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Ist die Super League bereit für einen schwulen Fussballer?

Fabian Ruch am Donnerstag den 16. Januar 2014
File photo of VfB Stuttgart's Hitzlsperger

Er wagte sein Coming-out erst nach dem Karriereende: Der deutsche Fussballer Thomas Hitzlsperger. (Foto: Ina Fassbender/Reuters)

Es gibt Schwule im Fussball, das ist klar, und ebenso klar ist, dass dieses Thema die Menschen stark interessiert. Es hat Schwule in der Bundesliga, in der Serie A, in der Premier League und natürlich auch in der Super League, es gibt schwule Weltmeister und schwule Champions-League-Sieger. Und das ist gut so. Bitter ist nur, dass diese Fussballer ihre Neigung noch immer verstecken müssen.

Ich bin nicht der Erste, der findet, es sei ein Armutszeugnis, wenn Homosexuelle auf irgendeine Art diskriminiert werden. Aber es passiert leider. Mehr als wir denken, glaubt man Umfragen und Statistiken. Vielleicht nicht sehr ausgeprägt in der Schweiz, aber man muss nicht weit reisen, um Homophobie in teilweise krasser Ausprägung zu erleben. Diese Diskriminierung ist aber, das sei an dieser Stelle klargestellt, gewiss kein exklusives Problem des Fussballs. Oder gibt es beispielsweise keine schwulen Eishockeyspieler? Aber auch in der angeblich so harten Fussballwelt voller Machos und Macher und Mannsbilder haben Schwule noch keinen Platz gefunden.

Warum eigentlich nicht?

Nachdem sich der frühere deutsche Nationalspieler Thomas Hitzlsperger vor ein paar Tagen geoutet hatte, rollten ihm Sympathiewellen entgegen. Es ist schlimm genug, dass einer im 21. Jahrhundert als mutig gilt, weil er zu seiner Neigung steht. Zumindest in aufgeklärten Teilen dieser Welt sollte es heute eine Selbstverständlichkeit sein, schwul sein zu dürfen. Aber ein schwuler Fussballer hätte es in Russland, Afrika oder Südamerika, um nur drei Beispiele zu nennen, schwer. Es wäre unangenehm für ihn, vor allem Auswärtsspiele würden zur Qual werden.

Wie sieht es aber in der Bundesliga aus? Und wie in der Super League?

In Deutschland wurde nach Hitzlspergers Bekenntnis mit alemannischer Gründlichkeit analysiert, was das jetzt für schwule Kicker bedeutet. Viele beteuerten, die Zeit sei reif für schwule Fussballer.

Ist das so? Was passiert, wenn sich der erste aktive Bundesligaspieler outet? Mal angenommen, es ist ein Schalker – wie wird er beim nächsten Gastspiel in Dortmund empfangen?

Leider gibt es ja neben vielen tollen, aufgeschlossenen, angenehmen Fussballfans auch tumbe, dämliche Vertreter, die in der Masse ein ungesundes Gewicht erhalten. Vermutlich müsste der erste Bundesligaspieler, der sich outet, ein prominenter Akteur sein –  im Idealfall ein beliebter, anerkannter Nationalspieler. Gerüchte über schwule Bundesligaprominenz gibt es reichlich, doch in deutschen Journalistenkreisen ist das ebenfalls ein Tabuthema – zumindest was die Veröffentlichung angeht. Selbst der Boulevard verzichtet auf fette Schlagzeilen und will keinen Schwulen outen. Niemand kann die Folgen abschätzen, keiner will einen Fussballer derart blossstellen. Da zeigen selbst die knallharten Boulevardblätter Fingerspitzengefühl.

Ich behaupte aber: Die Bundesliga ist bald bereit für Schwule. Schritt für Schritt wird die Öffentlichkeit darauf vorbereitet. Der Deutsche Fussballbund veröffentlichte letztes Jahr sogar eine Informationsbroschüre («Fussball und Homosexualität»). Noch aber tut sich die Branche selbst in Mitteleuropa schwer mit dem Thema, noch wird Fussballern geraten, sich erst nach der Karriere zu outen. Man weiss nie, wie die Leute im Stadion reagieren würden.

Aber insgesamt ist das Klima so gut wie wohl noch nie für ein Coming-out. Ich bin mir auch sicher, dass es nicht mehr so lange geht, bis sich der erste aktive Fussballer in Deutschland oder in der Schweiz outen wird. Meine Haltung mag einigen naiv vorkommen. Doch die Kurven sind nicht mehr so aggressiv wie früher, viele Fussballfans sind jung oder gebildet oder politisch engagiert (oder alles zusammen). Und Medien wie Meinungsmacher würden sowieso positiv über den Spieler urteilen.

Wäre ein schwuler FC-Basel-Akteur also akzeptiert? Oder einer vom FC Aarau? Vermutlich spielt es bezüglich Reaktionen in fremden Stadien, so traurig das ist, tatsächlich eine Rolle, in welchem Verein der homosexuelle Fussballer engagiert ist. Aarau und der SC Freiburg sind dafür wohl die angenehmeren Adressen als Basel und Bayern München. Auf der anderen Seite aber wäre ein Starspieler eben nachhaltiger für die Homosexuellen-Bewegung. Und insgesamt, das wage ich zu behaupten, sind die Schweiz und Deutschland die besten Länder für einen schwulen Fussballer.

Und was glauben Sie? Ist die Super League bereit für einen schwulen Spieler? Oder dauert das noch ein paar Jahre? Was ist mit der Bundesliga? Wie würden Medien, Öffentlichkeit und Fans reagieren?

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20 Kommentare zu “Ist die Super League bereit für einen schwulen Fussballer?”

  1. Bernard Zappli sagt:

    Wann kommen die Transgender? Die Sado-Masochisten? Solche, die auf Fesselspiele stehen? Die Lack- und Lederfetischisten? Outet euch endlich, die Medien sind geil auf euch.

    • Markus Hutter sagt:

      Sind Fussballer nicht zwangsweise irgendwie Lederfetischisten?

    • Peter Weber sagt:

      Schade, dass Homosexualitaet von Hr. Zappli implizit auf Sex reduziert wird. Dabei geht es beim Schwulsein um sehr viel mehr also bloss Sexualitaet – genauso wie in heterosexuellen Partnerschaften i.d.R. Sex nicht das einzige verbindende Element ist.

  2. Daniel Zurbriggen sagt:

    Ist ja enorm wichtig ob ein Fussballer oder wer auch immer auf Blondinen, Brünetten, Homosexuelle, Schwarze grosse oder kleine Busen behaart oder rasiert oder weiss ich was steht. Wichtig erscheint mir bei einer sexuellen Begegnung das es beiden Spass macht.

    • Marco sagt:

      Solange der gemeine Fussballfan Homosexuelle auf den Scheiterhaufen werfen will, sofern es der Alkoholpegel zulässt, ist dies m.E. schon nicht unwichtig.

  3. Mara Donna sagt:

    Who cares?

  4. Markus Hutter sagt:

    Spätestens nach dem ersten Spiel ist das alles kalter Kaffee. Wird niemanden mehr interessieren, was richtig so ist, da uns das auch nicht zu interessieren hat. Etwas weiter östlich in Europa wird es da leider schon schwieriger.

  5. Oswald Müntener sagt:

    Traurig genug, dass immer noch über dieses Thema debattiert werden muss! Aber ja, Fabian Ruch, die Zeit ist reif, dass möglichst viele Sportlerinnen und Sportler, berühmt oder weniger berühmt, ihre Homosexualität mitteilen. Es wird ein Aufschrei durch die (nicht so aufgeschlossene) Fanwelt gehen, danach aber wird dieses leidige Thema vom Tisch sein: Schwul? So what?

  6. Jeanclaude sagt:

    Sicherlich gibt es auch in der Superleague homosexuelle Spieler – wie in allen Berufs- und Sportzweigen. Traditionsgemäss haben homosexuelle Männer und Frauen eher die Neigung nach künstlerischen Tätigkeiten, besonders Ballett und Tanz. Im Sport waren bis jetzt mehr lesbische Frauen als schwule Männer ein Thema. Es ist höchste Zeit, dass man Menschen nicht mehr anhand ihrer sexuellen Neigung beurteilt.

    • John Walker sagt:

      Damit dass Menschen nicht nach ihrer sexuellen Orientierung beurteilt werden sollen, stimme ich Ihnen vollkommen zu. Ihre Aussage über die Neigung nach künstlerischen Tätigkeiten halte ich hingegen für ein dummes Klischee. Bin selber schwul und mir käme es niemals in den Sinn, Balett auszüben.

  7. Alex sagt:

    Witzig, im Frauenfussball ist es beinahe Pflicht Lesbe zu sein, und hier macht man so ein Tamtam. Aber das erstaunt nicht. Dieses konservative, träge Konstrukt, in dem grundlegende Regeländerungen kaum durchzusetzen sind, dieses rückständige Machosein, das gut für die Vermarktung ist. Fussball ist sowas von zurückgeblieben. Für Zurückgebliebene halt.

  8. Anja Hame sagt:

    Sicher wäre das kein Thema, wären die Umstände so, dass ein homosexueller oder lesbischer Sportler oder als was er auch immer durchsLeben geht, seinen Lebenspartner auch in der Öffentlichketi präsentieren könnte und ohne Diskriminierung zu seiner gewollten Orientierung stehen könnte, Da hinkt doch die Gesellschaft hinterher, das ganze Versteckspiel mit den gekauften Freundinnen etc, nimmt doch einem anders liebenden und eigentlich lebendeen soviel Energie, die er aufwenden muss für diese gravierende Lebenslüge. Dass geht doch weit über was im Bett stattfindet hinaus, das sexuelle ist doch nur ein Teil vom Leben

  9. Lienhard sagt:

    Liebe Medien, wann hört ihr endlich mit diesem Nonsens auf? Was zählt, ist die Leistung, auf dem Platz, wie im Berufsleben überhaupt!

  10. Dave sagt:

    Sorry, aber darf ich mal eine andere Sicht der Dinge hier anbringen: es könnte ja sein, dass es gar nicht so viele schwule Fussballer gibt, oder sogar gar keine in der CH? Mich dünkt, als wartet jetzt alles darauf, dass sich endlich ein aktiver Fussballer als schwul outet, damit sich alle bestätigt fühlen. Es gibt schon fast eine Art Druck, dass sich jetzt endlich einer outet. Ich bin mir nicht sicher, ob es dann so viele Coming Outs geben wird, weil es ganz einfach nicht so viele Schwule gibt im Fussball. Und nein, ich hab nichts gegen Schwule. Mich lässt einafch dieser Gedanke nicht los, warum es bis jetzt keine Coming Outs gab. Meine Folgerung deshalb wie schon erwähnt, vielleicht gibts fast keine Schwule im Fussball?

    • Marco sagt:

      Oder weil Fussballstadions ideale Brutstätten für Homophobie sind und sich ein solches Outing negativ auf die Karriere auswirken könnte?

      • Dave sagt:

        Wo es eine grosse Massen-Ansammlung von Menschen gibt, werden vermutlich auch Homophobe Menschen darunter sein. Was aber ihnen auch klar sein wird ist, dass es sicher nicht die Mehrheit ist. Aber wenn jemand so denkt wie sie, der hat wohl sonst noch andere Probleme…

  11. Armando sagt:

    Verstehe nicht wieso ein Sportler öffentlich hinstehen sollte und sich zu seinen sexuellen Neigungen äussern sollte, wird sonst auch nicht so gemacht.
    Schade und traurig an der ganzen Sache ist doch, dass die Betroffenen das Gefühl haben sie müssten sich vor der Öffentlichkeit, vor den eigenen Mitspieleren und Fans verstecken. Jeder sollte sein Leben leben.

  12. Auguste sagt:

    hmm…, eigentlich ist das thema ja grundverkehrt angepackt: nicht die wie immer geartete sexualität von fussballern sollte thema sein, sondern die völlig überzogene homophobie in aufgeklärten gesellschaften. viel lieber als “coming-outs” von sportlern hörte ich mal die argumente der schwulen-basher. die wären wahrscheinlich lesenswerter, wenn wohl auch nur ganz selten einfalts- und fehlerfrei. die russen sind von all dem ausgenommen – die werden nie richtig aufgeklärt, sondern nur immer auf neue art gebrainwashed.

    der tag, an dem man sich nur noch gedanken über homosexualität im sport machen müsste, wäre ein freudentag für den planeten – im gesamtrahmen betrachtet.

  13. Raymond Allaman sagt:

    Geht’s in diesem Blog auch wieder mal um Fussball? In den letzten Wochen immer nur Beiträge über dieselben zwei absolut belanglosen Nebenaspekte: Ronaldo oder Messi? – Schwuler Fussballer! – Ronaldo oder Ribery? – Ronaldo! – Wieso Ronaldo? – Schwule Fussballer? Vielleicht gibt es nächstes Jahr ja die Wahl zum schwulen Weltfussballer des Jahres. Das wäre ein Fest für die Autoren dieses Blogs.