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Star Trek trifft auf Berner Platte

Thomas Kobler am Montag den 29. Juli 2013


In ihren neuen Trikots sehen die YB-Kicker aus wie die Firmenmannschaft des Sternenflotten-Kreuzers Laureus. Richtig goldig. Wird in Bern endlich weniger unterirdischer Fussball zu sehen sein diese Saison? Ist Uli Forte mehr Kirk als Khan? Wird es im Frühjahr vielleicht mal heissen: «Bringen Sie uns auf Meisterschaftskurs, Mr. Kubo»? Liegen dann auch wieder Warp-Reisen in die unendlichen Weiten des Uefa-Raums drin, oder weiterhin nur Impuls-Trips nach Basel, Aarau, Zürich oder ins trainerlebensfeindliche und zerfallende Sion? Und wer würde sich als das Schlitzohr an Bord herausstellen? Fussball ist keine Science, aber für Fiction ist er perfekt – besonders zu Saisonbeginn.

Die Thuner versuchten in der gestrigen Episode die heurige goldige Berner Generation zu schlagen. Zwar nicht urplötzlich – der Spielplan der Super League taugt einfach nicht für spontane Begegnungen – aber immerhin unberechenbar tauchten sie auf dem Schirm des Stade de Suisse auf. «Fischer voraus!», hatte man sich schon die ganze Woche über in Bern auf die Untertanen von weiter oben am Fluss gefreut. Dass die grad auch noch siegtrunken nach gewonnenem Kampf in Georgien angeflogen kamen, machte die Aufgabe nicht leichter.

Die Ausgangslage vor dem Spiel liess keinen Sportsfreund kalt im Kanton. Die Mannschaften waren heiss aufs Derby, und die Temperaturen im Stadion deuteten es an: Bei YB bereitet man sich wieder konsequent auf einen Platz an der Super-League-Sonne vor, auch wenn es dann erstmal regnete.

Die Dramaturgie der ersten Halbzeit war Star Trek pur. Forte in der Coaching-Zone – seiner Brücke – erlebte, wie seiner Mannschaft trotz anfänglicher Ueberlegenheit die Situation völlig entglitt. Die aussergewöhnlich talentierte Leihgabe aus den eigenen Reihen, Josef Martínez, sorgte dafür, dass die Young Boys nach 35 Minuten mit zwei Toren hinten lagen. Das erste drehte er selbst kunstvoll ins lange Eck, beim zweiten machte er die Vorarbeit, die Knipser Schneuwly eiskalt abschloss. In der Halbzeit legte Forte dann einen veritablen Kirk-Trick hin, um den Kopf wieder aus der Schlinge zu kriegen. «Bringen Sie uns auf die Siegerstrasse, Mr. Kubo», könnte er typischerweise in der Kabine befohlen haben. «Aye, Sir!», könnte Yuya Kubo geantwortet haben, ging raus und glich mit zwei Toren aus. Moreno Costanzo gelang dann noch ein Kunstschuss ins Ziel, der selbst Pavel Chekov an der Phaserkanone in Verzückung versetzt hätte. Das Unheil abgewendet, das Spiel gegen einen starken Gegner gedreht und die Tabellenspitze behauptet: So geht Happy End.

Eigentlich kaum auszudenken, wenn die Young Boys sich nicht immer selbst mit den wahrscheinlich dümmsten Transferideen des Universums am Meisterwerden hindern würden. Yapi im blödsten Moment verscherbelt, Doumbia im blödsten Moment abgegeben und jetzt auch wieder Martínez im blödsten Moment an Thun ausgeliehen – von Bürki fang ich gar nicht erst an. Anders die Thuner. Res Gerber agiert fast schon virtuos auf dem Spielermarkt, gemessen an seinen finanziellen Möglichkeiten. Urs Fischer lässt spielen, was die Mannschaft kann: defensiv aufsässig und kraftvoll, offensiv brandgefährlich im Umschaltspiel. Die Mitte lässt man am liebsten aus, das würde nur bremsen. So sind die Oberländer ein ganz unangenehmer Gegner.

Tja, wer solche Spiele drehen kann, könnte … – wie geht der Satz und die Saison für YB und auch für Thun weiter, Sportsfreunde? Fiction erlaubt.

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