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Gurken- und Nietenliga?

Thomas Kobler am Montag den 22. Juli 2013
Marco Streller von Basel, rechts, kaempft um den Ball mit Daniel Pavlovic von GC, im Fussballspiel der Super League zwischen dem Grasshopper Club Zuerich und dem FC Basel, am Sonntag, 21. Juli 2013, im Letzigrund in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Der FCB scheint nicht mehr so souverän: Basel-Spieler Marco Streller (r.) kämpft mit Daniel Pavlovic von GC um den Ball, 21. Juli 2013. (Keystone/Ennio Leanza)

Wer abschätzig über die Super League urteilt, dem erschliesst sich die im Detail innewohnende Schönheit nicht. Oder man kultiviert dumpfe Polemik, weil man vom grosse Ligen-Schauen Mass und Ziel aus den Augen verloren hat. Trotz ihrer Unzulänglichkeiten ist die Super League eine sportlich interessante, ja sogar spannende Meisterschaft. Auch wenn es in den letzten Jahren einen dominanten Verein gegeben hat, so musste dieser oft genug bis in die letzten zwei, drei Runden strampeln, bevor der Meisterpokal auf dem Balkon am Barfüsserplatz in die Höhe gereckt werden konnte.

Wie es diesmal ausgehen wird? Keine Ahnung, ich bin nicht Madame Etoile. Was sich aber schon nach den ersten beiden Runden der neuen Meisterschaft  andeutet, ist ein wahrscheinlich zweigeteiltes Rennen:

Die Torschuetzen Artur Ionita, vorne, und Remo Staubli vom FC Aarau jubeln, beim Super League Spiel zwischen dem FC Aarau und dem FC Luzern, am Samstag, 20. Juli 2013, auf dem Bruegglifeld in Aarau. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Der FC Aarau wird kaum um die vorderen Plätze mitkämpfen: Aarau-Spieler Artur Ionita feiert ein Tor gegen Luzern, 20. Juli 2013. (Keystone/Sigi Tischler)

Aarau, Lausanne, Luzern, Sion und St. Gallen werden den Abstieg unter sich ausmachen, und die andern fünf die Meisterschaft und die europäischen Plätze. Weil den Clubs dieser Gruppe entweder ein Spielmacher, ein Torjäger oder beides fehlt, werden sie mit den vorderen Rängen nichts zu tun haben.  Auffallend ist allerdings, dass keine dieser Mannschaften in den Direktbegegnungen untereinander chancenlos ist, und deshalb steht möglicherweise ein pickelharter Abstiegskampf an,  in dem jeder Punkt zählt. Das werden vermutlich nicht die schönsten Spiele werden, aber weil in dieser Gruppe Niederlagen gegen die andern Abstiegskandidaten verboten sind, müssten das Kämpfe auf Biegen und Brechen werden. Das hat durchaus auch seinen Reiz und Spannung.

Der FCB hat sich gegenüber der Rückrunde nominell kaum verstärkt (Delgados Einfluss später muss abgewartet werden). Kurze Rückblende: Gegen GC verlor Basel den Cup und fast auch die Meisterschaft. Gegen den FCZ seit Jahren erstmals wieder ein Spiel und auch Thun bezwang die Basler am 17. und erzwang ein Remis am 28. Spieltag. Weil jetzt YB auch nicht mehr grossspurig von Phasen fabuliert und Spieler, die nicht das Erwartete brachten, sogar noch für gutes Geld loswurde und Stabilität zukaufen konnte, gibt es unter meinen Top-Fünf vier Clubs, die Rot-Blau wahrscheinlich eher näher gekommen sind. Und wie weiss doch der Volksmund: Viele Jäger sind des Hasen Tod.

Fabian Frei von Basel, Mitte, kaempft um den Ball mit Anatole Ngamukol, rechts, und Nassim Ben Khalifa, rechts, von GC, im Fussballspiel der Super League zwischen dem Grasshopper Club Zuerich und dem FC Basel, am Sonntag, 21. Juli 2013, im Letzigrund in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

GC will an Basel dranbleiben: Fabian Frei (M.) wird von GC-Spielern Anatole Ngamukol (l.) und Nassim Ben Khalifa in die Mangel genommen, 21. Juli 2013. (Keystone/Ennio Leanza)

Einen Vorgeschmack lieferte gestern die Cup-Final-Revanche im Letzigrund. Der personell  weiterhin etwas schwindsüchtige GC wurde gleich im zweiten Spiel auf Herz und Nieren geprüft. Sie bestanden den Test mehr als ordentlich. Gegen ballsichere, aber kreativ unauffällige Basler zeigten die Grasshoppers die bessere Spielanlage. Skibbe machte den Aussenverteidigern Beine und Ben-Khalifa hat endlich das Spiel vor sich. Das Resultat war zwar nur ein für den FCB schmeichelhaftes Unentschieden, aber Murat Yakin wird die Botschaft verstanden haben. Und der Grund für Delgados Rückkehr ist alles andere als Sentimentalität: Das Basler Mittelfeld könnte schon länger einen zünftigen Schuss Spielwitz vertragen. Das war trotz Hitze prima Sommerfussball gestern.

Super League oder doch Gurkenliga, wie siehts aus, Sportsfreunde?

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