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Die falschen Ziele des «Financial Fair Play»

Mämä Sykora am Montag den 24. Dezember 2012
Scheich Abdullah bin Nasser Al-Thani und Real-Madrid-Präsident Florintino Perez, Oktober 2010. (Keystone)

Der FC Málaga wurde von der Uefa für ein Jahr vom Europapokal ausgeschlossen: Málaga-Besitzer Scheich Abdullah bin Nasser Al-Thani und Real-Madrid-Präsident Florentino Perez, Oktober 2010. (Keystone)

Kurz vor Weihnachten bekam der FC Málaga ein Geschenk, auf das er gerne verzichtet hätte. Die Uefa schloss den Champions-League-Gruppensieger wegen Verstössen gegen die «Financial Fair Play»-Regelung für ein Jahr aus dem Europapokal aus. Die aktuelle Spielzeit ist davon nicht betroffen, sollten sich die Andalusier in den nächsten vier Jahren aber wieder qualifizieren, wird ihr Startplatz weitergegeben. Grund für die Strafe sind ausstehende Gehaltszahlungen an Spieler in Millionenhöhe sowie Schulden beim spanischen Staat.

Für viele Leute gilt diese Massnahme als Beweis dafür, dass die Uefa es wirklich ernst meint mit dem «Financial Fair Play» (FFP). Erklärtes Ziel der Vorschriften ist es, zu verhindern, dass Vereine deutlich über ihre Verhältnisse leben und Schulden anhäufen. Fortan dürfen nur jene Klubs im Europacup mittun, deren Ausgaben und Einnahmen sich über die letzten drei Jahre in etwa die Waage halten. Die Absicht dahinter ist löblich, doch es bestehen grosse Zweifel daran, wie konsequent die Uefa gegen Verfehlungen vorgehen wird. Den Fall Málaga nutzt Michel Platini nun als Beweis dafür, dass mit aller Härte vorgegangen wird: «Es scheint, als ob einige Klubs die Botschaft nicht verstanden haben. Es ist Zeit, die neuen Regeln ernst zu nehmen.»

epa03496448 Malaga's Uruguayan striker Seba Fernandez (L) duels for the ball with Anderlecht's Swedish defender Behrang Safari, during the UEFA Champions League group C soccer match played at Rosaleda stadium in Malaga, southern Spain, on 04 December 2012.  EPA/Jorge Zapata

Málagas Seba Fernandez (l.) im Zweikampf mit Anderlecht-Spieler Behrang Safari, 4. Dezember 2012. (Keystone)

Nur: Málaga ist ein einfaches Opfer. 2010 wurde der klamme Verein vom katarischen Scheich Abdullah bin Nasser al-Thani übernommen, der teure Stars wie Demichelis, Saviola, van Nistelrooy oder Santi Cazorla holte und damit die Lohnsumme immens aufblähte. Nach einem Jahr drehte al-Thani ohne Angabe von Gründen den Geldhahn zu, was zu den erwähnten Löchern in der Kasse führte. Dass so ein Verein bestraft wird, ist als Warnung an Klubs mit ähnlichen Plänen bestimmt wertvoll, doch ob auch gegen die grossen Namen im europäischen Fussball so vorgegangen wird, muss sich erst weisen. DFL-Vizepräsident Heribert Bruchhagen formulierte es so: «Mir fehlte bislang der Glaube, dass man auch bei den Big Playern in der Lage ist, die Sanktionen durchzuhalten. Nichts gegen den FC Málaga, aber die Entscheidung wird erst fallen, wenn es einen der ganz grossen in Europa trifft.»

Tatsächlich zielt die neue Regelung nicht darauf ab, hoch verschuldete Vereine zu sanktionieren, sondern sie zum «nachhaltigen Wirtschaften» anzuhalten. Alleine die Premier-League-Vereine sind mit über 4,8 Milliarden Franken verschuldet, auch bei Real Madrid ist es über eine halbe Milliarde. Dies wird auch in Zukunft möglich sein. Darüber hinaus kann bei Vereinen mit einem schwerreichen Investor die Möglichkeit des «Selbst-Sponsorings» nicht ausgeschlossen werden. Manchester City etwa schloss mit Etihad Airways einen Deal ab, der dem Klub über 10 Jahre absurde 600 Millionen Franken einbringt. Schliesslich ist Scheich Mansour bin Zayed Besitzer beider Unternehmen. Als Vergleich: Arsenal generiert durch den Sponsoringvertrag mit Emirates aus dem Jahre 2004 in 15 Jahren nicht einmal einen Viertel dieser Summe. Fortan sollen deshalb gemäss FFP solche Sponsoringdeals «in einem nachvollziehbaren Verhältnis zu Konkurrenzprodukten» stehen, ansonsten werden sie in der Einnahmen-/Ausgaben-Rechnung nicht berücksichtigt.

Die Uefa hat sich mit der vollmundigen Ankündigung des gnadenlosen Kampfes gegen Misswirtschaft weit aus dem Fenster gelehnt. Denn sie ist auf ihre Top-Vereine angewiesen, denn nur sie bringen die lukrativen TV- und Sponsoring-Verträge. Ein Ausschluss von Real Madrid oder Chelsea hätte eine Abwertung des Wettbewerbs zur Folge. Zudem zeigt das Beispiel von Manchester City, dass sich mit jeder Regelung neue Schlupflöcher auftun. Selbst kleine Vereine umgehen die Vorschriften mit verworrenen Geschäften. Zweifel an der Tauglichkeit der FFP-Regelungen kamen auf, als das hochverschuldete Real Saragossa im letzten Jahr für 10 Mio. Franken von Benfica Torwart Roberto Jiménez übernahm. Der Verein selber steuerte nur einen winzigen Teil dieser Summe bei, den Rest übernahm ein Investmentfonds mit Sitz auf Jersey, dem der Präsident von Saragossa angehört und der von einem Spielervermittler geführt wird.

Dass angesichts der unzähligen Umgehungsversuche ebenso viele Gerichtsverfahren vorprogrammiert sind, ist nur eine Schattenseite des FFP. Einschneidender ist die Tatsache, dass die derzeit dominierenden Vereine damit zur «geschützten Gruppe» werden. Sie werden zwar in Zukunft grössere Anstrengungen auf sich nehmen müssen, um an Geld zu kommen und entsprechend zu bilanzieren, dafür wird es für die Konkurrenz noch schwerer, die Lücke zu den Topvereinen zu schliessen. Denn dies wäre nur mit grossen Investitionen möglich – wie etwa bei Manchester City –, und solche sind fortan nicht mehr erlaubt. Karl-Heinz Rummenigge begrüsst dies natürlich: «Will man die Manchester Citys dieser Welt fördern? Ich als Fussballfan will Inter, Real, Barcelona, Bayern, Milan, Manchester United sehen. Weil das über viele Jahre hinweg die besten Klubs der Welt sind und Tradition haben.» Und damit werden die wahren Ziele der neuen Regelung auch schon offensichtlich: Der «Klub der Grossen» soll gegen von Scheichs und Oligarchen unterstützte Emporkömmlinge abgeschottet werden. Im Falle Málagas hat dies schon mal bestens funktioniert. Nun kommen wohl bald PSG und Anschi Machatschkala an die Reihe. Mehr wird das als Revolution angekündigte FFP nicht bewegen. Schade.

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16 Kommentare zu “Die falschen Ziele des «Financial Fair Play»”

  1. turi meyer sagt:

    Diese Vereine müssten von sämtlichen Steuern entlastet werden. Diese Spieler sind ein vielfaches mehr wert als der normale Büezer, also sollen sie gewürdigt und steuerbefreit werden. Damit sie und die Vereine nicht im Armenhaus landen. Sonst haben wir plötzlich keine CL-Spiele mehr, das wäre ja eine Katastrophe!

    • Matthias Meier sagt:

      Ich hoffe, die Leute verstehen die Ironie in Ihrem Beitrag, Herr Meyer 😉 Im Ernst, wer sollte jemandem verbieten dürfen, so viel Geld in einen Club zu stecken wie er will? Überschuldung usw. usw. ist nicht die Sache der UEFA, das ist Sache der jeweiligen Staaten in denen die Clubs beheimatet sind. Ich persönlich habe keine Lust, immer die gleichen Clubs in der CL zu sehen. Wenn die UEFA wirklich etwas tun sollte dann die Budget der Clubs zu beschränken, vielleicht auf 50 Milllionen pro Jahr? 😉

      • Steiner78 sagt:

        Ich möchte aber auch nicht immer dieselben Spieler neu zusammengewürfelt in der CL sehen, egal ob das Label Milan, Malaga oder Machatschkala heisst. Schön wäre halt, jeder spielte für seine Heimatstadt, da gäbs ein breiteres Feld und spannendere CL 😉 Aber natürlich sportlich ein viel tieferes Niveau.

        • Jordi Küng sagt:

          Dann müsste der FC Barcelona gegen sich spielen… Nur “Barça” hat eine Hausmannschaft! – Gegen Llevant, den Vierten der Primera División, spielten:

          Valdés; Montoya, Puyol, Piqué, Alba; Busquets, Xavi, Iniesta, Fabrègas; Messi, Tello.

          Alle diese Spieler waren spätestens mit 14 Jahren in der “Masia”. Noch Fragen? Zählen Sie mir bitte einen Viertligisten auf, dessen Fanionteam aus elf Akteuren besteht, die schon als Junioren C im Verein waren. Und wir sprechen wir von einem Klub, der 14 von 16 möglichen Welttiteln geholt hat.

          • Javi sagt:

            Das der FC Barcelona eine hervorrragende Jundenarbeit leistet wissen wir. Was Sie aber nicht erwähnen ist dass Barça die besten Junioren der anderen Clubs mittels bestechung deren Eltern abwirbt oder es zumindenst versucht. Aktuelles Beispiel ist der 13 Jährige Brahin Abdelkkader (wird in Spanien als nächster Messi gehandelt) obwohl der Spieler in Malaga geboren und gerne weiterhin bei den Junioren des FC Malaga spielen möchte. Hat Barça den Vater des Spieler bestochen und aufgrund dass er noch nicht volljährig ist, wird so versucht ihn in die Massia zu holen um ihn in wenigen Jahren als ein weiteres eigener Nachwuchs von Barça zu verkaufen .Der FC Malaga möchte den Spieler nicht abgeben und der Spieler möchte bleiben nur der Vater hat Barça auf seiner Seite. Ich wäre nicht so Stolz auf ein solches Vorgehen. Dem man raubt einem Kind die Jungend, die er nicht mehr mit seinen Freunden und Verwanden verbringen wird.

          • Steiner78 sagt:

            An Jordi Küng: Ach, ich weiss doch auch, dass dieser Zug schon längst abgefahren ist. Ich meinte ja nur, wenn wir schon Wunschkonzert haben …

          • Andi Meier sagt:

            Aber selbst der FC Barcelona lebt in der Regel über seine Verhältnisse, sie haben zwar viele Spieler aus der eigenen Jugend, aber auch so ein breites Kader, dass sie vermutlich sogar mit dem Reserveteam in der 1. Liga spielen könnten.

          • Beni sagt:

            @andi meier, Barcelona hat die beste B Manschaft in Spanien, dies reicht aber nur für Platz 8 in der 2. Spanischen Division.

  2. chrigi sagt:

    Na ja! Es ist doch wie im richtigen Leben. Die kleine erhängt man und für die Grossen, die überhaupt die Preise anheizen, hat man Verständniss. Alle Klubs die so misswirtschaften sollen doch Pleite gehen. Vielleicht kehrt dann wieder mal Vernunft zurück in den Fussball.

  3. eric sagt:

    @STeiner78: Isco (Golden Boy 2012, einer der meistgejagtesten Spieler der Liga), Gámez, Portillo, Recio oder Juanma spielen in ihrer Heimatstadt Málaga.

  4. Dann sollte man die griechischen Clubs fuer all das was bisher schion war, lebenslaenglich ausschliessen.

  5. rusty sagt:

    @jordi: athletic bilbao spielt schon immer nur mit spielern aus der region und hat eine hervorragende jugendabteilung aber viel weniger geld. Letztes jahr reichte es für den final in cup und europa league. Sie sind ausserdem die einzigen, neben madrid und barca, die nie abgestiegen sind. Es gibt also schon noch andere teams mit hausmannschaft, die aber nicht alle jungen talente aufkaufen.

  6. Frank sagt:

    Die Ironie der Geschichte ist dass der FC Malaga seit der auszahlung der 25 Mio. Punkteprämie schuldenfrei ist und zudem einen reichen Besitzer (Sheich Al-Thani) hat. Das ist nicht ganz einfach nur ungerecht. Uebrigens hat FC Malaga die Sanktionen beim Internationalen Sport Gericht angefochten. Siehe link unten:

    http://www.malagacf.com/en/new/press-conference/casado-were-absolutely-convinced-that-were-right/221/69362

  7. Stephan Geiger sagt:

    Barca ist sicher kein leuchtendes Vorbild. 320 Mio Euro Schulden sind kein Pappenstiel. Dazu Steuergeschenke vom klammen Staat. Wenn das keine Wettbewerbsverzerrung ist, dann weiss ich auch nicht weiter. Leiden darunter tun in erster Linie auch finanziell schlechter gestellte Ligen/Clubs. FFP ist mehr als notwendig und auch zweckmässig. Eventuell kommen ja einige der Herren Präsidenten langsam auf den Trichter. Ohne kaufmännische Grundkenntnisse geht es halt auch in dem Metier nicht….. Was die Zweckmäßigkeit einer Oligarchenhochzeit angeht, da kann sich jeder selbst Gedanken machen. Drum prüfe wer sich ewig bindet. FC Aarau forever!! Kein Moos, dafür einen Plan und einen Top Trainer…..