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Stoppt den Sumpf-Fussball!

Thomas Renggli am Montag den 28. Februar 2011


Die Super League stellt professionelle Ansprüche. Sie droht der AC Bellinzona die Lizenz zu verweigern, weil die Tessiner im Stadio Comunale über zu wenige Sitzplätze verfügen. Auch das Cornaredo in Lugano genügt den Anforderungen offenbar nicht. Ob Vaduz oben mitkicken dürfte, ist ebenfalls fraglich. Heimatschutz kommt in gewissen Kreisen vor sportlichem Wettbewerb.

Im Dschungel der Lizenzierungsbürokratie geht der Blick für die Realität verloren – und die spielt sich in diesen Tagen auf Spielunterlagen ab, auf denen aus Gründen des Tierschutzes nicht einmal Pferderennen stattfinden würden.

Hauptleidtragende waren die Schweizer Meister des FC Basel. Sie mussten sich zu Beginn der zweiten Saisonphase durch den Thuner Dreck pflügen. Gestern waren sie im Spitzenspiel auf dem Gersag-Acker gefordert. Spitzenspiel? Das Terrain in Emmenbrücke genügt nicht einmal den Anforderungen an ein durchschnittliches Grümpelturnier – hätte aber jeden Hollywood-Regisseur zu einer Neuverfilmung des Comic-Klassikers «Das Ding aus dem Sumpf» inspiriert. Und darauf wollen die Grasshoppers in der nächsten Saison ihren kultivierten Offensivfussball zelebrieren?

Fussball auf Kunstrasen ist das letzte, was man sich wünscht – synthetisch, steril – im wahrsten Sinn des Wortes unnatürlich. Aber im Vergleich zu den Moorlandschaften in Emmenbrücke und Thun wäre er noch immer das kleinere Übel. Mittlerweile hat selbst der Platzwart in Thun die weisse Flagge gehisst und plädiert für ein künstliches Spielfeld. Dass er damit seine beruflichen Zukunftsperspektiven komprimiert, ist sekundär. Denn das, was gegenwärtig mit dem Lachen-Platz passiert, treibt jedem Gartenliebhaber die Tränen in die Augen.

Immerhin hatten die amtlich homologierten Schlammschlachten bisher noch keine sportlichen Folgen. Basel hielt sich sowohl in Thun als auch in Luzern schadlos. Der Titel des Querfeldeinmeisters ist dem Fink-Team nicht mehr zu nehmen. Und die Young Boys wendeten im Berner Oberland am vorletzten Wochenende das Schlimmste ebenfalls noch ab.

Willkür und Zufall sind jedoch weiterhin Tür und Tor geöffnet. Der FC Thun empfängt in den nächsten anderthalb Wochen im Cup Xamax sowie in der Meisterschaft Luzern und nochmals Xamax.

Willkommen in der Acker Super League!

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24 Kommentare zu “Stoppt den Sumpf-Fussball!”

  1. E. Schönbächler sagt:

    Die schlechten Böden sind ein generelles Problem im Februar und anfangs März im europäischen Fussball. Die UEFA und ihre Mitgliedsländer sollten bei ihren Wettbewerben abspecken und weniger Spiele austragen. So sollten die nationalen Meisterschaften noch 16 Teams umfassen was 30 Meisterschaftsrunden ergäbe (auch in der Schweiz!). In gewissen Ländern gibt es im Cup Hin- und Rückspiele oder Wiederholungsspiele. Diese Nationen sollten auch die Entscheidung in einem Match (nötigenfalls mit Verlängerung und Penaltyschiessen) suchen. Dazu sollte es nur noch einen Cupwettbewerb geben. Also keinen Ligacup und dergleichen. Im Europacup könnte man die Gruppenspiele wieder abschaffen und sofort mit der alten Formel Hin- und Rückspiel (wer verliert ist draussen) starten. Natürlich kann so weniger Geld verdient werden im Fussball. Aber das ist langfristig gesehen auch nötig. Das ganze Fussballbusiness ist überhitzt. Und mit längeren Sommer- und Winterpausen kann der Fussballfan wieder hungrig auf die Spiele gemacht werden.

    • Hugo sagt:

      Herr Schönbächler, hier geht es um die Super League der Schweiz. Andere Meisterschaften andere Verhältnisse … auch in England, Italien, Frankreich und Deutschland werden Spiele verschoben wenn der Platz nicht spielbar ist … hier wäre also der Verband gefragt!!!

  2. Helmut M. sagt:

    es war elend, das spiel gestern zwischen fcl und fcb zu sehen. doch der acker in thun vor einer woche war noch schlimmer.

  3. Roy Mor sagt:

    wieso gleich auf den plastik verweisen? der letzirasen war gegen bellinzona in einem perfekten zustand! auch in basel und st. gallen sollte der rasen top sein (habe nichts anderes gehört)

    mit der falschen unterlage (also unter dem rasen) kann man schon viel falsch machen – oder eben auch richtig wie die beispiele zürich, basel und st. gallen zeigen.

    *hätte nie gedacht, dass ich den neuen letzi bei irgendwas loben könnte…

  4. Müller Beat sagt:

    In Thun und Luzern werden neue Stadien gebaut. Ich glaube nicht dass es richtig ist auf diesen beiden Vereinen herumzuhacken. Beide Vereine Haben erkannt dass sich etwas ändern muss und werden im Sommer in neue Stadien ziehen. Auch Xamax, Basel oder YB waren wärend dem Umbau der Stadien nicht gearde Gastgeber eines “Wembley-Rasens”

    • micha sagt:

      Nur teilweise korrekte Beobachtung im Steilpass, und sehr guter Punkt in Ihrer Replik. Was ich vermisse: In diesem Steilpass ist immer wieder und in verschiedensten Zusammenhängen auf Alex Frei herumgehackt worden. In diesen beiden Spielen auf ‘unbespielbarem Terrain’ hat Frei entscheidende Tore geschossen und gegen Thun Vorlagen für Tore geliefert. Er ist sich nicht zu schade, auch auf solchen ‘Aeckern’ zu kämpfen. Frei ist massgeblich, dass sich der FCB in der Rückrunde abgesetzt hat. Kein Wort darüber hier, dass er in der nationalen Meisterschaft zusammen mit Yakin der mit Abstand wichtigste und erfolgreichste Spieler ist. Völlig stil- und haltlose Polemik gegen Frei, wenn dieser – auch teilweise verletzungsbedingt – ein schwächeres Spiel abliefert.

  5. Heinz Lüthi sagt:

    Der Ackerfussball im Februar war wirklich peinlich! Wenn der Verband und die Stadion-Betreiber ausserstande sind, für spielbare Spielfelder zu sorgen, dann wäre de Verschiebung der Meisterschaftsrückrunde mit Start auf
    Ende März wirklich wünschenswert, auch wenn dann wohl die Chance der besten Schweizer- Klubs auf ein Weiterkommen in den Europawettbewerben kleiner würde. Man denke nur an die erhöhte Verletzungsgefahr
    auf unspielbaren Aeckern. Aber es sind wohl zu grosser Geldsummen im Spiel, um bei der UEFA Gehör zu finden.

  6. josé bütler sagt:

    super thema …

  7. Randy Andy sagt:

    Das Problem kann realtiv einfach gelöst werden. Der Platzklub wird verpflichtet, einen einwandfreien Rasen zur Verfügung zu stellen. Der Schiedsrichter entscheidet anhand von Kriterien über die Qualität des Platzes. Hält der Platzklub diese Kriterien nicht ein, wird er pro Spiel mit CHF 50’000.- bestraft.
    Das Verlegen eines neues Rasenfeldes pro Saison kostet CHF 250’000.-. Angesichts der Summen, die für ansonsten für den Profibetrieb ausgegeben werden ein Klacks. Hier gibt es nur eines: Hart durchgreifen und die entsprechenden Vereine bestrafen.

    • Kuede Borni sagt:

      die rasen sind bereits im november in einem schlechten zustand. dann müsste man ja im dezember den rasen wechseln. und wann soll dann der neue rasen anwachsen? im winter?!?
      ansonsten haben wir verhältnisse wie in basel an der EM. anstatt sich durch den acker pflügen wäre surfen auf dem rasentepich angesagt…

  8. Franz sagt:

    Vielleicht sollte man sich wieder mal Gedanken über den Saisonstart im Frühling machen, europaweit natürlich. Da würden auch Spiele im Tiefkühler der Vergangenheit angehören. März bis November, kurze Sommerpause, weniger Spiele.

  9. marcel sagt:

    ein sehr treffender artikel wieder einmal. hoffentlich begreifen das die oberen der liga auch mal, dass sie nicht bei den zu wenigen sitzplätzen ansetzen müssen, sondern zuerst mal auf ein ordentliches spielfeld pochen sollten. in basel, zürich, bern hat man wahrscheinlich sogar bei den trainingsplätzen spielfelder die 1’000 mal besser sind als die kuhweiden von thun und luzern. wer es sich nicht leisten kann ein ordentliches spielfeld anzubieten, gehört nicht in die super league. von mir aus auch ein plastikrasen, den der ist inzwischen kein grosses thema mehr wert. wir können nur froh sein, wenn sich bei diesen spielen nicht leute ernsthaft verletzen, oder tore fallen durch bälle die im sumpf stecken bleiben und dadurch noch die tabelle total verfälscht wird.

    • josé bütler sagt:

      bezüglich luzern und thun: in luzern wird die swissporarena im august 2011 den betrieb aufnehmen und in thun wird das stadion thun süd im juli 2011 eröffnet.

  10. Fritz Bünzli sagt:

    Auf die Gefahr hin, mich ständig zu wiederholen kann ich nur sagen; Beginn der Meisterschaft Anfangs März, Ende der Meisterschaft Ende November. Was soll den daran falsch sein ? Funktioniert einwandfrei in den nordischen Ländern
    @E. Schönbächler; dem gibt es nichts beizufügen .Toller Kommentar.!

    • Michel Amadeus sagt:

      Anzufügen, ja: dann hätten unsere Clubs überhaupt keinen Stich mehr in den intern.Wettbewerben solange diese bis im Dezember resp. bereits im Februar gespielt werden. Und ohne diese Wettbewerbe kann sich kein Club seriös finanzieren (ausser evtl. Sion, früher Servette, GC usw). Nein, wer “Super League” tauglich sein will muss ein entsprechendes Stadion resp. entsprechenden Platz vorweisen. Im übrigen glaube ich kaum, dass Emmenbrücke oder Thun soo enorm hoch über Meer liegen dass dort Dauerfrost/Schnee herrscht.

  11. Paul Müller sagt:

    Im Winter spielt man Eishockey und im Sommer Fussball – eigentlich logisch oder?

    • Matthias sagt:

      Ja genau!!! Das find ich auch!!!
      Und wenn die Fussballer tschutten wollen, dann können sie das auch auf einem Acker tun!!!

  12. CURVASUDMILANO sagt:

    Thats football+

    Kampfbetonter Fussball, mit seinen regionalen Tücken, warum nicht? Muss alles perfekt sein, soll Fussball in ganz Europa derselbe sein? Muss morgen die italienische Liga ihr Defensiv-Spiel umstellen und mehr Wert auf die Offensive legen, sollen sich Spieler aus der Premier League mehr fallen lassen…

    Viel blabla um nichts… aber immerhin ein Thema, welches vom Author mit Hand und Fuss dargestellt wurde, wenigstens im Ansatz.

  13. Rolf Wittwer sagt:

    Man stelle sich vor, Thun oder Luzern qualifizierten sich für einen internationalen Wettbewerb!
    Dass z.B. aus den Lotto/Toto-Millionengewinnen ( bzw. deren “Fonds”) nichts für solche knapp kalkulierende Clubs übrigbleibt,
    grenzt an eine Frechheit. Millionen gehen an überbewertete Randsportarten inkl. schönen “Reislis” und Hotelaufenthalten.
    Im Uebrigen ist es ferner längst an der Zeit die “Billag”-ähnliche Strukturen dieser in Geld schwimmenden Organisationen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Dann wären evtl. mehr Finanzen vorhanden, um ein paar Quadratmeter Superleague-Rasen zu erneuern oder zu ersetzen!

  14. Hanspeter Michel sagt:

    An Gartenliebhaber und Greenkeeper Thomas Renggli , Sind die Tränen in Ihren Augen nicht eher auf das weiterhin fehlende Fussballstadion in Zürich zurückzuführen? Da spürt man einmal mehr den puren Zürcherneid nachdem bekannt wurde dass sogar Bellinzona noch vor Zürich ein Fussballstadion bekommen wird. Und was die Grasshoppers betrifft, die müssen ja bekanntlich froh sein wenn sie überhaupt irgendwo Gastrecht erhalten. Offenbar will niemand so recht Interesse haben an ihrem “kultivierten Offensivfussball”. Aber vielleicht klappt es ja doch noch mit Emmenbrücke. Dann wäre nur noch die Frage offen: gibt es nächste Saison ein Derby GC – Luzern oder GC – Kriens? Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und vorallem genügend Nastücher.

  15. Michel Amadeus sagt:

    Hierzu wäre halt mal der SFV Verband gefragt, aber leider hat dieser in den letzten Jahren ja nichts vernünftiges auf die Reihe gekriegt. Man möchte international mithalten lässt es aber zu, dass die Amateurvereine den gleichen Status haben wie die paar wenigen, professionell geführten Grossclubs. Solange dies der Fall ist, muss man sich damit abfinden das unser Klub- und Natifussball nicht mehr als Mittelmass (bestenfalls) ist ! Nicht falsch verstehen, ich gehe auch gerne Amateurfussball schauen – bietet manchmal noch bessere Unterhaltung – aber es ist an der Zeit, dass der Verband und die sog. “Super League” auch professionell aufgezogen wird.

  16. n.v. sagt:

    Was für ein Thema. Herr Renggli sind Ihnen die Ideen ausgegangen? Sumpf gab es schon früher, ist doch normal um diese Jahreszeit. Wie wäre es mit dem Thema pro Hardturm und die Unfähigkeit der Zürcher Regierung sportliche Betätigung richtig wertschätzen zu können. Dort sitzen doch momentan alles Körnerpicker!

  17. Es ist ab Januar quer durch Europa das gleiche Szenario für alle Vereine – bis Ende März werden sogar in der DFL trotz Greenkeeper-Kolonnen die Plätze schlechter. Dabei hat jeder Akteur die gleichen Voraussetzungen – der Unterschied liegt lediglich in der grundsätzlichen persönlichen Begabung mit dem Spielgerät umzugehen. Natürlich freut sich jeder über technisch hochklassige Spiele – aber an wieviele können sie sich erinnern? Das kämpferische Element auf schlechten Plätzen gehört seit Jahrzehnten zum Jahreswechsel zum Fußball. Wenn Kunstrasenplätze durchgängig Freunde finden würden, wäre das Problem wohl generell erledigt – aber auch da schreit der Traditionalist, obwohl sich viele Vereine in den neuen Arenen gleich mehrfach im Jahr einen neuen “Rollrasen-Teppich” legen lassen müssen und der geht ins Geld. Eine entsprechende Anpassung des Spielplans, bei dem frühestens Ende Februar wieder angefangen wird ist ebenso unrealistisch, wie der Verlass auf die Wettervorhersagen.
    Ein Freund fragte zudem – na ja, die passen ja mittlerweile alle nur noch auf nicht dreckig zu werden, weil die Spieler sonst im TV nicht mehr so gut rüberkommen und der Sponsor dem Verein für das dreckige Leiberl noch Geld abzieht, weil das “Image beschmutzt wird!”