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Die Fifa-Witzrangliste

Mämä Sykora am Montag den 13. August 2012


Die Meldung vom letzten Mittwoch war lediglich eine Randnotiz: In der neusten Fifa-Weltrangliste verdrängte England Uruguay vom dritten Rang, Brasilien hingegen steht neu auf Platz 13 und damit zum ersten Mal seit Einführung der Rangliste nicht mehr in den Top 10. Und damit hinter Dänemark, Russland und Griechenland. Diese Tatsachen alleine wären eigentlich schon Grund genug, die Aussagekraft dieser Rangliste stark infrage zu stellen.

Dass das System noch nicht ganz ausgereift war, musste den Ideengebern schon bei der Veröffentlichung der ersten Fifa-Weltrangliste im August 1993 bewusst geworden sein. Da stand nämlich die Schweiz auf Platz 3, nur zwei Monat später eroberte Norwegen gar Platz 2. Selbst nach einigen Korrekturen in der Berechnung erreichten die USA vor der WM 2006 noch Platz 4, während Gastgeber Deutschland auf Platz 22 zurückgefallen war. Letzteres ergab sich dadurch, dass noch die Ergebnisse der letzten 8 Jahre zählten, wobei Ernstkämpfe deutlich stärker gewertet wurden. Weil die USA und Mexiko mehr WM-Qualifikationsspiele als die Europäer und zudem alle zwei Jahre ihre Kontinentalmeisterschaft austragen – erst noch gegen inferiore Gegner –, waren sie Dauergäste auf den vorderen Rängen.

Seit 2006 kommt ein neuer Berechnungsmodus zum Einsatz. Neu zählen nur die letzten vier Jahre, wobei aktuelle Ergebnisse mehr gewichtet sind, zudem werden die Stärken der Kontinentalverbände berücksichtigt. Eigentlich ja eine gute Idee, doch zufriedenstellend kann auch der neue Modus nicht sein. Denn durch die Abwertung der Kontinentalzonen rangieren die USA nun hinter Ungarn und neben Libyen, Wales und Gabun – trotz Achtelfinale an der WM 2010 und Finalteilnahme im letzten Concacaf-Cup sowie im Konföderationen-Pokal (inkl. 2:0-Sieg über Spanien). Und dann ist da noch diese unverständliche Sache mit den Freundschaftsspielen.

Am Mittwoch spielt das direkt vor der Schweiz klassierte Japan ein Freundschaftsspiel gegen Venezuela. Selbst wenn Japan gewinnen würde, würde es Punkte verlieren. Denn ein Testspiel bringt maximal 600 Punkte, womit Mannschaften mit höherem Punkteschnitt selbst bei Kantersiegen in der Rangliste tiefer fallen. Erfolgreiche Mannschaften bei Welt- oder Kontinentalmeisterschaften würden also am besten überhaupt keine Freundschaftsspiele austragen, es schadet ihnen nur. Wer kommt auf so eine Idee?

Schlimmer noch ist die Situation bei Gastgeberländern von grossen Turnieren. Ohne Ernstkämpfe ist der Absturz in der Weltrangliste vorprogrammiert. Österreich fiel vor der EM 2008 von Platz 60 auf 101 zurück – heute wäre das hinter Antigua und Barbuda! –, die Schweiz auf Platz 48 – heute zwischen Iran und Estland. So ein Absturz droht nun auch Brasilien.

Eigentlich egal, könnte man sagen. Wen interessiert schon die Fifa-Weltrangliste? Spätestens bei der Auslosung der nächsten WM-Qualifikationsgruppen kommt ihr aber einige Bedeutung zu. Aufgrund dieser Tabelle wird nämlich die Einteilung in Setztöpfe vorgenommen. Bei Brasilien ist das vollkommen Wurst, in Südamerika gibt es nur eine Qualigruppe. Ob England aber trotz regelmässigem frühen Scheitern an Endrunden auf Platz 3 oder auf Platz 10 steht, ist für deren Chancen auf eine erneute Qualifikation von grosser Bedeutung. Um das Beispiel Österreich nochmals aufzunehmen: Nach dem tiefen Fall in der Weltrangliste landeten sie bei der Auslosung in Topf 5 (u.a. mit Kasachstan und Aserbaidschan) und wurden deshalb zu Serbien, Frankreich und Rumänien eingeteilt.

Einfacher ist nicht selten besser, das gilt auch für die Weltrangliste. Eine Abstufung der Wichtigkeit der Spiele ist wichtig, jedoch muss man auch in Freundschaftsspielen Punkte gewinnen können. Je stärker der Gegner, desto mehr Punkte gibt’s zu holen – am sinnvollsten mit einer stärkeren Gewichtung bei Gastgeberländern, die keine Ernstkämpfe bestreiten können. Dazu noch Bonuspunkte für eine erfolgreiche WM-Qualifikation sowie für das Erreichen der nächsten Runde bei Welt- oder Kontinentalmeisterschaften. Und schon hätte man eine Rangliste, die die Stärkenverhältnisse deutlich besser wiedergibt und so eine fairere Ausgangslage für kommende Qualifikationen bietet.

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29 Kommentare zu “Die Fifa-Witzrangliste”

  1. Joe Plattner sagt:

    Die Fifa ist an sich schon ein Witz. Also ist die Witzrangliste nichts als konsequent.

  2. AlexS sagt:

    England auf Platz 3 ist wahrlich ein Witz! 🙂

  3. Markus sagt:

    Ob das im letzten Abschnitt vorgeschlagene System wirklich besser wäre, wage ich zu bezweifeln. Warum nicht einfach ganz auf die Setzliste verzichten? Dann wären halt auch mal Deutschland, Holland und England in der gleichen Gruppe und würden sich um 2 Plätze streiten. Wäre doch viel spannender, als die ewigen Spiele grosse gegen kleine in der Quali.

    • Mario Monaro sagt:

      Ihr Vorschlag hat was. Anderseits ist es manchmal auch ganz lustig zu sehen, wie Outsider einen Favoriten in der Vorrunde besiegen (Schweiz-Spanien z.B.).

    • Berger Pascal sagt:

      Ihr Vorschlag ist der schlechteste von allen. Mit Ihrem System wäre es dann möglich, das sich z.Bsp. San Marino qualifiziert und z.Bsp. Holland zu Hause bleiben muss. Da ist dann wahrlich keine Fussballqualität mehr vorhanden. Da kann man auch gleich die WM jährlich durchführen. Die Setzliste ist zur Zeit das einzig verfügbare Mittel um das ganze ein bisschen zu steuern.

  4. hans nötig sagt:

    Italien, seines Zeichens EM-Finalist, hat dieses Jahr 678.43 Punkte geholt. England, seines Zeichens ewiger Versager an Endrunden und von Italien bereits im Viertelfinale besiegt, 702.5. Deutschland, von Italien im Halbfinale besiegt, hat sogar 818.37 Punkte geholt, 2.98 Punkte mehr als Welt -und Europameister Spanien.

    Aber das Teil heisst ja auch FIFA/Coca Cola Rangliste. Und während ich keinen Sportler kenne der während des Sports Cola trinkt (natürlich bietet der Konzern auch andere Getränke an schon klar), so kenne ich auch kaum einen Menschen der die FIFA noch ernst nimmt.

    • Hermann sagt:

      @hans: Weil es darum geht, wie viele Spiele insgesamt gewonnen wurden und nicht wer wie weit kam.

      • hans nötig sagt:

        Richtig, darum sagt das ganze ja auch so wenig aus.

        Ich kann dreihundert Freundschaftsspiele in einem Jahr gewinnen jedoch nicht an einer Endrunde teilnehmen (während andere das schon tun), und ich bin vermutlich die Nummer eins. Der einzige Unterschied den ich zu Endrundenteilnehmern habe ist der Faktor 2 (für EM) oder 3 (für WM).

        Wobei ich komme grad nicht klar mit der Berechnung:
        P = M (Punkte, also Unentschieden oder Sieg) x I (Status des Spiels, 1 für Freundschaft, 3 für EM zb) x T (Stärke des Gegners, 200 (Nr1) bis 50 (ab Rang 150)) x C (Konferenz, also EU 1, Amerika 0,88 etc).
        Das würde der Schweiz nach einem Sieg gegen Spanien an der EM folgendes ergeben: 3 * 4 * 200 * 1 = 2400 Punkte?!

        Das kann natürlich nicht sein (siehe Tabelle), nur wie wird denn genau gerechnet (ich habe die Formel oben von der offiziellen Seite: http://de.fifa.com/worldranking/procedureandschedule/menprocedure/index.html)?

        • Mämä Sykora sagt:

          Die Rechnung stimmt genau so, wenn es sich um eine WM handelt. An einer EM ist es nur der Faktor 3, also 3 * 3 * 200 * 1 = 1800. 2400 ist die maximal erreichbare Punktezahl, zu holen nur an einer WM von Teams aus der UEFA oder CONMEBOL bei einem Sieg über die Nummer 1 des Rankings. Der Sieg der Schweiz über Spanien an der WM 2010 war das Spiel, das am meisten Punkte überhaupt einbrachte: 2376 (Spanien war damals erst die Nummer 2 der Welt).

      • Kinda sagt:

        Ist aber trotzdem seltsam wenn Italien als 4-maliger Weltmeister hinter England (und auch Deutschland) steht.

        • Martin sagt:

          4-maliger Weltmeister? Natürlich ist das technisch gesehen richtig, aber die ersten beiden Titel hat Italien 1934 und 1938 geholt. Welche aussagekraft das für die heutige Rangliste haben soll, verstehe ich nicht ganz…

  5. Max Caster sagt:

    @Monaro: …. nur um danach leider gegen so grossartige Kaliber wie Chile und Honduras zu versagen. Man muss es realistisch sehen. Es war ein Glückssieg für die Schweiz. Für Spanien eben ein dummer Betriebsunfall. Wenn man sich danach zuviel drauf einbildet, geht die Geschichte nicht gut aus. Jetzt erstmal die WM-Quali 2014 schaffen. Das wird schon schwer genug. Ach ja, die FIFA Rangliste ist ein Witz.

    • Mario Monaro sagt:

      Klar, der Sieg gegen Spanien ist genau das was Sie sagen. Aber gefreut haben wir uns trotzdem in dem Moment alle, oder?

  6. Hans Klemm sagt:

    Diese FIFA-Weltrangliste scheint nicht gerade der “Knaller” zu sein, um die Leser faszinieren zu können.

    Dagegen scheint schon interessanter zu sein, welcher Bauer Eigentümer der schönsten bzw. ertragreichsten Kuh ist, die irgendwo in einem Stall oder auf einer Alm rastet.

  7. Auguste sagt:

    hmm…, der fifa-begleitbrief zum ranglisten-versand schliesst neuerdings mit dem neuen offiziellen fifa-gruss: enjoy life!

    wer wissen will, wie das korrekt ausgesprochen wird, soll einfach ein paar blogs zurückblättern, da hat mal jemand das grusswort in korrektem walliser-deutsch hingeschrieben, brüller.

  8. Tobias sagt:

    Warum nicht eine Führungsliste wie im Schach einführen? Die ist mathematisch “simpel”, fair (Stärke des Gegners wird berücksichtigt, Anzahl Spiele spielt keine grosse Rolle, sogar die Wichtigkeit der Spiele könnte in der Formel einfliessen).

  9. ursbilger sagt:

    bei der fifa witzrangliste gibt es nur einen ganz klaren gewinner; und das ist die fifa an und für sich selbst !!! obwohl es ein sehr sehr schlechter witz ist, was der seppli und seine kumpanen dort leisten……

  10. Claudio sagt:

    Übrigens für alle, die nichts besseres zu tun haben: es gibt noch eine andere Rangliste IHFFS !!! habe mit grosser Freude, Staunen und etwas Lächeln festgestellt, dass per 31.7.2012 diese Folgendes besagt: Rang 20 AC Milan, Rang 21 FCBASEL, 22 Fluminense Rio de Janeiro, 23 Arsenal London, 24 FC Schalke 04 !!!!
    Erster Rang übrigens FC Barcelona (zumindest das kann man gelten lassen)

    • Claudio sagt:

      ……………..übrigens weit hinter Rang 50 findet man noch Juventus Turin und irgendwann auch FC Internazionale Mailand

      • dres sagt:

        Erstaunt hat mich nur YB auf Rang 4. Oder ist das noch eine andere Liga? Fussball wird mir langsam zu kompliziert… Prost!

        • Claudio sagt:

          YB Rang 157 (152) gemäss IHFFS Ranking per 31.7.2012 ……………………..zum Trost kann ich sagen, dass AS Rom Rang 150 belegt.

        • Peter Hagedorn sagt:

          YB auf Rang4? Das passt doch zu diesem Klübli! Da gehören sie hin, zumiondest in der sogenannten Raiffeisen Liga (ach wie ich diesen neuen Begriff mag….)

  11. Marcel sagt:

    Das kann man doch relativ einfach beheben mit der Regel, dass man nach einem gewonnnen Freundschaftsspiel gegen einen schwächeren Gegner nie weniger Punkte haben darf, als vor dem Spiel, es wird dann einfach aus der FIFA-Statistik ausgeklammert.

  12. Heinz Kistler sagt:

    ELO wäre das beste, oder ein abgewandeltes System.

    In Amerika werden so auch die College Teams gerankt, deren es hunderte hat und nie spielen alle gegen alle. Diese Ranking System haben die Amis voll im Griff.

    Jeff Sagan ist der unumstrittene Experte. Die IHFFS Rangliste geht in diese Richtung, bewertet jedoch die Vergangenheit ein wenig zu stark, meiner Meinung nach.

    Grad nachgeschaut: ELO für Nationalmannschaften gibt es bereits. Man google und findet einen Wikipedia Artikel. Sieht um einiges realistischer aus als das FIFA ranking.

  13. ball sagt:

    um fussball schauen zu können, insbesondere die länderspiele ausserhalb eines grösseren turniers, sind solche ranglisten enorm wichtig. wäre ja noch, wenn ich vor spielbeginn nicht weiss wer besser rangiert ist und bis zu spielschluss warten muss, wer der gewinner, des beigewohnten spiels, ist.

    1:0 für das sommerloch