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Plädoyer für Leoni

Thomas Renggli am Montag den 13. September 2010


Der FCZ kann nach dem 3:1 in Thun der Fortsetzung der Meisterschaft gelassen entgegenblicken. Mit dem vierten Saisonsieg hat er sich in der Spitzengruppe etabliert. Wer den Match gesehen hat, dem wurde schnell klar: Die individuellen Leistungen deuten darauf hin, dass im Letzigrund eine vielversprechende Gruppe zusammenwächst. Die jugendlichen Aussenläufer Koch und Rodriquez bringen frischen Wind und Tempo ins Spiel, im zentralen Mittelfeld ist Kukuruzovic ein grosses Versprechen. Und im Sturm hat der Tunesier Amine Chermiti seine spielerische Klasse und läuferische Eleganz erstmals demonstriert. Mit zwei Assists und einem Tor war er der Machtwinner.

Und trotzdem sieht sich Trainer Urs Fischer mit einer grossen Baustelle konfrontiert – einer, die er selber geschaffen hat, die das neue Glück im Stadtklub akut gefährdet. Die Rede ist von der Torhüterposition. Aufgrund seiner WM-Teilnahme hat der langjährige Stammkeeper Johnny Leoni den Grossteil der Vorbereitung verpasst. Es war deshalb legitim, dass Andrea Guatelli, die stets loyale Nummer 2, zum Saisonbeginn den Vortritt erhielt. Spätestens nach dem Auftritt im Berner Oberland ist nun aber eine Situationsanalyse angesagt – und die kann nur zu einem Schluss führen: Guatelli – physische Präsenz hin, Ausstrahlung her – ist mehr Sicherheitsrisiko als Lebensversicherung.

Trotz seiner hünenhaften Gestalt (197 cm) offenbart er bei Standardsituationen und Flanken beängstigende Schwächen – eine Tatsache, die beim Stadtklub eigentlich bekannt sein müsste. Schliesslich hatte Guatelli schon zu Beginn der vergangenen Saison (als Leoni verletzt war) seine Chance erhalten. Nach dem verkorksten Meisterschaftsstart und dem Debakel im Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Maribor (mit Guatelli als tragisch-komischem Hauptdarsteller) zog der damalige Trainer Bernard Challandes aber die Notbremse und stellte die alte Torhüter-Hierarchie wieder her.

Fortschritte sind seither bei Guatelli nicht zu erkennen. Der Italiener schafft es kaum einmal, einen hohen Ball unter Kontrolle zu bringen, sondern interveniert praktisch immer mit den Fäusten. Das sorgt für unberechenbare Querschläger und verunmöglicht einen kultivierten Spielaufbau schon im Ansatz. Nicht Guatelli, sondern ein anderer italienischsprechender Wettkampfteilnehmer hielt die Zürcher in Thun auf Erfolgskurs – der deroutierte Schiedsrichter Massimo Busacca mit seinen kurzsichtigen Assistenten.


Guatelli patzt gegen Maribor.

Es ist aus FCZ-Sicht zu hoffen, dass Urs Fischer genauer hingeschaut hat als das Schiedsrichter-Trio. Dann wird er bis zum nächsten Meisterschaftstermin – am übernächsten Samstag zuhause gegen Basel – nicht darum herumkommen, die Goalie-Frage neu zu stellen. Dass Leoni mit seinen ständigen Abwanderungsgedanken auf dem Letzigrund Sympathien verloren hat, darf nicht das Hauptthema sein – auch nicht, dass er punkto Charisma im Schatten von Guatelli steht. Nur die sportlichen Fakten dürfen zählen: Und die sprechen eindeutig für Johnny Leoni.

Der 26-jährige Walliser ist der erfolgreichste FCZ-Goalie seit dem legendären Karl Grob. Er wurde dreimal Meister und gehörte in der vergangenen Rückrunde zu den wenigen Spielern der Mannschaft, die nicht komplett den Boden unter den Füssen verloren. Sein WM-Aufgebot war kein Zufall. Dass ihm nun in Zürich aber ausgerechnet der Abstecher nach Südafrika zum Verhängnis werden könnte, ist schon fast absurd und steht im krassen Widerspruch zum Leistungsgedanken, der im Spitzenfussball eigentlich gelten müsste.

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12 Kommentare zu “Plädoyer für Leoni”

  1. h.ackermann sagt:

    Absolut meine Meinung. Guatelli ist zwar gross, aber oft sehr unsicher. Wobei: Leoni hat sich mit seinen bekannt gewordenen Abwanderungsgelüsten auch keinen Gefallen getan.

  2. fred solenthaler sagt:

    Die Zeit von Leoni beim FCZ ist vorbei. Der Walliser wirkt unzufrieden, kommuniziert schwach. Er soll sich einen neuen Klub suchen. Die Zeit mit ihm war okay. Doch ein Comeback von Leoni bringt nichts. ist vorbei.

  3. Geoges Meier sagt:

    Ich finde es erstaunlich, wie die Leistung des FCZ in diesem Beitrag gutgeschrieben wird. Einmal mehr war der FCZ nicht in der Lage das Spiel zu machen oder den Gegner zu dominieren. Der Sieg kam – einmal mehr – dank einer guten Chancenauswertung und Fehlentscheidungen der Schiedsrichter zustande. Beim FCZ ein Problem auf der Torhüterposition zu suchen halte ich geradezu für Paradox.

    • nödganzneutral sagt:

      “…und Fehlentscheidungen der Schiedsrichter zustande.”
      Na klar die gemeinen Schiedsrichter!! (hört sich nach Basler an) Einmal lässt er denn FCZ aus dem Cup fallen, ein anderes mal gewinnt man dank ihm (nur dank ihm) gegen Thun… Leider passiert das so ziemlich allen Mannschaften…
      Und apropos Guatelli schon vergessen seine Traumhaften Paraden in dieser Saison?? Und extreme Flops sind uns zum Glück erspart geblieben.

      • Geoges Meier sagt:

        Danke der Verdächtiungen, Unbekannter, aber ich bin nicht Basel Fan sondern Zürcher. Ich habe nicht geschrieben das der FCZ dauerhaft von Fehlentscheidungen der Schiedsrichter profitiert aber im Spiel gegen Thun so war wird wohl keiner bestreiten. Auf was du mit Guatelli anspielen willst kann ich leider nicht ganz nachvollziehen?

        • ysa17 sagt:

          Gegen Thun spielte für einmal der schiedsrichter mit und auch im Abschluss waren wir effizient!
          Aber wir hatten Thuen abgesehen von den 15 Startminuten und 15 Minuten nach dem Anschlusstreffer im Griff!
          Guatelli spielte schwach aber auch Leoni hatte nicht immer seinen besten Tag!
          Und wegen den Fehlentscheidungen wir kriegten diese Saison schon 3 irreguläre Tore…

  4. fcz_fan sagt:

    Guatelli hat die Chance mehr als verdient. Und jetzt braucht es noch etwas Geduld. Der Mann wird sich steigern und uns noch viel Freude machen.

  5. Marc Sommer sagt:

    Ein neuer richtig guter junger Torhüter muss her.
    Guatelli, ist ok als nummer 2 , aber niemals eine Nummer eins.
    Seine Faustabwehr ist wirklich schlimm und bereitet mir immer wieder grosse Angst, beim zuschauen.

    Und Jonni soll gehen…

    Also ein neuer soll her

  6. Jean Muller sagt:

    Leoni hat sich selber ins Offside gestellt. Er wollte weg – nur will ihn keiner… Pech gehabt! Dass Leoni schlussendlich mit zur WM gefahren ist, ist wohl eher Zufall. Besonders aufgedrängt hat er sich ja nicht. Auch er hat in der CL einige Flops produziert.

  7. Etienne Grafenried sagt:

    Thomas Renggli sieht das Goali-Problem – wenns denn eins gibt – beim FCZ aus falscher Perspektive. Leoni wie Guatelli machen Fehler. Leoni ist viel zu zögerlich, bis der weiss, ob er den Ball halten oder vorbeilassen will oder wohin der Auswurf, Abkick gehen soll, vergehen Stunden. Der über Jahre gleiche Goali-Trainer (Martin Brunner) bringt die Jungs auch nicht weiter. Mal ein Torhütertraining bei einem anderen Club, evtl. im nahen Ausland, könnte Wunder wirken.

  8. Jaroslav Mersault sagt:

    @ Herr Meier: Vielleicht sollten sie einen Artikel zuerst lesen, bevor sie eine Antwort schreiben. Schliesslich steht darin klar, dass mit Hilfe eines anderen Italieners (Herr Busacca) gewonnen wurde.

    Ich habe den Wechsel von Anfang an nicht verstanden. Guatelli strahlt wenig Sicherheit aus und ist nicht der Rückhalt, den Leoni verkörpert. Weiss echt nicht, was das Ganze soll, habe da auch so meine Zweifel an Fischer.
    Vielleicht ist da auch wieder so was Krankes wie bei Abdi im Busch. Auf alle Fälle ist es auch keine
    Art, mit so einem verdienten Torhüter umzugehen. Gefällt mir schlicht und einfach nicht, das alles.

  9. David Mugglin sagt:

    Gute Kolumne, das Mariborspiel hier zu erwähnen ist unnötig und boulevardesk – das haben sie nicht nötig Herr Renggli.
    Übrigens ist es durchaus möglich ein Eckballtor als Torwart zu kriegen ohne Schuld zu bleiben. Es gibt hier nur 2 Fehlerquellen: die Eckballentstehung überhaupt und Margairaz Schlafmützigkeit am zweiten Pfosten. Guatelli dagegen trifft keine Schuld.