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Wieso sind Fussballer solche Heulsusen?

Steilpass-Redaktion am Mittwoch den 6. Februar 2013

Unter dem Motto «Was ich zum Thema Fussball schon lange loswerden wollte» schreiben verschiedene Autorinnen und Autoren über das, was sie an der populärsten Sportart der Welt stört – oder fasziniert. Bloggerin heute ist Lea Koch*.

Cristiano Ronaldo kommt zum wiederholten Mal weinend nach Hause.
Die Mutter: «Wieder Messi?»
Ronaldo: «Nein, ein Neuer!»

Man muss kein ausserordentlicher Kenner der Szene sein, um den in so wenige Worte treffend verpackten Sarkasmus zu verstehen.

Selbst mir, als nicht unbedingt fussballbegeistertem Mitglied der Gesellschaft ist nicht entgangen, wie viele Tränen allein in diesem Sport vergossen werden.

Vor dem Spiel, wenn Nationalhymnen erklingen, während des Spiels wenn Spieler wie Schwalben über den Platz segeln oder nach erfolgreichem Torschuss den von Stollen durchpflügten Rasen küssen, nach dem Spiel, wenn man seine Niederlage analysiert oder auf dem Podest, wenn man den Pokal küssen kann.

Hat es mit der neuen Softomanie zu tun, die die Männer allgemein als Antwort auf unsere Emanzipationsversuche entwickelt haben? Oder ist es wirklich nur in einer der am höchsten dotierten Sportarten der Welt so, dass hartgesottene Männer mehr Krokodilstränen vergiessen als meine kleine Schwester, wenn Mami ihr das Smartphone wegnimmt.

Und dabei kommt einem nicht nur der portugiesische Womanizer Cristiano  Ronaldo in den Sinn. Obwohl der vielleicht noch am ehesten. Wird die Ikone von Real Madrid doch sogar in den eigenen Reihen als «Prinzessin» oder «Diva» gehandelt. Und seine Traurigkeit auf und neben dem Fussballfeld kennt keine Grenzen. Nur weiss keiner so recht, was ihn eigentlich so unendlich traurig macht. Sein Erfolg, sein gutes Aussehen, die Beliebtheit bei Frauen oder gar sein Spitzenverdienst? Vielleicht hadert er mit seinem Beinamen. Wer wird schon gern «94-Millionen-Mann» genannt, mal ehrlich?

Aber auch weniger gut aussehende, wohl fast gleich gut verdienende Sportskollegen, wie die deutschen Koryphäen Sebastian Schweinsteiger oder Phillip Lahm, scheinen verdammt nah am Wasser gebaut zu haben. Gut, kann man ja im Fall von Niederlagen, wie der gegen Spanien im Halbfinale der WM 2010 oder angesichts des Desasters in der letzten Champions League noch irgendwie verstehen. Da hatte man ja schon auf der Reservebank des heimischen Wohnzimmers Pipi in den Augen.

Völlig skurril aber wird es, was die Wehleidigkeit der Herren auf dem Platz angeht. Jeder Sturz, und sei es der über die eigenen Schnürsenkel, ist mehr als spektakulär. Da werden Körperteile gehalten mit schmerzverzerrten Gesichtern, sich stöhnend und schreiend hin- und hergewälzt, so lange bis die Sanitäter schon die Trage an der Aussenlinie parat gemacht haben. Wenn der Schiri dennoch weiterspielen lässt, weil er diesen bösen bösen Sturz nicht als Foul der gegnerischen Mannschaft gesehen hat, ist Mann so schnell wieder auf den Beinen, als hätte der Begriff Spontanheilung plötzlich eine neue Bedeutung bekommen. Jedenfalls die nächsten 20 Schritte, bis er wieder mit einem Aufschrei und schmerzverzerrtem Gesicht langgestreckt oder zusammengekrümmt zu Boden geht…
Man könnte fast glauben, dass Profifussballer im Rahmen ihres Trainings regelmässig eine Wochenlektion in der Theater AG absolvieren.

Gut, können sie vielleicht auch noch für später gebrauchen. Wenn sie zu alt werden für ihren Job. Vielleicht ist ein Teil ihrer Wehleidigkeit auch darin begründet, dass sie schon immer an die «Zeit danach» denken müssen, wer weiss. Können schliesslich nicht alle vom erfolgreichen Spieler zum erfolgreichen Trainer werden, wie Pep Guardiola. Der wird übrigens als Schöngeist seiner Zunft liebevoll «Glasperlenspieler» genannt. Weil er Hermann Hesse liebt. Und Immanuel Kant. Wie die «Zeit» in einem Interview mit Guardiola berichtete, ist Philosophie seine zweite Liebe – neben dem Fussball. Und er beziehe sie ins Training mit ein.

Tja, ich denke da darf man sich ziemlich sicher sein, dass in Zukunft noch mehr Tränen fliessen werden. Zumindest bei Bayern München. Wenn die erstmal anfangen, darüber zu philosophieren, warum sie mit Spielen so reich geworden und viele Menschen mit Arbeiten so arm geblieben sind, geht die Weinerei erst richtig los. Aber dann ist sie auch berechtigt. Und nicht mehr nur Ausdruck theatralischer überbezahlter Wehleidigkeit.

*Lea Koch ist Praktikantin und Redaktionsassistentin bei Tagesanzeiger.ch. Sie spielte ein halbes Jahr in der schlechtesten Fussball-Damen-Mannschaft Nordrhein-Westfalens, aber vergoss keine einzige Träne.




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43 Kommentare zu “Wieso sind Fussballer solche Heulsusen?”

  1. romeo anderes sagt:

    Ich koennte heulen , so gut ist dieser artikel! Fussball ist grosses theater, aber die akteure werden zum teil immer peinlicher.

  2. Hurti Wiedmer sagt:

    Wunderbar… Ihr Artikel.

    Frau Koch, sie haben den Nagel genau in die Mitte des Nagelkopfes getroffen.
    Für mich gibt es noch zwei Ergänzungen.

    a) Weshalb nehmen vielfach die Fussballer (Männer) in Kauf, den Mitspieler zu verletzen.
    Anschliessend tun sie so, als hätten sie nichts getan. (Arme und Hände verrühren)

    b) Was soll das Getue vor dem Spiel mit dem Zeichen gegen den Himmel, das Gras berühren etc.
    Ich weiss das ist Religion und Rituale, aber komisch ist, dass es “nur” die Fussballer machen.

    • Silvio B. sagt:

      Zu punkt B). Das ist nicht nur beim Fussball so. Beim Eishockey wird dies einfach viel subtiler gemacht (z.B. Betritt ein Spieler immer mit dem gleichen Fuss das Feld zuerst) etc.

  3. Machissmo sagt:

    Unglaublich dieser sexistische Beitrag! Ich bin empört, EMPÖRT! Oder auch nicht…

  4. kurt abächerli sagt:

    jetzt lass’ ich dann hier meine frau schreiben, die hat auch keine ahnung von fussball, aber bewusst mit vorsatz…

  5. sepp z. sagt:

    ich empfinde es als sexistisch, wie sich die frau hier brüstet, nie geweint zu haben, die männer aber seien heulsusen. wann hört endlich dieser alltägliche sexismus auf?

    • Wishaw Thomas sagt:

      …und wenn wir keine/zuviel Gefühle/Emotionen zeigen, ist auch nicht recht – siehe Blog von gestern.
      wie immer… wir können tun u. lassen was wir wollen, das starke Geschlecht weiss immer was wir nicht machen sollten.
      😉
      Gruss

  6. max sagt:

    Tja, ein halbes Jahr Frauen”fussball” qualifiziert offensichtlich noch nicht so richtig. Vielleicht mal Dieter Nuhr zu Herzen nehmen.

  7. Robert Rieder sagt:

    Besser hätte man es nicht sagen können.
    Diese Simuliererei geht mir total auf die Nerven. Ohne das könnte man diesem Sport vielleicht sogar zuschauen.

  8. Wishaw Thomas sagt:

    “Wieso sind Fussballer solche Heulsusen” steht im Titel.
    Mann erfährt nichts neues – nett geschrieben – alles haben wir schon mal gelesen.
    Der Artikel geht nicht in die “Tiefe”. (Ursprung)
    z.B. Ist es der Charkter?- Die Erziehung/Lebensweise in den einzelnen Ländern – Unterschiede südliche/nördliche Länder? Der Leistungsdruck? Geld? Gelernt von klein auf? Gelernt vom Management/Club/ ?
    Bewusste Schiedsrichter Beeinflussung? Schlappe Regeln? usw. …alles hat seinen Einfluss.
    Einfach keine neuen Erkenntnisse.
    Gruss

  9. Battista sagt:

    Ein selten unnötiger Artikel – doch genau passend zur aktuell angeheizten Sexismus Debatte. Es zeigt sich einmal mehr, Sexismus kann nur etwas sein, was von Männern ausgeht. Und die meisten Männer sind noch dämlich genug es als normal zu empfinden. Daran ändert auch nicht die Tatsache, dass dieser Artikel im Ressort Sport erscheint. Frauen mit solchen Anschauungen erziehen doch tatsächlich noch mehrheitlich unsere Söhne (leider). Ich bin dankbar, trifft das auf meinen nicht zu.

    • kurt abächerli sagt:

      …und wehe frau autorin hätte einen hier im video gezeigten rugby-spieler zu hause. den hätte der staatsanwalt in kooperation mit der frauenbeauftragten und einer städtische gleichstellungsbeamtin schon lange abgeholt. in der therapie müsste er sich dann erklären, wieso er nie weint und gefühle zeigt und sowieso ein so emotionsloser klotz ist… ich bleibe auf alle fälle ein metorsexueller typ à la beckham (komme schwer an bei den frauen 😉

  10. Beat Schmid sagt:

    Liebe Frau Koch
    Wenn Sie richtigen Männern bei einer richtigen Sportart zuschauen wollen: Eishockey! Die spielen Fussball nur zum aufwärmen …

  11. Laby sagt:

    es sind halt keine Eishockeyspieler

  12. francosi cevert sagt:

    der heisst immer noch bastian nicht sebastian schweinsteiger

  13. marcel kuster sagt:

    #aufschrei

  14. sibelius sagt:

    meine meinung:

    das sieger- und verliererheulen kommt vom enormen druck, der vorher aufgebaut wird, und dann plötzlich verpufft. auch zu beobachten in anderen sportarten, aber halt im fussball am grössten, und man sieht es ja meistens in endspielen.

    das simulier-heulen hingegen ist in der fussballkultur fest verankert, hat sich wohl langsam eingeschlichen. ein solches verhalten wäre bei rugby, basketball oder handball undenkbar. aber warum? ich denke, einerseits sind es die regeln (penalty, ein tor kann alles entscheiden, rote karten, ein schiedsrichter stark im mittelpunkt, etc.), andererseits versuchen viele spieler auch, sich mit schwalben und simulieren indirekt vor verletzungen zu schützen, die sie wohl hätten, wenn sie jedes mal ihren mann stehen würden und sich umgrätschen liessen.

    interessant ist, dass das der zweite heultyp auch von der mentlität abhängt. im süden ist er sicher häufiger verbreitet, und in england ist jammern und simulieren total verpönt.

  15. S.T. aus Z. für B. sagt:

    UNGEHEUERLICH gut…

  16. Yannick Opel sagt:

    So wehleidig wie sich die meisten (es gibt löbliche Ausnahmen, oder hat man jemals einen Gattuso, Davids oder Terry sich lächerlich wälzend auf dem Rasen liegen sehen?) Fussballer geben, würden sie in Mannschaftsportarten mit echtem Körperkontakt keine 5 Minuten auf dem Platz überleben – vgl. Rugby, American Football und Eishockey…
    Ich schaue mir das jämmerliche Schauspiel dieser überbezahlten Drama-Queens mit ihrem unsportlichen Gehabe gar nicht mehr an.

    • marc sagt:

      aber blogs darüber lesen uns lästern kannst du!

      Ausserdem stimme ich dir beim Rugby zu…
      Die anderen gepolsterten Sportarten sind auch nicht so hart wie sie erscheinen…

  17. Philipp Rittermann sagt:

    fussballer sind sehr einseitig begabt, was eine gewisse labilität nach sich zieht. kleinkinder heulen auch, wenn man ihnen die sandburg zerstört – und genau so verhält es sich bei den (erfolgsverwöhnten) multi-millionären auf dem platz. beine top – charakter – flop. und nach der karriere reichts dann knapp noch für weinhändler oder versicherungsvertreter….oder einem trainerjob beim 5.fc. hinterpfupfikon….oder zu einem längeren aufenthalt in der entzugs-klinik.

  18. Gian sagt:

    So gut der Artikel auch ist.. ..irgendwie disqualifiziert man sich in einem Fussball-Blog direkt selbst wenn man von Sebastian Schweinsteiger schreibt.

  19. LL sagt:

    Die Autorin ist “nicht unbedingt fussballbegeistert”, spielte aber trotzdem “ein halbes Jahr in der schlechtesten Fussball-Damen-Mannschaft Nordrhein-Westfalens”?! Hä, wie was jetzt? Womit wir wieder beim gestrigen Blog-Thema wären, Frauen sind schwer zu verstehen, Männer aber auch.

    • Kathy sagt:

      Ich interessiere mich auch nicht sehr für die Handball-Liga, eignetlich gar nicht. Habe selber aber trotzdem über 5 Jahre gespielt, das ist doch kein Widerspruch!

      • LL sagt:

        Von Liga steht nichts, sondern dass sie allgemein nicht unbedingt fusballbegeistert ist. Also meine Hobbies machen mir allesamt Spass, sonst wäre mir die Zeit viel zu schade… 😉

  20. Jean sagt:

    Ich glaube, es liegt daran, dass Fussballer andere Nerven haben. Der Fussballer kann den Schmerz nicht lokalisieren.
    Den Armen tut es immer am ganzen Körper weh.
    Wie sonst kann es sein, dass die sich z.B. nach einem Tritt ins Bein danach noch die Nüsse, den Bauch, die Arme und den Kopf halten und streicheln müssen…

  21. Daniel sagt:

    Es gab eine Zeti, da freute ich mich richtig auf diesen Blogg. Ein Fussballer-Blogg wie er sein sollte.
    Hier nochmals meinen Dank Mämä.
    Jetzt ist es nur noch zum heulen. Ich warte noch auf die Frau, die ein wenig Ahnung von Fussball hat und nicht nur all 2 Jahre die Spiele im Public Viewing mitverfolgt, weil es alle machen.

  22. D.Schober sagt:

    Es können halt nicht alle solche “tough guys” sein wie unser aller Roger Federer. Man stelle sich mal vor, der weinte regelmässig nach Niederlagen in wichtigen Spielen (v.a. bei Grand Slams/im Final/gg. Nadal). Oder er täubelet wie ein ein unflätiger Saugoof gg. Murray. Das wäre ja lächerlich! Man könnte dann aber von seiner “menschlichen Seite” palavern und schreiben.
    Wiktoryja Asaranka meint übrigens auch, das elende Simulantentum im Fussball sei ja wohl eine Zumutung, so was passiere in der harten Kontaktsportart Tennies nie.

  23. Max sagt:

    Nichts gegen Sie, Lea Koch. Aber Fussball ist Männersache!

    Fussballbegeisterte und Fussballspielende Frauen sind mir ein Gräuel und müsste eigentlich bestraft werden. Mit Zuchthaus, meine ich, nicht unter 3 Jahren und ohne Bewährung.

    Ich hoffe, Sie nehmen meine radikale Einstellung sportlich.

  24. Salvatore Presente sagt:

    Super Artikel. Bleibt eigentlich nichts mehr hinzuzufügen!

  25. Tom Bombadil sagt:

    Nun Frau Koch, wenn Sie tatsächlich ein halbes Jahr Fussball gespielt haben ohne einmal geweint zu haben, dann haben Sie etwas falsch gemacht. Weil Fussball grundsätzlich etwas ist, dass man mit ganzem Herzen macht, daher die Tränen.

  26. Manuela Vargas sagt:

    Tja…echte Männer spielen Rugby…

  27. Florian Mahler sagt:

    So unterhaltsam der Artikel auch ist, so weit am Ziel vorbei schiesst er auch. Das Grundproblem ist, dass hinfallen und simulieren sich im Fussball lohnt bzw. lohnen kann – wenn man dann noch bedenkt, um wieviel Geld es jeweils geht, dann kann man sich doch gar nicht mehr ob der Zustände wundern, oder? Umgekehrt würde ich wetten: Könnte man sich im Eishockey oder Rugby mit Schwalben und Krokodilstränen einen Vorteil verschaffen, man könnte vermutlich genau dasselbe Verhalten feststellen wie im Fussball. Gewisse Regeländerungen, wie z.B. die Einführung eines Videobeweises, hätten darauf vermutlich einen viel grösseren Einfluss als sämtliche Spielercharaktere…

    • Nico Rona sagt:

      Ich Stimme Ihnen vollkommen zu. Leider pfeiffen viele Schiris nur, wenn der Spieler theatralisch abhebt und sich am Boden wälzt. Ich habe das Gefühl, dass wenn es einige machen, es die anderen auch machen müssen, da sonst kein Pfiff erfolgt. Dass es auch ohne grosses Theater funktioniert zeigt im Moment der Afrika-Cup. Achtet euch mal auf die Reaktionen der Spieler, wenn sie hart angegangen werden. Selten grosses Theater, möglichst schnell wieder weiter spielen. So macht Fussballschauen Spass, kann ich jedem nur weiterempfehlen!

  28. AlexS sagt:

    Typischer Frauenartikel.

  29. Looca Zuppinger sagt:

    Was bitte haben denn Tränen mit Schwalben zu tun?
    Das eine ist eine natürliche Gefühlsregung. Man kann sie höchstens unterdrücken, aber dies wollen wir ja nicht tun mit unseren Emotionen. Tränen sind absolut männlich. Schwalben sind Kindergarten und Betrug. Ich kann nicht verstehen, weshalb diese zwei Themen hier miteinander verbunden werden.