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Langweilige Musterknaben

Birgit Schönau am Donnerstag den 17. Januar 2013
Lionel Messi und Josep Guardiola. (AP/Lluis Gene)

Im Fussball-Olymp eindeutig die «Guten»: Lionel Messi und Pep Guardiola (im Camp Nou während eines Spiels gegen Jerez), 24. April 2010. (AP/Lluis Gene)

Die Welt teilt sich in Kaffee- oder Teetrinker, Wagner oder Verdi und in Pep Guardiola oder José Mourinho. Also in Gut oder Böse. Mal ehrlich: Guardiola finden wir doch alle irgendwie gut, genauso wie wir irgendwie auch alle Barcelona-Fans sind. Zusammen mit Messi und Barça bildet Pep eine richtige Trinitas des Fussballs, die halbe Welt betet sie an, mindestens. Und Mourinho? Der besetzt die Schurkenrolle, kongenial unterstützt von seinem Landsmann und Lieblingsspieler Cristiano Ronaldo. Hand aufs Herz: Wer würde sich schon als Fan von Mourinho und Ronaldo outen, wo es doch viel naheliegender ist, Guardiola und Messi toll zu finden? Alle mal «Hier!» schreien. Na gut, wenn sich keiner traut, fange ich einfach mal an.

Mir geht nämlich die Guardiola-Verehrung kombiniert mit der Dauer-Häme für Mou gehörig auf die Nerven. Ich finde sie ebenso unoriginell wie ungerechtfertigt. Denn ich glaube, man kann Guardiolas Arbeit sehr schätzen und Mourinho trotzdem für einen fähigen Trainer halten. Die beiden sind wahrscheinlich die besten der Branche, die teuersten sowieso. Wer sie aus die Nähe erlebt hat, weiss übrigens, dass der Portugiese weitaus witziger und selbstironischer ist. Muss er ja auch sein, als Schurke. Guardiola hingegen ist von seiner Musterknaben-Rolle derart erfüllt, dass er schnell ein bisschen langweilig rüberkommt und wenn er tatsächlich mal verliert, sogar leicht beleidigt. Wer immer alles richtig macht, der wirkt halt auf die Dauer weniger schillernd als einer, der mit allen möglichen Tricks versucht, dem Klassenbesten eins auszuwischen. Auch wenn diese Tricks manchmal nicht ganz sauber sind. Aber bitte, Fussball ist keine moralische Anstalt. Jedenfalls nicht hier bei uns im Süden.

Am Ende hat sich Guardiola vielleicht ein wenig selbst gelangweilt und eine Auszeit genommen. Dann langweilte er sich in der Auszeit und heuert jetzt beim FC Bayern München an. In München nehmen sie ihn natürlich mit Kusshand und lassen sich die Verpflichtung des begehrtesten Trainers der Welt eine Menge kosten. Man könnte jetzt wetten, ob Guardiolas Bayern bald allen so sympathisch sind wie Guardiolas Barcelona. Ich möchte mich da aber lieber zurückhalten. Ob die Bayern wohl auch bei Mourinho angefragt haben?

Die Scheichs von Paris St. Germain hätten ihn am liebsten im Doppelpack mit Cristiano Ronaldo aber dass denen die Sympathie egal ist, konnte man schon sehen, als sie Ibrahimovic kauften. (Der auch mal in Barcelona gespielt hat, bis ihn Guardiola nicht mehr sehen konnte).

Guardiola in München, Mou in Paris? Umgekehrt wäre es viel lustiger gewesen. Also der untadelige Pep zu Ibra und den Scheichs und der sinistre Mourinho als Trainer von Schweinsteiger und Angesteller von Uli Hoeness. Prickelnd wie Champagner! Weil das aber nicht so gekommen ist, wird sich die Fussballwelt wohl weiter in Tee- oder Kaffeetrinker teilen.

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