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Überholt von den Kirchenmäusen

Mämä Sykora am Montag den 26. November 2012
Le joueur vaudois Gabriel Garcia de la Torre "Gabri", 2eme gauche, laisse eclater sa joie apres avoir marque le premier but avec le joueur vaudois Salim Khelifi, 2eme droite, a cote de la deception des joueurs bernois Matias Vitkieviez, gauche, et Alexander Gonzalez, droite, lors de la rencontre de football de Super League entre le FC Lausanne-Sport, LS, et le BSC Young Boys ce dimanche 25 novembre 2012 au stade Olympique de la Pontaise a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Teams mit bescheidenem Budget ziehen an den reicheren Clubs vorbei: Der Lausanner Gabriel Garcia de la Torre (2. v. l.) feiert seinen Treffer gegen YB, 25. November 2012. (Keystone)

Lausanne steht auf Platz 5 der Super League. Zwar mit beträchtlichen 14 Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze, aber schon mit doppelt so vielen Punkten wie Schlusslicht Servette. Lausanne operiert mit einem Budget von ca. 6 Millionen Franken, kann fast nur ablösefreie Spieler holen oder Leihgeschäfte tätigen und hat den zweittiefsten Zuschauerschnitt der Liga. Und doch stehen die Waadtländer in der Tabelle vor YB, dem FCZ und Luzern. Das darf es eigentlich nicht geben.

Die genannten Vereine geben pro Jahr ein Vielfaches für ihr Fanionteam aus und schaffen es dennoch nicht einmal, besser dazustehen als ein zusammengewürfelter Haufen von fussballerischen Restposten, wenn man es etwas böse formulieren würde. Dass viele Schweizer Vereine Jahr für Jahr ihre Ziele nicht erreichen, ist nichts Neues und gehört auch zum nun mal nicht kalkulierbaren Fussballgeschäft. Aber was die Tabelle uns derzeit präsentiert, ist dann doch noch ein ganzes Stück weiter als nur «die Ziele nicht erreicht». Da sind Mannschaften, die sich mit dem FCB um den Titel duellieren oder zumindest europäisch spielen wollten, noch hinter den Kirchenmäusen vom Lac Léman platziert, mit bereits absurdem Rückstand auf die Spitzenplätze.

Die ambitionierten Schweizer Vereine machen es den Underdogs aber auch wirklich besonders leicht. Der FCZ etwa wartet weiterhin verzweifelt auf einen Aufschwung wie damals unter Lucien Favre. So ratlos wie sich die Zürcher am Wochenende beim 0:2 gegen den Tabellenletzten aus Genf präsentierten, so wirkt mittlerweile auch Rolf Fringer. In fast jedem Spiel versucht er eine neue Taktik – einmal fast nur weite Bälle, dann wieder versuchtes Kurzpassspiel wie zu Zeiten Favres –, der Erfolg bleibt stets derselbe. Ob er seinen Job angesichts der Leistungen in Gefahr sehe, wurde Fringer von SF gefragt. Er habe andere Dinge zum Überlegen, es sei ihm eigentlich egal, entgegnete der Österreicher. Zuversicht sieht anders aus.

Egal ob Fischer, Fringer oder schon wieder jemand anders, die Probleme werden die gleichen bleiben. Nämlich dass Ambitionen und Realität weit auseinander klaffen. Beim FCZ gibt es derzeit keine «Goldene Generation» wie jene um Inler, Dzemaili und Abdi. Nach dem Exodus geblieben sind diejenigen, die es nicht weggeschafft haben, ergänzt mit Neuzuzügen, die man sich leisten konnte, und die dennoch gleich vom Fleck weg eine Schlüsselposition einnehmen hätten sollen. Und natürlich auch gleich noch die Mannschaft in den Europacup schiessen. Dass das nicht gehen kann, müsste eigentlich jedem klar sein. Der FCZ hätte nach den vielen Abgängen die Chance auf einen richtigen Neuanfang gehabt, er ist aber in der Hälfte stecken geblieben und steckt deshalb nun in der totalen Krise.

Ähnlich sieht es bei YB aus. Für die Berner, so scheint es, ist die Super League unter ihrer Würde und lediglich ein lästiges Pflichtprogramm. Nicht Lausanne und Thun sollten die Gegner heissen, sondern Udinese und Liverpool. Raúl Bobadilla sprach nach dem Europa-League-Triumph über die Italiener davon, dass der Europacup nun mal eine andere Motivation sei und man da mehr gebe. Das wäre ja schön und gut, wenn man denn mit normalem Einsatz in der Super League gut abscheiden wurde. Nur verlor man eben erst gestern selbst gegen den Zwerg Lausanne und wurde auch gleich von ihm überholt. Fast schon grotesk angesichts der unterschiedlichen Ambitionen dieser beiden Vereine.

Mit dem aktuellen Super-League-Format wären alle Voraussetzungen gegeben, um einigermassen langfristig zu planen und auch einige dürftigere Saisons zu überleben. Es gibt keine Abstiegsrunde mehr, ja nicht einmal mehr ein Relegationsspiel. Nur der Letzte steigt ab, ein paar wenige schaffen es in den Europacup und der Rest spielt im Niemandsland. Und dennoch trauen sich die finanzkräftigsten «Herausforderer» von Basel nicht, konsequent einen Weg zu gehen. Weder die riskante Version «Totalangriff», die mit grossen finanziellen Risiken verbunden ist, noch die Variante «Neuaufbau», mit der man eine Dürreperiode in Kauf nehmen muss. Alle wählen etwas irgendwo zwischendrin und wundern sich dann, wenn man die Ziele bei Weitem nicht erreicht. Während Vereine wie Lausanne, GC oder St. Gallen mit bescheidenen Budgets und Ambitionen in der Tabelle vorbeiziehen…

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