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Scheinheilige Rassismus-Debatte

Birgit Schönau am Dienstag den 8. Januar 2013

Wir begrüssen heute im Steilpass unsere neue Bloggerin Birgit Schönau und wünschen ihr einen guten Start! Die Redaktion.


Es gibt Rassisten in Italien. Bis vor kurzem waren sie sogar an der Regierung, in Koalition mit Silvio Berlusconi. Da gab es einen Minister, der Separatistenpartei Lega Nord, der mit einem Schwein an der Leine über ein Grundstück marschierte, auf dem eine Moschee gebaut werden sollte. Der Minister wollte damit schon mal vorsorglich den Boden entweihen – das Schwein gilt dem Islam bekanntlich als unreines Tier. Wenn die Leute von der Lega im Parlament ihre Brandreden hielten, verliess keiner der Abgeordneten aus Protest den Saal.

Es gibt auch Rassisten in italienischen Fussballstadien. Sie ahmen Affenlaute nach, um schwarze Spieler zu verhöhnen oder sie beschimpfen sie in unübersetzbaren Sprechchören. Dass der Rassismus ebenso wie andere Abarten menschlicher Dummheit nicht vor den Stadiontoren halt macht, ist eine alte Geschichte. Übrigens nicht nur in Italien. Wenn Fussball anstatt in einem Stadion auf einer Opernbühne zur Aufführung käme, würde sich das geneigte Publikum womöglich mit dem Gegröle zurückhalten. Im Stadion meinen sie, das gehöre zum guten Ton.

Rassismus wird in der obersten Liga ignoriert

Ganz sicher haben jene Krawallbrüder, die vergangene Woche im Stadion von Busto Arsizio die schwarzen Spieler der AC Milan verhöhnten, nicht damit gerechnet, in der Weltpresse zu landen. Pech für sie: Der Spieler Kevin-Prince Boateng reagierte auf die Affenlaute, die ihm entgegen dröhnten. Erst schoss er den Ball auf die Tribüne, dann verliess er den Platz. Und der Rest der Milan-Fussballer folgte ihm. Die Nachricht vom Abbruch des Freundschaftsspiels Pro Patria Busto Arsizio – AC Milan ging prompt um die Welt. Wichtige ausländische Blätter beklagten einen «Rassismus-Skandal» und fragten besorgt: Warum bekommt Italien sein Rassismus-Problem nicht in den Griff?

Vielleicht auch deswegen, weil Oberflächlichkeit und Scheinheiligkeit die Rassismus-Debatte im Fussball dirigieren? Denn wie sonst ist es zu erklären, dass es bei einem Freundschaftsmatch in einem Stadion mit 4600 Plätzen zum Spielabbruch kommt, während das Gegröle in Italiens Erstliga-Arenen seit Jahren ignoriert wird? Zuletzt verhöhnten am Samstag die einschlägig berüchtigten Tifosi von Lazio einen schwarzen Spieler von Cagliari. Lazio muss deswegen ein Bussgeld zahlen, aber das Spiel wurde nicht abgebrochen. Schliesslich ging es um Punkte – Lazio gewann die Partie – und um viel Geld.

Silvio Berlusconi hat zwar getönt, seine Milan-Spieler würden fortan immer den Platz räumen, falls sie von Rassisten verunglimpft würden. Auch in der Champions League. Nun, wir werden ja sehen. Kevin-Prince Boateng erklärte, er überlege Italien wegen der Rassisten zu verlassen. Der Schock von Busto Arsizio sitzt offenbar tief. Es war zwar nicht das erste Mal, dass Boateng verunglimpft wurde. Aber in einem winzigen Stadion rückt das Publikum dem Spieler näher als im Meazza-Stadion zu Mailand.

Lega-Politiker unter den Rassisten in der Fankurve

Am Sonntag trug die Milan-Mannschaft in der heimischen Arena Trikots mit der Aufschrift «AC Milan gegen Rassismus». Auch Torwart Christian Abbiati machte mit. Der Mann ist Anhänger des faschistischen Diktators Benito Mussolini aber deshalb noch lange kein Rassist. Sein Arbeitgeber Berlusconi bastelt gerade wieder an Wahlkampf-Absprachen mit den Neofaschisten. Das Problem ist also, sagen wir mal: vielschichtig. Jedenfalls, wenn man nicht in Busto Arsizio Halt machen will. Sechs Krawallmacher wurden inzwischen dingfest gemacht. Einer von ihnen hatte sich als Sportpolitiker der Lega Nord einen Namen gemacht. Es ist wohl wirklich so, dass man als Rassist inzwischen in der Politik weniger auffällt als im Stadion. Da erscheint es logisch, dass der Lega-Mann künftig zwar vom Fussball ausgeschlossen wird aber nicht von seiner Partei.

Deshalb soll aber nicht untergehen, dass  Kevin-Prince Boateng mit seiner Verweigerung richtig gehandelt hat, auch wenn Sepp Blatter den Spieler dafür rügte. Auch einem Profi kann angesichts der geballten menschlichen Dummheit der Kragen platzen, er muss schliesslich nicht vor jedem Publikum spielen. Und selbstverständlich ist jede Aktion gegen Rassismus begrüssenswert, vielleicht hat ja Abbiati inzwischen auch schon seine Mussolini-Büste aus dem Wohnzimmer entfernt.

Am kommenden Sonntag haben alle Schwarzen im Stadion von Busto freien Eintritt, der Bürgermeister von der Berlusconi-Partei verspricht ausserdem eine Vielzahl von Initiativen gegen Rassismus. Das ist beruhigend. Und noch beruhigender sind andere Reaktionen. Nationaltrainer Cesare Prandelli verurteilte die Rassisten im Stadion nämlich genauso wie Bischöfe und Regierungsmitglieder. Ob das woanders wohl auch so gekommen wäre, nach dem Gegröle einiger Fussballfans aus der Vierten Liga? Italien jedenfalls zeigt sich sensibel. Und das ist schon eine ganze Menge.

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40 Kommentare zu “Scheinheilige Rassismus-Debatte”

  1. DAM sagt:

    Rassismus ist nur dort nicht vorhanden, wo es selbstverständlich ist, dass alle Menschen die gleichen Rechte und Pflichten haben. In diesem Sinne ist der freie Eintritt für Schwarze zwar sicherlich gut gemeint, aber an sich eben auch diskriminierend.

    • Matthias sagt:

      “an sich eben auch diskriminierend”? Ich musste grad leer schlucken, als ich diese Dummheit (von den Busto-Verantwortlichen, nicht von DAM) gelesen habe! Das ist meiner Meinung nach eine Verniedlichung von Rassismus. Ich würde mich als Dunkelhäutiger absolut nicht ernst genommen vorkommen… Man kann mich zwar als was-weiss-ich-auch-immer beschimpfen, dafür darf ich für umsonst ins Fussballstadion? Geht’s noch? Macht diese Vollidioten Dingfest (und zwar vom Pöbel im Stadion bis nach oben im Parlament (bzw. bis nach unten im Parlament). Das wär ein Zeichen setzten!

  2. manu sagt:

    Willkommen, Birgit (oder Frau Schönau wenns lieber ist).

    “Es ist wohl wirklich so, dass man als Rassist inzwischen in der Politik weniger auffällt als im Stadion.” Allein schon dieser Satz macht den Artikel lesenswert.
    Sehr spannend und differenziert; ich hoffe, dass früher oder später Dein/Ihr Interesse an unserem Lokalfussball wächst und auch der Schweizer Fussball durchleuchtet wird.

  3. Elias sagt:

    Hallo Birgit

    Guter Artikel, Kompliment.

    Aber ich persönlich bin auch Blatters Meinung. Die Spieler “dienen” dem Publikum, und dieser kann ja von der eigenen Vorstellung des optimalen Publikums abweichen. Diese Leute müssen bestraft werden, aber das berechtigt die Mannschaften/Spieler nicht dazu, ihre Pflichten nicht zu erfüllen.

    Und ganz schwach finde ich die Profilierung von Spieler/Mannschaft mit diesem und anderen Themen. Boatengs italienische Freundin steht bekanntlich auf dunkelhäutige Bodys, gewisse Fans nicht. Was soll’s. Wir lachen ja auch über die Gangart Inzaghis und die Klotzigkeit von Materazzi, hassen Del Piero für die zwei verpassten Tore an der EM 2000. Pato ist eine Ente, Giovinco eine Ameise, Juve sind Zebras, die Demokraten sind Esel etc.

    • Karft sagt:

      Mutiger Beitrag, Elias.

      Den ersten Absatz kann ich verstehen und sehe das unter bestimmten Umständen nicht völlig anders.
      Der zweite Absatz steht jedoch zum ersten in Widerspruch: Wenn man zuerst sagt, dass die Leute bestraft werden sollen, kann man ja kaum im nächsten Absatz alles mit ‘Was soll’s’ abtun, oder?

      Wichtiger finde ich aber eigentlich die schiefen Analogien: Was bitte hat Rassismus mit der mehr oder minder geschmacklosen Veräppelung von Spielern oder Teams zu tun? Eben, nichts. Es ist nicht dasselbe, alle dunkelhäutigen Spieler wegen ihrer Hautfarbe zu schmähen, wie Giovinco wegen seiner geringen Grösse. Während letzteres zwar respektlos ist, bedeutet es aber nicht, dass man alle kleinen Menschen verachtet. Im ersten Fall macht die Verachtung aber nicht an der Stadionmauer halt. Alle Ihre Beispiele beziehen sich auf einen bestimmten Kontext, in dem die Verachtung/Respektlosigkeit zum tragen kommt. Niemand interessiert die Gangart Inzaghis, wenn er auf der Post arbeitet, ein Demokrat ist nur ein politischer Esel, etc.
      Rassismus hängt jedoch nicht vom Kontext ab. Die Fans, die Affenlaute machen, hassen die Dunkelhäutigen überall. Das ist das Problem und nichts anderes.

    • Matthias sagt:

      …was genau ist der Inhalt dieses Vergleichs? Dunkelhäutige Menschen (die sich das absolut nicht ausgewählt haben und null eigenes Dazutun) mit “unübersetzbaren” Floskeln rassistisch zu beschimpfen oder Del Pieor für zwei verpasste Tore zu hassen? Oder geh doch einfach mal in ein jüdisches Altenheim und mach Witze über Hitler! Sich über etwas mockieren oder Menschen herablassend und rassistisch zu erniedrigen sind zwei verschiedene paar Schuhe!

    • Elias sagt:

      Liebe Herren

      Sie haben Recht, ich bin mit meinem Post zu weit gegangen, aber nicht absichtlich. Ich verurteile jede Art von Rassismus und die Affenlaute der Fans sind zu verabscheuen. Mit dem “was soll’s?” wollte ich nur auf Boateng ansprechen, der ja nicht wenig verdient und auch unlautere Kritik unter der Gürtellinie ertragen soll (sowie auch Messi die Fouls von Pepe erträgt). Die Klubs sollten zum Schutz ihrer Spieler politisch und rechtlich vorgehen (verständlich, dass es in Italien schwierig ist).

      Ich glaube Seedorf hat Recht, wir schenken den Rassisten durch solche Aktionen zu viel Aufmerksamkeit. Die Polizei soll sie bestrafen, aber der Spieler soll professionell bleiben mit einem “was soll’s”.

      • Rüdiger Kraus sagt:

        Er mag zwar viel verdienen, aber die Schuld der Weissen (Sklaverei/Kolonialisierung) ist immer noch nicht entgolten (m.M.). Und dann kommt es halt schon ein bisschen Urmensch-Style daher, wenn man fordert ein Boateng seie ja gut bezahlt und solle weiterspielen und schliesslich werde ein Messi ja auch gefoult (Messi der selber ein Rassist ist by the way). Wir Weisse können uns gar nicht ausmalen, wie man sich fühlen muss, wenn man vom weissen Mob rassistisch verunglimpft wird…

    • clonaldo sagt:

      Was soll’s? Genau das, nämlich, dass gewisse Dumpfbacken immer noch nicht verstanden haben, was Rassismus heisst.

    • Sideshow sagt:

      Ich verstehe Blatter und Deine Einstellung nicht. Würde ich an meinem Arbeitsplatz von Kunden ohne Grund aufs übelste beleidigt, würde entweder der Kunde freundlich aber bestimmt gebeten das Geschäft zu verlassen. Ich würde für diese Personen sicher keinen Dienst/Service leisten. Jeder hat das Recht mit Würde behandelt zu werden.

      Bin der Meinung, dass Boateng und der Rest der Mannschaft in ein CL-Final nicht das Feld verlassen hätten. Wäre aber interessant was UEFA und FIFA machen würden. Denn hier liegt doch die Scheinheiligkeit vor. Grosse Kampagnen gegen Gewalt und Rassismus und dann wird nicht wirklich durchgegriffen (siehe England).

    • Elias sagt:

      Ich akzeptiere den Vorwurf, dass ich leichtsinnig mit der Bedeutung von Rassismus umgehe, nicht! Ich habe nie behauptet, dass es das oder das andere ist oder nicht ist.

      Zur (meiner) Debatte steht nicht die anthropologische oder ethische Bedeutung von Rassismus (da könnte ich nicht mitreden), sondern Boatengs, Milans, Blatters und natürlich Birgits Reaktionen auf den Vorfall.

      Diese Fans beobachten, wie die betroffenen Spieler reagieren, und werden ihre “Affenlaute”-Waffe garantiert wieder einsetzten, weil es funktioniert anscheinend. Im besten Fall verlässt die Gegnermannschaft das Spielfeld, und man gewinnt forfeit.

      Schiedsrichter werden laufend derb verunglimpft, müssen aber cool bleiben, um ihre Autorität nicht zu verlieren.

      Dabei unterscheide ich nicht zwischen rassistischer und nichtrassistischer Verunglimpfung.

  4. Franz sagt:

    Complimenti, Signora Schönau, sehr guter Einstieg! Es ist wirklich ärgerlich, dass es diese Reaktion an einem unbedeutenden Testspiel gab. Das hätte schon vor Jahren in einem Serie-A- oder Champions-League-Spiel passieren müssen, nicht nur in Italien, auch in einigen osteuropäischen Stadien. Möglicherweise haben einige dieser üblen Typen etwas gelernt, Illusionen sollte man sich jedoch nicht machen. Der Fussball ist leider die Sportart, die solche Individuen am stärksten anzieht.

  5. Auguste sagt:

    hmm…, also so harmlos ist die oper ja nun auch nicht. auf der bühne werden oftmals beleibtere menschen unter viel geschrei gemeuchelt – was ein grund gewesen sein soll, weight watchers zu erfinden – und im publikum hat schon mehr als einmal einer laut geschnarcht oder musste von seinem handy geweckt werden. weil die oper mal die bevorzugte unterhaltung der gekrönten häupter war, läuft dort alles etwas gehobener und subtiler ab, aber seit der fussball auch seinen kaiser und messi(as) hat, holt er deutlich auf. und die grösste gemeinsamkeit beider kulturveranstaltungen soll ja sein, dass es nicht vorbei ist, bis es vorbei ist – oder die dicke mit singen anfängt.

    auch wenn es hier und da immer noch zu unnötigen und zu recht angeprangerten entgleisungen kommt, wie bei jenen tifosi beim”freundschaftsspiel” gegen milan, so soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass den fans das wohlfühlen der akteure auf dem feld heute weit mehr am herzen liegt als auch schon. gerne wirft man dehydrierten schiris mal ein bier zu oder versuchte olli kahns blutzuckerspiegel mit bananen im lot zu halten – sogar geldgeschenke werden oft als ansporn für einen tollen eckstoss eingesetzt. da ist manchmal mehr mitgefühl und wärme dabei auf den rängen, als beim papst auf dem balkon. dass verhältnisse im fussball sich bei aller herzlichkeit trotzdem auch rasch abkühlen können – der bernd schuster und rafael van der vaart könnten da wohl mit kevin prince boateng ein lied davon singen, wie es der kaiser z.B. schon mal vormachte:

    youtube: franz beckenbauer – gute freunde kann niemand trennen

    à propos herzlich und freundschaftlich: als ich gestern sepp blatter und den neo-russischen staatsbürger obelix dépardieu sich herzen sah, dachte ich so bei mir: mehr herzen könnte dem fussball gewiss nicht schaden, aber mehr hirn bräuchte er noch viel dringender.

  6. Paulo sagt:

    Rassismus gab es in Italien schon vor zwei Jahrzehnten. Damals wollten die Ultras von Lazio Rom sogar verhindern dass der dunkelhäutige Holländer Aron Winter bei ihrem Verein unter Vertrag genonmmen wird. Nur, das Problem existiert leider nicht nur in Italien. Was zur Zeit in Russland bei Vereinen wie Zenit abgeht wo schon Morddrohungen gegen dunkelhäutige Spieler ausgesprochen wurde ist nur eines von vielen aktuellen Beispielen. Wer glaubt dass es im heiligen England besser aussieht sollte sich dort mal ein Spiel der unteren Ligen antun (Leeds oder Millwall), oder in Holland einem Klassiker Ajax-Feyenoord beiwohnen. Der Fussball zieht die schlimmste Sorte Mensch zu sich wie keine andere Sportart.

    • Ben sagt:

      Bin nicht ganz einverstanden. Ich bin bis vor wenigen Jahren viel in Europa (England, Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Belgien etc) rumgekommen und habe einige Stadien besucht. So extrem wie in Italien habe ich dieses Phänomen nirgends wahrgenommen. Keine Ahnung wieso das so ist, das würde mich interessieren.

    • Olli68 sagt:

      Das mit Millwall schieb ich jetzt mal auf die Unwissenheit bzw aus Relikten aus den 80er/90er Jahren, das hat sich mittlerweile völlig geändert. War die letzten paar Jahre auf sowohl Heim- wie Auswärtsspielen von Wall und das mit dem Rassismus wird gerne rausgekramt, findet aber in der Realität nicht mehr statt. Ausserdem besteht der halbe Kader aus farbigen Spielern, ohne dass sich Einer drüber aufregt…im Gegenteil, sie spielen so erfolgreich wie die letzten 10 Jahre nicht mehr

      NO ONE LIKES US – WE DON’T CARE

      • Fabio sagt:

        Passt auch zum Thema. Heute wurden sowohl der Bulgarische und als auch der Ungarische Verband wegen antisemitischen und rassistischen Sprechchören der Anhänger mit einem Geisterspiel bestraft. Der Rassismus ist meiner Meinung nach nirgends so sehr verbreitet wie in den Ostblockstaaten. Nur dringt das ganze nicht bis zu uns weil die Ligen uninteressant sind. Da ist uns die Serie A einiges näher.

  7. guido lima sagt:

    fuer mich war der groesste skandal wieder einmal der kommentar von seppi blatter. da muessen fussballspieler in ganz europa vor jedem wichtigem spiel eine ansprache gegen rassismus abhalten vor einem riesigem plakat und wenn dann wirklcih was passiert und der oder die spieler ziehen ihre richtige konsequnzen und verlassan das spielfeld werden sie vom hoechsten fussball funktionaer getadelt und auch gleich noch der manipulation beschuldigt. was muss den noch alles passiern bis man diesem wahnsinnigen den stecker rauszieht.ich bin auch sicher dass wenn dieses besispiel schule macht sich sehr schnell viels aendern wird. den auch die chaoten und rassisten bezahlen relativ viel geld fuer den eintritt zum spiel und wenn dann ein paar spiele nach ein paar minuten abgebrochen werden tut das vielleicht mehr weh als sonst eine strafe.

    • Sideshow sagt:

      Grundsätzlich richtig, glaube jedoch nicht, dass solche Typen sich durch einen Spielabbruch nicht auch etwas bestätigt sehen, denn Sie haben die Macht ein Spiel abzubrechen.

      Wer glaubt durch Spielabbrüche werden auch die Täter bestraft der irrt sich gewaltig.

  8. Peter Essig sagt:

    Guter Start! Weiter so. (Kann zu diesem wichtigen Thema grad nichts vernünftiges beitragen, deshalb nur das Kompliment)

  9. Peter Dunkel sagt:

    ein sehr schöner beitrag, gratulation und weiter so, Frau Schönau! Und lassen Sie sich von einigen Kommentatoren hier nicht abschrecken…

  10. David Erpen sagt:

    Mag sein, dass der Lega Politiker mit dem Schwein ein Rassist ist. Aber die Aktion mit dem Schwein macht ihn sicherlich nicht zum Rassisten. Dann schon eher U. Bossi, der mit Kanonen auf die Boote der Einwanderer schiessen will. Von dem her, schlechter Einstieg…

  11. M. Wieser sagt:

    Guter Beitrag. Die Gründe für das Problem sind leider zu vielschichtig und zu tief, als dass man die in diesem kurzen Blog auch noch behandeln hätte können. Daher gut, dass dies nicht versucht wurde, sondern lediglich die Geschichte erzählt.

    Einziger Wermutstropfen (für mich), dass offenbar einmal mehr ein Schweizer durch eine(n) Deutsche(n) ersetzt werden musste.
    Und bevor das wieder mal einer verwechselt: Nein, das ist nicht(!) rassistisch, wenn man solches moniert.

    Selbstverständlich wünsche ich ihnen trotzdem viel Erfolg Frau Schönau.

    Freundliche Grüsse
    M. Wieser

  12. Kurt Müller sagt:

    Rassismus ist überall – auch da, wo ihn gewisse politische Kreise nicht sehen wollen. Zum Beispiel in der Entwicklungshilfeindustrie, die uns fast täglich weismachen will, dass dunkelhäutige Leute nicht in der Lage sind, eine eigene Existenz aufzubauen und deshalb von Weissen einen Anspruch auf Almosen haben. Dass dann die per Entwicklungshilfe eintreffenden Güter am Bestimmungsort noch den eigenen Markt für die lokalen Produzenten kaputtmachen, ist der Gipfel der Perfidie.

    • brunner Franz sagt:

      Nagel auf den Kopf getroffen und eingeschlagen- man lese Moyo Dambisa, “dead aid”, Kabou Axelle “weder arm noch ohnmächtig” und Twineyo-Kamugisha Elly “why Africa fails”, alle ein Hammer

  13. Hans Klemm sagt:

    Liebe Frau Schönau,

    da haben Ihnen Ihre Redaktionskollegen aber gleich einen schwierigen Themenkomplex vorgelegt……

    Als bekennende AS Rom – und BVB- Kennerin haben Sie aber Ihren ersten Blog an dieser Stelle gut gemeistert. Herzlichen Glückwunsch! In Deutschland, das wissen Sie, ist allerdings der genannte Halbbruder des Bayern-Spielers nicht gerade ein Idol…….Hier gibt es bekanntlich aber die gleichen Probleme mit dem Nachahmen der Affentöne von einzelnen Störenfrieden. Man muss einfach verfolgen, wie es mit dieser Geschichte weitergeht, wenn wieder in den großen Stadien um Punkte gerungen wird. Dass allerdings gerade Blatter den betroffenen Spieler mit einer dunkleren Hautfarbe nach dem Verlassen des Platzes noch maßregelt, ist schon fast bedauerlich. Auf der anderen Seite kann ein eigenes zukünftiges Verlassen des Rasens bei jedem unangenehmen Zwischenruf keine Endlösung sein!

    Mit der gestrigen Auszeichnung seines Freundes Beckenbauer “für besondere Verdienste im Fußballsport”, mit dem er noch vor einem halben Jahr ein “Scheingefecht” wegen geäußerten Unregelmäßigkeiten bei der WM-Vergabe 2006 nach Deutschland führte, wollte der unbeliebte und längst international als korrupt eingeschätzte FIFA-Boss wohl nur einen Mantel des Schweigens auf die Wunde legen, die einfach nicht zuheilen will. Jeder Sportinteressierte scheint zu wissen, dass ein Neuanfang nur ohne dieser noch mächtigen Person möglich ist, die bereits 1975 vom Gründer des späteren insolventen Medien und Merketingunternehmens sowie Ex-ADIDAS-Chef, H.Dassler, auf den ersten Direktorposten der FIFA gehoben wurde. Bekanntlich war auch der in der Schweiz lebende WM 2006 – Mitorganisator und Beckenbauervertraute und Blatter- Freund, F. Radmann, ebenfalls ein ehemaliges ADIDAS- und ISL- Mitglied!

    Wenn man weiß, dass selbst der von Blatter Ausgezeichnete Teilhaber eines ISL- Vorläufers war und nach der Vergabe der Fußball-WM 2018 nach Russland zum dortigen “Botschafter der Gasindustrie” ernannt wurde, ist zu verstehen, warum die Ikone, einflussreichste Person und das Aushängeschild als Lichtgestalt des Deutschen Fußballs sowie von 2007 bis 2011 als Vorgänger des heute “vereinslosen” Th. Zwanziger im Exekutivkomitee des Weltverbandes im Nachinein von seinem ehemaligen Chef geehrt wurde….

    Dass der Ehrenpräsident von Bayern München diese Auszeichnung angenommen hat, passt bestimmt auch nicht so richtig dem Chef des gleichen Vereins, U. Hoeneß, in seinen Plan. Er ist nämlich ein bekennender Gegner dieses Schweizers und bat bereits mehrmals um europäische Unterstützung, endlich Blatter zu stürzen, damit die verkrusteten FIFA-Strukturen aufgebrochen werden können. Erst danach scheint bekannt zu werden, wer genau die restlichen hochrangigen Funktionäre dieses Verbandes sind, die in der Vergangenheit die vielen Millionen (!) Schweizer Franken als Schmiergeld für “besondere Leistungen” erhielten.

  14. Christian Klar sagt:

    Rassismus und Faschismus ist kein Problem des italienischen Fussballs sonder der gesammten italienischen Gesellschaft. Lega Nord ist wahrlich nicht der einzige “Sünder”. Faschismus ist in Italien salonfähig sonst hätte man ja in der Berlusconi-Regierung nicht so viele sogenannte “Ex-Faschisten” im “Dienst des Volkes” gehabt, trotz einem in der Verfassung verankerten Verbots von solchen Parteien. Auch die Kommunisten haben es nicht geschafft diesen Abschaum zu bekämpfen. .

  15. clonaldo sagt:

    Inwiefern es “beruhigend” sein soll, dass dunkelhäutige Menschen am nächsten Sonntag freien Eintritt bei Busto Arsizio haben werden ist mir ein Rätsel. Zunächst mal sollte endlich klargestellt werden, dass Diskriminierung (in diesem Falle Rassismus) unabhängig davon ob es sich in negativer (zB Affenlaute) oder positiver (zB gratis Eintritt) Art manifestiert, Diskriminierung bleibt. Eine dümmere und herablassendere Reaktion auf den Vorfall beim Freundschaftsspiel gegen Milan möchte und kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen. Man braucht sich nur vorzustellen, wie das genau ablaufen soll beim Eintritt und ab welcher Farbnuance der Haut der Zuschauer bezahlen soll oder nicht.
    Ich bin insofern mit Ihrer Feststellung, dass die Rassismusdebatte scheinheilig ist einverstanden, Frau Schönau, als dass gewisse Leute, wie zB Milan Präsident Berluscazzo sich aus rein opportunistischen Gründen hinter Prince-Boatengs Aktion stellen. Gleichzeitig stellt vor allem die Reaktion auf die meiner Meinung nach mutige (auch wenn’s nur ein Freundschaftsspiel war) und richtige Entscheidung des Spielers das wahre Ausmass des real existierenden Rassismusproblems (nicht nur im Fussball) bloss. Sepp Blatter beispielsweise scheint wieder einmal überhaupt nicht zu verstehen, worum es geht.

    • birgit schönau sagt:

      @clonaldo Da haben Sie Recht: Das “beruhigend” steht in diesem Zusammenhang an falscher Stelle. Die Aktion Freier Eintritt ist allenfalls bizarr, beruhigend ist eher, dass sich in Busto jetzt alle an die Brust klopfen. Generell gilt, dass in Italien mittlerweile wirklich sehr sensibel auf Rassismus reagiert wird, jedenfalls im Sport. Das war nicht immer so.

      • clonaldo sagt:

        Das Gefühl habe ich auch. Ich war jedenfalls positiv überrascht davon, dass der Livekommentator während des Freundschaftsspiels sich unendlich über die Affenlautidioten aufgeregt hat und sie wiederholt als “deficenti” oder ähnlich bezeichnet hat. Auch das wäre bis noch vor kurzem wahrscheinlich eher nicht passiert.

  16. Loris Frei sagt:

    Ich finde es immer wieder lustig und spannend zu lesen wie sich viele als Rassismusexperten profilieren möchten. Inklusive mich natürlich. Es ist aber so, dass nicht nur “Schwarze” diskrimniert werden, sondern so ziemlich alle Rassen. Ein gutes Bsp. war Olli Kahn oder Alex Frei und wie sie alle heissen und hiessen. Ich finde es schwach von einem Boateng das Spiel zu verlassen. Mittel zum Zweck? Der AC läuft es überhaupt nicht und Herr Boateng war noch nie ein Liebling der Mailänder Fans bzw. er konnte sich nie wirklich durchsetzen. Würde mich interessieren ob er dies auch im Meisterschaftsjahr der AC gemacht hätte. Wenn nun schon gegen Rassismus gekämpft werden soll, sollte man auch die Sponsoren der sogenannten “Grossen” ins Visier fassen. Oel- und Gasmultis aus Russland und den Emiraten, wo Menschenrechte mit Füssen torpedieren. Und wir tragen die Namen dieser sogenannten Grosssponsoren auf breiter Brust!

    • Karft sagt:

      Herr Frei, Rassismus ist ein Konzept mit klar umrissener Definition. Dies auf einen Sachverhalt anzuwenden verlangt keineswegs entsprechende Expertise, sondern bloss angemessene sprachlich-kognitive Fähigkeiten, zusätzlich zur Kenntnis der Definition.
      Olli Kahn und Alex Frei wurden eben nicht rassistisch beleidigt, i.e., aufgrund ihrer kaukasischen Abstammung, sondern abhängig vom Kontext, sprich aufgrund ihrer Vereinszugehörigkeit oder ihres Verhaltens als Vereinsexponenten. Ist das wichtig? Juristisch, ja, da es den Unterschied zwischen Beleidigung und Rassendiskriminierung markiert. Ethisch, ja, da die Beleidigungen im Fussballkontext zwar oftmals übel und verletzend sind, aber eben auch genau an diesen Kontext gebunden. Niemand (oder fast niemand) würde wohl Olli Kahn mit Bananen bewerfen, wenn er ihm auf der Strasse begegnen würde. Rassismus ist aber nicht an einen Kontext, der sich ändern kann, gebunden, sondern an persönliche, unabänderliche Merkmale. Dem Rassisten ist es egal, ob Boateng für Milan, Juve oder Parma spielt, oder ob er Häuser auf Sizilien baut. Wenn Sie diesen Unterschied verstehen, werden Sie vielleicht ein bisschen weniger lachen.

      Und zu Ihrer persönlichen schiefen Analogie am Ende, möchte ich doch auch noch eine anfügen: Wenn Ihre Kinder den Abfall zu Hause einfach auf den Boden werfen würden, würden Sie das einfach akzeptieren? Wenn Sie der Konsequentialist sind, der Sie zu sein vorgeben, dann müssen Sie es. Schliesslich verschmutzen jeden Tag Multis in Russland die Umwelt.

      • Loris Frei sagt:

        @Herr Kraft
        Herr Kraft, Sie meinen nicht wirklich im ernst, das gewisse Idioten den Unterschied von Rassismus und/oder fanatischen Vereinsangehörigkeit kennen? Ich verurteile solche Aktionen (Fall Boateng) zu tiefst, aber man sollte nicht zu viel Polemik daraus machen, denn es herrscht grosse Ignoranz. Und nicht nur in Italien! Ich komme sehr viel in der Welt (Fussballstadien) herum und es ist überall gleich. In Italien wird es meistens in den Stadien zelebriert. In England und Deutschland meistens nach den Spielen und bei den oberen Gremien, sprich FIFA auf der Chefetage. Im Sport v. A. im Fussball ist der Gesamtkontext seit Jahren pervertiert. Und da sind wir bei meiner, wie Sie schreiben, schiefen Analogie. Herr Kraft ich habe den Eindruck, dass Sie den Kontakt zum “Fussballfussvolk” nicht, oder nicht mehr kennen. Kann sein das ich Äpfel und Birnen verwechsle. Aber sie sind nun mal beim Volkssport Nr. 1 im gleichen Korb. Vergessen Sie das nie!

  17. birgit schönau sagt:

    @loris frei Menschen-Rassen gibt es nicht. Und ich verstehe nicht, was Boatengs angeblicher Mangel an Popularität und Durchsetzungsvermögen mit dem Vorfall in Busto zu tun hat.

    • Loris Frei sagt:

      Sorry Frau Schönau, selbstverständlich (Menschen-Rassen) gibt es nicht.
      Aber wenn sie die ein wenig Ahnung von der ital. Liga haben, verstehen Sie was ich mit Mittel zum Zweck bei Boateng meinte. Der Mann ist sehr clever und nutzt die Situation schamlos aus. Auch das gehört mittlerweile zum Fussball.

  18. hans ulrich schwyzer sagt:

    bravo. fast schon hatte ich ob des schwez einzuschätzenden titels eine hasstirade herausformuliert. rassismus ist fast überall auf der welt ein problem im fussball & -stadien, aber u.a. in italien noch ein bisschen mehr. dabei gibt es kein anderes europäisches land welches ethnisch durchmischter ist. die ganz stolze nationalisten waren vor plus tausend jahren oftmals griechen, tunesier oder sonstwelche nördlichere barbaren. und die sizilianer grösstenteils libanesen.

  19. René Baron sagt:

    Eigentlich hätte den Ball ja – wenn es richtig laufen würde – einer seiner “weissen” Kollegen in die Menge schiessen müssen, oder ? Aber nein, wir sind ja erst da, wo sich Opfer noch immer erst selber wehren müssen. Solidarität und AKTION gegen Rassismus, live und spontan auf dem Platz und in den Zuschauerrängen in dem Moment wo Rassismus LIVE passiert gibt es noch immer viel zu selten!
    Erst im Nachhinein, nach der Legitimation durch mediale sanktionierte Empörung, machen dann plötzlich alle mit und ziehen dann so gegen Rassismus los, dass wiederum eine objektiv konstruktive Stellungsname auch nicht mehr möglich ist ohne selber (Beispiel Blatter) als Rassist dazustehen.
    Wenn wir Rassismus schimpfen und uns mit Fremdschämen begnügen, ohne selber etwas dagegen zu tun, und zwar jeder dort wo Rassismus live und unmittelbar passiert, wird sich an diesem verlogenen Gefühl nur schwer was ändern …