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Wasser predigen und Wein trinken

Steilpass-Redaktion am Samstag den 1. Dezember 2012

Gastblog von Florian A. Lehmann*.

Rolf Fringers Entlassung beim FC Zürich war schon die siebte in dieser Super-League-Saison. Ist das Zufall? Oder schreit die Szene ganz einfach nach Action?

Kurz vor Beginn der Adventszeit hält sich in Zürich ein hartnäckiges Gerücht: Die Heilsarmee sammle in den Tagen der Besinnung nicht für die notleidenden und gestrandeten Menschen, sondern für den bedauernswerten Ancillo Canepa. Denn schliesslich muss der Präsident des FCZ seit letztem Montagabend gleich zwei entlassene Trainer entlöhnen, nämlich Rolf Fringer und Urs Fischer. Letzterer, ein passionierter Fischer, hat zwar wieder einen Job beim FC Thun an der Angel, wird aber auf Teilzahlungen von seinem früheren Zürcher Arbeitgeber pochen. Denn schliesslich ist Fischers neuer Kontrakt im Berner Oberland weniger hoch dotiert als jener beim FCZ. Canepa, der finanzielle Löcher grosszügig aus der eigenen Tasche berappt, wird es auf juristischem Terrain nicht langweilig. Zudem muss er den Arbeitsmarkt sondieren, um einen neuen Trainer und einen neuen Sportchef zu suchen. Beide Rettungsengel, das lässt sich mit Sicherheit sagen, lassen sich kaum aus dem personellen Bestand der Heilsarmee rekrutieren.

Nach Fringers Freistellung zählt der Fussball-Fan nach und stellt verwundert fest: In dieser Super-League-Saison haben schon sieben Trainer von sechs Clubs ihren Garderobenspund räumen müssen. Das ist – Sonderfall FC Sion hin oder her– eine grosse Zahl. Zu diesem Fakt stellen sich gewisse Fragen. Sind die Trainer so unfähig in dieser Liga? Nein, denn sie haben sich ja ausbilden lassen und können ein Diplom vorweisen. Haben die Vereine zu viel Geld? Wohl kaum, denn überall wird gejammert, geklagt, gebettelt. Fehlt es den Teppichetagen am Know-how für dieses heikle Business? Ja, an vielen Orten. Fehlt den Verantwortlichen die Geduld, ein wesentlicher Faktor für eine erfolgreiche Mannschaft? Ja, auf jeden Fall. Werden die Profis zu sehr verhätschelt und haben sie zu viel Macht und Einfluss? Aber natürlich, siehe die neuen Fälle in Thun und Zürich. Schliesslich ist es immer noch am einfachsten, im Falle des Misserfolgs den einsamen Trainer in die Wüste zu schicken.

Die Suche nach dem schnellen Erfolg auf dem grünen Rasen hat eine Szene noch überhitzter gemacht als sie es ohnehin schon gewesen ist. Zwar wird vor dem ersten Kick-off der Saison von den Clubbossen immer wieder betont, dass man den Coaches Zeit lasse, dass man jeden Franken sorgfältig umdrehe, bevor man ihn ausgebe. Aber es ist wie beim Abnehmen von überflüssigen Pfunden: Zwischen Vorhaben und Ausführung liegt ein langer, mühsamer Weg. Oder anders ausgedrückt: Es wird im Fussball oft Wasser gepredigt, aber Wein getrunken.

Die Aufregungen um personelle Trainerrochaden bringen den Schweizer Fussball nicht weiter. Viele Experten monieren nicht ganz zu unrecht, dass der FC Sion wohl schon längstens Meister geworden wäre, wenn der Walliser Bonaparte namens Christian Constantin etwas mehr Geduld in seinem Blut und etwas mehr Weitsicht in seinem Gehirn hätte.

Die aktuelle Politik mit Verschleiss an Trainern und Geld ist eine ungesunde Entwicklung in der Super League. Oder was meinen Sie?

*Florian A. Lehmann ist Sportjournalist bei Tagesanzeiger.ch.

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35 Kommentare zu “Wasser predigen und Wein trinken”

  1. Rene R. Meier sagt:

    Wenn’s nicht funxioniert, muss man etwas ändern.

  2. Adam Gretener sagt:

    Also mal Hand auf’s Herz. Unsere Super League, ich muss mich jedes mal überwinden, diesen Namen in den Mund zu nehmen, ist einfach grottenschlecht. Hie und da gibt es einen temporären Ausreisser nach oben, der verblasst aber auch schnell wieder.

    Und das schlägt sich eben auch in der Professionalität von Management und Trainern nieder, genau gleich bei Spielern und Medienvertretern. Es ist alles handgestrickt und man agiert wie ein Hühnerstall mit Fuchs drin.

    Vielleicht sollte der Verband einfach mal ein paar Millionen in die Hand nehmen und einen Entwicklungshelfer in die Schweiz holen, der erstmal die Strukturen auf Vordermann bringt.

    • Kraft sagt:

      Hach, soviel Weisheit auf sieben Zeilen. Ein wahrhaftiges Gedicht der Herbstdepression. Ich empfehle den Besuch im Letzigrund, morgen um 16 Uhr. Da lassen sich Alltagsfrustrationen wunderbar in befreiende Gefühle transformieren. Bier müssen Sie aber selber mitnehmen.

    • chuurel sagt:

      Sogenannte Entwicklungshelfer stellt die FIFA für lau zur Verfügung, allerdings sind daran Bedingungen gebunden!
      In dem Sinne wäre eine Entwicklung aus dem Inneren heraus wohl eher wünschenswert. Schwierig ist dabei der enorme öffentliche Druck bei gleichzeitig geringen Möglichkeitsstrukturen

  3. Geri sagt:

    Klar sind viele Trainer unfähig. Das Diplom oder die vielen Diplome C/B/A Diplom dann Ausbildung zum weitermachen für
    die Uefa Pro Lizenz sind für so einen Job als Trainer einer “Fussball Firma” untauglich. Es braucht echte Führungsqualitäten weil
    man muss nicht nur mit den Spielern umgehen können, sondern mit Medien und dem ganzem Vereinsumfeld. Mann ist der wichtigste Mann im Verein. Man bestimmt welche Gladiatoren welche Privat gehalten werden zum Einsatz kommen. Es ist also
    der Job welcher bestimmt ob das Investment im Gratisstadion gezeigt wird oder nicht. Zudem gibt es nur 10 Trainerstellen aber sicher gegen 100 welche die Diplome besitzen und mit Spielervermittler etc. unter einer Decke stecken. Wenn man Trainer eines
    Superlig Vereins wird ist man permanent gefährdet im Europäischen Wettbewerb zu spielen weil 4 Vereine plus Cupsieger spielen ja dort mit. Also die Chanchen sind 50% ob man was taugt oder nicht. Es ist ein streng reglementierter Markt. Schade eigentlich das ein bestimmtes Diplom für diesen Job notwendig ist eine Abschaffung dieser Regelung ist dringend angezeigt nur dann haben viele “Nieten” keine Jobgarantie mehr.

  4. Franz sagt:

    Die SL ist eine Fehlkonstruktion. Die SFL mit Herrn Isoz an der Spitze verlangen immer mehr Professionalisierung – Infrastruktur, Ausbildung, Sicherheit -, die Ausgabenposten der Clubs wachsen ständig. Das Gleichgewicht mit den erzielbaren Einnahmen ist schon lange verloren gegangen. Praktisch alle Clubs leben massiv über ihre Verhältnisse. Bei der 10er-Liga sieht man sich nach 2-3 Niederlagen abstiegsgefährdet. Erreicht man die Europa League als Minimalziel nicht, bricht Panik aus. Kurz: Die 10er-Liga hat sich in keiner Weise bewährt, zu Konkursen und Fast-Konkursen geführt und auch rein sportlich keine Weiterentwicklung gebracht. In der Challenge League siehts nicht besser aus. Dort wurden den Clubs Gelder versprochen, die nicht fliessen, weil z.B. die Ringier-Agentur immer noch keinen Sponsor gefunden hat! Biel muss wegen lächerlicher Liga-Vorschriften in Xamax spielen, vor 300 Zuschauern. Wohlen musste das Aktienkapital erhöhen und hat das höchste Budget aller Zeiten. Vereine mit durchschnittlich 1000 oder weniger Zuschauern können auf die Dauer keine Profimannschaften finanzieren. Bei alldem kommt die Integration von Nachwuchsspielern zu kurz oder findet nicht statt. In der ChL gibts Spieler aus Osteuropa, die für 3000 Fr./Monat spielen. Ist immer noch mehr, als sie dort verdienen könnten. – Die oberste Liga sollte auf 14-16 Mannschaften aufgestockt werden. Die Challenge League ebenfalls. Die neue 1. Liga Promotion kann man wieder abschaffen. Die bringt gar nichts ausser Kosten. Der Zuschauerschnitt liegt bei ca. 300, dazu kommen lange Reisen, dies bei Klubs, die mehrere Profis unter Vertrag haben.

    • Karin Meier sagt:

      Hallo Franz
      Du hast vollkommen Recht. Was auch noch stossend ist, dass viele Dinge die im Fussballclub Geld abwerfen zu Privaten
      ausgelagert sind. Wenn ein Spieler einschlägt ist er meistens Privat finanziert. Wenn er nicht so gut ist, gehört er dem Club.
      Läuft das Catering, betreiben es Private statt der Club. Kaum kommt man in den Dunst eines neuen Stadionprojektes sind
      auf einmal im Vorstand oder im Dunst des Vorstandes des Clubs sogennante “Bau Löwen”. Sicherheit bezahlt heute sowieso
      der Steuerzahler. Dito die Stadien. Die Mieten welche da den Clubs verrechnet werden sind lächerlich. Die Stadt Zürich lies
      sich ja erpressen als die Clubs FCZ und GC den Mietpreis um die Hälfte gedrückt haben. Die Trainer sind ja alles ehemalige
      Spieler welche mit den Spielervermittler verbandelt sind. Eine seriöse Clubführung ist gar nicht möglich, weil zu viele
      Interessen im Spiel sind.

  5. Roger sagt:

    IIch denke der Verfasser diese Artikel at recht.
    Wenn cc Geduld hätte, und weiter machen mit seine Trainer
    Werde Sion nicht nur erfolgreicher Cup Sieger , aber auch Paroli geben an Fc. Basel
    Schade fc Sion die Spieler sind da…
    Der Trainer wäre auch da
    Leider nur der CC ist zu ungeduldig, siehe mit Fournier!!!!! Er ist ausgerastet, ja das stimmt
    Aber andere Trainer können Sich mehr erlauben….

  6. Emil Gross sagt:

    Nach seiner sicher schweren Zeit, in der Herr Fringer keine Arbeit hatte, ging er voll motiviert und mit Elan und absoluter Begeisterung an die neue Aufgabe beim FC Zürich. Er musste teilweise mit Spielern arbeiten, die wahrscheinlich an ihren Gagen und an ihrem äusserlichen, körperlichen Erscheinungsbild mehr Interessen hatten und dafür auch mehr Zeit dafür investierten, als am beinhartem Training auf dem Fussballplatz….
    Das kann natürlich einem korrekten und seriös arbeitendem Trainer nicht gefallen und wenn er solches Uebel nicht abstellen kann, dann werden mit einer solchen Einstellung, auch nicht viele Punkte geholt.
    Und wenn ein Trainer auch in dieser Hinsicht vom Präsidenten keinen Rückhalt bekommt, dann steht er mit abgesägten Hosen da.
    Aber der absolute Hammer ist dann, wenn dieser peinliche und total unfähige Präsident noch hinter dem Rücken vom Trainer und Sportchef versucht, mit den Spielern zu reden. Und was man im allgemeinen von diesem “Präsidenten hört, kann das ja nicht sehr viel Sinnvolles gewesen sein…., aber manchmal ist es auch sehr komisch und beinah belustigend, was dieses Männchen so raus lässt……eigentlich ein tragischer Komiker…..ganz ungewollt….

    Auch wenn die Spieler vielleicht nicht die hellsten Köpfe sind, kann man ihnen eine gewisse Schlauheit nicht absprechen und so haben sie es natürlich sofort bemerkt, dass dieser Vorgang nur eine Schwächung des Trainers bedeuten kann.
    Sogar ein Ulli Hoeness macht das nur in Absprache mit dem Trainer. Und dann hat das aber eine positive Wirkung, nicht eine negative wie bei Herr Canepa. Eigentlich sollte man ja diese zwei Namen gar nicht in Verbindung bringen, denn dazwischen liegen Welten ! !

    Und, dass es bei solchen Vorgängen einem Trainer anfängt zu stinken, ist doch nur ganz normal..

    So lange dieser Präsident den FCZ nicht verlässt, so lange wird es mit diesem Club abwärts gehen.
    Denn seine Führung, sein Fachwissen und sein öffentliches Auftreten, ist etwas aus der untersten Schublade. Da können auch die Millionen seiner Frau, sein Ansehen – und vor allem das des FCZ nicht mehr nach vorne bringen.
    Es ist auch fast nicht zu glauben, dass ein Einzelner in so kurzer Zeit einen Club so beschädigen kann…., aber eigentlich ist er ja auch nicht alleine, er wird noch tatkräftig von seiner reichen Frau unterstützt, die mit ihrem ungkaublichen Zigaretten-Konsum auf der Tribüne, auch ein vorbildliches Bild, für die Jugend abgibt….aber es passt halt Alles zusammen!
    Sind sie nicht ein putziges Traumpaar….? ?…..;-)

    Ich möchte noch erwähnen, dass es bei den oben erwähnten Spielern, sicher ein paar löbliche Ausnahmen geben wird.
    Vielleicht sogar solche, die ihre Gage auch tatsächlich – und ehrlich verdienen…….

    • Keiser sagt:

      Bin auch kein Fan von Canepa aber dieser Beitrag ist beleidigend und ehrverletzend, wieso er hier erschienen ist muss halt der tagi verantworten.

    • Geoges Meier sagt:

      100% einverstanden mit diesem Artikel.

      @Keiser: Was soll hier ehrverletztend oder beleidigend sein? Was E. Gross hier schreibt sind einfach und ergreifend Tatsachen.

      • Henry sagt:

        Auch wer kein Fan von Canepa ist, die Behauptung, dass Herr Fringer voll motiviert an die Arbeit gegangen sei, führt sich selbst ad absurdum. Wer zu Vertragsbeginn erst mal 2 Monate Ferien abfeiert, statt dass er versucht die Mannschaft in die Euro-Leage zu führen, zeigt eine Arbeitsmoral,welche die Spieler dann ebenfalls übernehmen. Zudem sollte ein Präsident, welcher den Verein finanziert, mit den Spielern auch einmal Tacheles reden, nachdem dazu offenbar weder Trainer noch Sportchef fähig sind. Fringer hat mit seinen ewigen Ausreden der Mannschaft immer wieder ein Alibi gegeben und der FCZ ist nicht der erste Verein bei dem er in den letzten Jahren entlassen wurde.

  7. Auguste sagt:

    Hmm…,das Schlüsselwort im Trainergeschäft ist: Gefolgschaft. Gehen wir einmal davon aus, dass alle Trainer gemäss ihrem Diplom in etwa das selbe technische Rüstzeug haben, bleibt als wesentlicher, bestimmender Faktor die Führungsqualitäten eines Fussball-Lehrers. Und darüber können die Meinungen zwischen zelebrierter Vertragsunterzeichnung und beschämender, vorzeitiger Auflösung des Selben ziemlich weit auseinandergehen. Entscheidender als die Meinung – lassen wir mal den Sonderfall Sion beiseite – ist aber die unbestechliche Wahrheit der Tabelle. Im Fussball sagen letztlich die Punkte alles aus.

    Wein oder Wasser ist Wurscht. Die Punkte zählen und nichts anderes. Sie öffnen das Tor zu neuen Welten. Spielern winken grössere Bühnen, Trainern besser bezahlte Bänke und Präsidenten tieferer Schlaf durch ein weicheres finanzielles Polster.
    Wenn aber die Spieler spüren, dass mit ihrem Trainer kein Entkommen aus den Provinz-Tingeltangelarenen absehbar ist, dann kann die Stimmung schnell mal umschlagen. Punkteprämien sind nicht zu verachten bei den heutigen Sprit- und High Heels-Preisen. Bleiben sie ganz aus, muss es zwangsläufig am Trainer liegen, denn Facebook und Twitter haben die Stars längst unantastbar gemacht (Anmerk. des Autors: Schönbi ist kein Star.). Wo bei Missererfolg sonst Zweifel herrschen, ist es im Fussball sonnenklar: Der Trainer ist Schuld.

    Jetzt schlägt die Stunde der Chaoten. Die Präsidenten müssen handeln – noch einmal, in Sion handelt der Präsident auch ohne Krise, Sie wissen schon: Sonderfall. Der Trainer muss weg, ob aus gutem Grund – da findet sich nachträglich immer einer – oder weil er einfach einen Vogel hat. – Egal, Hauptsache weg. Danach geht es wieder von Neuem los – neuer Trainer, neues Glück. In Sion bedeutet das – neuer Trainer, selbe Misere ein paar Wochen später. Aber im Wallis werden Diebe auch Polizeikommandanten oder gar FDP-Exekutivkandidaten. Das ist fast schon ein anderer Planet dort unten.

    Nun war die Reihe also wieder am FCZ-Präsi und -Ueberfan Canepa. War der Umbruch schon im letzten Winter massiv, hat er jetzt noch einmal einen draufgesetzt. Alle Achtung, radikaler gehen sonst nur Dreijährige zu Werke, wenn sie genug haben vom Klötzliturm vor ihnen. Der FCZ steht vor dem Derby an der Stunde Null. Canepa hat alles zerschlagen – Stalin hätte es nicht besser hingekriegt – und die ganze Macht und Verantwortung auf seine Schultern geladen. Wenn das mal gut geht. Ich wünsche ihm Glück – was soll ich als FCZ-Anhänger sonst auch tun – und ein glücklicheres Händchen mit dem nächsten Uebungsleiter. Die Mannschaft sollte er einfach als verdiente Strafe für fehlende Weitsicht akzeptieren. So ist eben das Leben und Leiden eines Fussballfans.

    • mikkesch sagt:

      Keine Mannschaft kann ohne Moral bestehen. Nur, es gibt keine gute Moral ohne Trainer. Also kann nur ein Trainer der Mannschaft einen sicheren Halt geben. Nur der FCZ ist wie ein Schiff ohne Kompass. Ein solches kann sich weder über seinen Weg vergewissern, noch kann es hoffen, in den Hafen einzufahren. Als FCZ-Anhänger, dass über 40 Jahren schon, muss feststellen, der Club ist Republik – einzelne streben empor und die Führung drängt sie zurück.
      PS: Auguste, ich mag Ihre Kommentare, auch in anderen Blogs. Ein Bier an der Theke wäre angesagt, oder?

  8. DK sagt:

    Murat Yakin hatte recht, als er früher mal die Liga als “Gurkenliga” bezeichnet hat. Auch wenn er jetzt selber Teil davon ist … die 10er-Liga hat übrigens nicht nur zur Folge, dass man nach 2-3 Niederlagen in akuter Abstiegsgefahr ist. Umgekehrt braucht es auch wenig, um vorne dabei zu sein, und dann hat man sofort das Gefühl, in Zukunft regelmässig in der Champions League zu spielen … siehe FCL.

  9. Beat Bugmann sagt:

    Der Artikel spricht mir aus dem Herz. Die Vereine haben keine Geduld und zeigen wenig Souveränität im Umgang mit “Krisensituationen”. Vor allem lassen sie einen wichtigen Erfolgsaspekt aus den Augen, nämlich die Kontinuität. Sehr oft fehlt es an der nötigen Fachkompetenz bei den Geldgebern und Verwaltungsräten und dann führen sich diese Leute auf wie kleine Kinder. Das eigene Ego kommet dann zum Vorschein. Meistens bringen sie Erfahrung mit aus der Privatwirtschaft. Diese lässt sich aber nicht eins zu eins auf den Fussball übertragen.
    Ihre Aufgabe wäre ja eigentlich, ein Umfeld zu schaffen, dass ein erfolgreiches Handeln ermöglicht. Sehr schnell aber verlieren sie die Geduld und das Vertrauen in ihr Personal und mischen sich in den Kompetenzbereich des Trainers oder Sportchefs ein und schwächen deren Stellung nachhaltig. Die Spieler spüren das und verhalten sich dementsprechend.
    Ancillo Canepa ist das beste Beispiel, wie man ein Erfolgsmodell systematisch zerstört. Auch Basel hat mich mit der voreiligen Entlassung von Heiko Vogel massiv enttäuscht. Aber da war wohl schon lange die Absicht vorhanden, Murat Yakin zu engagieren – und die Gelegenheit war günstig. CC ist für mich sowieso ein rotes Tuch. Sein Handeln sucht seinesgleichen und ist schlicht dumm. Mit dem finanziellen und spielerischen Potential wäre Sion schon längst mehrfacher Meister.
    Da lobe ich mir einen Hannes Keller vom FC Winterthur, der zeigt dass es auch anders geht. Mit relativ geringen Mitteln, ist da etwas gutes Werk am reifen. Er sucht im Misserfolg nicht gleich einen Schuldigen, sondern steht zu seinem Trainer, der nach wirklich schlechten Zeiten jetzt eine gute Saison hinlegt.
    Und die geschassten Trainer hatten überall mal Erfolg, sind ausgewiesene Fachleute. Da hätten sie auch mehr Unterstützung in schwierigen Zeiten verdient.

  10. Matthias sagt:

    Die Superleague ist nicht so schlecht, wie sie oft gemacht ist. Die Trainer sind’s auch nicht. Dass es Trainerentlassungen gibt, gehört zum Geschäft. Hier in der Schweiz und überall, wo Fussball gespielt wird. Entlassungen wird es jedes Jahr geben. Dass es diese Saison so viele sind, kann halt vorkommen. Da jetzt gerade eine grosse Geschichte draus zu machen, ist wohl die Aufgabe der Medien. Wäre das über Jahre so wie dieses Jahr, dann müsste man sich wirklich Gedanken machen. Aber wegen einem Jahr?
    Im Übrigen sind die Entlassungen nicht die Folge davon, dass die Trainer schlecht wären. Denn viele Trainer haben ja bei andern Clubs einen sehr guten Job erledigt und bei einem anderen Club läuft es dann plötzlich nicht mehr so rund. Da stimmt dann vielleicht auch die Chemie zwischen Trainer und Spieler, oder Clubführung nicht. Dann trennt man sich besser! Denn ist z.B. Challandes ein guter oder schlechter Trainer. Bei Zürich war er mal der Grösste, dann war er plötzlich nicht mehr gut genug! Bei Thun war er anfangs auch gut und jetzt soll er plötzlich schlecht sein?
    Nein, die Trainer sind nicht schlecht. Und alleine an den Spielern liegt es auch nicht. Ich meine es liegt meistens ganz einfach daran, dass es nicht mehr zusammenpasst. Auf welcher Ebene auch immer! Aber natürlich ist auch fehlende Geduld oft ein Grund, ober Erwartungen der Clubführung und auch der Fans, die geradezu illusorisch sind.

  11. Alfred Schmid sagt:

    Natürlich sagt man, der Fisch stinke vom Kopf her, aber, welcher normale Arbeitnehmer kann sich eine solche Arbeitshaltung leisten wie viele der hochbezahlten “Stars”? Warum müssen wir normalen Steuerzahler mit aufkommen für Ordnungsdienste und Schäden der sogenannten “Fans”? Müsste ein Fussballklub funktionieren wie ein normaler Betrieb, sähe die Sache ganz anders aus.
    Da aber alle den Scheiss mitmachen und jeden Preis bezahlen auch für schlechte C-Spieler mit einem übersteigerten Selbstwertgefühl wird sich nie etwas ändern. Brot und Spiele eben.

  12. Beat sagt:

    Wenn auch Zweifel an der 10-er Liga bestehen ist doch ersichtlich dass sie sich in der Schweiz bewährt hat.
    Wenn von der Tableauhälfte aus gesehen das Abstiegsrisiko so gross ist wie die Chance weit nach vorne zu kommen, bringt das die Spannung wovon der Sport lebt.
    Gratis – Punkte für die Favoriten auswärts beim permanenten Abstiegskandidaten bringen nicht viel.
    So ist auch die Verkleinerung der ChL auf 10 Teams ohne weiteres nachvollziehbar.
    Der Kampf um Positionen in der Tabelle stellt zwar in der Tat besondere Anforderungen in der Konstellation, aber diese Leute haben auch besondere Gehälter. Es ist als Beispiel fraglich wie viel Sinn es machte für Thun die Saison mit jemand zu starten der gar nicht fertig kommen konnte mit überlegen ob es für IHN noch Sinn macht. Von aussen und nach Gesichtspunkten der Organisationsentwicklung beurteilt konnte das gar nicht gut kommen.
    Als anderes Beispiel in Luzern: Das Zusammenspiel Trainer / Sportchef dürfte eine Rolle gespielt haben. Auch hier wurde der Grund zum Abgang letztlich durch einen früheren Personalentscheid vorbereitet. Sonderfall Sion? Schon, aber wenn die Personalverantwortlichen der anderen Klubs sich so weiterentwickeln wie bisher, wird das immer mehr zum Normalfall.

  13. Kraft sagt:

    Ich sehe das Problem nicht. Im Vergleich mit ähnlichen Ligen in Europa (Österreich, Schottland, skandinavische Länder, Belgien, Rumänien) steht die RSL doch ganz gut da, und zwar sowohl in Bezug auf die Leistungsfähigkeit und -dichte der Teams als auch der Kompetenz der Trainer und Professionalität der Vereinsstrukturen. Wer sich natürlich immer mit BuLi, PL, PD. Ligue 1 und Serie A vergleicht, wird zwangsläufig an Frustrationen leiden. Nötig ist das nicht. Gesund auch nicht. Ich mag unsere Liga und den Fussball, den sie bietet, erratische Präsidenten hin oder her.

    • Franz sagt:

      An der Kompetenz der Trainer liegt es wohl am wenigsten. Wir Schweizer haben die Tendenz, Länder wie Österreich oder Belgien nicht ganz ernst zu nehmen im Fussball – ein Irrtum. Auch die Skandinavier sind fussballerisch absolut auf unserem Niveau, oder eher darüber. Viele skandinavische Clubs kennen das Halbprofitum, was dem Niveau nicht abträglich ist. Früher oder später wird das auch bei uns ein Thema sein für einige Clubs. Wenn man sich die Budgets von Sion, FCZ oder YB vor Augen führt und das Gebotene anschaut, kann etwas nicht stimmen. Auch Luzern gehört bald in diese Kategorie. Die Spielersaläre sind viel zu hoch. Es fehlt an Demut, Bescheidenheit und Respekt. Der FCZ ist ein gutes Beispiel dafür. Bei Sion ist es ähnlich, dort wird die Charakterlosigkeit ganz oben vorgelebt. Die SL in der heutigen Form hat für mich keine Zukunft. Immer weniger Mäzene werden bereit sein, die Löcher am Schluss zu stopfen.

      • Kraft sagt:

        Richtig, deshalb brachte ich auch genau diese Ligen als Vergleichsgruppe, weil sie eben ungefähr gleich stark sind wie unsere. Bezüglich Budget-Effizienz und Mäzenatentum bin ich vorsichtig. Das sind Momentaufnahmen, welche sicherlich unglücklich sind, aber es gab auch schon in den 90er Jahren Präsidenten, die nur à fond perdu Geld eingeschossen haben (Hotz, Spross, Gut, Gerber, Constantin der 1. etc.) und die Liga hat trotzdem überlebt. Die Spielersaläre und -charaktere sind halt das Produkt der Kommerzialisierung und des Bosman Urteils. Keine Ahnung wie sich das entwickeln wird. Vielleicht wird die ökonomische Krise ja zur grossen Korrektur. Financial Fairplay und rigide Finanzpolitik in europäischen Staaten könnten durchaus wieder nivellierend wirken. Für unsere Liga wäre das bestimmt nicht schlecht.

  14. algren sagt:

    Was macht eigentlich den Erfolgstrainer aus? Vogel und Fischer waren m.E. nur deshalb eine Zeitlang erfolgreich, weil sie eine gut auf- und eingestellte Mannschaft vom jeweiligen Vorgänger “erben” konnten… dass es auf lange Sicht bergab gehen würde, war absehbar. Umgekehrt haben Typen wie Yakin und Favre (oder Hitzfeld, ein Meister in dieser Disziplin) offenbar die Cleverness, eine neue Mannschaft just in dem Augenblick zu übernehmen, da es nur noch aufwärts gehen kann. Springen sie dann im richtigen Moment wieder ab, gelten sie als Erfolgstrainer (Yakin hat in Luzern diesen Moment ebenso verpasst wie Favre zuvor in Berlin.. passiert ihnen dasselbe nochmals, ist der Ruf des Erlogstrainers dahin) Der Einfluss des Trainers auf eine Mannschaft kann immer nur von beschränkter Dauer sein, ist er dann verpufft, brauchts neue Spieler oder einen neuen Trainer, manchmal beides. (Vereine wie Bayern München können sich das leisten, FCZ und YB eher nicht) Die vielen Wechsel auf der Trainerbank sind Teil des Geschäfts und gehören zum Beruf des Trainers.

  15. Schilling Peter sagt:

    Ich sehe es eher umgekehrt:
    anfangs Saison wird Wein gepredigt, aber dann leider nur Wasser getrunken 🙂

  16. Rene R. Meier sagt:

    Einige Schreiber checken offenbar nicht, worauf es ankommt. Herr Canepa bringt Geld (von Sponsoren und eigenes). Und Monsieur Consantin bringt auch Geld; er ist durch seine Berufsarbeit zum Multimillionär geworden (auf der Liste der 300 reichsten Schweizer). Und da kommt der Forumschreiber Bugmann und bezeichnet ihn als “dumm”.

    • Kraft sagt:

      Constantin ist bestimmt nicht dumm, er ist exzentrisch. Das ist auch sein gutes Recht. Allerdings ist es schon fraglich, ob a. sein Schaffen nachhaltig ist für den Walliser Fussball und b. er sein Geld nicht etwas effizienter hätte einsetzen können. B. werden wir wohl nie beantworten können und zu a. müssen wir einfach hoffen, dass sein Abgang weniger destruktiv sein wird als in seiner ersten Amtszeit. Wäre schade um einen Traditionsverein wie Sion.

  17. Marco Affolter sagt:

    Merke: in der Schweiz auf dicke Hose machen kommt schlecht an. Russische Oligarchen mit Pelzmantel und Zigarre, Limousine und Chauffeur dienen da quasi als klischiertes Feindbild. Nein, Millionäre, die in der Schweiz akzeptiert werden wollen tun gut daran, auf “einfacher Mann” zu machen. Das gilt nicht nur im Fussball, wo Canepa und Hotz auf Büezer machen. Nein, auch im Eishockey, wo der hemdsärmelige Frey die Fäden zieht. Aber auch in der übrigen Wirtschaft gibts genügend Beispiele sogenannt volksnaher Millionäre. Vielleicht brauchen die Schweizer auch einfach die Illusion des Arbeiterclubs zwecks besserer Identifikation mit dem Brand. Und Leute wie Canepa sind angewiesen auf eben diese Fans. Und so sind wenigstens beide Seiten glücklich :-)))))….

  18. Geni Meier sagt:

    Fussballfreunde, die guten Meisterschafts- Fussball sehen wollen, schauen sich direkt oder am TV die Spiele der Bundesliga, in Italien und England an. In der Bundesliga sieht man wöchentlich die Interviews mit aufgeblasenen Präsidenten und Funktionären. Und die weisen Sprüche der Trainer. Solches Theater steckt an. Auch als Präsidenten, Funktionäre und Trainer, führen sich die Herren neuerdings bei uns auf, als wäre die Superleague vergleichbar mit Spitzenfussball. Fussball-Banausen von Präsidenten imitieren die “Grossen” und entlassen grossem Tam-Tam die Trainer. Sich selbst stellen sie sich nie in Frage. Allerdings ist es gerechtfertigt, Personaländerungen durchzuführen, falls die Saisonzielsetzung nicht erfüllt wird. Wie in einem Unternehmen auch. Aber bitte nicht nach 4 oder 5 Spielen und nicht zwecks Profilierung – und mit Anstand und gegenseitigem Respekt.

  19. Johnny Mathis sagt:

    Diese Fussballclubs sollen doch alle einmal ein Beispiel am HCD nehmen wo seit Jahen auf denselben Trainer setzt und zwar mit eher groesserem als kleinerem Erfolg. Man hat sich somit viel an Abgangentschaedigungen und juristischen Ausgaben gespart. Die halten auch mal zu ihrem Trainer wenn es nicht gerade rund laeuft, aber ueber die Jahre gesehen sind sie damit bestens gefahren. Mein Respekt vor diesem Ausnahmeclub, wenn es auch kein Fussballclub ist, aber das Prinzip ist ja das gleiche.

  20. H.P. sagt:

    Jeder bekommt was er verdient…! Die Spieler den Arbeitgeber, die Clubs die Zuschauer und der Trainer – die Quittung. Aber mit welcher Sünde einige Vereine ihre Präsidenten (und in Einzerfällen auch deren Ehegattinnen …) verdient haben… das werden wir wohl erst einmal im Himmel erfahren …!

  21. bruno sagt:

    Ich meine, diversen Clubchefs fehlt es an Sachverstand. Dafür scheinen andere Elemente im Überfluss vorhanden zu sein: Geld und der Drang der Selbstinszenierung. Wie ist es wohl zu erklären, dass ein erwachsener Mensch, der durchaus rechtmässig zu seinem Vermögen gekommen ist, in diese Gurkenliga Geld investiert, noch dazu mit dem Hintergedanken, dieses zu vermehren. Und dann noch ein Aspekt: Was sich in den Schweizer “Arenen” an 2.-klassigen ausländischen “Stars” tummelt ist echt inflationär.

  22. Alain Baumann sagt:

    Eigentlich kann sich kein Schweizer Verein eine Trainerentlassung leisten. Wir müssen erkennen, dass wir eine Ausbildungsliga in der haben – und in solchen Ligen benötigt man Geduld und langfristige Pläne. Die SL ist mit der Schottischen oder der Dänischen Liga zu vergleichen. Mehr nicht und das soll man bewusst akzeptieren. Die einzige Legitimität der Schweiz, für willkürliche Aktionen hätte nur Christian Constantin: Er ist der einzige Präsident, welcher über fussballerischen Sachverstand verfügt. Alle anderen sind sportlich gesehen nicht tragbar und es ist immer gefährlich, wenn man nichtwissende ans Ruder lässt.

  23. Biddy sagt:

    Wenn Fussball-Clubs wie normale Firmen geführt würden, wären die Meisten eh schon kaputt. Was in diesem Geschäft an Geld verbrannt wird ist obszön. Aber die gescheiten Fans zahlen ja dafür, mit Abos und Merchandise. Und die Medien bieten die Plattform für die publicity-geilen Besitzer. Nicht gesund, schon gar nicht für den Sport an sich.