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Hoffen auf das Wunder von Biel

Thomas Renggli am Mittwoch den 2. März 2011


Biel ist eine der geschichtsträchtigsten Adressen im Schweizer Fussball. Der lokale FC (Gründungsjahr: 1896) gehört zu den ältesten Klubs des Landes. Seine grössten Zeiten erlebte er um die Mitte des vorigen Jahrhunderts – mit dem Gewinn des Meistertitels (1947), zwei zweiten Plätzen (1948/1960) sowie der Qualifikation für den Cup-Final 1961 (0:1 gegen La Chaux-de-Fonds).

Dann ging’s allerdings steil bergab – bis 1990 in die Anonymität der zweiten Liga. Erst 2008 kehrte der kleine FCB in die zweithöchste Liga zurück. Bestand hatte nur das Gurzelen-Stadion. 1913 erstellt, überlebte es zwei Weltkriege, ein paar Börsen-Crashes und die Uhrenkrise. Es steht im Bieler Stadtteil Champagne – erinnert aber eher an Wurst, Brot und Bier.

Am Donnerstagabend rückt das altehrwürdige Gemäuer für knapp zwei Stunden wieder ins Zentrum des Schweizer Fussballs – wenn anlässlich des Cup-Viertelfinals der FC Basel seine Aufwartung macht.

Im Meisterschafts-Alltag spielt Biel vor durchschnittlich 700 Unentwegten. Jetzt ist alles anders. Mit rund 7000 Zuschauern wird das Gurzelen den grössten Andrang seit Jahrzehnten erleben – und mit Auswüchsen konfrontiert, die man in der Fussball-Provinz nur vom Hörensagen kennt. Auf der Klub-Homepage wird seit Tagen vor dem Handel mit gefälschten Tickets gewarnt.

Der Cup verschiebt im Fussball die Relationen. Kämpft David gegen Goliath, werden Emotionen und Fantasien freigesetzt wie sonst nie. Doch in der Schweiz wird die Kluft zwischen Arm und Reich grösser und grösser. Aussenseiter und Favoriten entfernen sich voneinander. Das Überraschungspotenzial schwindet. Der Bieler Achtelfinal-Erfolg gegen Luzern im Penaltyschiessen war in dieser Saison der einzige Erfolg eines Unterklassigen gegen einen Super-League-Vertreter.

Die Zementierung der Normalität ist hausgemacht: Bis in den Sechzehntelfinals sind Direktvergleiche zwischen A-Klubs ausgeschlossen – und in den Achtelfinals wenn immer möglich zu verhindern. Erst ab den Viertelfinals regiert bei der Auslosung das Zufallsprinzip.

So ist der FC Biel der einzige Underdog, der den systembedingten Artenschutz der Elite unterminiert hat. Mit einem Sieg gegen den FC Basel könnte der Siebte der Challengue-League eines jener Kapitel Fussballgeschichte schreiben, das dem Cup-Wettbewerb seine Faszination gibt. In der vergangenen Saison deklassierte Lausanne-Sport in den Viertelfinals die Young Boys 4:1 und legte damit die Basis zum sensationellen Sturm in die Europa League.

Dass der Cup in der Schweiz in den letzten Jahren wieder an Prestige gewonnen hat, ist auch auf eine gewisse «Entkommerzialisierung» zurückzuführen. Zwischen 2003 und 2008 firmierte der Wettbewerb als Swisscom Cup und droht zur reinen Marketingplattform zu verkommen: Pausenspiele, Werbegeschenke und Sven Epiney als Stadionmoderator. Die Höchststrafe für jeden Fussball-Romantiker.

Glücklicherweise werden diese Erinnerungen spätestens dann verblassen, wenn das Endspiel ab kommendem Jahr wieder im Stade de Suisse auf Naturrasen stattfindet. Der Cup-Final gehört nach Bern!

Im K.-o.-Wettbewerb ist der Bruch mit der Tradition ein untragbarer Frevel. Wie es auch geht, zeigt der Blick nach England. Dort wird jeweils im Mai im Wembley mit dem FA-Cup-Final das prestigeträchtigste Endspiel in einem nationalen Klubwettbewerb zelebriert. Und schon am vergangenen Wochenende herrschte im Norden von London der Ausnahmezustand – als der krasse Underdog Birmingham City im Final des Liga-Cups durch einen Treffer in der Schlussminute Arsenal in die Niederlage stürzte. Das ausverkaufte Wembley stand Kopf. Die Fans des Birmingham City Football Clubs feierten den zweiten Titel des 1875 gegründeten Klubs als würde es kein Morgen geben.
Biel ist nicht Birmingham, Gurzelen ist nicht Wembley – und Träume gehen selten in Erfüllung. Aber ein kleines Fussball-Wunder würde auch dem Schweizer Cup gut anstehen….

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33 Kommentare zu “Hoffen auf das Wunder von Biel”

  1. Kaspar sagt:

    à propos “Wurst, Brot und Bier”: Das altehrwürdige Gurzelen erhält seine Würdigung auch im neuen Buch “Stadionwurst – Der Fussballschweiz auf die Pelle gerückt”, erhältlich unter http://www.stadionwurst.ch

  2. Samuel sagt:

    Sie haben schon recht, wenn Sie schreiben, dass der Cupfinal nach Bern gehört. Denn für Basel reicht der Titel, und der gehört nach Basel.

    • Ruedi Meyer sagt:

      Wieso gehört der Cup-Final nach Bern. Die Hauptstadt kann es ja nicht sein, denn die Schweiz kennt keine Hauptstadt: Bern ist – wegen des Regierungssitzes Bundesstadt.

      Bei vernünftigen Eintrittspreisen lassen sich bei Stadien füllen und der SFV ist ja nicht gerade ein Verband, der freiwillig auf Einnahmen verzichtet.

      Rhetorische Frage: Welches Stadion hat mehr Plätze und in welchem Stadion gibt es Plätze, auf denen wegen den VIP-Lounges nur die Einsicht auf ein Tor besteht?

  3. age sagt:

    wieso der Cupfinal so dringend nach Bern gehören soll bleibt mit zwar weiterhin schleierhaft. Mit der leisen Kritik am Artenschutz des Oberklassigen bin ich allerdings sehr einverstanden. Der deutsche Pokal zeigt jährlich schön was ein wirkliches Spektakel mit überraschenden Siegen und spannenden Begegnungen ist. Die Auftakt-Spiele bei absoluten Auftakt-spiele ist doch ein echtes Highlight und bringt den regionalen Teams endlich etwas der ihnen gebührenden Aufmerksamkeit,.

  4. Hardy sagt:

    Weshalb der Cupfinal nach Bern gehört und weshalb dieses Stadion “de Suisse” heisst weiss zwar kein Mensch.. aber ein Redaktor oder wie man sich auch schimpfen darf kann ja losplappern (schreiben) wie es ihm gerade gefällt. Dieser Blog ist eh nichts für Fachleute, eigentlich vom Plapperi für den Laien… Dieser Blog zeigt jedoch auch auf wie lange sich ein “Hanswurst” im Journalismus halten kann.. da reicht es schon wenn man den Geruch des Rasens kennt.. Fachmann oder zumindest vertiefte Kenntnisse im Metier braucht man da nicht unbedingt zu haben.. Es ist aber etwas penibel das im Verbung des Newsnetzt auch ein Leser der BAZ dieses Geschmiere eines Antibaslers als “Lektüre” vorgesetzt bekommt…

    • SkyM sagt:

      Ihre Anfeindungen sind mir etwas zu primitv…Sie Fachmann. Es scheint mir als leiden Sie unter dem “Züri-Komplex”.
      Zur Sache: Der Cup wird seit jeher in der Hauptstadt im Wankdorf ausgetragen. Sobald dieses wieder mit einem richtigen Rasen ausgestattet ist, gehört der Cup wieder nach Bern. Ich bin sicher dass viele Basler über ihre eigne Eitelkeit hinwegsehen können und das ähnlich sehen.

  5. Urs Scherrer sagt:

    Der Cupfinal gehört vor allem auf Rasen. Diese unsäglichen Plastikspiele sind schon in der Liga ärgerlich genug. Da möchte ich mir nicht auch noch den höchsten Feiertag im Schweizer Fussball von Kunstrasen verderben lassen.
    Bis der Berner Hartplatz saniert ist, kann der Cupfinal meinetwegen in Genf, auf dem Thuner Lachen-Acker oder in einem städtischen Leichtathletikstadion stattfinden.

  6. FCZ Andy sagt:

    Hopp Biel, hopp. Wir FCZ’ler freuen uns schon, Euch im Letzigrund zum Halbfinal begrüssen und abschiessen zu dürfen, nachdem Ihr die Bebbis gedemütigt habt 😉

    • roger göttschi sagt:

      Originell….. mal sehen, was Sie denken nach dem nächsten Weekend?!

      • FCZ Andy sagt:

        Na was wohl, Herr Göttschi ? 🙂 Und ich erinnere an DIE 93. Minute. Alles klar? 🙂

        • FCZ Andy sagt:

          Ok, Heimspiel gegen Xamax ist ja auch ganz toll für den Einzug ins Finale (gegen Biel?), Herr Göttschi, auch wenn es heute etwas länger als DIE 93. Minute dauerte für das “Golden-Torl” 🙂

          • sich nicht erinnernder sagt:

            fcz schiesst fcb ab? kann mich gar nicht erinnern, wann es dies das letzte mal gab. kannst du mir helfen 🙂

          • Thomas Renggli sagt:

            26. November 2006:

            Axpo Super League, 16. Runde:

            Zürich – Basel 3:2 (2:0)
            Hardturm. – 18 100 Zuschauer (Saisonrekord). – Schiedsrichter: Rutz. Tore: 43. Eudis 1:0. 45. Dzemaili 2:0. 69. Sterjovski 2:1. 71. Margairaz 3:1. 73. Caicedo 3:2.
            Zürich: Leoni; Stahel, Tihinen (82. Pouga), Barmettler, Rochat; Margairaz, Dzemaili, Inler, Cesar; Raffael (87. Kollar), Eudis (45. Abdi).
            Basel: Costanzo; Zanni, Ba, Nakata (32. Eduardo, 39. Caicedo), Chipperfield; Kuzmanovic; Rakitic, Ergic, Buckley (65. Berner); Sterjovski, Petric.
            Bemerkungen: Zürich ohne Von Bergen, Stanic, Schneider, Stucki und Alphonse (alle verletzt), Basel ohne Majstorovic (gesperrt) sowie Smiljanic, Dzombic (beide verletzt) und Carignano (rekonvaleszent). Verwarnungen: 6. Kuzmanovic (Foul). 65. Zanni (Foul). 85. Dzemaili (Reklamieren). 89. Sterjovski (Unsportlichkeit). 89. Cesar (Unsportlichkeit).

      • FCZ Andy sagt:

        Herr Göttschi, wie war das nun mit Biel, Basel und Cup??? So wurde wohl noch nie ein Club in letzter Zeit gedemütigt, wie heute Abend Basel…….. Grunz aus Zürich 😉

  7. Joe sagt:

    Der Cup-Final gehört wirklich nach Bern, da er dort historisch veranktert ist. Und Herr Renggli ist kein Hanswurst, er hat sehr wohl vertiefte Kenntnisse im Metier. Und: Basel wäre ohne die Fantastillionen von Frau Öri etwa dort, wo der FC Luzern ist. Man muss kein Antibasler sein, um dies festzustellen. Daher der Cup-Final nach BERN zurück. Pro mehr Artenvielfalt im CH-Fussball, schön wär’s, wenn auch Servette, Lausanne oder Lugano wieder A-klassig würden.

    • Alzo sagt:

      Hört dich nach purer Neid an. :o)

    • Ruedi Meyer sagt:

      Frau Oeri finanziert den Nachwuchs. Wohin Millionen, die in die 1. Mannschaft gebuttert werden führen können, sehen wir GC mit dem Triumvirat der CS- und Roche-Bosse sowie dem Hardturm-Besitzer.

      • Raffael sagt:

        “Frau Oeri finanziert den Nachwuchs”

        Es mag wohl wahr sein, dass die zig Millionen, die Frau Oeri in den letzten Jahren in den FC Basel pumpte meist vernünftig investiert wurden. Sprich in die Infrastruktur, das Marketing und natürlich in den Nachwuchs des Vereins. Neben der FCZ-Academy wahrscheinlich die beste Nachwuchsabteilung der Schweiz.
        Nur geht mir diese Selbstgefälligkeit gewisser FCB-Fans gehörig auf den Sack, die behaupte der FCB investiere das Geld halt in die Jugend und dies sei der wichtigste Grund für die Stärke des Kaders. Kein Verein in der Schweiz kann es sich leisten für Spieler so viel Geld auszugeben wie der FCB bzw. wie Frau Oeri (Frei, Streller, Abraham, Costanzo, Tembo – 1.2 Mio. für einen Ersatzspieler, Yapi – war zwar ablösefrei, erhielt aber sicher ein sattes Handgeld). Vergleicht man diese Spieler mit anderen Super League Spielern, wären qualitativ vergleichbare Kräfte auch günstiger zu haben. Aber im FCB kann man (Frau Oeri) sich es ja leisten. Was auch überhaupt nicht verwerflich ist – aber hört endlich mit dieser “Frau Oeri finanziert den Nachwuchs”-Heuchelei auf!!

        • Joggeli Rynach sagt:

          Frau Oeri unterstützt den FCB im Falle eines Defizites aus der Stiftung. Ansonsten steht das Budget und die erste Mannschaft muss den Umsatz generieren. Im Gegensatz zu anderen Vereinen verdient der FC Basel am meisten (Zuschauer, Fanartikel, Sponsoren, im speziellen auch aus Spielerverkäufen welche allfällige Defizite der Stiftung wieder ausgleichen, etc.) In Zürich setzt man die Spieler, wenn sie wechseln möchten auf die Bank und verzichtet somit auf allfällige Preistreibende Neuofferten. Im übrigen war der FCB seit langer Zeit der Club, bei welchem alle Spieler wussten, dass sie in der Schweiz am meisten Verdienen können. Ein solches Lohngefüge ist sehr schwierig nach unten zu korrigieren (siehe GCZ).

          Griessli an alli

          • FCZ Andy sagt:

            Zuerst mal mein ganz herzliches Beileid, in Bezug auf das Cupspiel von heute Abend, Joggeli Rynach. Aber wo Du recht hast, hast Du recht. Der FCZ könnte noch einiges vom FCB lernen, in Sachen Spielerverkäufe und “Personalpolitik”. Wir FCZ’ler verstehen gewisse Dinge selbst nicht, wie das Management mit Spieler zum Teil umgehen. Und jetzt freuen wir uns ganz sportlich und fair auf den Sonntag, wenn der FCZ endlich mal wieder drei Punkte aus Basel nach Zürich holen wird. 🙂

  8. Boris Sepulveda sagt:

    @Hardy: das schönste ist ja dass DU Fachmann alles zu kritisieren hast aber den Blog liest und auch noch kommentierst. Peinlich sind nur solche Leute. Aber du, schreib doch selbst einen Blog du Fachmann… wir werden es sicher lesen wollen!

  9. Marc Hirz sagt:

    1. Wieso “gehört” der Cupfinal nach Bern? Wer sagt das? Was haben die Mutzen fussballerisch denn in den letzten Jahren gross gerissen? 2. Wieso wird in diesem Artikel so auf den vermeintlich “kleinen” FC Biel heruntergeschaut. Dort wird mit Herzblut an der Basis Fussball gespielt, und das mit gewissem Erfolg in der Challenge League. Und 3. Wenn der Neid der Erfolglosen wieder mal hochschwappt, dann wird gerne das Totschlag-Argument der Oeri-Millionen genommen. Selbst wenn es so wäre, was hindert denn die reichen Berner, Zürcher, Luzerner etc., Geld in “ihre” Mannschaft zu investieren? In diesem Sinne: HOPP FCB!

    • SkyM sagt:

      Der sportliche Erfolg von YB hat ja wohl rein gar nichts damit zu tun wo der Cup-Final ausgetragen wird. CH – Cupfinal nach Bern (sofern Naturrasen).

  10. age sagt:

    Der Züri-Komplex wird beschworen, obwohl fussballerisch wohl nichts grösser ist als der Basel-Komplex. Die wehleidigen, weinerlichen Anfeindungen wegen der Investitionen von Frau Öhri sind nichts als lachhaft, kommen sie doch von Fans deren Vereine selber jahrzehntelang nur vom Geld Dritter gelebt haben… Lächerlich. Btw. bin ich weder aus Basel noch Anhänger derer zu, ich besitze ein NLB-Saisonabo.

    Der Cupfinal darf gerne auch einmal in St. Gallen, Bern, Zürich oder Genf ausgetragen werden. Dieses Exklusivrecht der Hauptstadt ist nichts als ein Hirngespinst.

  11. Markus Dörflinger sagt:

    Lieber Herr Renggli, der Cupfinal gehört in dasjenige Stadion mit dem grössten Platzangebot! Der heilige SFV und die Sponsoren benötigen ja schon einen Grossteil der Tickets für sich. Deshallb muss für uns einfaches Fussballvolk noch möglichst viel Platz sein.

  12. Baselbieter sagt:

    Ich als FCB-Fan seit der Wiege finde absolut, dass der Cup Final nach Bern gehört. Es gibt kein anderes europäisches Land in dem der Cupfinal nicht in der Hauptstadt ausgetragen wird, geschweige denn jährlich (oder 2-jährlich) gewechselt wird.
    Die Fahrt am frühen morgen nach Bern, das treffen auf dem Waisenhausplatz, der Marsch ins Stadion, das alles gehört für mich einfach zum Cupfinal wie der Morgestraich zur Fasnacht.
    DR CUP GHÖRT NACH BASEL, DR CUPFINAL NACH BÄRN!

    • Joggeli Rynach sagt:

      Sorry, aber in Spanien wird der Copa del Rey jedes Jahr in einem anderen Stadion ausgetragen und dies obwohl der Königspalast in Madrid zuhause ist. In England und Frankreich findet der Final wohl in der Hauptstadt, aber in neutralen Stadien (welche die grössten des jeweiligen Landes sind) statt und ich glaube nicht, dass wir in der Schweiz ein solches bauen könnten

      Griessli

  13. jean-claude Riedo sagt:

    Es freut mich dass die Cupfinalisten das Finalspiel auf neutralen Terrain austragen dürfen. Dem FC Biel sei Dank!

  14. n.v. sagt:

    träume können auch wahr werden.