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Sion säuft ab!

Thomas Kobler am Montag den 5. August 2013

Dass in Sion längst nichts mehr läuft, wie es in einem Fussballverein sollte, ist an sich keine Neuigkeit. Aber wie sehr sich der Verfall seit dem Start der neuen Meisterschaft beschleunigt hat, ist beängstigend. Die Tabelle lügt mal wieder nicht. Sion-Präsident Constantin fährt seinen eigenen Verein sehenden Auges an die Wand, weil er vollkommen den Überblick verloren hat. Der Totomat ist zwar ein brauchbarer Indikator am Ende eines Spieltags, aber natürlich ein völlig ungeeignetes Instrument zur Clubführung. Ein Fussballverein ist etwas komplexer, als es die Anzeigetafel in der Stadionecke auszudrücken vermag.

Gestern wurden die Walliser vom anderen Chaos-Verein der letzten Saison knapp besiegt und weiter ins Tabellenelend gestürzt. Im Gegensatz zum Walliser, sahen die Luzerner Verantwortlichen ihre bescheidene fussballerische Kompetenz gerade noch rechtzeitig ein und wandten sich in der Not an einen absoluten Profi. Natürlich kann Alex Frei auch keine Wunder bewirken – zumindest nicht in so kurzer Zeit – aber es gelang ihm, mit wenigen Massnahmen den entgleisten FCL wieder zurück auf die Spur zu stellen. Und das auch noch in die richtige Richtung. Wahrscheinlich ist Vereinsarchitektur bei Fussball-Profis eben doch in besseren Händen als beim baunahen Gewerbe.

Der Spielverlauf ist schnell erzählt: Der einzige Luzerner, der gestern das Prädikat Rumpelfüssler nicht verdiente, haute die Kirsche kurz vor Schluss aus der Nahdistanz gedankenschnell in die Maschen. Das genügte. Mehr als Aussie Bozanic war da nicht in fünfundneunzig unglaublich drögen Spielminuten, in denen Sion eigentlich die bessere Mannschaft war. Sie spielten einen feinen und fast perfekten «Catenaccio» – aber leider konnten sie nur das. Wie man einen Angriff führt, hatte der Trainer der jungen Mannschaft noch nicht beibringen können. Die Methodik – wie auch die guten Geister – haben das Tourbillon längst verlassen. Nebenbei, der FCL lebt tabellenmässig weit über seine Verhältnisse, aber hat mit Bozanic einen wahren Glücksgriff getan.

Was jetzt kommt, ist absehbar: Michel Decastel wird seinen Trainerstuhl mangels Spielmacher wieder räumen müssen, und der nächste Lebensmüde bzw. Arbeitslose wird in Sion einen ordentlich dotierten Kurzzeit-Trainervertrag mit einem hohen Schmerzensgeldanteil unterschreiben. Ändern wird sich allerdings nicht viel. Weil das Fundament in den vergangenen zwei skandalträchtigen Spielzeiten so geschleift wurde, dass es derzeit nicht mehr trägt, steht man beim FC Sion auf verbrannter Erde – um nicht zu sagen im Schilf. Man hat dermassen die Orientierung verloren, dass man sich nicht einmal mehr zutraut, mehr als einen Ausbildungsschritt auf einmal zu schulen. Gegenüber dem FC Sion kann man nur noch eines empfinden: Mitleid.

Kann jemand, der so unbegabt ist in Vereinsführung sonst ein erfolgreicher Geschäftsmann sein? Alles in mir sträubt sich, das zu glauben, aber im Wallis wären die Uhren wohl das wenigste, das dort anders geht. Aus seinen Ferien in Griechenland – welch passender Ort für gescheiterte Präsidenten – deklariert Herr Constantin den totalen Absturz als «Übergangssaison» und macht ein Manko im Sturm aus, wenn schon das Mittelfeld völlig kopflos ist. Der Untergang war geschichtlich gesehen schon immer die Blütezeit der krassen Fehleinschätzungen und Schönfärberei.

Ist der FC Sion noch zu retten, Sportsfreunde?

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22 Kommentare zu “Sion säuft ab!”

  1. E. Schönbächler sagt:

    Nachdem Christian Constantin das Kader und den Trainerstaff mehrmals umgekrempelt hat ist Sion keine Mannschaft mehr sondern nur noch eine wirr zusammengewürfelte Ansammlung von Fussballern. Diese Saison sind die Walliser Abstiegskandidat Nr. 1!

    • Markus Kellenberger sagt:

      Der FC Sion 2013 ist ein Paradebeispiel einer wild zusammengewürfelten reinen Söldner-Truppe, nicht natürlich gewachsen, kein wirkliches Team, ohne Seele und Herz. Es wird jetzt dann bald wieder die üblichen Trainer-Wechsel geben (man kann Wetten abschliessen wieviele diese Saison), bringen und ändern wird es nichts.

  2. Beat Stark sagt:

    Danke für die treffende Analyse. Was dem FC Sion jetzt widerfährt, hätte ja schon viel früher passieren müssen. Langfristige Planung oder Sachlichkeit sind da Fehlanzeige. Dass Sion in den letzten Jahren um die internationalen Plätze mitgespielt hat, ist ja eine schallende Ohrfeige ins Gesicht eines jeden verantwortungsvollen Sportchefs.

    Jänu, ich beobachte die Situation weiter, mit ein wenig Genugtuung aus der Distanz (Ostschweiz). Wohlwissend, dass die aktuelle angenehme Ruhe und Sachlichkeit beim FCSG leider auch vergänglich ist.

    • Markus Kellenberger sagt:

      Der FCSG ist für mich als Aussenstehender das absolute Gegen-Beispiel vom FC Sion. Es wird vernünftig und umsichtig gehandelt und auch mit längerfristiger Perspektive aufgebaut, seit Jahren.

  3. A. Widmer sagt:

    “…in denen Sion eigentlich die bessere Mannschaft war.” Haben wir das gleiche Spiel geschaut???
    Was Sion in Luzern gestern gezeigt hat war unterirdisch und hatte aus meiner Perspektive nichts mit perfektem Catenaccio zu tun. Kein System, keine Strategie im Spiel nach vorne und keine Leidenschaft. Selbst in den letzten 10min hat man praktisch keine Gegenwehr gegen die drohende Niederlage gesehen… einfach nur Schade um den FCS.

    • TK sagt:

      Wir haben exakt dasselbe gesehen, A. Widmer. Sion brachte ausser ein paar Kontern zu Beginn der Partie nach vorne nichts zustande. Einverstanden. Aber hinten spielten sie wieder eine saubere Partie und das nicht zum ersten Mal – siehe Torverhältnis, das die Probleme der Walliser in nackten Zahlen haargenau widerspiegelt. Dadurch, dass sie mit zwei nicht ungeschickten Viererketten sehr tief stehen, machen sie es dem Gegner schwer in die Gefahrenzone einzudringen. Leider führt das auch dazu, dass man immer sehr weit weg vom gegnerischen Tor ist bei Ballgewinn, und diese Distanz kann Sion nicht schnell und präzise genug überbrücken, um offensiv torgefährlich zu werden. Die Mannschaft und ihr Spiel ist einfach miserabel ausbalanciert, aber Herz und Leidenschaft würde ich ihr nicht absprechen.

      Die Lösung wäre eigentlich recht einfach, wenn auch nicht ganz billig. Es muss endlich ein Ersatz für Obradovic gefunden werden im defensiven Mittelfeld und ein flinker Zehner für hinter die Spitzen. Dann sähen die auch endlich Bälle. Gattuso war letzte Saison eigentlich kein falscher Gedanke, aber einfach schon zu alt.

      Beängstigend war mitanzusehen, wie Decastel wegen des vermeintlichen Handspiels (das keines war) von Rangelov beim Tor völlig die Nerven verlor. Er erinnerte mich an einen verzweifelten Leibeigenen, den Niederlagen sofort den Kopf/Job kosten können. So kann natürlich nichts stabiles entstehen und dafür gibt es nur einen Verantwortlichen: den Lebensspender und gleichzeitigen Totengräber des FC Sion – Christian Constantin.

  4. Georgios sagt:

    ..der Totomat entlässt den Trainer…(Originalton Christian Constantin). So gesehen kann Hr. Decastel nur hoffen, dass sein Chef noch ein Weilchen im Urlaubt bleibt, sonst wird’s wohl eng für ihn. Die Frage, die sich mir aber stellt, ist “wer entlässt eigentlich den Präsidenten”, oder ist dieser im Fall Sion “unkündbar” weil
    a) Sion aus finanziellen Gründen zusammenbricht (CC soll ja immer wieder mal Geld einschiessen)
    b) sich niemand finden lässt, der’s machen will/kann

  5. René sagt:

    Liebe YB-Fans
    Bitte nicht überheblich werden denn die Meisterschaft ist noch sehr sehr lange. Ob der FC Sion schwach oder stark ist kann relativ schnell verglichen werden mit den lieben Young-Boys welche seit Steinzeiten wiederum auf einen Titel warten.
    Das Umfeld beim FC Sion ist sicherlich nicht das Beste jedoch was macht der FC Sion ohne diesen verrückten CC?!?

  6. HP sagt:

    Kein grosser Verlust für den Fussball in der Schweiz wenn Sion absteigt – nur ein weiteres Armutszeugnis für den leider schwach in die Saison gestarteten FCZ, dass man nicht über ein 0:0 bei diesem wilden Haufen hinausgekommen ist …….!

    • Chris sagt:

      Doch, der FC Sion ist wichtig für die Super League, genau wie der FC Luzern und der FC St. Gallen auch, weil da eine potentiell fussballverrückte Region dahinter steht. Klar, mit Constatin kann das nicht gut gehen, aber lieber Sion als Wohlen oder ein anderer no-name-Klub aus der Challenge League..

      • Reto B. sagt:

        Och, Constantin ist immerhin immer mal wieder für Action gut… solange man nicht Sion Fan oder Angestellter ist.

      • Rolf sagt:

        Bravo Endlich mal jemand der es einsieht. Gebt den Jungen mal Zeit. Kommt schon gut.
        Die Super League ohne Sion wäre wie Leben ohne Luft….. usw….

        Aber für die Sion Hasser ist nun eine schöne Zeit…… Am besten wäre doch wenn Ihr eine geschlossene Deutschschweizer Liga macht.

  7. Reto B. sagt:

    Also Luzern steht ja mal nicht so übel da, momentan. Manchmal läufts, manchmal nicht.

    Nach allem was CC und Sion so geleistet haben, muss ich mittlerweile sagen, das beste, was die momentan machen können, ist, diese Saison wirklich als Übergangssaison zu sehen und bloss zu schauen, dass sie vor Lausanne bleiben. Immerhin ist hier das halbe Kader neu und sehr jung. CC soll jetzt einfach mal Herr Decastel und seine Mannschaft eine halbe Saison machen lassen, wenn sie dann nicht aufm letzten Platz stehen und die Kurve nach oben zeigt, ist dies als Erfolg zu werten.

    Und der Heiland Frei, der den FCL rettet, jaja, dass ich nicht lache. Bozanic hat eingeschlagen, aber ansonsten ist noch nicht viel zu sehen, ausser dass er einen guten Trainer von Basel loseisen konnte.

    • Danny Kindasport sagt:

      Sicher? Bei Luzern schiesst seit Gygax ausgefallen ist, ja nur der neue Mittelfeld-Mann Tore. Die eigentlichen Stürmer machen sonnst was.

  8. J. T. sagt:

    Falsch Chris. Tradition ist gut und recht, aber wie uns die Geschichte beweist braucht es für Tradition zuerst mal einen Anfang. Wer weiss denn jetzt schon genau, dass nicht z.B. Winterthur zu einer fussballverrückten Stadt werden könnte, wäre ein Aufstieg in die NLA mal bewerkstelligt? Sogesehen ist einem über längere Zeit gutem Fussballclub in der CHL durchaus eine Chance oben zu gewähren. Andererseits haben die Eskapaden des Herrn CC endlich mal ein Ende zu finden. Und oftmals wird ein Fussballclub erst durch den Abstieg vom Filz gesäubert, siehe Xamax oder Thun.

  9. Danny Kindasport sagt:

    Na ja, der Sion-Präsident hat diese Saison aber noch nie gepoltert. Zum anderen muss man auch sehen das letztes Jahr bis zur Nati Pause alles super lief. Im SRF Sportstudio meinten die “Experten” das sich Basel, GC und Sion (Vieleicht noch FCSG) den Titel untereinander ausmachen würden. Nach der Pause lief es aber nicht mehr so. gegen Ende muss man noch froh sein das man nicht ganz abgestürzt ist. Zum Glück! Denn so wie diese Mannschaft auftritt wären die CH Europaleague Ambitionen schon nach dem Hinspiel aussichtslos.

  10. Hans Klemm sagt:

    Während ich als ein deutscher “Fremdbetrachter”, der kürzlich über eine Woche hoch über dem idyllisch gelegenen Sion die schöne Landschaft bewundern konnte, lacht mir gerade auf der rechten Seite meines Computers zufällig auf gleicher Höhe meines Schriftfeldes ausgerechnet die Person entgegen, die eigentlich schon längst seinen Verein in andere Hände hätte geben müssen! Was diese eher negative “Berühmtheit” in den letzten Jahren alles verzapft hat, ist besser unter seinen Namen “CC” im Internet nachzulesen.

    Bekanntlich hat der Mann, der besonders die schwarze Farbe zu lieben scheint, eher um eine maximal hohe Anzahl von Gerichtsprozessen oder kuriosen Trainerentlassungen oder interessanten Skandalen aufhorchen lassen als mit seinem Verein Woche für Woche mühevoll um Punkte kämpfen zu müssen! Steigt sein FC S wirklich ab, fehlt dem ganzen Land allerdings zukünftig eine Galionsfigur, die durch seinen undefinierbaren Entscheidungsdrang bereits seit vielen Jahren in erster Linie eher mehr zur Unterhaltung und Belustigung beitrug, statt mit seiner immer nur zusammengewürfelten Truppe seinen Kanton fußballerisch würdig zu vertreten.

    Schade, dass die Fans von ihrem Vorhaben im “Offenen Brief”, u.a. solange nicht mehr die eigene Mannschaft besuchen zu wollen, bis der Präsident das Weite gesucht hat, abrückten……

  11. Jack Stoffel sagt:

    Schade um den FC Sion. Der “FC Wallis” war im Schweizer Fussball immer eine respektierte Grösse. Gerne erinnere ich mich an Spielerpersönlichkeiten wie Burgener, Brigger (gefürchteter GC-Schreck…), Henchoz, Quentin, Cina, In-Albon, Wicky … auch an den sympathischen, aber nicht immer über alle Zweifel erhabenen Torhüter Pierre-Marie Pittier, der ausgerechnet in einem Cupfinal (gegen Basel?) das Spiel seines Lebens zeigte und hielt wie ein Weltmeister.
    All das ist zurzeit ganz weit weg.
    Ich bin überzeugt, dass die Sittener irgendwann zu alter Stärke zurückfinden. Das aber wird ihnen erst gelingen, wenn sie endlich diesen entsetzlichen Westalpen-Stalin in die Wüste geschickt haben. Dies wiederum wird leider, so brutal es tönt, umso früher geschehen, je schneller der FC Sion absäuft.

  12. MiguelDelgado sagt:

    Ja ja, der Tagi liebt es ueber Sion und andere welsche Klubs sich zu ereifern. Unsere Kultur und Denkweise passt halt nicht in euer germanisches Gedankengut rein.
    Es steht schlecht in unseren Vereinen aber ich bin sicher dass Sion dieses Jahren vielen germanen Klubs die Lederhose ausziehen wird. Dann lachen wir zuletzt!

    • Jack Stoffel sagt:

      Wer Deutschschweizer als Lederhosenträger bezeichnet und dadurch mit Bayern oder Tirolern verwechselt, outet sich als ultimativer Inkompetenzling. So was lässt man sich gnädigerweise höchstens noch von Hillbilly-Touristen aus dem amerikanischen Mittelwesten oder aus dem Fernen Osten gefallen. Und dass der FC Sion zum FC Zéro geworden ist und der welsche Spitzenfussball generell am Boden ist, daran ist weder der “Tagi” noch irgendein Germane schuld.

  13. Viktor Hägler sagt:

    Bekanntlich hat sich CC entschieden die Mannschaft zu verjüngen und mit Decastel die Saison durchzuziehen. Das sich die verjüngte Mannschaft zur Zeit schwer tut war absehbar. Aber es ist ja nichts so das sie bisher deklassiert wurde. Nur 4 Gegentore in 5 Spielen ist ein solider Wert, aber klar, auf Dauer müssen auch Tore her.

    Ich meine Trainer Decastel ist auf dem richtigen Weg, indem er zuerst der Mannschaft ein gutes Defensivkonzept verpasst. Wenn es dann auch mal mit dem Tore schiessen klappt, werden sich auch zwangsläufig Erfolge einstellen. Vorerst ist aber Geduld gefragt, denn die jungen Spieler müssen sich zuerst an den höheren Rhythmus gewöhnen und auch ihre Erfahrungen machen. Zu hoffen ist das CC die Saison mit Decastel durchzieht, wie er dies bereits mehrfach gesagt hat. Nur wenn ein neues Fundament aufgebaut werden kann, hat der FC Sion wieder eine reelle Zukunftschance.

    Diesen Schnitt hätte CC schon vor Jahren vornehmen sollen, wer weiss, vielleicht hat er jetzt tatsächlich noch rechtzeitig was daraus gelernt…?