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Schlägt sich das Schicksal auf die Seite des FCZ?

Thomas Renggli am Samstag den 5. März 2011

Im Leben jedes FCZ-Fans gibt es zwei Daten in der jüngeren Vergangenheit, die sich unauslöschlich in die Seele gebrannt haben: der 3. März 2004 sowie der 13. Mai 2006. Am einen Tag verspielte der Klub im Cup-Halbfinal gegen die Grasshopppers in den letzten acht Minuten eine 5:2-Führung und stürzte in die Mutter aller Niederlagen, am anderen gewann er in Basel durch einen Treffer von Iulian Filipescu in der 93. Minute den ersten Meistertitel seit 25 Jahren.

Es heisst, im Verlauf der Geschichte gleichen sich im Sport Glück und Pech aus. Der vergangene Mittwoch lieferte (aus FCZ-Optik) einen Teilbeweis. Wieder führten die Zürcher in einem epochalen Cup-Schlager (gegen YB) mit drei Toren Differenz, wieder gaben sie den Vorsprung fahrlässig aus der Hand. Doch diesmal hatten die Fussballgötter ein Einsehen und begnadigten das Fischer-Team in der Verlängerung.

Aus Berner Sicht fällt die Abrechnung mit dem Schicksal freilich weniger positiv aus. Seit dem Gewinn des letzten Titels (war es 1987 oder 1887?) verspielen die Young Boys jede noch so dicke Chance – sei es im Cup-Final 2009, in der letztjährigen Meisterschaft oder vor neun Tagen auf dem Acker von St. Petersburg. Dass sie im Meisterschaftsalltag zuletzt regelmässig im Last-Minute-Verfahren punkteten, wiegt diese Schadensbilanz bei weitem nicht auf.

Der deutsche Philosoph Paul Hoyningen-Huene erklärt die Faszination des Fussballs mit der These, dass dieser Sport die «Dramen des normalen Lebens nachspielt» – mit allen Zufälligkeiten, Schicksalsschlägen, Irrtürmern. YB – FCZ lieferte den Beweis: Hätten die FCZ-Verteidiger Béda und Koch in der 54. Minute nicht auf dilettantische Weise den Ball an der eigenen Grundlinie verspielt und Farnerud das 1:3 auf dem Silbertablett serviert, die Zürcher wären wohl ins Ziel spaziert. Heute würde niemand mehr von diesem Spiel sprechen. Der grösste taktische Irrtum unterlief aber YB-Trainer Vladimir Petkovic. Anstatt nach dem 3:3 weiter nach vorne zu spielen und den deroutierten Gegner zu überrennen, nahm er den Fuss vom Gaspedal und ermöglichte dem FCZ quasi ein zweites Leben.

Mit Blick auf den Spitzenkampf Basel – Zürich vom Sonntag stellen sich aus sportphilosophischer Sicht drei wesentliche Fragen: Bezahlt der FCZ noch immer die Zeche für das wundersame Happyend von 2006 und wird auch im 19. Anlauf gegen den Erzrivalen sieglos bleiben? Oder nutzt er die Gunst der Stunde und beendet vier Tage nach dem ersten Triumph in Bern seit 2007 auch die Negativserie gegen den FCB? Bringt das sensationelle Basler Cup-Out in Biel den Meister auch im Championat aus dem Gleichgewicht?

Leider hat Krake Paul im Aquarium von Oberhausen das Zeitliche gesegnet. Deshalb geht die Frage an Sie – sehr geehrte Leser. Demütigt der FC Basel am Sonntag den Rivalen einmal mehr und vergrössert den Abstand auf sieben Punkte? Oder hat Thorsten Fink im eigenen Rotationsprinzip die Orientierung verloren und ermöglicht den Zürchern den sehnlichst erwarteten Gegenschlag? Wer gewinnt das bisher wichtigste Spiel dieser Meisterschaft?

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27 Kommentare zu “Schlägt sich das Schicksal auf die Seite des FCZ?”

  1. b schmidlin sagt:

    auch wenn die b-elf das cup spiel verloren hat. wird die a-elf wie das angeschossene tier reagieren, und am sonntag mit
    grossem einsatz kaempfen. aber es wird auf jedenfall ein spannendes fussballspiel. waere schoen wenn der fcb bereit
    im kopf waere und “durchmarschieren” koennte.

  2. jan voldrich sagt:

    im jahr 1967 wurde Racing Club (Avellaneda) argentinischer meister. einer legende zu folge vergruben danach fans vom lokalrivalen CA Indepediente sieben schwarze katzen in Racings Estadio Presidente Perón um den gegner zu verfluchen. Es folgte eine lange durststrecke ohne titel, bis es 2001 bei einer gross angelegten suchaktion gelungen sein soll, den letzten kadaver ausfindig zu machen. im selben Jahr wurde Racing erstmals wieder Meister.
    der FCZ hat sich selber verflucht mit unterstützung vom schiedsrichter, welcher am 13.Mai 2006 den entscheidenden einwurf gefühlte 60m weiter vorne ausführen liess. der FCZ tut busse für die schande von sankt jakob 2006 und wird diesen schandfleck nie mehr los. der FCZ tut busse für die geschenkte meisterschaft von 2007 und wird diesen schandfleck nie mehr los. auf die frage von herr renggli gibt es nur eine antwort: JA der FCZ bezahlt immernoch die zeche und das wird noch lange so bleiben.

    • Max Schlauer sagt:

      d.h. frühestens, wenn überhaupt, 2041….
      OK….. mit dem kann ich leben!

    • Michael Rohrbach sagt:

      Ich denke, hier wird etwas ziemlich verdreht: Es heisst “die Schande von Basel” wegen den Chaoten und den schlechten Verlierern aus Basel. Aber klar, wenn eine solche Ansicht den Baslern über das Trauma des glorreichen FCZ-Sieges am 13.05.2006 in der 93. Minuten hinweg hilft, dann können wir nur darüber lächeln und fühlen uns noch mehr bestätigt. Zudem sind wir auch danach noch zweimal Schweizermeister geworden, auch wenn wir nur noch ein weiteres Mal gegen Basel gewonnen haben, wen kümmerts also…

      • Mano sagt:

        “glorrreichen Sieg” War ein eindeutiger Regelverstoss vorausgegangen welcher von Bussacca nicht gepfiffen wurde (10 Meter Laufeinwurf ! (Vermutlich hatte er gedacht er habe schon abgepfiffen?!?!). Der nächste “Titel” war am grünen Tisch, schon vergessen..) Ja ich weiss dass Ziircher Trauma äussert sich durch eine Vergessenstaktik, wie schon bei anderen Ereignissen zu beobachten waren. Aber WIR Basler werden euch IMMER an diese zwei “glorreichen Titel” errinnern. Ich möchte keinen solchen Titel im Reinheft unseres FCB der Nummer 1. Sorry musste es Dir nochmals um die Nase streicheln….weisch wegs Vergessen ! Aber was kümmerts den FCB hat in der zwischenzeit 3 Titel und 3 Cubs geholt. (Ja, der diesjährige ist schon dabei (weisch 3:1)

  3. René Emery sagt:

    Sowohl der FCB als auch der FCZ haben in der Liga seit längerer Zeit einen konstant guten Lauf und fahren die Mehrzahl aller verfügbaren Punkte ein.

    Von den drei Möglichkeiten (Sieg für FCB, Unentschieden, Sieg für FCZ) will ich mal folgende Szenarien unterstellen:

    – Basel gewinnt, weil die in Biel geschonten Spieler ihr volles Leistungsspektrum abrufen können, während die Akteure des FCZ am Mittwoch in Bern sehr viel Substanz auf dem Rasen zurückgelassen haben. Sozusagen ein Pyrrhussieg gegen YB. Zudem fehlt dem FCZ der Goalgetter Eric Hassli.

    – Es gibt ein (spektakuläres) Unentschieden, da beide Teams an und über die Grenzen der Leistungsbereitschaft gehen und sich trotz verwerteter und ausgelassener Chancen die Punkte teilen.

    – Zürich gewinnt, weil es seinen hohen Rhythmus auch gegen Basel aufrecht erhalten kann, während die geschonten Spieler des FCB ihren Rhythmus nicht oder nicht rechtzeitig finden (z.B. Verschlafen der 1. Halbzeit).

    Als FCB-Fan hoffe ich selbstverständlich auf einen Basler Sieg, könnte aber auch mit einem Remis gut leben. Als Fussball-Fan wünsche ich mir vor allem ein Spiel, welches der Affiche gerecht wird – und nicht zuletzt ein sportlich faires und objektives Publikum, das seine Unterstützung in positiver Form (Anfeuern, Klatschen, Singen, Hüpfen) zum Ausdruck bringt und auch die Leistung des Gegners zu würdigen weiss.

    Fussball ist ein Spiel – kein Krieg!

    • Karl Eigenmann sagt:

      Amen – auch wenn ich auf ein Sieg des FCZ hoffe…

      • Michael Rohrbach sagt:

        Wieso können nicht alle Fussball-Fans eine solche Haltung vertreten?! Dann könnte man sich sogar nach einem FCB-FCZ Spiel die Hände reichen und gegenseitig zum Sieg gratulieren, so wie es sein sollte. Als FCZ-Anhänger hoffe ich zumindest auf ein Unentschieden…

  4. Mark Willi sagt:

    Lieber Herr Renggli

    Sie reden vom 3. März 2004…Was war denn da? Kann mich an nichts erinnern. Sie als Zürcher sicherlich auch nicht…oder?!

    Betreffend des Spiels am Sonntag; der FCZ hat einen Lauf. Chermiti scheint seine Position im Sturm definitiv gefunden zu haben und mit Mairgaraz kommt aus dem Zentrum des Mittelfeldes mehr Bewegung als im Herbst. Basel ist durch die Niederlage angeknackst. Niemand hat mit dem Szenario einer Niederlage gegen den kleinen FCB gerechnet. Körperlich sehe ich keinen Vorteil bei Basel. Alles Spieler in dieser Liga sind Profis und verkraften auch mal eine englische Woche. Deshalb Tipp: 1:2 für den FCZ

    • Dani sagt:

      Super Tip Herr Willi. Da merkt man, dass Sie viel mit Fussbal am Hut haben.

      • Mark Willi sagt:

        Andere Leute kritisieren und selber nicht den Mut zu haben, selber zu tippen – einfaches Strickmuster. Und nur nebenbei; mit ein wenig mehr Glück wäre das 1:2 für den FCZ sogar dringelegen

        • Dani sagt:

          OK, da haben Sie recht wegen dem Tippen. Aber haben Sie wirklich geglaubt, dass der FCZ in Basel gewinnt? Bitte kommen Sie mir nicht mit fehlendem Glück. Dieser FCZ hat niemals die Qualität eines FCB.

          • Mark Willi sagt:

            …und trotzdem räumt der FCZ seit 2005 doch in einer gewissen Regelmässigkeit und auch mit einer gewissen Souveränität Titel ab…schon irgendwie komisch, nicht?!

          • Mark Willi sagt:

            Und ja, Lattenkopfball nenn ich Pech. Die Chance die Alphone vor dem Ausgleich vergeigt ist Unvermögen oder starker Reflex des Torhüters…kategorisieren Sie das wie Sie wollen

          • Rolf sagt:

            …und am Schluss gewinnt halt trotzdem der FCB.

  5. H. Landolt sagt:

    Ich wünsche allen Beteiligten ein gutes Spiel, kann mich den Äusserungen von R. Emery nur anschliessen, allerdings aus umgekehrter Sicht mit der Hoffnung auf einen FCZ-Sieg.
    Es wäre auch für den neutralen Zuschauer besser, weil die Meisterschaft wieder offen wäre. 7 Punkte Vorsprung schon ziemlich deftig, 1 Punkt ist deutlich angenehmer.
    Hassli ist weg, ein nachvollziehbarer Entscheid, kann der Verein jetzt noch ein paar Dollars einnehmen, zudem stehen genügend gute Stürmer zur Verfügung. Ich wünsche dem FCZ 3 Punkte und eine spannende Rest-Meisterschaft, mit (hoffentlich) einem Meister und Cupsieger FCZ.
    Liebe Grüsse

  6. banksy sagt:

    Das wir ein hoch emotionales Spiel mit vielen umstrittenen Szenen und Karten. Fink kann sich nach dem Aus im Cup nun keine Niederlage erlauben, dementsprechend übermotiviert kommen die Basler aufs Feld. Auch die Zürcher dürften etwas euphorischer als auch schon auf den Platz kommen. Ich freu mich, da wird einiges gehen.

  7. Rüedu sagt:

    @Alle: Ich bin erstaunt und für einmal positiv beeindruckt! Alles wohlformulierte Beiträge ohne unnötige Polemik – und das vor dem Spiel der Spiele. Ich schliesse mich den Schlussworten von Rene Emery und hoffe auf einen packenden und friedlichen Match!

  8. FCZ Andy sagt:

    Klar bin ich auch für ein FCZ Sieg, logo. Aber eines was ich mir wirklich auch wünsche, ein faires und sportliches Spiel, sowie vor allem echte Fussballfan, die das Resultat einfach sportlich zur Kenntnis nehmen werden und es zu keinerlei Ausschreitungen und Ausseinandersetzungen kommen wird, egal wie das Resultat lautet. René Emery schreibt es genau in meinem Sinne, Fussball ist Sport und kein Strassenkrieg für “möchtegerne” Fussballfan, die dem Sport und der Sache nur schadet!

  9. Lorenzo sagt:

    Der FCZ sollte jetzt wirklich den “Penalty” versenken. Basel wird überschätzt. Schon beim FCL hat der FCB profitiert vom Engpass in der Offensive des Gegners. Wäre Paiva oder Ianu fit gewesen, hätte es bestimmt einen Zusammenschluss an der Spitze gegeben. Ich glaube und hoffe fest an einen deutlichen Sieg des FCZ. Auch zugunsten einer spannenden Fortsetzung der Meisterschaft.

  10. erwin graber sagt:

    Kann es nicht mehr hören betr. Spannung. Letztes Jahr hat niemand davon gesprochen, nur wenn Basel vorne liegt wollen plötzlicH alle Spannung. In der Bundesliga spricht keiner vom Verlust der Spannung. Ist doch spannend wer wird Zweiter. Also sollte der FCB gewinnen, hat er den.Vorsprung verdient und wir müssen nicht alles unternehmen, damit dies verhindert wird.

  11. L. Larsen sagt:

    Meiner Ansicht nach, gilt es für den FCZ heute nicht den gleichen Fehler zu machen wie Basel am Donnerstag, und den Gegner unterschätzen. Dies könne sher gut passieren, da der quasi übermächtige FCB nun als geschwächt gilt. Das Spiel heute wird ganz sicher sehr spannend und eher knapp ausgehen, für wer kann ich nicht sagen. Aber die Zürcher haben anfang Saison schon gezeigt, dass sie stärker agieren wie in den Spielzeiten zuvor und haben am Schlus, mehr oder wenigerunglücklich mit 3:2 verloren. Wenn ich alles zum Thema Hasli richtig verstanden habe, kann dieser heute gegen Basel noch spielen. Ich selber bin aber nicht der Meinung, dass diese Variante geschickt ist, weil die Limmatstädter ein kurzpassspiel aufbauen wollen und dafür ein Hassli schlicht und einfach nicht geeignet ist.

    Gruss
    L. Larsen

  12. Fritz Henning sagt:

    Sehr geehrter Herr Renggli

    Von welchem Spiel schreiben Sie bitte? Am 3. Märt 2004 gab es KEIN Spiel. Und sollte der FCZ Heute verlieren dann nur weil Sie ein Spiel angesprochen haben dass es nicht gab, gibt und geben wird. (Klingt etwas abergläubisch, aber sind wir alle Fans nicht ein bisschen Abergläubisch?)
    Also für die Zukunft, wollen Sie dass der FCZ gewinnt werden solche Spiele (es gab ja keines) nicht merh erwähnt. Sollten Sie heimlicher Hopper Fans sein, dann wünsche ich Ihnen den Abstieg mit wehenden Fahnen (trotz Rabatt im Letzi).

    • L. Larsen sagt:

      Lieber Herr Henning

      Zum Spiel am 3. März 2004(Sie haben recht, am 3. Märt fand kein Spiel statt): Das Cup-Halbfinale zwischen GC und dem FCZ fand an diesem Mittwochabend auf dem Hardturm statt. bei dieser Partie erzielte Daniel Gygax für Zürich 3 Tore und Ziegler gelang das Eigentor des Jahres, welches für den Stadtclub gewertet wurde. Auch der FCZ-Debütant Cesar erzielte einen Treffer und erhielt kurz darauf die gelb-rote Karte für übertriebenen Torjubel. Für die Hoppers Trafen dreimal Edouardo, zweimal Petric und zum Schluss, in der Verlängerung noch Nunez. Lucien Favres Club führte bis zur 82 min. 5:2.

  13. Auguste sagt:

    hmm…, das schicksal wäre möglicherweise bereit gewesen – der fcz-goalie eher nicht.

  14. Daniel sagt:

    Ich habe letzten Herbst vor dem Spiel Bayern vs. HSV in München Mladen Petric getroffen. “Ciao Mladen, wünsch Dir und dem HSV viel Glück am Sonntag. Übrigens, ich bin GC Fan und du hast mein Tor des Jahrhunderts geschossen, ich dreh heute noch fast durch wenn ich mich daran erinnere…” MP: “Danke für die guten Wünsche. Das 5:5 gegen den FCZ – sehr geil !”

    Ottmar Hitzfeld 1991 im Festzelt hinter dem Hardturm nach dem Titelgewinn:”Wir haben zwar nicht die meisten Fans – dafür die Besten !” Und er muss es ja wissen…

    So wie einst Reeeal Maaadrid…