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Xhaka oder Shaqiri als Spielmacher an der WM?

Fabian Ruch am Mittwoch den 5. März 2014

Wie sieht die ideale Aufstellung der Nati aus? Bild (v. l.): Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Valon Behrami feiern einen Treffer gegen Albanien, 11. September 2012. (Keystone/Walter Bieri)

Heute Abend testet die Schweiz in St. Gallen gegen Kroatien. Es ist der einzige Termin der Nationalteams im ersten Halbjahr 2014, ehe Ende Mai die unmittelbare Vorbereitung auf die WM in Brasilien beginnt. Die Fussballer dürften die Testspiele am Mittwoch mit mässiger Begeisterung bestreiten, gilt der Fokus in diesen Frühlingswochen doch der Vereinsagenda.

Die Schweiz ist ohnehin bestens eingespielt, es gibt bei ihr sowohl bezüglich Aufstellung als auch WM-Kader – Verletzungen ausgenommen – kaum offene Fragen. Eine Debatte allerdings könnte durchaus interessant sein: Wer soll der Spielmacher an der WM sein?

Ich habe an dieser Stelle ja bereits geschrieben, dass Xherdan Shaqiri mit seiner Klasse im Zentrum noch stärker zur Geltung kommen kann. Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld aber nominiert den Bayern-Spieler meistens am rechten Flügel im 4-2-3-1-System. Dort hat Shaqiri ebenfalls viele Freiheiten, ist aber natürlich weniger ins Geschehen eingebunden, als wenn er in der Mitte spielen würde. Als Regisseur, der den Takt vorgibt.

Wer gehört auf die Position des Zehners?

Bei Hitzfeld spielt Granit Xhaka auf der Position des Zehners, und natürlich ist auch Xhaka ein ausgezeichneter Fussballspieler. Noch besser und wirkungsvoller aber ist der Mittelfeldspieler ein paar Meter weiter hinten im defensiven Aufbau. Dort agiert Xhaka auch bei Gladbach, wo er seine Leistungen in dieser Saison deutlich stabilisiert hat, in den letzten Wochen in der Gladbach-Krise aber ebenfalls nicht brillierte. Xhaka ist ein hervorragender Stratege, der zu weit vorne fast ein wenig verschenkt ist.

Auf den Umschaltpositionen im Aufbau allerdings vertraut Hitzfeld im Nationalteam den Napoli-Spielern Gökhan Inler und Valon Behrami, zudem stehen dort mit Blerim Dzemaili (Napoli) und Pirmin Schwegler (Frankfurt) sowie allenfalls den polyvalenten Gelson Fernandes (Freiburg), Fabian Lustenberger (Hertha Berlin) und Fabian Frei (Basel) weitere passable Alternativen zur Verfügung.

Und weil Xhaka mit seinen Möglichkeiten ganz einfach ins Stammteam gehört, dürfte Hitzfeld nicht bereit sein, an seiner Formation etwas zu ändern. Die Idee mit Shaqiri als Spielmacher jedoch ist reizvoll, und sie hat an Aktualität gewonnen, weil es in der Schweizer Offensive jetzt mehr Alternativen gibt. Die bei ihren Clubs stagnierenden Eren Derdiyok (Leverkusen) und Haris Seferovic (San Sebastian) sind im Stürmer-Ranking jedenfalls gleich von einem Trio überholt worden. Und während Zürichs Mario Gavranovic, derzeit wohl die Nummer 3 unter den Angreifern, kaum am Flügel einsetzbar ist, sind die formstarken Josip Drmic und Admir Mehmedi variable Offensivkräfte.

Glänzende Perspektiven in der Schweizer Offensive

Mehmedi hat nach schwierigen Zeiten bei Dynamo Kiew zuletzt bei SC Freiburg überzeugt. Er drängt auch im Nationalteam in die Mannschaft und ist mit seiner Spielstärke und seiner Torgefährlichkeit auf dem besten Weg, eine Fixkraft zu werden. Das gilt noch mehr für Drmic, der in Nürnberg ein Tor nach dem anderen erzielt und in diesen Wochen einer der auffälligsten Bundesliga-Stürmer ist. Drmic ist 21 Jahre alt und damit noch ein Jahr jünger als Mehmedi. Und weil auch Shaqiri und Xhaka noch jung sind, dürfen die Perspektiven der Schweizer Offensive als glänzend bezeichnet werden. Auch Gavranovic, Derdiyok, Seferovic und Valentin Stocker, auf dem linken Flügel im Zweikampf mit Tranquillo Barnetta im Vorteil, sind noch keine 26.

Ich fände eine offensive Dreierreihe mit Drmic und Stocker auf den Seiten sowie Shaqiri im Zentrum hinter Angreifer Mehmedi interessant, wobei insbesondere Drmic und Mehmedi rotieren könnten. Aber vielleicht setzt Hitzfeld ja auf das Trio Shaqiri/Xhaka/Drmic hinter Mehmedi. Es wäre zumindest keine Überraschung, stünden an der WM sowohl Mehmedi als auch Drmic in der Stammformation – auch wenn das heute noch eine ungewohnte Vorstellung ist.

Wie würden Sie die Schweizer Offensive aufstellen? Sollte Shaqiri im Zentrum spielen? Wo kommen Xhakas Stärken zur Geltung? Und gehören die formstarken Drmic und Mehmedi in die Stammformation?

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15 Kommentare zu “Xhaka oder Shaqiri als Spielmacher an der WM?”

  1. Raphael Correcher sagt:

    Ich denke, das “Problem” lässt sich einfach lösen, indem Hitzfeld nicht stur an seinem 4-2-3-1 festhält. Ein offensiv interpretiertes 4-4-1-1 wäre auch eine interessante Option:
    Drmic (ist für mich kaltschnäuziger als Gavranovic und BL-gestählt) als Sturmspitze mit Shaqiri dahinter als Spielmacher. Als Angriffsauslöser im defensiven Mittelfeld könnte Xhaka (führt die feinere Klinge als Inler) neben Inler spielen und die Flügel könnten je nach Gegner unterschiedlich offensiv besetzt werden. Hierzu kämen folgende Mannen in Frage: Stocker/Beharmi/Barnetta (als Einwechselspieler)/Mehmedi (kann auch offensiv in einer Flügelposition spielen).
    Man schaue bei den Bayern, wie flexibel und vorbildlich sie ihre Spielsysteme interpretieren…

  2. Schweiz Fan sagt:

    Mit folgender Aufstellung hätten wir offensiv sicher mehr Durchsetzungsvermögen:
    Sommer; Voser, Schär, Von Bergen, Ch. Schwegler; P. Schwegler, Lustenberger; Stocker, Shaqiri, Lichtsteiner; Drmic
    Shaquiri ins Zentrum, Xhaka und Mehmedi auf die Bank! Lichtsteiner muss wie bei Juve offensiv spielen.
    WM-Finale wir kommen:-)

    • riri sagt:

      XHAKA AUF DIE BANK WAS IST DENN BEI DIR SCHIEF GELAUFEN????
      Er ist einer der besten in der Nati! Ob jetzt auf der zehn oder auf der sechs, er bringt (fast) immer eine Leistung obwohl er mir als 6er im Spielaufbau noch besser gefällt auf jeden Fall nicht auf die Bank! 😮

  3. de Philippe sagt:

    Bin exakt der Meinung des Schreibers was Shaqiri und Xhaka betrifft. Hitzfeld müsste für diese Umstellung aber entweder Inler oder Behrami opfern (ich wäre für Inler), will das aber nicht, weil wir er die Stabilität mit den beiden genannten UND mit Xhaka in der Mitte höher und wichtiger einschätzt als die mögliche offensive Stärke mit Shaqiri im Zentrum. Kann ich nachvollziehen, da für ein Weiterkommen an Turnieren zuallererst defensiv gut gearbeitet werden muss. Ich hoffe einfach, dass Hitzfeld allenfalls mutig genug ist rechtzeitig umzustellen, falls es nötig werden sollte. Noch ein Ecuador will ich nicht erleben. Ein Vorteil der Umstellung könnte aber auch sein, dass dann rechts aussen der Platz für Lichtsteiner frei würde. So viel Mut traue ich Hitfeld aber beim besten Willen nicht zu…

  4. h.w. ryser sagt:

    Ich finde auch, dass Xhaka weiter nach hinten gehört und Shaqiri auf die 10.
    Um für Xhaka auf der Doppelsechs Platz zu schaffen, müsste Behrami auf die Position des Rechtsverteidigers ausweichen, wo das Offensivpotential von Lichtsteiner sowieso verschenkt ist.
    Aus diesen Verschiebungen ergibt sich folgende Aufstellung: Sommer/Benaglio; Behrami, Schär, Lustenberger/von Bergen, Rodriguez; Xhaka, Frei/Inler; Lichtsteiner, Shaqiri, Drmic/Stocker; Gavranovic/Mehmedi.

    • Jerry Sumer sagt:

      Die Idee ist gut, wird ja bereits während Lichtsteiners Flankenläufen praktiziert, dass behrami absichert. Am duo Inler/Berahmi wird es für Xhaka kei Verbeikommen geben, ist ja eines der besten in Italien. Im vergleich zu Napoli fehlt nur der Spielmacher davor, da sehe ich am ehesten Stocker, mit shaq und drimic/zuber als Flügelzange.

  5. Armando sagt:

    Naja, bin der Meinung das Hitzfeld das System flexibel spielen lässt. Sprich vom 4-2-3-1 zum 4-4-1-1. Halt je nach Situation. Die Verschiebungen sind vor allem gegen starke Gegner sehr gut zu sehen.
    Sehe Xhaka auch eher als 6er. Inler und Behrami sind für mich jedoch klar gesetzt, sofern fit. Shaq ist auf dem Flügel gut aufgehoben und zieht sowieso immer wieder in die Mitte. Als 10er würde ich gerne Stocker sehen und Drmic an seiner Stelle auf dem Flügel. Das Lichtensteiner und Rodriguez nicht so offensiv spielen wie im Verein, ist schade. Aber das Problem ist die Innenverteidigung. Die ist zu schwach resp. zu unerfahren um gegen Topstürmer im 1gegen1 zu bestehen. Würde dort gerne Frei und Lustenberger sehen. Haben beide schon Erfahrung auf der Position.

  6. Auguste sagt:

    hmm…, in der offensive existieren mittlerweile tatsächlich einige interessante und denkbare varianten, was vielleicht sogar das fehlen eines verlässlichen goalgetters ausgleichen könnte. die wichtigste entscheidung hitzfelds wird aber die doppelsechs betreffen: inler/behrami stehen für solide defensive mit behäbiger angriffsauslösung. also das solide spiel, das man von der nati kennt und kaum für torgefahr aus dem spiel heraus sorgt. damit gewinnt man gegen schwache quali-gruppengegner, aber nicht gegen ordentliche wm-teilnehmer.

    mit xhaka in der doppelsechs und shaqiri auf der 10 wäre offensiv mehr möglich, ohne gleich defensiv anfällig zu werden. weil aber hitzfeld ein eher ängstlicher trainer geworden ist, der sich am ende seiner karriere auf keinen fall blamieren will, wird er wohl zu beginn eher auf inler/behrami setzen und xhaka auf der 10 spielen lassen. dann bliebe ihm immer noch die option dzemaili dahinter, um während des spiels zu reagieren.

  7. thomas reichmuth sagt:

    Ich tendiere zu einem flexiblen 4-5-1, dass sich je nach Spielsituation fliessend in ein 4-3-3 oder im Extremfall in ein 3-5-2 unwandeln kann. Stocker als 10 ist Schwachsinn, es gibt in der CH-Nati momentan keine typische 10.
    4-5-1 mit Shak am flügel, auf der gleichen seite Lichtsteiner als offensiver Aussenverteiger. Damit kann shak auch mal in die Mitte ziehen. 3 zentrale Mf-Spieler, Inler, Behrami,Xhaka macht den 6.

    • Armando sagt:

      Lieber Herr Reichmuth, nur weil sie keinen Sinn sehen Stocker als 10er zu bringen, muss dass nicht heissen dass der Sinn generel schwach ist. Jeder hat seine Meinung. Stocker hat schon diverse Male (vor Delgados Rückkehr und Diaz Leistungssteigerung) im offensiven Mittelfeld gespielt. Grundsätzlich hat er die Qualitäten dafür.

  8. Maiko Laugun sagt:

    4-5-1 mit Shaqiri als einzigem Stürmer.

  9. G. Müller sagt:

    Das Problem ist Hitzfeld – nur keiner wagt es auszusprechen, da sein früherer Leistungsausweis hervorragend ist. Ich freue mich auf die Zeit danach – mit modernem Fussball.

  10. Viktor Markus sagt:

    Was ich hier sehr vermisse sind einige Stimmen zu Kasami!
    Ein Spieler der Kraftvoll, Bälle halten und auch verteilen kann, der von seiner Statur allen anderen im Angriff der Nati überlegen ist.
    Der Mann gehört mit nach Brasilien und eine Ansage wie Jogi das in Deutschland machte, würde der Nati ebenfalls gutstehen!

  11. Heinz sagt:

    Statt wie Jogi in Deutschland alle mal richtig unter Druck zu setzen glauben wir in unserer typischen Schweizer Art schon wieder alles im Griff zu haben. Die Schweiz ist (wie Fabian Ruch schreibt) ‘bestens eingespielt’ und bezgl. Austellung sind ‘kaum noch Fragen offen’. Diese unflexible und einigermassen arrogante Einstellung hindert uns immer wieder am groesseren Erfolg. Wenn also die Spieler heute schon glauben einen Stammplatz zu haben und diese Vorbereitungsspiele ‘mit maessiger Begeisterung’ bestreiten, dann koennen sie gleich zu Hause bleiben.

  12. Rafael Blattner sagt:

    Egal welche Version es sein soll, gestern hat man wieder gesehen, wie dermassen Xhaka überschätzt wird. Ausser einem Flatterball aus der Distanz ist offensiv nichts gekommen. Auch defensiv war er ziemlich anfällig. Beim 1:1 steht er im leeren Raum, weshalb die Zuteilung nicht stimmt und Olic mutterseelenalleine zum Ausgleich ansetzen kann. Vor dem 2:2 spielt er in der Angriffsauslösung der Schweizer einen katastrophalen Fehlpass und leitet somit den Gegenangriff der Kroaten ein. Erstaunlicherweise werden derartige entscheidende Aussetzer kaum mal kommentiert in den Medien.