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Der Vater aller Dinge

Thomas Kobler am Montag den 12. August 2013

…ist der Krieg, philosophierte Heraklit vor ungefähr 2500 Jahren. Ob solche Gedanken vielleicht auch die beiden Trainer im Vorfeld von FC Basel gegen FC Zürich beschäftigten? Beide mussten sie noch unter der Woche schwer um ihre Saisonziele kämpfen. Murat Yakin kam in Tel Aviv noch einmal mit einem blauen Auge davon, aber für Urs Meier ist die Zeit der internationalen Feldzüge schon jetzt wieder vorüber. Dabei hat die Saison noch kaum richtig begonnen. Gestern standen sich also im epischsten Schweizer Fussballstädteduell ein ganz leicht angezählter und ein geschlagener «Feldherr» mit ihren Mannschaften gegenüber. Um ihre Vormachtstellung zu verteidigen, brauchten die Rot-Blauen den Heimsieg. Alles andere hätte angesichts der Berner Siegesserie für etwas Murren gesorgt auf den Rängen. Die Zürcher aber brauchten die volle Punktzahl noch mehr, um sich nicht schon nach nur fünf Runden vorläufig aus dem Super-League-Meisterschaftsrennen verabschieden zu müssen. Obwohl die Spielzeit noch sehr lang scheint – in Basel stand bereits eine erste, wegweisende Entscheidungsschlacht an.

Weil seine Mannschaft, ausgenommen Yann Sommer, im Moment nur Mittelmässiges zu Wege bringt, durfte man gespannt sein, wie Yakin die Aufgabe zu lösen gedachte. Urs Meiers Truppe leidet bisher daran, dass ihre Unerfahrenheit sie immer wieder unnötig in Bedrängnis bringt, und bis gestern keiner da war, der dann das Heft sicher in die Hand nehmen und in kritischen Momenten erst Widerstand und dann die Wende erzwingen könnte. Das FCZ-Trikot für solch einen Anker wurde gestern allerdings andeutungsweise wieder gefüllt und trug die Nr. 10.

Basel begann die Partie selbstbewusst und offensiv ausgerichtet wie es sich daheim für einen Meister geziemt, und die viel zu weit vom Gegner wegstehenden Zürcher hielten diesem Druck nur sechs Minuten stand, dann lagen sie 1:0 zurück. Danach verfiel der FCB allerdings wieder in sein behäbiges Passspiel, das zwar hübsch aussieht, aber vierzig Meter vor dem gegnerischen Tor eben nicht besonders gefährlich ist. Die Zürcher nahmen die Einladung zum Mitspielen überraschend an und drehten in der Folge das Spiel in ein 1:2. Die Basler hatten dem erstaunlicherweise nichts Überzeugendes entgegenzusetzen und verschenkten einen sicher geglaubten Sieg.

Das schwache defensive Mittelfeld des FCZ lässt die Verteidigung  zwar immer noch nicht gut aussehen, aber nach vorne sind die Zürcher schneller als die meisten in der Liga. Mit Pedro Henrique entwickelt sich beim FCZ auch wieder ein Spielmacher. Jetzt muss nur noch ein abwehrstarker Sechser gefunden werden, und der FC Zürich wäre wieder bei den Leuten.

Der FCB ist schlicht zu langsam. Hohe Passsicherheit kann nur ungenügend in Tempo umgemünzt werden – sieht man einmal von Salah ab, aber der trifft ja praktisch nie. Sollte Stocker noch nach Schalke wechseln, was ich als gar nicht unwahrscheinlich einstufe, wären die Champions-League-Träume ernsthaft in Gefahr. Ob aus Raúl Bobadilla noch rechtzeitig ein Aktivposten wird, ist völlig offen. Folglich könnte der FCB massiv unter Zugzwang kommen. Pikanterweise  ist ausgerechnet jetzt Mladen Petric auf dem Markt, und der böte relativ pflegeleicht alles, was es für die Basler Pläne in dieser Saison braucht. Kann man so eine Gelegenheit wirklich vorbeiziehen lassen, wenn man in die Champions League will und Probleme mit dem Tempo, im Sturm und im Abschluss hat sowie nach fünf Runden schon sieben Punkte hinter YB liegt?

Wie seht ihr das, Sportsfreunde?

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