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Warnsignale aus Glasgow

Mämä Sykora am Donnerstag den 16. Februar 2012


Die Nachricht vom Dienstag erschütterte die Fussballwelt. «Glasgow Rangers beantragen Insolvenz», titelten die Zeitungen Europas und lösten bei den Lesern Unglauben aus. Einer der ältesten Klubs der Welt, mit mehr Meistertiteln als irgendein anderer Verein (54), eine Institution – ja gar eine Religion – in Schottland, mit einer Stadionauslastung von über 90 Prozent trotz meist bescheidenen Gegnern… Dieser Verein soll Pleite sein?

Meldungen von konkursiten Fussballklubs sind längst keine Ungewöhnlichkeit mehr. Doch fast ausschliesslich betrifft es kleinere Vereine, die sich übernommen oder auf zwielichtige Investoren eingelassen haben. Die Rangers gehören in eine andere Kategorie. Auch wenn der Glanz vergangener Tage mit drei Europacupfinals und einem Titel zwischen 1961 und 1972 etwas verblasst ist, gehören die Rangers noch immer zu den grossen Namen in Europas Fussball. Ein letztes Ausrufezeichen setzte man 2008, als man den Final des Uefa-Cups erreichte (0:2 gegen Zenit St. Petersburg).

Dass selbst ein Verein mit derart guten Voraussetzungen in finanzielle Nöte geraten kann, sollte als Warnsignal gelten. Die Rangers spielen in jedem Jahr europäisch, schliessen einträgliche Werbeverträge ab, generieren gutes Geld dank TV-Verträgen und das Stadion ist stets gut gefüllt. Dennoch waren die drohenden Steuernachzahlungen und Strafen in der Höhe von umgerechnet über 70 Millionen Franken zu viel für den Traditionsverein. So wurde die Insolvenz beantragt, was auch einen Abzug von 10 Punkten und damit die Vorentscheidung im Meisterrennen zur Folge hatte.

Vereine mit gewissen Ansprüchen bewegen sich stets auf einem schmalen Grat. Wer mit zu viel Risiko die hoch gesteckten Ziele (und die der Fans und Sponsoren) erreichen will und dann doch scheitert, dem droht ein schneller und tiefer Fall. Im Selbstverständnis der Rangers gehört man zu Europas Spitzenteams, die Realität sieht indes anders aus: Nach dem Absturz Schottlands in der Uefa-Fünfjahreswertung scheiterten die Rangers letzten Sommer in der Champions-League-Qualifikation an Malmö, danach blieben sie sogar in die Europa-League-Qualifikation an Maribor hängen. Trotz regelmässigen Teilnahmen in Europas Königsklasse gelang nur ein einziges Mal der Sprung in die K.o.-Phase.

Eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen, ist für die Glasgower Vereine wahrlich keine leichte Aufgabe. Herausragende Spieler sind kaum zu halten, Verstärkungen kann man nur mit hohen Ablösesummen und stolzen Löhnen davon überzeugen, fortan gegen Dunfermline und St. Mirren aufzulaufen. Zudem steigert kaum ein Spieler in Schottland seinen Marktwert, die meisten teuren Neueinkäufe verliessen den Verein später zu einem Bruchteil des Einkaufspreises. So erwirtschaften die «Gers» jedes Jahr ein Minus von 15 Mio. Franken. Dies kann man nur stemmen, wenn der sportliche Erfolg dauerhaft ist. Schon ein düsteres Jahr lässt das Wasser bis zum Hals steigen. Noch ein solches kann schon den Untergang bedeuten.

Die Klubführungen von grossen Vereinen aus kleineren Ligen, wie etwa Ajax Amsterdam, PSV, Sporting Lissabon oder eben der FC Basel, sollten die Vorgänge in Britanniens Norden aufmerksam verfolgen. Es braucht wahrlich nicht viel, bis aus hochtrabenden Träumen ein Scherbenhaufen wird. Der FCB handelt bislang in jeder Hinsicht höchst vernünftig, es ist zu hoffen, dass er dies auch beibehalten wird, wenn mal Anspruch und Realität nicht übereinstimmen sollten. Auch er fährt nämlich in dürren Saisons einen 10-Millionen-Verlust ein.

Noch hält sich bei den Rangers-Fans die Hoffnung, dass die Insolvenz lediglich ein Trick sei. Chairman Craig Whyte hatte im Mai 2011 85 Prozent der Aktien des hoch verschuldeten Vereins für den symbolischen Betrag von einem Pfund übernommen, dafür überschrieb der Klub seine Bankschulden auf ihn. Im Falle einer Insolvenz dürfte er als erster Ansprüche anmelden, während die Steuerbehörde ganz hinten anstehen müsste. Müsste der Verein Konkurs anmelden, könnte Whyte den Klub neu gründen und schuldenfrei neu starten. Ob der Verein jedoch gleich wieder in der Premier League mittun könnte, ist hingegen noch ungewiss.

Wie auch immer diese traurige Geschichte ausgeht: Mögen die Warnsignale an den richtigen Stellen ankommen und damit weitere solche Schicksale verhindert werden!

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27 Kommentare zu “Warnsignale aus Glasgow”

  1. nobes sagt:

    Wie man in einem grundsätzlichen guten Beitrag davon reden kann, dass der vom FCB in dürren Saisons gemachte 10-Millionen-Verlust vernünftig sei, entzieht sich meinem Verstand. Hätten die Basler nicht die den Gigi Oeri im Hintergrund, welche dieses Loch jeweils zu stopfen weiss, wären sie unsere Schweizer-Rangers

    • paddy sagt:

      Falsch….
      Oeri war vor allem Ende 90er und Anfang 00er Geldgeberin. Der FCB funktioniert finanziell seit einigen Jahren auch ohne Oeri.
      Man kann es auch so anschauen: Oeri investiert in den Nachwuchs. (momentan der zukünftigeFCB-Campus) Dadurch bringt der FCB immer gute Junioren, welche dann teuer verkauft werden können. (Bspl.: Rakitic, Kuzmanovic, Shaqiri, usw.)
      Deshalb kann sich der FCB auch in einer Saison 10 Millionen Verlust leisten.

  2. Andi Meier sagt:

    Es stimmt zwar, dass sich der FC Basel auch immer auf einer Gratwanderung befindet, aber den Verlust von 10 Millionen im Jahr 2009 sollte man ein wenig differenzierter betrachten.
    Zieht man die Ablöse für Alex Frei und die Abgangsentschädigung für Christian Gross ab, bleiben noch etwa 3-4 Millionen Verlust.
    Nach Shaqiri werden früher oder später auch Xhaka, F. Frei, Sommer etc. für Transfererlöse sorgen. So wird der FCB in den nächsten Jahren auch mal ein oder zwei weniger erfolgreiche Saisons überstehen, ohne in grössere finanzielle Schwierigkeiten zu kommen.

    • Mämä Sykora sagt:

      Klar, solche Ausgaben hat der FCB nicht in jedem Jahr, aber 10 Mio. waren es dennoch. Wenn man bei den Rangers die teuersten Spieler abziehen würde, blieb auch nur noch die Hälfte übrig. Der FCB hat natürlich beste Aussichten dank den anstehenden Transfers, man muss aber auch sehen, dass diese Abgänge kompensiert werden müssen. Und adäquater Ersatz ist teuer. Und auch immer ein Stück weit eine Wundertüte. Ein Carignano kann man verkraften, bei mehreren wirds schon kritisch.

      • Andi Meier sagt:

        Ja, wenn Frei und Fink nicht so eingeschlagen hätten, wäre es wohl eng geworden. Wie ich die Vereinsführung einschätze, bleiben solch hohe Ablösesummen wie für Frei oder Carignano eine Ausnahme.
        In der Regel hatten sie in letzter Zeit ein glückliches Händchen bei Transfers, bis auf Kovac und Tembo (Atan, Voser und Da Silva kamen ja ablösefrei bzw. auf Leihbasis zum FCB) waren keine Fehlgriffe mehr dabei.

  3. Steiner Matthias sagt:

    Für jeden Verein ist es kaum verkraftbar, wenn er nicht europäisch spielen kann, wobei eigentlich nur die Champions League wirklich einen Honigtopf darstellt. Dies gilt erst recht für die Schweiz mit ihren mickrigen TV-Erträgen. Wer sich hier vergaloppiert, der steht innert 3 Jahren vor dem Konkursrichter. Deswegen ist es so wichtig, nicht nur potente Sponsoren und Notnagel-Mäzene zu haben, sondern auch eine funktionierende Juniorenabteilung, aus denen immer wieder Talente für die 1. Mannschaft und Transfererlöse entspringen.

    Bei den Rangers lief in dieser Hinsicht zu lange zuviel schief, trotz eigentlich idealer Voraussetzungen. Tatsächlich ein Lehrstück.

  4. R.Ehrensberger sagt:

    Wenn man die Saläre von meist zweitklassigen Spielern kennt, muss man sich nicht wundern!

    • M.Pigozzo sagt:

      Da stimme ich zu….die schottische Liga ist leider seit längerem nicht mehr konkurrenzfähig und ist mehr oder weniger gezwungen zweitklassige oder eher unbekannte Ausländer aus z.B Skandinavien oder Latein-Amerika zu arrangieren, die aber trotzdem beatchliche Lohnsummen mit sich bringen. Leider wird auch zu wenig in die Jugend investiert oder falls einmal grosse Talente da sind, werden sie meistens schon früh von englischen Klubs abgeworben. Die Liga verliert mehr und mehr an Attraktivität und die TV-Gelder sind lächerlich im Vergleich zu der Premier League (der Letztplatzierte in der Premier League verdient noch immer beatchlich mehr als der Meister in Schottland in Bezug auf TV-Gelder). Vorbei sind die Zeiten als noch Ausnahmekönner wie ein Laudrup, Gazza oder Larsson bei den Rangers oder Celtic spielten und die Klubs grosse Sponsor/TV-Verträge im In- und Ausland abschliessen konnten.

  5. Mittte 90er Jahre hätte Sykora hier von den Grasshoppers an stelle des Fc Basel geschrieben. Die Herren Spadaro und Vogel glaubten auch im Enst jedes Jahr die Millionen aus der Champions league holen zu können, und stolperten aber schon nächste Saison in der nationalen Meisterschaft. Ich denke das kein schweizer Verein, auch nicht Basel zur Zeit, mit jährlichen Europacup-einnahmen rechnen kann. Ganz so dominant wie Rangers/Celtic ist in der Schweiz kein Klub, auch keine 2 Klubs… Und ich hoffe das das auch so blebt!

    • Da unterschätzen Sie aber die Spitzenteams der Super League. Die Schweiz hat neben dem FC Basel und Zürich noch YB, Sion und sogar den FC Thun, welche zuweilen auch in Gruppenphasen der Europa bzw. Champions Legaue spielen. In Schottland gibt es neben Celtic und Glasgow Rangers keinen ernstzunehmenden Anwärter (mit Ausnahme von Heart of Midlothian, die ab und an die KO-Phase überstehen) auf einen Europa Legaue Platz. Weswegen in der 5-Jahreswertung die Schweiz auch Boden gut gemacht hat und Schottland klar hinter sich lässt. Sogar Nationen wie Österreich, Israel oder sogar Zypern stehen mittlerweile vor Schottland.
      Wenn man also sogar als 4. noch die Chance auf einen Europa League Platz hat, dann gibt es garantiert Teams, die jährlich europäisch spielen. Ausserdem plant man, die Europa League in den nächsten Jahren attraktiver zu gestalten, wodurch die Ambitionen nicht nur auf eine CL-Teilnahme gerichtet werden.

      • Pedro sagt:

        Eben, Ivano, genau deshalb kann in der Schweiz KEIN Verein mit EL oder CL Geld definitiv rechnen.

        • Beispiel FC Basel.. Wann war der FCB zuletzt nicht europäisch vertreten?
          Auch Zürich kommt in 3 von 4 Anläufen über die KO-Phase hinaus. Die Chance auf mehr Startplätze in Europa oder Champions League für die Schweiz hat sich deswegen auch erhöht, wodurch noch mehr Vereine ab und an dabei sind.

          • Mäsi sagt:

            Das ist ja der Punkt. Wenn alles normal laeuft, spielen diese international – und genau mit diesen Spekulationen haben diverse Banker ihre Banken in Noeten gebracht.

            Angenommen, Basel ist wirklich so dominant, wie du es erwartest. Wer garantiert, dass sie die CL-Quali problemlos ueberstehen? Die EL – ueber eine Abschaffung wird ja glaub diskutiert – ist zudem nicht annaehernd so lukrativ und dies trotz starker Gegnern.

            Gerade beim FCZ hat man gesehen, wie schnell es gehen kann. Trotz Rang 2 gab’s international nicht wirklich was zu holen. Ohne nun die Zahlen zu kennen, gibt es diese Saison wohl nur dank den Verkaeufen von Leistungstraegern einen positive Bilanz. Und naechste Saison spielt man moeglicherweise nicht mal europaeisch…

            Mit Sion und YB werden kuenftig weitere Teams um diese Plaetze mitmischen. Und da darf niemand Einnahmen aus Europa budgetieren – eine Qualifikation durch den entsprechenden Tabellenrang alleine gibt noch kein Geld.

  6. Yorgi Yorgurt sagt:

    Sporting Lissabon ist ein ziemlich schlechtes Beispiel, da sie in der portugiesischen Liga, die einiges stärker ist als die schottische, bereits seit ein paar Jahren nicht mehr zu den absoluten Spitzenteams gehören, und sich auch früher schon regelmässig dem FC Porto oder Benfica geschlagen geben mussten. Ansonsten ein recht souveräner Artikel.

  7. Pedro sagt:

    Es gibt eben mehr Tschagajews als einem lieb sein kann. Der Whyte wollte sich guenstig einen Klub krallen und hat nicht mit so hohen Altlasten gerechnet, die er (leider) nicht mit privatem Geld bezahlen kann.
    Genau deshalb muss die FIFA oder UEFA das financial fairplay endlich einfuehren. Und am besten auch gleich die 50+1 Regel.

    • Remo Nydegger sagt:

      Du weisst aber schon, dass weder das Financial Fairplay und schon gar nicht die 50 + 1 Regel an der Situation der Rangers etwas geändert hätte?

      • Pedro sagt:

        Irgendwann muss etwas eingefuehrt werden. Wenn es auf diese Saison eingefuehrt worden waere natuerlich nicht. Gaebe es das financial fairplay aber schon jahrelang, waere so etwas gar nicht moeglich gewesen.
        Und wenn es eingefuehrt wird, werden Premier League und Primera Division innerhalb von 2 Jahren ihren momentanen Vorsprung eingebuesst haben.

        • Remo Nydegger sagt:

          Natürlich wäre so etwas möglich gewesen. Sieh dir nur mal Man City an und wie sie diese Regelungen umgangen sind/umgehen. Ist rel. einfach. Leider.

  8. Mäsi sagt:

    Gibt/gab es eigentlich jemals Bestrebungen, Celtic und die Rangers in die Premier League einzugliedern? Mit Swansea spielt ja auch ein walisisches Team in der PL, obwohl diese eine eigene Liga haetten.
    Weiss jemand mehr zu dieser Thematik? Wieso wuerde sowas nicht gehen? Oder wieso ist es gescheitert, falls es Ansaetze gab?

    • Marco sagt:

      Solche Pläne werden schon seit längerer Zeit verfolgt und ich denke Celtic und Rangers wären nicht abgeneigt wohl vor allem des Geldes wegen. Jedoch sind die meisten Premier League Klubs gegen diese Integrierung. Des Weiteren wäre ein Verlust der Rangers und von Celtic wohl der Todesstoss für die SPL da die Qualität der Liga ohne die zwei Glasgow-Klubs noch bescheidener wäre und die Sponsoren-Verträge mangels Attraktivität extrem gekürzt würden was ein Überleben der anderen Vereine als professioneller Klub ohne Amateurspieler schwierig machen würde.

      • Mäsi sagt:

        Wäre es nicht möglich, dass dann die SPL wieder an Attraktivität gewinnt? Es herrscht mehr Spannung, was für Sponsoren interessanter sein könnte und im Endeffekt (längerfristig) die Liga aufwertet…

      • Pedro sagt:

        Da fragt es sich natuerlich ob die PL soviel ausschuettet, dass die CL und EL Einnahmen damit kompensiert wuerden. Es waere dann ja hoffentlich so, dass sich die Gasgower Klubs via PL fuer die intl. Wettbewerbe qualifizieren muessten und ob das gelingen wuerde…

        • Mäsi sagt:

          Die Glasgower Vereine muesste nach wie vor fuer Schottland in die europaeischen Wettbewerbe. Dass sie dann auch deren Plaetze erhalten wuerden, bezweifle ich.
          Womoeglich, muesste eine Art Super-Cup gespielt werden (Glasgower-Vereine vs. Sieger der schottischen Liga), um die Europacup-Plaetze auszumachen.

          Wie wird das mit Swansea gehandhabt?

  9. Patrick Scheibli sagt:

    ..das die rangers oder celtic in der epl mitspielen geht nicht, versuche wurden mehermale gemacht aber von der UEFA nicht akezeptiert. es stimmt, dass manschaften aus wales in der epl oder in der championship spielen, dies ist aber so da wales keine profiliga hat.