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Portugal und Ronaldo gehören einfach an die WM

Fabian Ruch am Mittwoch den 13. November 2013

Die Schweiz hat sich souverän für die WM 2014 qualifiziert – und bestreitet am Freitag ein Testspiel in Seoul gegen Südkorea, das nun wirklich bloss hartgesottene Fussballfans interessiert. Es gibt ja ohnehin ein paar Länderspieltermine, die sind ziemlich überflüssig. Jene in den nächsten Tagen gehören zwingend dazu.

Einerseits.

Andererseits finden von heute bis nächsten Mittwoch nebst bedeutungslosen Testbegegnungen auch die letzten Qualifikationsspiele für die Weltmeisterschaft statt. In den Playoffs (oder Barrage, wie man in der Schweiz sagt) werden die elf letzten Teilnehmer ermittelt. Wir betätigen uns für einmal als Wettempfehlungsblog und wagen Prognosen (die nur leicht sympathiegefärbt sind…).

Mexiko (gegen Neuseeland) und Uruguay (gegen Jordanien) setzen sich in den interkontinentalen Duellen gegen krasse Aussenseiter durch. Mexiko verfügt über sehr starke junge Akteure und gehört an die WM, wenn man das so schreiben darf. Und Uruguay mit den zwei Weltklassestürmern Luis Suarez und Edinson Cavani ist an der Weltmeisterschaft gleichfalls ein interessanter Farbtupfer. Insbesondere in Brasilien. Ältere Menschen und Fussballfreaks wissen Bescheid.

In Europa stehen derweil vier Playoffpaarungen auf dem Programm. Kroatien ist gegen das unangenehme Island deutlich favorisiert. Zwischen Rumänien und Griechenland stehen die Chancen 50:50, die biederen, aber stabilen Griechen sind jedoch erfahrener. Beide Länder sind – so ehrlich darf man sein – eher unattraktive WM-Teilnehmer. Was umso bitterer ist für all jene Romantiker (wie mich), die gerne alle Superstars an einer Weltmeisterschaft dabei hätten. Natürlich: Wales mit Gareth Bale wird sich leider kaum einmal qualifizieren, aber dass einer der drei besten Fussballer im nächsten Sommer nicht dabei sein wird, ist sehr schade. Entweder Cristiano Ronaldo oder Zlatan Ibrahimovic wird die WM ja als prominenter Zuschauer verfolgen, weil Portugal und Schweden in der Barrage aufeinandertreffen. Wir glauben an das zuletzt schwächelnde Portugal, weil die Schweden sehr stark von Ibrahimovic abhängig sind, im Mittelfeld über weniger Klasse als der Kontrahent verfügen und auch in der Defensive alles andere als überzeugend agieren.

Ronaldo gehört einfach an die WM nach Brasilien, so ist das. Und auch die Fussballweltmacht Frankreich muss zweifellos dabei sein und wird die Ukraine bezwingen. Frankreich steckt nach schwierigen Jahren wieder in einer positiven Entwicklung und wurde im Sommer mit dem grossartigen Strategen Paul Pogba (Juventus) U-20-Weltmeister. Pogba ist längst Nationalspieler und eines der vielen Talente Frankreichs. Die Ukraine dagegen hat den Generationenwechsel verpasst, und offen ist, zu was die alte Garde noch fähig ist. Mit Andrei Jarmolenko von Dynamo Kiew, der zuletzt auch gegen den FC Thun in der Europa League brillierte, haben die Ukrainer derzeit bloss einen Akteur von gehobener individueller Qualität.

In Afrika stehen unterdessen die Rückspiele der fünf Playoffbegegnungen an. Die Grössen Ghana (6:1 im Hinspiel gegen Ägypten), Nigeria (2:1-Sieg in Äthiopien) und auch die Elfenbeinküste (3:1 gegen Senegal) dürften durch sein. Und Kamerun, wo Weltstar Samuel Eto’o den gefühlt 23. Rücktritt vom Rücktritt gab, steht nach dem 0:0 im Hinspiel in Tunesien ebenfalls vor der WM-Qualifikation. Algerien schliesslich verlor zwar beim überraschend starken Burkina Faso 2:3, wird diesen Rückstand aber im Heimspiel korrigieren können.

Und so stehen in einer Woche die 32 WM-Teams fest. Wen wir aus den unterschiedlichsten Gründen neben Schweden an der Weltmeisterschaft vermissen werden: die Türkei (wegen den vielen Türken in der Schweiz, die jetzt im nächsten Sommer nicht mitfiebern dürfen), Polen (wegen Robert Lewandowski), Irland (wegen seiner singenden Fans), Dänemark (wegen seiner fröhlichen Fans), Kanada (wegen seiner Grösse), Südafrika (wegen seiner politischen Bedeutung in Afrika), China (wegen seiner politischen Bedeutung in der Welt), Thailand (weil es ein so schönes Reiseland ist), Jamaika (weil Jamaika).

Und was glauben Sie, wer setzt sich in den Playoffspielen durch? Welches Land hätten Sie gerne noch an der WM gesehen? Würden Sie lieber auf Cristiano Ronaldo oder Zlatan Ibrahimovic an der Weltmeisterschaft verzichten?

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