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Fussballspieler im Sonderangebot

Birgit Schönau am Dienstag den 22. Januar 2013
Der Brasilianer Kaka, als er 2003 erstmals zu AC Milan kam. (Foto: Keystone/Felice Calabro)

Silvio Berlusconi macht wieder Wahlversprechen, unter anderem will er den Brasilianer Kakà wieder nach Mailand holen: Der junge Kakà, als er 2003 erstmals zu AC Milan kam. (Foto: Keystone/Felice Calabro)

Armes Italien. Arme Serie A. Wie arm, das lässt sich bestens an der Transferpolitik der beiden Mailänder Klubs Internazionale und Milan ablesen. Vor gar nicht langer Zeit gehörten sie zu den Reichsten in Europa. Inters Präsident Massimo Moratti gab schon mal in einem Sommer so viel Geld für neue Spieler aus wie die gesamte Bundesliga und Milans Patron Silvio Berlusconi servierte den Fans gern in Wahlkampfzeiten ein nobles Präsent. Zuletzt 2008, damals versprach Berlusconi die Ankunft von Ronaldinho. Es wäre zwar übertrieben zu behaupten, dass er deswegen die Wahlen gewann. Aber es ist nicht übertrieben festzustellen, dass Ronaldinho das einzige Wahlkampfversprechen war, dass Berlusconi tatsächlich einlöste.

Tempi passati. Es ist wieder Wahlkampf in Italien und Berlusconi verspricht – die Rückkehr von Kakà. Der Brasilianer wurde vor drei Jahren an Real Madrid verkauft, obwohl er sich buchstäblich mit Händen und Füssen dagegen wehrte. Tatsächlich wurde Kakà in Madrid nie der Publikumsliebling, der er in Mailand immer war. Er erfuhr ein ähnliches Schicksal wie seinerzeit Andrij Schewtschenko, der auch nicht ganz freiwillig zum FC Chelsea ging und nach drei ziemlich durchwachsenen Jahren in London für eine Saison an seinen alten Klub Milan ausgeliehen wurde. Schewtschenko konnte nicht an seine Erfolge anknüpfen. Das Risiko gibt es jetzt auch für Kakà, trotzdem wird der einst Geschasste  umgarnt wie der verlorene Sohn. Der Grund: Er könnte billig zu haben sein, weil Real ihn loswerden will. Milan hätte ihn gern als Leihgabe, zu einem deutlich geringeren Gehalt. So sehen die Wahlkampfversprechen 2013 aus – Mario Balotelli beispielsweise ist Berlusconi viel zu teuer. Er bezeichnete ihn etwas voreilig als «faulen Apfel», was schon stark an die alte Fabel vom Fuchs mit den Trauben erinnerte.

Wesley Sneijder wurde Inter zu teuer

Und Inter? Gerade hat es Moratti geschafft, endlich den letzten Star in seinem Aufgebot loszuwerden. Wesley Sneijder geht zu Galatasaray. Zu sagen, dass er das widerwillig tut, wäre stark untertrieben. Monatelang hatte der Holländer auf der Bank schmoren müssen, weil er sich geweigert hatte, eine Gehaltsreduzierung zu akzeptieren. Sneijder wäre liebend gern nach England gegangen, aber es fand sich kein Klub, der die Ablösesumme von 15 Millionen Euro zahlen wollte. So viel hatte Sneijder Inter vor drei Jahren gekostet. Entnervt von dem langen Tauziehen mit dem Spieler veräusserte Moratti ihn schliesslich zum Schleuderpreis von 7,5 Millionen: Hauptsache, Sneijder steht nicht mehr bei ihm auf der Gehaltsliste. 5,5 Millionen wird der 28-Jährige nun in Istanbul verdienen. Und in einer Liga spielen, die noch schlechter dasteht als die Serie A, sich ihre Ambitionen aber unverdrossen noch etwas kosten lässt.

Sneijder geht bestimmt, Kakà kommt vielleicht. So viel zu den Mailänder Super-Coups in diesem Transfer-Winter.

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