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Brasilien ist WM-Favorit, Belgien Geheimfavorit

Fabian Ruch am Mittwoch den 16. Oktober 2013

Knapp acht Monate dauert es noch bis zum WM-Start in Brasilien. Es ist Zeit, ein Ranking der fünf aktuell stärksten Nationen zu erstellen. Kolumbien und die Schweiz sind die gefährlichen Aussenseiter, die es bis in den Halbfinal schaffen können, aber hier nicht unter den Top 5 rangieren. Und auch grosse Fussballnationen wie England, Frankreich oder Portugal werden im nächsten Sommer nicht zu den Favoriten gehören – wenn sie überhaupt alle an der WM dabei sein werden.

Rang 5: Italien

Mario Balotelli im Zweikampf mit dem Tschechen Tomáš Sivok, 10. September. (AP/Massimo Pinca)

Mario Balotelli im Zweikampf mit dem Tschechen Tomáš Sivok, 10. September. (AP/Massimo Pinca)

Die Italiener unter dem smarten Trainer Cesare Prandelli sind souverän, aber ohne zu brillieren durch die Qualifikation spaziert – in einer unangenehmen Gruppe mit Tschechien, Dänemark, Bulgarien und Armenien. Die Mannschaft ist defensiv stark, das sind italienische Auswahlen ja immer, sie hat ein paar griffige Balleroberer im Team – und verfügt in der Offensive über tolle Akteure. Wenn Mario Balotelli im nächsten Sommer sein Genie ein paar Wochen über seinen Wahnsinn stellt, ist den Italienern sogar der ganz grosse Coup zuzutrauen.

Rang 4: Argentinien

Lionel Messi schiesst einen Penalty gegen Paraguay, 10. September 2013. (AP/Jorge Saenz)

Lionel Messi schiesst einen Penalty gegen Paraguay, 10. September 2013. (AP/Jorge Saenz)

Wer Lionel Messi im Team hat, muss gut sein. Der Superstar hat seine Leistungen im Nationalteam stabilisiert, und mit einem WM-Titel nächstes Jahr, ausgerechnet im Land des riesigen Rivalen, könnte er sich mit den skeptischen Fans in der Heimat versöhnen – und unsterblich werden. Neben Messi figurieren in der Offensive weitere Weltklasseakteure wie Sergio Agüero, Gonzalo Higuain und Ezequiel Lavezzi. Das Problem ist die Verteidigung, die im Tempofussball des Gegners zuweilen Mühe bekundet.

Rang 3: Belgien

Eden Hazard ist vor dem Kroaten Domagoj Vida (l.) am Ball, 11. Oktober 2013. (EPA/Antonio Bat)

Eden Hazard ist vor dem Kroaten Domagoj Vida (l.) am Ball, 11. Oktober 2013. (EPA/Antonio Bat)

Die belgische Mannschaft ist der – nicht mehr ganz so geheime – Geheimfavorit. Die 25 Nationalspieler besitzen laut der Fachwebsite Transfermarkt.ch im Schnitt (!) einen Marktwert von fast 18 Millionen Franken – und sind damit wertvoller als Italiens Akteure. Das Team Belgiens ist jung, talentiert, spielstark, die meisten Leistungsträger sind längst Grössen in der Premier League und anderen Eliteligen. Von Torhüter Thibaut Courtois (21 Jahre, Atletico Madrid, Marktwert 31 Millionen Franken) über Abwehrchef Vincent Kompany (27, Manchester City, 44 Millionen), Spielmacher Axel Witsel (24, Zenit St. Petersburg, 40 Millionen) und Edeltechniker Eden Hazard (22, Chelsea, 53 Millionen) bis Stürmer Romelu Lukaku (20, Everton, 30 Millionen) stehen überragende Akteure in der Auswahl. Und das sind nur die fünf bekanntesten Namen – selbst auf der Ersatzbank sitzen ausgezeichnete Spieler. Besonders für ein so kleines Land wie Belgien.

Rang 2: Deutschland

Philipp Lahm feiert an der EM in Polen einen Treffer, 22. Juni 2012. (EPA/Bartlomiej Zborowski)

Philipp Lahm feiert an der EM in Polen einen Treffer, 22. Juni 2012. (EPA/Bartlomiej Zborowski)

Die Deutschen sind richtig stark, selbst wenn sie nach wie vor die Grossmeister der Selbstzerfleischung sind – und in den Medien aufgeregt debattieren, ob Torjäger Stefan Kiessling nicht ins Nationalteam gehört. Oder ob der Dortmunder Mats Hummels mit seiner Kritik am Verband übers Ziel hinausgeschossen hat. Oder ob der zuweilen hüftsteife Per Mertesacker die Anforderungen an einen modernen Innenverteidiger erfüllt. Natürlich gibt es Fragezeichen, gerade in der Defensive, dennoch ist Deutschland einer der grossen WM-Favoriten. Im Tor steht mit Manuel Neuer die vielleicht weltbeste Fachkraft, und die Offensive ist mit Spitzenkönnern wie Mario Götze, Mesut Özil, Marco Reus, Toni Kroos oder Thomas Müller herausragend besetzt. Und: Die Führungsspieler Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira sind reifer geworden. Sie sind bereit für den grossen Triumph.

Rang 1: Brasilien

Neymar erzielt einen Treffer gegen Australien. Goalie Schwarzer ist chancenlos, 7. September 2013. (AP/Felipe Dana)

Neymar erzielt einen Treffer gegen Australien. Goalie Schwarzer hat das Nachsehen, 7. September 2013. (AP/Felipe Dana)

Gastgeber, Rekordweltmeister, Confed-Cup-Sieger, dazu begabt und formstark: Es gibt eine Menge Gründe, die an der nächsten WM für Brasilien sprechen. Selbst wenn der Druck gewaltig sein wird. Die Mannschaft ist prächtig besetzt, das ist die Seleçao ohnehin immer. Aber diesmal stimmt die Balance. In der Defensive stehen mit Thiago Silva und David Luiz die zwei wohl besten Innenverteidiger der Welt zur Verfügung, und der erste Ersatz Dante ist vielleicht der drittbeste zentrale Abwehrspieler. Auch die Aussenverteidiger Dani Alves und Marcelo sind – in der Vorwärtsbewegung – Weltklasse. Ins defensive Mittelfeld hat Trainer Luiz Felipe Scolari, der schon 2002 mit Brasilien Weltmeister wurde, zur Absicherung mit Luiz Gustavo und auch Paulinho giftige Zweikämpfer eingebaut. Die Offensivabteilung um den grossartigen Neymar sowie die spielfreudigen Oscar und Lucas schliesslich ist schlicht exzellent. Der Torhüter wird nicht besonders fangsicher sein, aber dieses Brasilien braucht keinen überragenden Goalie. Die Frage ist einzig: Wer gibt den Angreifer? Fred, am Confed-Cup überzeugend, ist nicht kombinationssicher. Vielleicht startet einer der vielen prominenten Sturmkandidaten wie etwa Alexandre Pato, wieder in Brasilien bei Corinthians engagiert, im nächsten Frühling ja noch durch.

Sie vermissen Weltmeister Spanien? Derzeit ist die jahrelang beste Nationalmannschaft der Welt auf der Suche nach Stabilität, es fehlt trotz guten Stürmern an einem echten Torjäger – und die Helden wie Xavi und Andrés Iniesta werden nach einer langen, anstrengenden Saison im klimatisch herausfordernden Brasilien (mit teilweise sehr hoher Luftfeuchtigkeit) möglicherweise an ihre physischen Grenzen stossen.

Und wer ist Ihr WM-Favorit? Was trauen Sie Weltmeister Spanien im nächsten Sommer zu? Was kann die Schweiz erreichen?

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