt:

    Nur so am Rande sei noch erwähnt, dass Herr Linsi lange die Nr.2 bei der FIFA war und von dort immer noch “Lohn” bezieht. Er hat den Deal mit dem “geschenkten” Hauptsitz am Zürichberg eingefädelt. Er kennt die Vertreter der Stadt und Ihre “Verhandlungsstärke” also bestens…

  9. Kraft sagt:

    Es wird Sie verwundern, Herr Renggli, aber der GCZ wird offenbar von genügend Leuten (auch) finanziell unterstützt:
    http://www.gcz.ch/nc/news/gc-news/news-detail/article/gc-sichert-finanzierung-auf-drei-jahre/323.html
    Jetzt liegt es an der Stadt, endlich das Stadion bereitzustellen.

  10. Ruedi von Steiger sagt:

    Der Owner’s Club ist zustandegekommen: http://www.gcz.ch/nc/news/gc-news/news-detail/article/gc-sichert-finanzierung-auf-drei-jahre/323.html

    Es ist jetzt alles tatsächlich so gekommen wie von mir im Blog “Darf ein FCZ-Fan GC zu Grund richten?” prognostiziert (s. unten), während sich die Einschätzung des werten Herr Renggli, Linsi richte GC zu Grunde, als kreuzfalsch herausgestellt hat.

    Ruedi von Steiger sagt:
    21. Februar 2011 um 13:57

    Ich sehe es diametral anders als Herr Renggli: Urs Linsi ist ein absolutes Genie und wird diesen Frühling als Derjenige in die GC-Geschichte eingehen, der diesen maroden, seit Jahren konzeptlos vor sich hin siechenden Verein innert zwei Jahren sanierte. Zum Zeitpunkt seines Amtsantritts hatte GC über Fr. 10 Mio. Schulden, die meisten Spieler gehörten nicht dem Verein und kein Gönner – besser gesagt: kein Spross – war mehr bereit, das strukturelle Defizit zu decken. Mittlerweile ist GC schuldenfrei, die Spieler gehören wieder GC und mit der Bank Vontobel wurde ein perfekt zu GC passender Sponsor aus der Stadt Zürich an Land gezogen. Nun hat er sich an das Problem namens strukturelle Defizit gemacht. Linsi hat das grösste Kostensparpotential bei den Stadionkosten ausgemacht und entsprechend gehandelt und enormen Druck auf die Stadt aufgesetzt und nicht locker gelassen. Nachdem nun auch noch Canepa auf den Plan getreten ist, muss man nicht Nostradamus heissen, um vorauszusehen dass die Stadt einerseits und GC/FCZ andererseits schon bald eine Einigung erzielen werden, welche eine Reduzierung der Kosten für beide Vereine zur Folge haben wird. Linsi wird also die Vorgabe, die Gesamtkosten um Fr. 1.5 Mio. zu reduzieren, erfüllen. Damit ist der Weg frei für eine Übernahme der Aktienmehrheit durch den sog. “Owner’s Club”. Dadurch wird GC – zumindest für die nächsten drei Jahre – nicht mehr gezwungen sein, alle tauglichen Spieler zu verkaufen, um das Defizit zu decken, was die sportliche Konkurrenzfähigkeit deutlich erhöhen wird. Entgegen allen Unkenrufen bin ich aufgrund des Ausgeführten überzeugt: Es geht wieder aufwärts mit GC.

    • Kraft sagt:

      Sehr schön, Herr von Steiger, ich werde Sie also bei künftigen Investitionsentscheiden um Rat fragen. 😉 Hoffen wir, dass die Mannschaft jetzt auch auf dem Platz einen konstanten Aufwärtstrend zeigen kann.

      • Richard N. sagt:

        @Ruedi von Steiger
        Genau! Thomas Renggli ist sozusagen der Claude Longchamp des Tagi!

      • chris sagt:

        Geile Siech de Ruedi ! Stimmt was er sagt. Schon damals hatte er recht. Er wird auch weiterhin recht behalten. Entweder man hat das Feingefühl, die fundierten Informationen oder man hat es nicht 🙂 Mit GC geht es aufwärts! Endlich wieder geile Spiele und Gespräche unter Baslern und Zürchern 🙂

  11. chris sagt:

    Danke nochmals an alle GC Unterschriften und danke auch an die wenigen FCZ Unterschriften. Danke an meine wahren FCZ Freunde, die verstehen das wir GRASSHOPPER auch Euch brauchen. Denn sonst hätten wir nie die geilen Gespräche und deren Rivalitäten. Fussball für Zürich, ZÜRICH FÜR FUSSBALL !

  12. Auguste sagt:

    hmm…, das war ein geschickter schachzug von herrn linsi. aber bei aller anerkennung – kein matchentscheidender. gc’s zukunft bleibt weiterhin ungewiss. unter diesen voraussetzungen liefert die mannschaft eine ganz beachtliche leistung ab in der rückrunde. geld und tore sind es, was der club am nötigsten braucht – bei beidem sehe ich aber bislang noch keine bemerkenswerten fortschritte. schaun’ mer mal, was herr linsi als nächstes aus dem hut zaubert.

  13. paul summermatter sagt:

    Warten wir mal ab. Das Budget ist grotesk defizitär mit 4 Mio Minus bei GC als sicher nicht nachhaltig.
    Wenn der SFV einigermassen konsequent wäre – würde er die Lizenz verweigern.

    • kraft sagt:

      Interessant, Herr Summermatter. Glauben Sie denn, dass bei anderen Vereinen (ausser CL Teilnehmer Basel) das Budget nicht auch ‘grotesk’ defizitär wäre, wenn nicht Geldgeber dauernd à fond perdu Millionen spenden würden? Ausserdem ist das Budget gerade wegen dieser Zuschüsse eben nicht defizitär, sondern ausgeglichen. Sonst würde die Liga die Lizenz in der Tat verweigern. Vielleicht ist das einfach der falsche Blog für Sie….

  14. Albert Seiler sagt:

    Toller Artikel (und das ist nicht ironisch gemeint), Herr Renggli. Zu Linsi hab ich meine eigene Meinung: Ein unengagierter Plauderi mit Aktionen, wenn überhaupt, ohne Inhalt. Zum Glück hat er jetzt die Quittung dafür bekommen, dass er den Job als GC-Präsi mit der Funktion eines Sitzwärmers bei der FIFA verwechselt hat.