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Schafft endlich die Champions League ab!

Simon Zimmerli am Freitag den 21. März 2014
Die Fetten werden immer fetter: Bayern Münchens Arjen Robben mit der Champions-League-Trophäe nach dem Sieg gegen Dortmund am 25. Mai 2013. (Foto: Andreas Gebert, Keystone)

Die Fetten werden immer fetter: Bayern Münchens Arjen Robben mit der Champions-League-Trophäe nach dem Sieg gegen Dortmund am 25. Mai 2013. (Foto: Andreas Gebert, Keystone)

Champions League schauen ist wie jeden Tag Uncle-Ben’s-Fertigreis essen: Es ist todlangweilig. Sämtliche Spiele in den Achtelfinals waren, mal abgesehen von der Partie zwischen Olympiakos Piräus und Manchester United, bereits nach dem Hinspiel entschieden. Es sind immer die gleichen Mannschaften, die wie Hyänen über den Champions-League-Pokal, der nicht nur mit teurem Champagner, sondern ab der Gruppenphase auch mit über einer Milliarde Schweizer Franken an Prämien gefüllt ist, herfallen.

Den Brei der europäischen Clubwettbewerbe haben aber nicht mehrere Köche verdorben, sondern nur einer. Der belgische Schulkantinenkoch Jean-Marc Bosman, der mit seiner aufmüpfigen Art vor einem belgischen Gericht seinen Wechsel zum französischen Zweitligisten USL Dünkirchen erzwang. Daraufhin forderte das Gericht den Europäischen Gerichtshof auf, eine einheitliche Regelung zur freien Wahl des Arbeitsplatzes innerhalb Europas zu schaffen. Die Konsequenzen sind bekannt, und zudem dürfen seither beliebig viele Ausländer aus aller Welt in den europäischen Fussballligen eingesetzt werden.

Ich bin Nostalgiker. Die Partien zwischen Real Madrid und Neuchâtel-Xamax oder zwischen Wettingen und Napoli bleiben unvergessen. Der kleine David aus der Schweiz durfte den grossen Goliath aus Spanien oder Italien fordern. Exoten fehlen nun gänzlich in der Champions-League-Gruppenphase. Warum qualifiziert sich der Drittplatzierte der deutschen Bundesliga direkt für die Champions League, St. Patrick’s Athletic geht aber leer aus? Die Chance, wenigstens an den Brosamen der Europa League zu riechen, ist für diesen Verein sehr gering, und trotzdem könnte der irische Landesmeister – wie einst der FCZ, Wettingen oder Neuchâtel-Xamax – die ganz Grossen in zwei Spielen fordern. Nur würde dann die Uefa nicht so viel Geld verdienen.

Die Europa League wurde angeblich aufgewertet. Das ist völlig lächerlich. Die Europa League ist ein über Jahre verdorbenes Stück Fleisch, das jetzt mit einer rassigen Sauce und etwas Kräutern vergeblich aufzupimpen versucht wird. Auch mit der erhöhten Prämienausschüttung, die immer noch lediglich ein Fünftel des Champions-League-Fleischtopfes beträgt, mag in der Europa League einfach keine Stimmung aufkommen.

Auch die Meisterschaften werden von den internationalen Wettbewerben beeinträchtigt. Sie verkommen zur Farce. Basel führt mit ungenügenden 5 Punkten Vorsprung, PSG führt in der französischen Meisterschaft mit 8 Punkten, der FC Bayern München bringt es auf stattliche 23 und Juventus Turin auf 14 Zähler Vorsprung. Eine Zumutung ist mittlerweile auch der früher prestigeträchtige Cup oder Pokal, der in England, Deutschland, Spanien oder Italien nur noch zu Testspielzwecken mit Rotationsversuchen dient.

Die Fetten werden immer fetter. Die Schweiz, die dieses Jahr einen direkten Champions-League-Platz geschenkt bekommt, ist ein Paradebeispiel dafür. Wir dürfen davon ausgehen, dass der Schweizer Meister leider auch diese Saison FC Basel heisst und allein mit der Qualifikation zur Champions League zusätzlich ein Jahresbudget eines Super-League-Spitzenvereins einstreicht und der Konkurrenz in noch grösseren Schritten enteilt.

Jeder Landesmeister, auch die Düdelinger, die per Zufall in der letztjährigen Champions-League-Kampagne die Millionärstruppe von Red Bull Salzburg rausbugsierten, sollte eine Chance erhalten. Und warum sollte es dem FC Lusitanos aus Andorra nicht in zwei perfekten Spielen gelingen, den FC Basel zu überfordern? Ich würde mich jedenfalls freuen.

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