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Keine Steuermillionen für den FC St. Gallen!

Thomas Renggli am Mittwoch den 22. September 2010
Habens immer noch lustig in ihren undurchschaubaren Konstrukten: Rainer Sigrist (Mitte), VR-Präsident der Betriebs AG AFG Arena, und Michael Hüppi (r.), VR-Präsident FC St. Gallen AG, hier mit Dölf Früh (l.), Vertreter einer privaten Investorengruppe.

Habens immer noch lustig in ihren undurchschaubaren Konstrukten: Rainer Sigrist (Mitte), VR-Präsident der Betriebs AG AFG Arena, und Michael Hüppi (r.), VR-Präsident FC St. Gallen AG, hier mit Dölf Früh (l.), Vertreter einer privaten Investorengruppe.

Grün ist die Farbe der Hoffnung. Das gilt auch in der Super League. Der FC St. Gallen hofft auf bessere Zeiten – sportlich, wirtschaftlich, atmosphärisch. Wer im schönsten Stadion des Landes spielt, sogar in der sportlichen Düsternis des Tabellenkellers durchschnittlich über 11‘000 Zuschauer anlockt und mindestens einmal pro Jahrhundert Meister wird, mag sich mit dem Mittelmass nicht zufriedengeben.

Der Zufall diktierte die Personalrekrutierung: FCSG-Trainer Uli Forte.

Der Zufall diktierte die Personalrekrutierung: FCSG-Trainer Uli Forte.

Zweifelsfrei besässen die Ostschweizer alle Voraussetzungen, um in der Super League langfristig eine Hauptrolle zu spielen. Besässen. Der Konjunktiv ist im Sport die Ausdrucksform der Verlierer und Versager. In St. Gallen spiegelt sich dies in einer Mannschaft, die schon beim Erreichen des Barrage-Platzes wunschlos glücklich sein muss. Dass man heute mit einem Sieg gegen YB den Anschluss ans Mittelfeld herstellen kann, ändert nichts. Zu viel Substanz wurde im Sommer auf dem Transfermarkt verloren, zu ungeschickt das spärliche Kapital investiert. Der Zufall diktierte die Personalrekrutierung. Wie sonst käme man auf die Idee, Leute wie Bakens, Calabro oder Martic zu verpflichten? Trainer Uli Forte, der als Mitglied der Sportkommission das letzte Wort hat, bewies kein glückliches Händchen.

Noch stärker als ein handlungsfähiger Sportchef wird in der AFG-Arena aber die wirtschaftliche Sicherheit vermisst. Im kaum durchschaubaren Konstrukt von drei Aktiengesellschaften (FC St. Gallen AG, Betriebs AG AFG Arena, Stadion AG) scheint sich das Geld in Luft aufzulösen. Zuletzt riss der 12 Mio. Franken teure Innenausbau der Arena, der mit Bankkrediten finanziert wurde, ein grosses Loch in die Kasse. Dem ältesten Schweizer Klub fehlen 16 Millionen Franken.

Schönstes Stadion der Schweiz: AFG Arena in St. Gallen.

Schönstes Stadion der Schweiz: AFG Arena in St. Gallen.

Die St. Galler rufen «SOS» – und stossen unter anderem bei den öffentlichen Instanzen auf offene Ohren. Stadt und Kanton wollen sechs Millionen Franken zum Rettungspaket für den maroden Fussballklub beisteuern. Das zeugt von politischem Sportgeist, wirft aber vor allem eine Frage auf: Weshalb soll der Steuerzahler für das Missmanagement von selbsternannten Visionären geradestehen?

Bliebe es bei einer einmaligen Unterstützungszahlung, könnte man im Sinne des sozialromantischen Gedankenguts und der kultivierten Halbzeit-Verpflegung ein Auge zudrücken. Doch angesichts des Ostschweizer Bratwurst-Managements ist zu befürchten: Nach der Betteltour ist vor der Betteltour. Ein radikaler Neuanfang mit all seinen Konsequenten wäre das kleinste Übel – und das einzig richtige Bekenntnis zur St. Galler Fussballkultur.

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3 Kommentare zu “Keine Steuermillionen für den FC St. Gallen!”

  1. St. Galler sagt:

    Ich hätte noch eine Trachtengruppe, welche auch gerettet werden müsste!
    Sicher nicht mit meinen bezahlten Steuern solange es drei AG’s gibt!

  2. E. Schönbächler sagt:

    Über die genauen Probleme des FC St. Gallen kann ich mich als Innerschweizer nicht äussern. Doch generell besteht für Gemeinden und Kantone ein Klumpenrisiko wenn Sportstätten oder “Kulturtempel” zu gigantisch geplant und gebaut werden. So soll zum Beispiel bei uns in Einsiedeln für 66 Millionen Franken ein Nordisches Leistungszentrum entstehen. Der Investor (der noch nicht öffentlich genannt werden will gemäss “Einsiedler Anzeiger”) sieht im Projekt eine Eishalle mit Ausseneisfeld, eine Curlinghalle, ein Schwimmbad mit Wellness-Bereich, ein Beratungs- und Kompetenzzentrum für Sport, einen Sportfachmarkt sowie ein Dreistern-Hotel mit 90 Betten vor! Auch der Bezirk Einsiedeln sollte sich natürlich an den Kosten beteiligen. Und das nur wenige Jahre nach dem Schanzen-Debakel. Es ist immer gut wenn dem Breiten- und Spitzensport eine zeitgemässe Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird. Doch man sollte dabei nicht überborden und gewissen Funktionären und Geldgebern schon zu Lebzeiten ein Denkmal auf Kosten der Steuerzahler errichten.

  3. Patrick Natter sagt:

    Trifft den Nagel auf den Kopf! Bratwurstmanagement. Die Region hat alles, um eine wunderbare Fussballkultur zu leben. Alles, ausser Managementkompetenz. Ist aber nicht weiter verwunderlich in Anbetracht des Brain Drains. Die Talente verlassen die Region und selbstherrliche Dorfcasanovas und Hasardeure mit nichts als einem übergrosser Ego bleiben übrig. Solange der FCSG als Selbstdarstellungsplattform der Bratwurstmafia herhalten muss, wird sich nichts ändern. Keine Steuermillionen dafür! Gruss von einem treuen FCSG-Supporter