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Trainerentlassung ausser Mode?

Annette Fetscherin am Freitag den 4. Oktober 2013
Sogar der Trainer des FC Sion ist noch im Amt: Michel Decastel, 25. August.

Sogar der Trainer des FC Sion ist noch im Amt: Michel Decastel, 25. August. (Keystone/Valentin Flauraud)

Etwas ist anders in diesem Herbst. Der Nebel zieht auf, laue Fussballabende weichen Nieselregen und Fröstelatmosphäre. Der Sommer ist vorbei. Der FC Basel steht ganz oben in der Tabelle, Monsieur Constantin neben der Spielerbank, YB vermasselt eine tolle Ausgangslage und der Schiri pfeift anscheinend konsequent gegen die Westschweizer. Ausgenommen er ist Österreicher, dann pfeift er… Naja, irgendwie speziell. Alles wie immer? Nein. Denn noch kein einziger Trainer wurde in der Super League gefeuert. Noch nicht mal in Sion. Und das nach zehn Runden.

CC gibt zwar in Basel den Spielern taktische Anweisungen, aber das soll keinesfalls als Einmischung in Michel Decastels Arbeit zu verstehen sein (Nein, nur die Medien machen da immer so ein Theater drum). Laurent Roussey rettet sich in letzter Sekunde mit einem Überraschungssieg im Kellerduell. Und alle anderen sitzen im Sattel wie angeleimt. Keine Spur vom regen Verkehr im Schweizer Luftraum über der Super League wie er noch vor Jahresfrist herrschte. Anfang Oktober 2012 waren mit Murat Yakin, Sébastien Fournier und João Alves schon drei Trainer geflogen. Heiko Vogel sollte bald folgen.

Läuft der Trend im Trainerbusiness nun etwa in Richtung Endlosverträge? So wie es der Präsident der Borussia Mönchengladbach für Lucien Favre gefordert hat? «Er macht tolle Arbeit und hat mittlerweile auch voll verstanden, dass Borussia der Verein für ihn ist.» So die lobenden Worte von Rolf Königs für seinen Trainer, der schon satte zweieinhalb Jahre für den Bundesligaverein hervorragende Arbeit leistet. Ja, der Trainer versteht meist schnell, dass sein aktueller Verein der richtige für ihn ist. Nur findet der Club meist ach so schnell, das der Trainer der falsche sei.

Hätte einen Endlosvertrag verdient: St.-Gallen-Trainer Jeff Saibenen, 19. September 2013.

Hätte eigentlich einen Endlosvertrag verdient: St.-Gallen-Trainer Jeff Saibene, 19. September 2013. (Keystone/Steffen Schmidt)

Auch in der Super League dürfte der Geduldsfaden bei einem der Kellerkinder früher oder später reissen. Und trotzdem gibt es hier tatsächlich einen, der einen Endlosvertrag verdient hätte: Jeff Saibene. Genau der Mann, den die Fans einst ins Pfefferland wünschten, obwohl er den direkten Wiederaufstieg schaffte. Der Mann, der in der Folge das Vertrauen der Vereinsführung zurückzahlte und mit dem FC St. Gallen einen Fussball spielen lässt, der Spass macht und erst noch erfolgreich ist.

Nach zwölf Jahren spielt der FCSG wieder europäisch, die Fans würdigen ihre Mannschaft mit: «Ihr sind Heldä.» Jeff Saibene hat seine Jungs in zwei Jahren und sieben Monaten zu einer, zur Einheit verschmolzenen Heldentruppe geformt und ist damit mit Abstand dienstältester Trainer der Super League.

Wer ist Euer Held in dieser Liga, liebe Steilpassgeber? Welcher Trainer hätte einen Endlosvertrag verdient?

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10 Kommentare zu “Trainerentlassung ausser Mode?”

  1. J. Wittwer sagt:

    Also ich finde, Urs Fischer hat bisher grossen Respekt verdient! Was der mit dem FC Thun mit bescheidenen Mitteln und einer, vor allem am Anfang der Saison, langen Verletztenliste bisher geschafft hat, gerade auch auf Europäischer Ebene ist sehr gut. Nun sollten sie nur den Tritt in der Meisterschaft wieder finden.
    Schade, dass gestern in Genk nicht mehr drin lag. Zumindest ein Unentschieden wäre verdient gewesen.

  2. daniele glaufo sagt:

    Denke beim FCZ sind die Tage von Urs M. gezählter als es von aussen derzeit den Anschein hat. Leider. Noch ein zwei Niederlagen und er wird wieder in die Juniorenabteilung versetzt. Er leistet gute Arbeit aber auch die Episode mit Gavranovic zeigt dass er die Mannschaft nicht richtig im Griff hat.

    • Roli Peter sagt:

      Im Gegenteil! Gerade diese Episode zeigt, dass Urs Meier und sein Trainer-Staff diese Mannschaft im Griff hat. Und der FCZ ist gut beraten, wenn er endlich mal Kontinuität bei der Entwicklung eines konkurrenzfähigen Teams beweist. Oder spricht etwas gegen die Beweise, die Arsenal mit Arsène Wenger und – bis vor kurzem – Barcelona mit Pep Guardiola liefert und geliefert hat. Die Entwicklung eines Spitzenteams ist immer mit einem Um- und Ausbau des Fussball-Personals verbunden und nicht mit Jungspunte wie Gavranovic machen da mit – oder müssen gehen. 5-Jahres-Strategie-Vertrag für Urs Meier!

    • Auguste sagt:

      hmm…, gewinnt der fcz das nachhol-stadtrivalen derby am 30.10. wären sie an der spitze dran. urs meier ist trotz einer bislang unruhigen saison immer noch auf kurs mit seiner mannschaft. ein bemerkenswerter schritt nach vorne wäre nur mit einem weiteren guten neuzugang im defensiven mittelfeld zu erreichen. rikans verletzung war wirklich pech.

  3. Jürgen Kohler sagt:

    Pudi Latour Trainergott

  4. E. Schönbächler sagt:

    Trainerentlassungen bringen meistens nichts. Oft sind es die Printmedien (nicht nur die Boulevardzeitungen) die mit reisserischen Artikeln oder Blogs versuchen einen missliebigen Trainer “wegzuschreiben”. Ein Trainerwechsel soll Verkäufe am Kiosk oder Klicks im Internet generieren. Die Präsidenten und Sportchefs (und natürlich auch die Spieler und Geldgeber) beäugen ihren “unter öffentlichen Druck” geratenen Übungsleiter nun natürlich kritischer. Und so bekommt wie von der Presse gewünscht dass Trainerkarussell Schwung.

    • DAM sagt:

      Es gibt durchaus auch Trainerwechsel die etwas bringen. Gerade bei “meinem” FC Luzern sind die Resultate und vor allem auch die Leistungen der Mannschaft unter Bernegger um Längen besser als unter seinem Vorgänger Komornicki. Und dies mit einem (fast) identischen Kader wohlgemerkt.

  5. Walter Eggenberger sagt:

    Jeff the Mentalist hat sich in der Ostschweiz in der Tat einen Namen gemacht. Der ist in seinen Trainerstuhl einbetoniert. Und das absolut zu Recht!

  6. kurt abächerli sagt:

    mir als gc-supporter macht am meisten sorgen, dass ich den hr. skibbe nicht einordnen kann. eine gewisse spielerische entwicklung ist auszumachen. doch ist das vielleicht der vorarbeit des vorgängers und dem umstand, dass es kaum abgänge gab, geschuldet. dafür fehlt manchmal der letzte wille aus der letzten saison, der noch einige siege hingebogen hat. aber das kann der trainer auch nur bedingt einimpfen…

  7. Baresi sagt:

    Hallo, mein Name ist Herr Baresi. Man schickt mich vom Runden Leder-Blog rüber zu Ihnen. Man hat mir gesagt, das Steilpass-Blog entspreche mehr meinen intellektuellen Fähigkeiten.