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Tränen und Kaugummi lügen nicht

Thomas Kobler am Samstag den 1. Juni 2013


Fussball ist eine Leidenschaft, welche besonders im Frühling oft zu Gefühlsausbrüchen führt, die sogar gestandenen Mannsbildern und Grössen dieses Sports  das Wasser in die Augen treiben kann. Männer, die auch mal öffentlich Gefühle zeigen, sind keine  Heulsusen, aber vielleicht Kerle, die genau wissen, was sie grad gewonnen oder verloren haben und kein Geheimnis daraus machen, woran sie zu beissen haben:

David Beckham ging in Paris im zweitletzten Spiel des PSG als «Ehrenkapitän» in der 83. Minute aufgewühlt vom Platz. Was sollte er am Ende seines letzten Spiels auch anderes tun. Es war trotz Sieg zum Heulen. Im «Sky Sports»-Interview mit seinem alten Team-Mate Gary Neville wird deutlich, wie sehr er liebte, was er machte – Fussball spielen. Während sein Kopf zu rechtfertigen suchte, dass der Moment des Abschieds in der bestmöglichen Form gekommen war, wurde auch deutlich, wie sehr sein Herz noch weiter diese unglaublichen Flanken aus dem rechten Halbfeld schlagen oder noch dem einen oder anderen Goalie einen unhaltbaren Freistoss in die Maschen jagen möchte. Seinem alten Kumpel erklärte er augenzwinkernd: «Als Messi kürzlich an mir vorbeistürmte, da wusste ich, jetzt war die Zeit gekommen, um abzutreten.» David Beckham ist die schillerndste Ikone, die das Spiel bisher hervorgebracht hat, aber im Fussball müssen auch Ikonen rennen und treffen, und dafür war er sich nie zu schade.

Ein geradezu tödlicher Torjäger (168 «Buden»  in 226 Ligaspielen) war Jupp Heynckes in jener legendären Gladbacher Elf, die als «Fohlen» unter dem charismatischen Hennes Weisweiler in den Siebzigerjahren Kultstatus erreichte. Diese Trefferquote ist für einen Aussenstürmer bis heute fabelhaft. An seine aussergewöhnlich erfolgreiche Spielerlaufbahn hängte er eine ebensolche Trainerkarriere, die er mit einem Bayern-Sieg im heutigen DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart mit einem historischen Triple glanzvoll krönen könnte. In der Pressekonferenz nach seinem letzten Bundesligaspiel  im Gladbacher Borussia-Park übermannten den 68-jährigen Fussball-Lehrer die Gefühle, nachdem ihm die Fans zeigten, «dass das meine Heimat ist». Mit stockender Stimme gewährte er der Welt für einen Moment ungewollt Einblick in sein Innerstes. Schönere Liebeserklärungen kann man sonst nur mit einem Knie auf dem Boden machen.

Keine Tränen aber grosse, ehrliche Gefühle lagen in der Luft, als sich Sir Alex Ferguson vom proppenvollen, heimischen «Theatre of Dreams» verabschiedete. Ganz der «harte Hund», der der Schotte immer war, liess er auch bei seinem vorletzten Spiel auf der Trainerbank nur seinen Kaugummi deutlich spüren, wie es innerlich um ihn stand. 1986 übernahm er den Managerposten bei Manchester United, jenem Club aus dem Matt Busby nach der Tragödie des Münchner Flugzeugabsturzes von 1958, der acht Spielern und fünfzehn weiteren Personen an Bord das Leben kostete, in den Sechzigern die «Busby Babes» formte und mit denen er als erstes englisches Team 1968 den Europapokal der Landesmeister  gewann. Als Alex Ferguson, aus Aberdeen kommend, die Stelle in Manchester antrat, war einiges vom Glanz der alten Tage abgebröckelt. Als Sir Alex – «The Boss» – sich am 8. Mai vor dem letzten Heimspiel gegen Swansea als neuer Meister der Premier League daheim aus der ersten Reihe des Clubs verabschiedete, standen 28 weitere Titel zu Buche. Darunter das unvergessliche Triple von 1999. Wer wollte nach solchen Triumphen auch weinen?

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8 Kommentare zu “Tränen und Kaugummi lügen nicht”

  1. Bruno Brütsch sagt:

    Ob ein ganz grosser des Weltfussball abtritt erkann man daran, dass die Fans weinen – nicht der Abtretende!

  2. Heinz Binggeli sagt:

    Immer mehr Fussballer Tätowieren sich. es geht mich ja nichts an aber ich stelle mir diese Typen so mit 50-60 Jährig vor.
    Aber es sind ja Fussarbeiter nicht Kopfarbeiter!!!!!!!

    • Werner Jockel sagt:

      Kopfarbeit scheint auch nicht Ihre Stärke zu sein.
      “…diese Typen so mit 50-60 Jährig…”

      Aber man darf sich ja keine Chance entgehen lassen, einen anderen aus Neid runter zu machen.
      Ich sehe in Beckham, trotz Tattoos, ein Vorbildcharakter.
      Ein Fussballer ohne Skandale, mit Frau und Kinder um die er sich sorgt.

      • mikkesch sagt:

        @Werner Jockel
        Bevor Sie jemanden fertig machen, den Sie notabene gar nicht kennen haue ich Ihnen, wenigstens geistig, eine richtig runter. Natürlich hatte Becks seine Skandale. Die Ehe mit Victoria stand wiederholt auf der Kippe. Vor allem während seines Engagement in den Staaten, als die Familie noch in London lebte, bröckelte der Lack arg. Die Bemerkung, dass eine Verschandlung der menschlichen Oberfläche als schön oder vorbildlich gewertet werden muss, kann nur von einem Nerd gutgeheissen werden.

    • Grunder Daniel sagt:

      Sehr geehrter Herr Binggeli
      Sie haben Recht, es geht Sie überhaupt nichts an ob sich andere Menschen tätowieren lassen oder nicht. Andere Menschen, im speziellen Fussballer, zwischen den Zeilen als Deppen hinzustellen, lässt zumindest an Ihrer “Kopfarbeit” zweifeln, eine Frechheit ist es allemal.

    • Ylene sagt:

      Stellen Sie sich vor, ich habe ein Master in Betriebswirtschaft, arbeite auf einer Bank, bin glücklich verheiratet mit Kinder, zahle brav meine Steuern und bin trotzdem stark tättowiert. Mein Mann hat gar keins. Der einzige Unterschied zwischen Tättowierten und Nicht-Tättowierten ist der, dass es uns egal ist, ob die anderen tättowiert sind oder nicht. Und mit 50-60 wird die Haut bei allen schlaff und runzelig. Ob da noch ein paar Farbkleckse dran sind, ist dann wohl egal.

  3. rolf sagt:

    sag ich auch, der hat ne menge kies auf die seite gelegt und war eben der flankengott und freekick Master.
    Aber wegen seiner spice hab ich eher mittleid mit ihm…@ binggeli wir hatten dafür unseren bregy- fäll