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Der FCB wackelt – wer profitiert?

Fabian Ruch am Mittwoch den 6. November 2013
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Wirkt zurzeit immer wieder ein bisschen Ratlos: Marco Streller, Captain des FC Basel hier im Champions-League-Spiel gegen Steaua Bukarest. (Keystone/Salvatore di Nolfi)

Auch ich habe mich getäuscht. Vor der Saison dachte ich, dass der FC Basel locker zum fünften Mal in Serie Meister werden würde (und eigentlich denke ich das ja immer noch). Zu überlegen scheint das Kader des Champions zu sein, zu stark ist das Team, zu weit enteilt ist der Primus in seiner Entwicklung der nationalen Konkurrenz. Gemessen an seinen Möglichkeiten könnte der FCB mit einem Zehn-Punkte-Polster an der Spitze liegen.

Und jetzt? Sind 14 Spieltage absolviert, und die ersten fünf Teams sind bloss durch fünf Punkte getrennt! Es herrscht Hochspannung an der Tabellenspitze. Der FCB ist – natürlich – Erster. Aber er ist nur Leader, weil die härtesten Rivalen zu unkonstant sind. Und nicht, weil er so dominant ist, wie die meisten Beobachter annahmen. YB beispielsweise ist trotz einer miesen Serie von sieben sieglosen Partien (mit bloss drei Punkten) nach zuletzt zwei Erfolgen wieder bis auf drei Zähler an den FCB herangerückt.

Basel schwächelt, Basel wackelt, Basel minikriselt. Man liest und hört vieles, von internen Querelen, von Unstimmigkeiten zwischen Trainer Murat Yakin und dem Vorstand, zwischen Yakin und Captain Marco Streller, zwischen Yakin und den Degen-Zwillingen. Trotz prächtiger Bilanz ist der Ende Saison auslaufende Vertrag mit dem Coach bisher nicht verlängert worden. Glaubt man den Medienberichten und den Aussagen gut informierter Kreise, brennt es gerade ein bisschen beim FCB. Noch aber wirkt die glitzernde Champions League derzeit auch ein wenig als Kitt im Betrieb. Auf grell erleuchteter Bühne will jeder brillieren. Der zuweilen langweilige Ligaalltag aber gestaltet sich in diesen Wochen mühsam für die Basler.

Dennoch bleibe ich dabei: Nur der FC Basel entscheidet, wer Meister wird. Und die grosse Frage ist ohnehin: Wer könnte den Dominator denn überhaupt gefährden, falls dieser noch stärker ins Straucheln gerät? GC verfügt über eine bemerkenswerte Stabilität und ist eingespielt, doch die Mannschaft erzielt wenig Tore und hat eher mässige Alternativen im Kader, wenn Stammkräfte ausfallen. Zudem sind die Zuschauerzahlen in Zürich, auch das muss mal wieder geschrieben werden, einfach himmeltraurig. YB derweil verfügt zwar nach wie vor über reichlich Potenzial und eine grosse Fangemeinde, befindet sich aber mal wieder im Umbruch – und ist eine Wundertüte.

Eine Mischung aus GC und YB wäre, so schrieb die «Schweiz am Sonntag» zuletzt treffend, der Superrivale Basels. Tatsächlich wären die breit besetzten Young Boys, verstärkt mit Veroljub Salatic, Stéphane Grichting sowie Izet Hajrovic und versehen mit der Ordnung von GC und dessen Stärke bei Standards, ein Team, welches den FCB gefährden könnte.

Den Baslern fehlt derzeit schlicht ein Gegner, an dem sie sich reiben können, der ihnen auf Augenhöhe begegnet, der sie zu Bestleistungen zwingt. Oft reicht es dem Serienmeister, mit halber Kraft den nächsten Arbeitssieg in der Super League einzufahren. Einige FCB-Leistungsträger deuteten in den letzten Wochen an, es sei nicht immer einfach, sich auf Partien in der Liga mit der gleichen Intensität vorzubereiten wie auf Festspiele in der Königsklasse. Man kann sie verstehen. Zumal es ja auch so reicht, die Gegnerschaft in Schach zu halten.

Der Schweizer Meister wird nächste Saison mit allergrösster Wahrscheinlichkeit direkt für die Champions League qualifiziert sein. Das sollte für GC und YB Ansporn genug sein. In beiden Vereinen wird man in der Winterpause bestimmt versuchen, auf dem Transfermarkt aktiv zu werden. Für die Young Boys wäre es dabei geradezu fahrlässig, würden sie den an Thun ausgeliehenen Topskorer Josef Martinez nicht zurück nach Bern beordern. Diese Möglichkeit besitzen sie ja.

Der Rest der Liga wird kaum in den Titelkampf eingreifen können. Luzern und St. Gallen halten beachtlich mit, in diesen Vereinen wird tadellos gearbeitet, aber es fehlt beiden Mannschaften letztlich an Klasse, um den FCB über 36 Runden herausfordern zu können. Sion und Zürich schliesslich hätten starke Teams, sind aber enttäuschend in die Spielzeit gestartet. Sie rangeln derzeit mit den erstaunlichen Punktesammlern aus Thun und Aarau um die Plätze im Mittelfeld. Das ist enttäuschend. Eigentlich sollten sie auch oben mitspielen – und diese nicht restlos überzeugenden Basler konkurrieren.

Wer kann dem FC Basel in dieser Saison gefährlich werden? Oder spazieren die Basler auch mit mässigen Leistungen zum nächsten Titel? Welches Team in der Super League hat sie bisher besonders enttäuscht?

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