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Doppelpack für die Hoffnung

Mämä Sykora am Donnerstag den 16. August 2012
Nutzt lieber die Chance zum Abschluss als zu dribbeln: Mario Gavranovic. (Bild: Keystone)

Nutzt lieber die Chance zum Abschluss als zu dribbeln: Mario Gavranovic. (Bild: Keystone)

Es war zwar nur eines jener Freundschaftsspiele gestern gegen Kroatien – und was von deren Aussagekraft zu halten ist, ist hinlänglich bekannt –, aber dennoch gibt die Partie Anlass zur Hoffnung für Fans der Schweizer Nati. Grund dafür ist nicht mal unbedingt der Sieg, denn dazu waren die Kroaten zu lustlos und zu harmlos, als dass man sich darauf etwas einbilden könnte, sondern eher die Art und Weise, mit der Mario Gavranovic zu seinen zwei Toren kam.

Denn der Sturm ist wohl die grösste Schwachstelle von Hitzfelds Mannschaft. Alles lastet auf den Schultern von Eren Derdiyok, der zwar zuletzt gegen Deutschland auftrumpfte, der aber auch vor einer schwierigen Saison steht. Bei Hoffenheim trifft er auf einen neuen Trainer, der sein Team derart umgestellt hat (bzw. umstellen hat müssen), dass das Magazin «11 Freunde» in seiner Saisonprognose die Kraichgauer auf einem Abstiegsplatz sieht. Zudem bekam Derdiyok im Sturm Konkurrenz: Für 8 Millionen Franken holte Babbel seinen Wunschspieler Joselu, auch U21-Nationalspieler Kevin Volland ist nach einem Leih-Jahr bei 1860 München mit stolzen 24 Skorerpunkten zurück in der Mannschaft. Eine Stammplatzgarantie wird der Basler unter Markus Babbel auf keinen Fall haben.

Die bange Frage für die Nati musste also zwingend lauten: Was, wenn Derdiyok nicht auf Touren kommt? Was, wenn er sich verletzt? Seine potenziellen Stellvertreter glänzen nicht eben mit aufsteigender Formkurve. Admir Mehmedis Einstand bei Dynamo Kiew verlief überraschend erfreulich, doch sowohl bei seinem dritten wie auch in seinem vierten Spiel wurde er zur Pause ausgewechselt, danach spielte er nur noch insgesamt 32 Minuten. Die Vorbereitung für die neue Saison verpasste er wegen Olympia grösstenteils, in den bisherigen sieben Spielen seines Klubs stand er – u. a. ebenfalls wegen dem Turnier in London – nie im Aufgebot. Ähnlich lief es bei Innocent Emeghara, der bei Lorient in der Rückrunde höchstens als Joker ran durfte. Angesichts dieser potenziellen Probleme kommt die «Wiederauferstehung» von Mario Gavranovic fast schon einer Erlösung gleich.

Natürlich ist er nicht der Messias, der dem Schweizer Sturm schon jetzt jene Gefährlichkeit verleiht, die er zu Zeiten Alex Freis hatte. Gavranovic hat schwierige Jahre mit gerade mal einer Handvoll Einsätzen hinter sich, und das just in dem Alter, in dem sich ein Stürmer beweisen muss. Aber bei seinen Auftritten für den FCZ und vor allem während jenem gestern Abend in Split offenbarte der 22-Jährige Qualitäten, die bis jetzt schmerzlich vermisst wurden – jene Qualitäten, die er schon bei seinem Champions-League-Treffer für Schalke gegen Valencia vor eineinhalb Jahren angedeutet hatte. Er ist ein Spieler, der den Abschluss dem Dribbling oder dem Ballhalten vorzieht, und zwar sobald sich die Chance bietet, egal wie gut er zum Ball steht. Gegen Valencia traf er damals im Liegen mit links, auch gestern traf der Rechtsfuss zweimal mit seinem schwachen Fuss. Instinktstürmer nennt man das wohl. Und damit ist er genau das, was der Nati bis jetzt fehlte.

Ungern erinnert man sich an jene Partien unter Hitzfeld, in denen die Schweiz schlicht nicht fähig war, Gefahr zu erzeugen. Bälle wurden hin und her geschoben, Angriffe versandeten reihenweise, Abschlüsse waren eine Rarität – auch weil Derdiyok und Mehmedi mangels Zuspielen oft die Position in der Spitze verliessen, um auch mal wieder einen Ball zu bekommen, ohne dass dafür ein anderer nachgerückt wäre. Ein Gavranovic – so er denn einigermassen konstant bleibt in dieser Spielzeit – bietet da eine wahrlich erfreuliche Alternative. Und zwar sowohl als Sturmpartner für Derdiyok wie auch als dessen Ersatz, falls es notwendig würde.

Dieses Überraschungsmoment, das Gavranovics Spiel ausmacht, wird in der Qualifikation für die WM 2014 extrem gefragt sein. Die Gegner der Schweiz haben ihre Stärken allesamt in der Verteidigung, zu erwarten sind schleppende Spiele mit wenigen Abschlussmöglichkeiten. Einer, der nach einer Ballannahme auf engem Raum den Ball annehmen kann und direkt den Torschuss sucht, ist hierbei Gold wert. Ich bin jedenfalls nach gestern Abend wieder zuversichtlicher als auch schon. Dank Mario Gavranovic.

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33 Kommentare zu “Doppelpack für die Hoffnung”

  1. Dave sagt:

    Da sieht man halt eben auch den Unterschied, wenn die Mitspieler Xhaka, Shaqiri, Barnetta und Rodriguez heissen und nicht Kukeli, Glarner und Magnin 🙂

    • Näginho sagt:

      Richtig ! Und nach dem Spiel erscheinen der Spieler und Trainer zum Interview und nicht der Präsident. Oder Herr Canepa ???!!!

      • Grinderman sagt:

        Ha ha… ja das hat was! Sowohl das mit den Mitspieler wie auch die Teppichetage beim FCZ (obwoh der SFV … immerhin sind und bleiben Sie im Hintergrund).

    • Villiger Roland sagt:

      Dave, das hast du kurz und bündig auf den Punkt gebracht. Dem wäre nur noch anzufügen, dass die Gefahr eines Rückschrittes von Gavranovic im momentanen FCZ – Umfeld sehr GROSS ist!

    • jambo sagt:

      Richtig, analysiert!

  2. kurt abächerli sagt:

    ich hoffe die leistungen gegen deutschland und kroatien haben die gerüchte um die rückkehr von frei und streller im keim erstickt. wir wollen den neuanfang… wann wird eigentlich zuber aufgeboten…

  3. josé bütler sagt:

    erstmal danke an mämä, dass du das thema ch-nati wieder einmal zum thema im steilpass machst ;o)
    ich habe am 10. August 2012 um 10:20, notgedrungen unter dem titel “weltmeisterliche winzlinge” im steilpass folgendes geschrieben:

    es gehört zwar nicht zu diesem thema, aber ich mache mir langsam gedanken, wie ottmar hitzfeld die wm-quali in angriff nehmen könnte. leute! wie soll die startaufstellung lauten? welches system bevorzugt ihr? wir haben ja nominell eher schwächere gegner zugelost bekommen, was allerdings erfahrungsgemäss nichts heissen muss ;o) es wäre wichtig, wenn wir zumindest einen innenverteidiger hätten, der, wie mats hummels beim bvb, mit einem intelligenten ersten pass einen schnellen und sicheren angriff lancieren könnte, aber woher nehmen, wenn nicht stehlen: djourou? klose? von bergen? affolter? rossini? senderos? evtl. wiss von luzern? naja, guter rat ist teuer!

    mein vorschlag:

    4-1-3-2

    tor: sommer

    verteidigung: lichtsteiner, affolter, von bergen, rodriguez

    def. mittelfeld: inler (xhaka)

    off. mittelfeld: barnetta, shaqiri, stocker

    stürmer: gavranovic, derdiyok (ben khalifa)

    ich denke, wir müssen versuchen, den wm-quali gegnern unser spiel aufzudrücken. nicht abwarten und passiv, wie bis anhin unter hitzfeld. sondern offensiv, mutig, kreativ, mit power und leidenschaft. für inler könnte auch xhaka auflaufen, je nach start, den er bei den fohlen “hinlegt”. shaqiri muss zwingend als nr. 10 aufgestellt werden, er ist kreativ, schnell am ball, schussstark, kann trotzdem nach links ziehen und abdrücken, sogar heynckes hat ihn schon hinter den spitzen laufen lassen.

    ich behaupte, das grösste problem liegt im offensiven mittelfeld, bzw. lag. Nachdem hitzfeld hakan yakin kein vertrauen geschenkt hatte und weit und breit kein spieler in sicht war, der es verstanden hätte, unsere stürmer entsprechend in szene zu setzen, nachdem frei und streller entnervt, den rücktritt gegeben haben, ist mit shaqiri nun endlich einer da, der frech, kreativ und mit leidenschaft die rolle des regisseurs ausfüllen kann/muss. mit freude habe ich gestern nach dem spiel das interview mit hitzfeld zur kenntnis genommen, in dem er nicht ausschloss, shaqiri inskünftig als nr. 10 laufen zu lassen. ich persönlich weiss wahrlich nicht, was es da noch zu überlegen gibt! ich plädiere weiter dafür, dass die schweiz mit zwei stürmern spielt!

    • Reto B. sagt:

      Ich denke viel eher, das grösste Problem liegt in der Innenverteidigung und hinten rechts. Da muss Sicherheit herrschen und bei einem abgefangenen Ball der erste Pass eines tödlichen Konters gespielt werden. Trotz des tollen und phasenweise begeisternden Spiels der Nati gestern habe ich hinten nur Wackelkanidaten, mangelnde Zuordnung und Fehlpässe gesehen. Aufgeschnauft habe ich erst, wenn der Ball bei Inler Xhaka oder Shaqiri war. So traut sich die Offensivabteilung auch nix. Vor allem nicht, wenn man dann mal ein Tor hinten liegt.

      • josé bütler sagt:

        da denkst du falsch! lichtsteiner der rechter verteidiger spielt ist kein “grosses problem”, nicht mal ein problem. die innenverteidigung ist nicht sattelfest, da stimmt ich überein, von bergen war gestern ein ärgernis. aber in der kommenden wm-quali gilt es offensiv akzente zu setzten und da ist das mittelfeld gefordert.

        • bulivo sagt:

          Klar sind die IV in der Schweizer-Nati momentan nicht top.

          Nur: Ist noch nicht allzu lange her, hat die Schweiz alle 3 Spiele mal ein Gegentor kassiert, jedoch praktisch nie eines erzielt. Zudem ist es halt auch einfach Pech, dass der designierte Boss in der Abwehr, Senderos, dauernd verletzt ist. Alternativen sehe ich auch nicht viele, v.a auch deshalb, da in der NLA viele Ausländische Verteidiger spielen.

          Lichtsteiner dagegen als “Problem” zu bezeichnen zeugt nicht gerade von viel Sachverstand. Er ist der einzige, der in der Nati seit Jahren auf hohem Niveau spielt und sowohl in Rom bei Lazio wie nun auch bei Juve Stammkraft ist.

          • DK sagt:

            Ich vermute, Reto B. meinte hinten links, also Rodriguez. Lichtsteiner ist defensiv sicher tadellos. Vorne ist es mit seinen Flanken ein bisschen wie Tag und Nacht. Einmal sein Schuss, dessen Abpraller zum 1:0 führt. Ein andermal eine Hereingabe, für die sich auch ein Amateur schämen würde.

  4. bulivo sagt:

    Ein Magazin dass Hoffenheim als Abstiegskandidaten sieht..naja…

    Meiner Meinung nach ist das Problem der Schweiz nicht NUR im Sturm zu suchen, sondern v.a im Zentralen Offensiven MIttelfeld. Xhaka, meiner Meinung nach grundsätzlich massiv überschätzt, spielte sowohl in Basel und wird auch bei BMG in einer defensiven Rolle spielen im Mittelfeld.

    Es kann doch nicht sein, dass so einer dann in der Nati im offensiven Mittelfeld spielt! Als Alternative gäbe es einen Costanzo oder einen Shaqiri, welcher offensiv auch im Zentrum zur Geltung kommen würde…

    • Grinderman sagt:

      Hat genaud das Hitzfeld nicht ausprobiert gestern? Zudem Shaquiri im Mittelfeld (eben mit seiner Wendigkeit) und der schnellen möglichen Angriffsauslösung; kommt ganz gut! Und wenn Mehmedi seine Schuhe wechselt und das Feintuning wieder mal richtig eingestellt hat trifft auch er wieder mal aufs Tor.

      • bulivo sagt:

        Muss ehrlich zugeben: Ich habe den Match gestern nicht gesehen. Das “Problem” mit Xhaka als 10er bezog sich auf die Spiele zuvor, egal ob Quali oder Testspiele…

        Mehmedi dürfte meiner Meinung nach Stürmer Nr. 3 sein, hinter Derdyok und Gavranovic…er wird also eher selten spielen!

        • Mämä Sykora sagt:

          «Ein Magazin dass Hoffenheim als Abstiegskandidaten sieht..naja…»
          Also heute hat Hoffenheim schon mal im Pokal bei einem 4. Ligsten eine 0:4-Klatsche kassiert… Vielleicht war die Prognose gar nicht so gewagt.

  5. micha sagt:

    Finde ich guten Beitrag. Gavranovic hat beim FcZ alle Chancen, regelmässige Spielpraxis und Sicherheit im Abschluss zu gewinnen. Für ihn der richtige Schritt, gestern hat sich das erstmals bestätigt. Die Liste der Schweizer Spieler, die zu früh ins Ausland zu guten Klubs gehen und dann rasch aufs Abstellgeleise geraten, ist ellenlang, ihre Karriere dann verpfuscht. Der FcZ ist absolut gut genug als für 2-3 Jahre. Ich kann mit der Mäkelei über den FcZ nach dem durchzogenen Saisonstart nichts anfangen. Die ganze Equipe wurde verkauft bzw. umgestellt.
    Was das Mittelfeld anbetrifft, so hat es gestern hervorragend nach vorne gespielt, genau wie gegen Deutschland. Shaquiri hat sich zu einem wirklichen Spielmacher entwickelt und sollte im Nationalteam als Nr. 10 eingesetzt werden. Xhaka sehe ich auch als 6er. Die wirkliche Schwachstelle im Schweizer Spiel ist die Verteidigung, und zwar innen wie gestern auch aussen. Rodriguez war für einmal komplett von der Rolle, und die beiden Innenverteidiger unsicher und behäbig, im Kopfballspiel leicht zu überwinden.

  6. Auguste sagt:

    hmm…, in mario gavranovic steckt tatsächlich ein knipser, das hat er schon oft genug angedeutet und jetzt, wo er sturmführer des fcz mit entsprechender spielzeit und anzahl zuspielen ist, besteht tatsächlich grund für zuversicht für seine weiter entwicklung. überhaupt stehen mit shaqiri, barnetta, derdiyok und ihm derzeit gute offensivspieler zur auswahl. und wenn mehmedi, costanzo, ben khalifa und drmic sich beständig weiterentwickeln, dann müsste othmar hitzfeld um die offensivkraft der nati eigentlich nicht bange sein. die auswahl an defensiven leuten mit internationalem niveau ist auch gut. jetzt liegt es an im daraus endlich eine mannschaft zu formen, die in der wm-qualifikation ihr potential erreicht und, wenn möglich, das eine oder andere mal sogar übertreffen kann. die zeit der ausreden und niederlagenerklärungen ist definitiv vorbei für den nati-trainer.

    hoffenheim auf einem abstiegsplatz? – gut möglich, wären da nicht düsseldorf, hsv, frankfurt, fürth, mainz, freiburg, nürnberg oder sogar bremen, die allesamt nicht besser dastehen und im notfall weniger geld lockermachen könnten.

  7. Denis F. sagt:

    Das grösste Problem der Nati sind nicht Tor, Verteidigung, Mittelfeld und Sturm, sondern die “Fans”!

    Nach jedem Spiel (manchmal sogar schon während!!), ob gut oder schlecht, kommen die Bünzlis, die noch nie einen Ball aus unter einem Meter gesehen haben und fangen an zu kritisieren.

    Diese Mentalität hat die Nati schon Streller und A.Frei gekostet, die völlig berechtigt auf solch eine “Atmosphäre” verzichten wollten.
    Gerade, wenn man heute zum Beispiel die Kommentare zu Gavranovic genauer liest, fällt das wieder auf.

    Er habe nicht gejubelt und sei deswegen einer, der nie wieder für die Nati auflaufen solle…
    Was zur Hölle ist in diesem Land eigendlich los???

    Gavranovic hat sich FÜR die Schweiz entschieden und GEGEN Kroatien!
    Als Doppelbürger ist es, denke ich, dennoch verständlich, will er seine zweite Heimat nicht kränken und verzichtet auf übertriebenen Jubel.

    In anderen Kommentaren wird ihm vorgeworfen (nachdem er sich für die Schweiz entschied) “Gavranovic kann nicht mehr zurück und ich habe das Gefühl es tut ihm leid.” (Zitat: Andreas Meili).

    Nur so frei von der Seele gesprochen, wäre ich Gavranovic, mir täte es auch Leid mich für die Schweiz entschieden zu haben!
    Nicht weil der Nationalstolz fehlen würde, oder der Respekt der Schweiz gegenüber sondern wegen dem unsäglichen Verhalten der “Fans” einem Mitglied der Nati gegenüber.

    Da dieses Verhalten jedoch in den letzten Jahren zum Standard wurde hier, wäre ich nicht überrascht, würden in nächsteer Zeit auch weitere Spieler (auch die Jungen!!!) den Rücktritt aus der Nati geben…

    In der Hoffnung auf eine gute Qualifikation und Besserung des schweizer “Fan”-Verhaltens,

    Denis F.

    • Karl Eigenmann sagt:

      Hätte Gavranovic gestern für die Kroaten gespielt, wäre er ja tatsächlich ausgepfiffen worden… Die Fans sollten das Gewissen der Mannschaft sein und dieses kann nach einer blamablen Niederlage (weshalb ich die Pfiffe der Kroaten im Stadion verstehen kann) nicht Beifall klatschen nur um höflich zu bleiben und um ja keinen dieser ach so sensiblen “Stars” zu verunsichern – was soll dieser Käse (den Respekt verdienen sich die Spieler mit Leistung und Kampf und nicht mit der Tatsache in einem speziellen Leibchen zu stecken)? Ich gebe Ihnen allerdings Recht, wenn es um den Jubel geht – auch Hakan jubelte nicht, als er gegen die Türken traf! Das ist in Ordnung, dass MUSS man von einem Doppelbürger akzeptieren und auch verstehen können!

  8. Marco Affolter sagt:

    Das erste Mal seit 10 Jahren hab ich freiwillig auf das Schauen des Spiels verzichtet und mich für Deutschland-Argentinien entschieden. Zwischendurch habe ich kurz umgeswitcht auf dem CH-Match. Das war dann wie von der CL zur Regional-Liga zu wechseln. Das Gekicke bei SUI-CRO hat mich an die Super-League-Ambiance im Brügglifeld erinnert (abgehalfterter Rasen, Zuschauertristesse, Pfiffe). Das Spiel der CH war pure Tristesse. Zu diesem Schrott haben aber die Kroaten mindestens soviel beigetragen. Soviel zur generellen Qualität des Spiels SUI-CRO. Nun noch zur Qualität des Schweizer Kollektivs: ich bin auch positiv, dass es besser wird. Nur wird der SFV aus marketingtechnischen Gründen wohl kaum zugeben, dass die überdurchschnittlichen Spieler im CH-Team sicher noch 2-3 Jahre brauchen, bis sie eine Differenz zugunsten der Schweiz ausmachen können. Mit anderen Worten: die WM ist schon gelaufen bevor die Ausscheidungsphase beginnt. Und hier noch eine etwas detailliertere Prognose zum hochgelobten Offensiv-Spiel der Schweizer in der bevorstehenden Ausscheidung: Mehmedi und Gavranovic werden sich bei Ernstkämpfen körperlich nicht mal im Ansatz durchsetzen können. Die Schweiz ist wohl von der Entwicklung von Shaqiri angewiesen. Je schneller sich dieser behaupten mag, desto schneller kann mit der Schweiz wieder gerechnet werden. Das Tragische an diesem Fakt ist bloss, dass man bloss einen Spieler von diesem Format hat. Wenn der verletzt ist, dann gehts wieder bei Adam und Eva los…

    • Bübü sagt:

      Sie scheinen von der Qualtät der Übertragung und den Rahmenbedingungen (Zuschauer, Rasen, etc.) Rückschlüsse auf die Qualität des Spieles ziehen zu können. Interessant….

      • Franz sagt:

        Muss Marco recht geben. Zugegeben, der Rasen war miserabel. Aber der Rhythmusunterschied zwischen diesen beiden Spielen, der war wirklich frappant. Eine komplett andere Liga. Aber gut, in der WM-Quali haben wir es weder mit D noch ARG zu tun.

    • josé bütler sagt:

      mein lieber marco, gem. deiner aussage hast du jeweils nur kurz umgeswitcht zum spiel cro-sui. da muss ich aber staunen wie du trotzdem eine fundierte analyse des spiels abgeben kannst. ich habe das spiel erst nach dem 1:3 zu schauen, da ich noch training mit den veteranen hatte ;o)
      klar es war ein testspiel und es war so, wie testspiele halt sind, was hast du erwartet? ich denke ein 2:4 auswärts gegen den 9. der fifa weltrangliste lässt sich auf jeden fall sehen. also das schweizer offensivspiel wird ja nicht hoch gelobt, es ist die letzten 3 jahre eine einzige katastrophe, aber gestern waren einige gute ansätze zu sehen. und ja, shaqiri ist schon sehr wichtig für das spiel der schweizer, hoffen wir, dass er verletzungsfrei bleibt und in münchen oft spielen kann.

    • Nino sagt:

      @Marco: Mit rumswitchen kannst du keine Spielanalyse machen. Klar die Ambiance und das Spiel D-ARG war besser. KRO-CH sind auch andere Teams. Richtig Shakiri ist wichtig, das hat man gestern gesehen. Es war ein Freundschaftsspiel, aber Kroatien muss man erst mal schlagen. Die Schweiz hat für den Offensiv-Fussball prädestinierte Spieler, einige (nicht nur einer) mit grosser Klasse, das ist nicht erst seit gestern bekannt. Hitzfeld muss endlich eine offensive Taktik spielen lassen, das ist die Stärke der Schweiz, dann bin ich optimistisch.

  9. Karl Eigenmann sagt:

    Gavranovic ist ein echt feiner Stürmer! Klar ist Derdiyok sicher auch gut, leider hat er aber so eine Art von “Schaltjahr-Knipser” an sich. Ich erinnere mich an sein erstes Tor gegen England, dann die Tore gegen Deutschland – hat er dazwischen auch mal für die Nati getroffen? (RF) Gavranovic hat nun eine 1a-Quote: 3 Spiele, zwei Tore – es ist an Hitzfeld ihm in Zukunft die Chance zu geben, diese Quote aufrecht zu erhalten (gerade gegen Gegner wie Slowenien, Zypern und Albanien) – das Potenzial dazu hat er – und hoffentlich bleibt er bis 2014 beim FCZ und von groben Verletzungen verschont! Mehr Talent als Mario hat, solange ich die CH-Nati verfolge, bisher noch kein anderer Stürmer! Mehmedi und vor allem auch Emeghara sehe ich leider bei weitem nicht auf diesem Niveau. Aber ja, das Spiel gegen Kroatien war so etwas, wie etwas Licht im Tunnel…

  10. Christian Sutter sagt:

    Zugegeben, ich hätte GAVRANOVIC (noch) nicht aufgeboten für das Spiel gestern. Aber zum Glück ist Hitzfeld Nati-Trainer und hat mich eines besseren belehrt. Jetzt hoffen wir, dass BEN KHALIFA bei GC bald mal einen weiteren Schritt macht und dann sieht es für die Zukunft unserer Offensive gar nicht mehr so schlecht aus.

    Dennoch, auch wenn Super-MARIO die Hoffnung auf eine weitere Alternative im Sturm nährt, macht eine Schwalbe noch keinen Frühling. Ohne Zuspiele in die Spitze wird auch er nicht in den Abschluss kommen. Und dass die Schweizer gegen “gute” Gegner wie zuletzt gegen GER, NED, ARG und eben auch KRO zu brillieren vermag, wissen wir. U.a. auch darum, weil der Gegner die Offensive sucht und entsprechend Räume aufmacht. In Anbetracht der Gegner in der WM-Quali sollten eigentlich Gegner wie Rumänien und Luxemburg aussagekräftiger für eine Offensiv-Analyse sein.

    Wie auch schon geschrieben, ist nicht nur der Sturm die Problemzone der Schweizer, sondern die ganze Mittelachse, angefangen bei Innenverteidigern, welche A) immer wieder verletzt sind und B) im Verein mal spielen und dann mal wieder nicht. Ausserdem das zentrale Mittelfeld – sämtliche Spieler haben ihre Stärken eher in der Defensive als denn in der Kreativität oder der schnellen Spielöffnung (im Gegenteil zu sämtlichen Spielern auf den Aussenbahnen, wo wir sogar mehrere gleichwertige Alternativen haben).

    Gerne hätte ich nach dem Deutschland-Spiel nochmals GELSON FERNANDES im offensiven Mittelfeld gesehen. Er hat da als zweikampfstarker Spielgestalter brilliert. Leider wurde er zum Dank gegen die Rumänen auf die Ersatzbank verbannt und nun gegen die Kroaten musste er als Rechtsverteidiger ran. Ein Schelm, wer sich denkt, GELSON sollte mit dieser Aufstellung diskreditiert werden, sodass nicht jemand auf die Idee kommen kann, ihn in die Stammelf zu fordern… Stattdessen durfte MEHMEDI auf der 10er-Position fast das ganze Spiel durchspielen, obwohl er so ziemlich der schlechteste Spieler der Schweizer war.

  11. Hanspeter Pierren sagt:

    Ich finde es gut, dass Hitzfeld auf das Momentum von einzelnen Spieler achtet und sie nach guten Leistungen ins Nati Team aufbietet. Vero Salatic würde deshalb nie aufgeboten werden.

  12. Kinda sagt:

    Soso.. Jetzt wird der Mann der lieber für die Kroaten gespielt hätte gefeiert. Ich weiss noch wo er im CL im Schalke Dress dieses Tor erzielt hat. Damals hatte man ihn das erste mal wahrgenommen. Schön anzusehen war es aber danach ging es erst einmal bergab. Genau wie mit Banjaku. Den hat man auch hochgejubelt und heute steht er nicht einmal mehr im Aufgebot.

    Sicher, Gavranovic ist eine Bereicherung für die CH Nati aber mich lässt seine eigene Aussage von gestern Abend ratlos zurück die er gestern beim SF Kund getan hat (Online verfügbar) Mit solchen Gedanken sollte er sich nochmal überlegen ob es nicht besser gewesen wäre so konsequent wie damals Petric und Rakitic zu sein und doch für sein “Heimatland” aufzulaufen. Gestern tat mir der Mann richtig Leid das er für unser Land spielen musste – und ihm, so wie es tönte, wohl auch.

  13. Nino sagt:

    Nach einem Freundschaftsspiel lassen sich schwer Schlüsse zu ziehen. Kroatien spielte wirklich lustlos, die Schweizer hatten viele Räume. Der Sturm un die Innenverteidigung sind noch Schwachpunkte. Gavranovic und der wiedergenesene Barnetta brachten Schwung. Ich bin der Meinung die Schweiz hat genügend Klassespieler (Benaglio, Shakiri, Xhaka, Innler, Barnetta, Lichtsteiner, Rodriguez, Inler, Gavranovic, Stocker, Berahmi) mit diesen kann Hitzfeld voll offensiv Spielen, dem Gegner das Spiel aufzwingen, dabei 5 Tore schiessen, aber auch 3 erhalten, jedoch trotzdem Siegen. Hitzfeld muss dem Angsthasenfussball abschwören, dort liegt das Hauptproblem.

  14. mAtt sagt:

    Ach, freut mich doch sehr, dass Gavranovic endlich die Aufmerksamkeit kriegt, die er eigentlich schon lange verdient hätte… Nach langem Stöbern im Steilpass-Archiv hab ich nun endlich meinen Kommentar vom 26. Juli 2011 wiedergefunden… Wer denn der Axpo-Superstar wäre (naja, ich geb’s zu, hab da wohl die Frage leicht überlesen, Gavranovic war ja damals bereits bei Schalke (oder sogar schon bei Mainz 05?). Aber: tataaaaaaaaa!

    “Ich glaube, dass Gavranovic in Naher Zukunft noch so richtig von sich zu sprechen machen wird… Der braucht vielleicht noch ein, zwei Jahre… “

  15. DK sagt:

    Okay, es war schön zu sehen, wie die Schweizer die Gelegenheit gepackt haben und locker 4x eingenetzt haben. Es hätten auch doppelt soviele sein können. Ich sehe das durchaus als neue Qualität, in solchen Spielen beherzt zuzugreifen, das liegt sicher an der Unbekümmertheit und Frechheit der jungen Spieler. Man muss aber sehen, dass Deutschland (vor der EM) und gestern Kroatien die Schweizer freundlich zum Toreschiessen eingeladen haben. Wenn dagegen eine Mannschaft so “humorlos” auftritt wie dazwischen die Rumänen, sieht’s etwas anders aus.

    Die Leistung der Kroaten entsprach etwa dem Zustand des Platzes: undiskutabel. Das war eher Spalier stehen. Als in der Pause kurz zum Spiel Italien-England gewechselt wurde, wähnte man sich in einer anderen Sportart.

    Trotz dem guten Spiel (und das war es, doch) der Schweizer sah man auch Sachen, die Fragen aufwerfen: Was um Himmels willen brachte Dynamo Kiev dazu, einen Mehmedi zu verpflichten? Was hat Fernandes verbockt, dass er zur Strafe Aussenverteidiger spielen muss? Wann zeigt Dzemaili in der Nati mal ein Spiel, das seinen (offensichtlich vorhandenen, siehe Napoli) Fähigkeiten entspricht? Welche Kombination von einem Dutzend mittelmässigen, fehleranfälligen und/oder dauerverletzten (Innen-) Verteidigern richtet den geringsten Schaden an? Ist Rodriguez wirklich nur ein talentierter, aber ev. limitierter junger Verteidiger, oder macht er (die nötigen) Fortschritte und wird richtig gut? Und welches wäre die richtige Sportart für Emmeghara (Fussball ist es ja nicht unbedingt. Gut, gestern spielte er eh nur 5 Minuten …)?

  16. Viktor Markus sagt:

    Einfach toll was in der Schweiz das Sprichwort: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer bedeutet!
    Ja es hat z.T. Spass gemacht, wobei die Kroaten nicht besonders motiviert gewesen sind. Jedoch frage ich mich, was ein Mehmedi in der Nati verloren hat, muss er sich da seine Spielpraxis holen und Inler leider sein Können scheinbar noch immer nicht in die Nati transferieren kann (Ein Fehlpass am anderen)!?