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Ein historisches Turnier

Thomas Kobler am Montag den 1. Juli 2013
Neymar stemmt den Pokal, 30. Juni 2013. (AP Photo/Bruno Magalhaes)

Confed-Cup-Gewinner 1: die Brasilianer. Im Bild: Neymar stemmt den Pokal, 30. Juni 2013. (AP Photo/Bruno Magalhaes)

Eigentlich ja nur die Fifa-Infrastruktur-Generalprobe vor einer WM, wuchs diese Austragung des Confederations Cup geradezu über sich hinaus. Wenn im fussballverrückten Brasilien der Sport von der Politik in den Hintergrund gedrängt wird, dann ist das mehr als bemerkenswert. Die Brasilianer bewiesen, dass Sport eben nicht nur Sport ist, sondern auch ein medienwirksames Instrument, um auf grössere Missstände aufmerksam zu machen.

Proteste vor dem Stadion

Confed-Cup-Gewinner 2: die Brasilianer. Im Bild: Proteste vor dem Maracanã-Stadion während des Finals, 30. Juni 2013. (AP Photo/Felipe Dana)

An den Spielorten des Confederation Cups hat eine unzufriedene brasilianische Mittelschicht jedenfalls die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und die von Regierung und Fifa getragenen Spiele zwar nicht schnöde abgelehnt, aber mit Strassenprotesten gegen Vettern- und Misswirtschaft rund um die überteuerten Stadien ihrem Unmut Luft gemacht. Besseren und günstigeren Nahverkehr, mehr Schulen und Spitäler wollen die Brasilianer, und nicht nur «Brot und Spiele», was mittlerweile für viele in der Bevölkerung eine ungenügende Antwort auf die drängenden Fragen im Riesenland am Amazonas ist. Während die brasilianische Regierung und die Fifa von den Ereignissen völlig überrascht wurden, und dies auch nur mehr schlecht als recht verbergen konnten, begriffen die Nationalspieler die Dimension des Bürgerprotests sofort. Sie zeigten Verständnis und Solidarität und damit mehr politischen Instinkt als die ganze Ehrentribüne.

Neymar wird von Piqué gefoult.

Leichtfüssige Weltklasse: Neymar wird von Piqué gefoult. (Keystone/Srdjan Suki)

Nun aber zum Ausgang des Turniers. Die beübten Gastgeber trafen im Finale auf das bis dahin gültige Mass aller Dinge im Weltfussball: die spanische Nationalmannschaft – La Furia Roja. Unter Altmeister Luiz Felipe Scolari stand seit langer Zeit wieder mal etwas auf dem Platz, das an eine erfolgsversprechende Seleção erinnerte. Verglichen mit den ganz grossen brasilianischen Mannschaften zwar immer noch eher eine Anfängertruppe, liess das Team aber erstmals sein Potenzial richtig aufblitzen. Mit einem herausragenden Neymar, der durch das ganze Turnier hindurch unbestritten Weltklasse bewies.

Fred erzielt das 3:0.

Knipser auf Brasilianisch: Fred erzielt das 3:0.

Im spanischen Team hatte nach Jahren auch wieder so etwas wie Wettbewerb um die beinahe schon in Stein gemeisselten Plätze in der Startformation eingesetzt, was die Mannschaft aber nicht weiterbrachte. Im legendären Maracanã-Stadion ging nun die grosse spanische Epoche, deren Gesicht und Spielmacher Barcelonas Xavi war, zu Ende. So wie es auch schon den spanischen Spitzenvereinen in der diesjähigen Champions League widerfahren war. An der 3:0-Niederlage gab es nichts zu deuteln.

Xavi gratuliert Dani Alves nach dem Spiel. (Keystone/Felipe Trueba)

Am Ende einer grossen Karriere: Xavi gratuliert Dani Alves nach dem Spiel. (Keystone/Felipe Trueba)

Wer heute früh – fast wie damals, als Ali gegen Frazier kämpfte – aufgeblieben war, dem wurde ein packendes Fussballspiel geboten. Spaniens eklatante Schwäche im schnellen, grossräumigen Umschaltspiel, die ihm schon gegen Italien beinahe zum Verhängnis geworden war, nutzten die Brasilianer mit rustikaler Defensivarbeit und raumgreifenden, blitzschnellen Angriffen gnadenlos aus. Kaum auf dem Platz, fielen jeweils die Tore, auf die Spanien nur vereinzelt magere Antworten fand. Neymar flog über den Platz, Piqué vom Platz, und Fred spielte die beste Lineker-Imitation, an die ich mich erinnern kann – hervorragend.

Liebe Sportsfreunde, wie habt Ihr das Turnier erlebt? Ist die Generalprobe für die WM gelungen?

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22 Kommentare zu “Ein historisches Turnier”

  1. Matter sagt:

    Confederations Cup? Was ist das? Unbedeutend, ausser als Platform für J.Blatter und seine “Freunde.

  2. Geni Meier sagt:

    An der WM 2014 werden die Karten neu gemischt. Brasilien bleibt in der gegenwärtigen Form Favorit Nr. 1. Spanien hat Probleme im Angriff. Torres und Mata waren Ausfälle – ob überhaupt Ersatz aus dem Nachwuchs rechtzeitig die Lücke füllen kann ist fraglich. Ein Angriffsproblem haben auch die sonst sehr starken Italiener. Balotelli allein kanns nicht richten. Ghilardino war nur ein Schatten von sich selbst. Brasilien, Deutschland, Italien und Argentinien dürften in den Halbfinals landen.

  3. morfeo nero sagt:

    Also ich fand die Brazils nicht so stark wie nun heute überall in den medien publiziert wird, im gegenteil, die Brazils spielen einen sturmentruppen fussball, kick and rush, viele harte fouls, versuchen den gegner über härte zu übertümplen, der Cay- cay- Neymar (so wird er selbst in Brazil genannt, also derjenige der immer auf die schnauze fällt, ohne fremdkontakt), geht einem aufn sack und ist m. E. welten entfernt von einer güte und qualität eines messi. nach dem ersten sturmlauf war auch bei den Brazil vorerst die luft raus und nur weil die spanier gestern (u. auch gg. Italien) in einer schlechten verfassung waren, konnte die Brazils gestern so auftrumpfen….

    • Belin sagt:

      Gut, dass es auch noch andere kritische Beobachter gibt. Ich teile diese Meinung voll und ganz. Ich lasse mich von der Heftigkeit und dem aggressiven Spiel der Brasilianer nicht blenden: viel zu viele Fouls, permanente Provokationen (alles was hart an der fair-play-grenze abspielt) und ganz zu schweigen von dem unsportlichen Verhalten des Publikums, das die Spanier von der ersten Minute an ausgepuht hat. Mit solchem Verhalten wird man kein Weltmeister.

    • bulivo sagt:

      Nur weil eine Mannschaft schneller umschaltet als die “tausend-bälle-hin-und-her-schieben”-Spanier heisst es noch lange nicht, dass es Kick and Rush-Fussball ist!!

      • Ilias K. sagt:

        Eins sollte man nicht vergessen: Für Brasilien war der ConfedCup der erste Ernstkampf seit Juli 2011! Italien und Spanien hatten die EM und die WM-Qualifikation dazwischen, Nigeria der Afrika-Cup, etc. Man kann also davon ausgehen, dass Brasilien die viel grössere Motivation hatte, dieses nicht allzu wichtige Turnier zu gewinnen. Zumal es im eigenen Land stattfand. In meinen Augen sind sowohl Spanien als auch Italien im “Normalzustand” stärker als eine sehr bissige, aber nicht allzu talentierte brasilianische Auswahl. Italiens zweite Halbzeit (wohlbemerkt ohne die Topplayer De Rossi, Pirlo, Barzagli, Balotelli) gegen Brasilien zeigte die Grenzen dieser Mannschaft auf, sie wurde regelrecht “überrumpelt”.

  4. Wishaw Thomas sagt:

    Für den Gastgeber und die FIFA ist dieses Turnier, für die spätere Ausrichtung der WM, natürlich wertvoll.
    Ansonsten ist der Confed -Cup absolut überflüssig und nicht nötig.

  5. Christoph W. sagt:

    Vielleicht nicht gerade nur zum Confed Cup, aber was soll eigentlich das mit den Kindern auf den Siegerfotos der Mannschaften? Sieht aus wie Muki-VaKi Turnen… schon bei den FCB Meisterfeieren hat diese lästige Kinder zeigen im Stadion bei der Meisterfeier leider Einzu gehalten… schade.

  6. Martin sagt:

    Die Teams am Confed haben die richtigen Antworten auf das Passspiel der Spanier gefunden, sowie die Deutschen und die Schweizer. Endlich, das langweilige hin und her geht fast so auf die Nerven die Zumauern der Griechen under Rehagel.

    • Daniel Castro sagt:

      Die Deutschen haben die Antwort gefunden? Wann war das genau? Am EM-Final 2008 oder am WM-Halbfinal 2010?
      Die Antwort heisst foulen, mauern und kick-and-rush spielen. Ob das wirklich soooo Superalternitiven zum Tici-Taca sind, ist zu bezweifeln. Aber jedem das Seine.

      • Martin sagt:

        Ich meinte FCBayern und BVB in der Championsleague. Spaniens Schaltzentrale besteht mehr oder weniger aus einer Achse des FCBar….

  7. Siero sagt:

    Jaja, schon wieder wird vom Ende einer Epoche geschrieben. Ich mag es nicht mehr hören! Spanien hat die Niederlage weder schöngeredet noch nach Ausreden gesucht. Brasilien war jetzt einfach besser. Ob das in einem Jahr auch noch so ist, wird sich weisen. Am Confed-Cup 2010 verlor Spanien gegen die USA; wer Weltmeister wurde, wissen wir. Also einfach mal den Ball flach halten…

  8. Habe gestern nach dem Schlusspfiff schon vermutet, dass einer der Blog-Schreiber “das Ende einer Ära” verkünden wird. Ist ja ein sooo prestigeträchtiges Turnier, dessen Partien und Sieger schon manch fussballhistorisches abgeliefert haben!!!
    Gratuliere euch Sportjournis…nun habt ihr wieder ein neues Lieblingsthema gefunden (welches man auch prima aufs Tennis und andere Sportarten brauchen kann).

  9. Marco sagt:

    Brasilien hätte doppelt so viele Weltmeisterschaften gewinnen können, wenn das Team immer als eine echte disziplinierte Einheit funktionieren würde. Sie haben oft wegen Verspieltheit, überrissene Individualismus oder Leichtsinnigkeit von einzelnen Spielern den Titel verspielt. Wenn Brasilien aber mit der neuen Mannschaft auch 2014 wie beim Confed-Cup als ein echtes Team auftritt und engagiert & diszipliniert spielt, dann werden Teams wie Spanien oder Deutschland keine Chance haben. Wenn Sie aber jetzt sich bereits als Sieger fühlen und mit Party & Samba beginnen, dann werden Sie den Tittel nicht gewinnen. Scolari muss auf Spieler wie Neymar aufpassen, denn solche junge Selbstdarsteller lassen sich oft vom Erfolg schnell blenden

  10. Martin Gebauer sagt:

    Die Leistung Brasiliens scheint mir überbewertet. Jeweils nach Anpfiff haben sie in den ersten Minuten gezeigt zu was sie (für kurze Zeit) fähig wären. Was weniger gefällt ist das überharte Einsteigen und Neymars Theater. Wie ich sie hasse, die Spieler die bei jedem Körperkontakt dramatisch zu Fall kommen und winselnd am Boden liegen. Klar hat der Junge goldene Füsse, aber fünf starke Minuten pro Spiel reichen noch nicht um ein Superstar sein zu können. Da ist nichts von einer überragender Spielintelligenz eines Messi. Die Spanier wirkten über weite Strecken müde uns ausgelaugt. Dass, was wir schon in der Champions-League gesehen haben hat sich hier fortgesetzt. Abschreiben darf man sie nicht. Ich bin mir sicher, dass sie auf den Punkt fit sind und ein tolles WM Turnier zeigen werden. Überrascht war ich von Italien. Klar unter Wert geschlagen, zeigten sie erfrischenden Vorwärtsfussball und wie gewohnt taktische Meisterleistungen (vor allem gegen Spanien). it etwas mehr Glück hätten sie dieses Turnier auch gewinnen können.

  11. Ellen W. von Windheim sagt:

    Entschuldigung, meine Herren, aber Brasilien hat gestern (30.06.) fantastisch gespielt. Auch wenn die Jungs das alles sind was Sie hier über denen (Schlechtes) schreiben. Es hat sich gelohnt die 90 Minuten anzusehen.

    Ellen, Resende/Brasilien

  12. Karl Eigenmann sagt:

    Der Confed-Cup 2013 hat mir das bestätigt, was ich seit 2010 vermutet habe: Das Tiki-Taka der Spanier funktioniert gegen einigermassen starke Südamerikaner nicht oder nur bedingt! Die Spanier hatten an der WM 2010 das Glück auf ihrer Seite und mussten “nur” gegen Chile und Paraguay (die eigentlich europäische spielen) antreten. In der Vorrunde gegen Uruguay war es auch schon sichtbar, da musste die Rioja mit ihrem besten Fussball aufwarten und das gegen den 5. der aktuellen WM-Quali der Conmebol-Gruppe… Gegen Brasilien (aber vermutlich auch gegen Argentinien, Kolumbien und Ecuador) ist Tiki-Taki die falsche Taktik, aber die Spanier können ja gar nichts anders mehr…

  13. Claudio sagt:

    Der Confederations-Cup hat ganz tolle Spiele gezeigt. Bei Spanien und Uruguay kann davon ausgegangen werden, dass sie ein Spiel weniger hatten als Brasilien und Italien. Die jeweiligen Begegnungen gegen Thaiti wurden mit der dritten Garde ausgetragen und trotzdem hoch gewonnen. Dafür hatte Spanien vor dem Endspiel einen Tag weniger Ruhezeit sowie Italien vor dem kleinen Finalspiel. Italien war für mich die echte positive Überraschung des Turniers, mit offensivem und begeisternden Fussball. Gegen Brasilien fehlten Pirlo und Balotelli und hätten beim Stand von 3:2 für Brasilien mit einem Lattekopfball von Maggio pech. Nicht zu vergessen sind die zwei Offside Tore von Brasilien gegen Italien. Italien-Spanien müsste nach 45.Min. zwingend 3:0 stehen für Italien (oder halt 4:1 wenn man die Riesenchance von Torres auch dazuzählen will). Bei einem solchen Resultat nach der ersten Halbzeit, hätte es weder Verlängerung noch wäre Spanien im Endspiel gewesen. Beunruhigend bei Italien ist, dass den “Azzurris” nach 60min. wie im Vorjahr an der EM jeweils die Luft ausgeht. Danach müssen sie “stehend KO” das Resultat über die Runde bringen. Was mich dabei nervt, ist dass niemand in Italien auf die Idee käme, dass allenfalls bei der Vorbereitung auf solche Ereignisse etwas geändert werden könnte. Man spricht von Hitze, Luftfäuchtigkeit und langer einheimischer Saison, aber dass bei Uruguay (welche selbst nach 120min. sprinteten) 8 Spieler in der italienische Serie A spielen und das gleich Klima, wie die Azzurris geniessen vergessen sie auf dem Stiefel. Mit einer besseren Kondition ist Italien ein ganz heisser Anwärter auf den Titel.

  14. Miguel Delgado sagt:

    Was ich sah war vor allem eine supereingestellte Mannschaft von Brasilien mit toller Taktik. Dann hat die Entwicklung des Spieles noch mitgeholfen (1.Minute ein Tor, ende der ersten Halbzeit kein 1:1 von Spanien). Den Spanier fehlte der absolute Wille. Also ganz klar war Brasilien besser und hat verdient gewonnen!
    Persoenlich glaube ich ist es negativ fuer die WM Ansprueche der Brasilianer da sie jetzt denken sie seien die Besten. Spanien ist aber noch nicht abgeschrieben. Die werden super heiss auf einen WM Titel sein im Mekka des Fussballs und haben einen tollen Trainer.
    Kurz, Brasilien war toll und scheint im Moment das Mass aller Dinge zu sein. Wobei natuerlich Deutschland alle ausgestochen haette falls sie mitmachen koennten, oder nicht? Ich sage hier mitmachen da man bei ihrem Hauruck, grobschlaechtigen ziefuehrenden Neanderthal Fussball ja nich von ‘spielen’ reden kann. Hihihi

    • Andi Maier sagt:

      ja,ja,ja miguel. dein deutschen bashing ist man mitlerweile gewohnt. warten wir doch die wm 2014 ab und dann werden wir sehen, wer das beste team ist. halbfinale brasilien, italien,argentien und deutschland., danach wird die tagesform und auch das glück entscheiden. ich glaube, dass es spanien nicht einmal ins halbfinale schafft. es wird spannend…….

      • Miguel Delgado sagt:

        Man muss ja schliesslich die ganze Sache wieder ins Gleichgewicht bringen, koennte ja sonst fast meinen man liest eine Deutsche Zeitung hier.

  15. elvis sagt:

    leider nimmt dieses turnier niemand 100% ernst. nur dem gastgeber liegt etwas am sieg.
    die anderen mannschaften freuen sich über ein paar spiele gegen gute gegner. von daher darf man die ergebnisse nicht überbewerten.

    nächstes jahr kommen alle aus einer vorbereitung an die WM, sind 100% bei der sache und alles ist viel ernster.
    bestes beispiel: penalties esp vs ita, kein schütze schien nervös, das glich einem training. im einem wmhalbfinal sieht das anders aus.

    also: brasilien soll sich freuen, darf auf etwas weniger proteste hoffen, aber sich was einbilden, sollten sie nicht…