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Karrieren nach Mass

Thomas Kobler am Montag den 23. September 2013


Noch kann man nicht sagen, ob die paar fehlenden Zentimeter Yann Sommer (183 cm) zum Glücksfall oder zum Pechvogel machen werden. Aber eines ist klar: Sie haben einen entscheidenden Einfluss auf seine Karriere. Noch im Sommer war er einer der meistgehandelten Kandidaten für einen Wechsel aus der Super League in eine der europäischen Top-Ligen. Mittlerweile sind die warmen Tage vorüber, und das Transferfenster mit Blick auf den Winter ist wieder geschlossen. Damit tritt der Goalie des FC Basel ziemlich auf der Stelle. Dasselbe passiert ihm auch international: In der Nati ist Sommer Ersatz von Stammkeeper Diego Benaglio (194 cm), und in den grossen Cup-Wettbewerben scheint er in letzter Zeit immer gegen Chelsea zu spielen. Das allerdings hochklassig.

Für den FCB ist Sommers mindere Grösse ein wahrer Segen. Sie hält die Interessenten noch ab, die sich sonst wohl schon längst auf dieses Torhüterjuwel gestürzt hätten. Aber unter 188 Zentimetern fliegst du heute meist unter dem Radar der Clubs, die auch Sommer reizen könnten. Der FCB ist ein kleines Paradies im hektischen Fussball-Betrieb. Auch wenn es zwischendurch einmal donnert, so ist man doch geneigt zu glauben, dass die Rot-Blauen besser geführt sind als eine japanische Reisegruppe aufs Jungfraujoch. Es wird ein abwechslungsreiches Programm mit regelmässigen europäischen Ausflügen geboten, und das Brot- und Buttergeschäft Super League ist abgesehen von diesen vermaledeiten Sommermonaten, in denen auf dem Platz kaum je etwas schön zusammenläuft, recht angenehm. Bis man dann im Winter wieder im verschneiten St. Gallen oder im zugigen Letzigrund antreten muss. Was übrigens dem Zürcher Stimmvolk knapp recht zu sein scheint. In so einem Umfeld kann man es sich mit branchenüblicher Anstrengung schon gut gehen lassen: hochanständiges Salär und Prämien, abwechslungsreicher Arbeitsalltag und flotte Kollegen aus allen Herren Ländern. Wer würde da nicht zuweilen über sich hinaus- oder anwachsen wollen?

Der Einzige, der dieses Idyll etwas trüben könnte, misst 187 cm und trägt bei der Arbeit mit Vorliebe Barbie-Rosa. Im Kampf um die Nachfolge des nach wie vor unbestrittenen Benaglio ist Yann Sommer ein ernstzunehmender Konkurrent erwachsen: Wenn auch nur vier Finger breit grösser als Sommer, gehört Roman Bürki im GC-Tor zu jenen seltenen Wesen, die man Scheinriesen nennt. Je weiter weg man auf der Tribüne sitzt, desto grösser und «pinker» erscheint er einem, was ja auch wieder für den Letzigrund spräche. Wenn er sich dann noch aufplustert und Knie voran aus seinem Kasten herausstürzt, denkt man fast an Titanisches. Die rosa Urgewalt aus dem Fünfmeterraum.

Bisher sind Sommer weder die fehlenden Zentimeter noch Bürki gross im Weg gestanden. Aber die kleine Welt der Traumligen wird ihm wahrscheinlich verschlossen bleiben. Und der Kampf ums Nati-Goal wird eng werden. Dabei ist Sommer wohl nicht schlecht beraten, wenn er sich an das Schicksal von Ex-VfB-Hüter Timo Hildebrand (186 cm) erinnert, der als unangefochtene Nr. 1 im Schwaben-Tor Ikarus spielen und höher hinaus wollte als er fliegen konnte, um dann prompt in Valencia kolossal abzustürzen. Längst steht mit Sven Ulreich (192cm) ein Keeper mit Gardemass zwischen den VfB-Pfosten und macht aus Unhaltbarem Haltbares am Laufmeter. So kann es eben auch gehen.

Sind Sommers fehlende Zentimeter für ihn und den FCB ein Glücksfall? Oder wird er womöglich eines Tages bedauern, dass so wenig (die Spreizung zwischen Zeigefinger und Daumen) fehlte zur ganz, ganz grossen Karriere. Was denkt ihr, Sportsfreunde?

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25 Kommentare zu “Karrieren nach Mass”

  1. Armando sagt:

    Wie bitte? Jörg Stiel war “nur” 181 cm gross und der legendäre René “Scorpion” Higuita sogar 175 cm. Die grösse ist wichtig, doch Reflexe, Sprungkraft, Stellungsspiel, etc. sind ebenfalls wichtige Faktoren für einen guten Torhüter. Weiss nicht ob man von Glücksfall oder Bedauern sprechen sollte. Was bringt mir ein Riese (z.B. Zubi) der sich nicht bewegen kann. Ich findes gut, dass die Schweiz mit Sommer und Bürki zwei grosse Talente auf dieser Position hat, welche beide für die Nationalmannschaft in Frage kommen.

  2. stefan meier sagt:

    sommers problem sind nicht die fehlenden zentimeter, sondern für mich hat er internationales potenzial… es ist aber so, dass er in den letzten monaten wie auch sein ebenfalls hochgehandelte teamkollege stocker stagnierte bzw. nicht die klasse an den tag legen konnte von herbst 2012 bis frühling 2013. in letzter zeit wird sein stil dem von benaglio ähnlich, nämlich dass er zu viel auf der linie kleben bleibt und den strafraum zu wenig beherrscht… fazit: für basel mag das ein glücksfall sein – für sommer wär es wichtig einen schritt nach vorne, sprich ins ausland zu machen. jüngere kommen…

  3. criterio sagt:

    Sommers Leistungen sprechen für sich, ein Transfer ins Ausland wäre der logische Schritt. Für ausländische Vereine ist aber wohl weniger Sommers Grösse das Problem, als die utopischen Ablöseforderungen des FCB. Man braucht nur einen Blick in die Bundesliga zu werfen: Abgesehen vom teuren Neuer wurden kaum Ablösesummen für die Torhüter bezahlt und schon gar nicht im zweistelligen Millionenbereich.

  4. Johann Baumann sagt:

    Es gibt nicht grosse und kleine Goalies, es gibt nur gute und schlechte. Sommer ist definitv ein sehr guter, und wird deshalb auch weiterhin eine sehr gute Karriere haben.

  5. Luca Regnipuzz sagt:

    Auf jeden Fall ist dies ein Segen für den FCB!
    Spieler wie Sommer (oder auch Stocker) sind für den FCB immens wichtig, um sich auch für die CL zu qualifizieren und dann auch Punkte zu erzielen. Durch einen Transfer dieser Spieler sind im Moment weniger als 10Mio Euro zu holen, deshalb ist es doch für den FCB und auch für diese Spieler ein Glücksfall, dass sie noch beim FCB sind. Soll ein Sommer wirklich zu einem Verein wie Malaga, Stuttgart oder Stoke wechseln? Die Liga wäre auf jeden Fall eine sportliche Herausforderung, aber sich in der CL mit den Besten zu messen macht doch auch viel Spass

  6. Tom Weisskopf sagt:

    Komischer Artikel. Natürlich ist die Grösse bei einemTorhüter von Vorteil, aber viel ausschlaggebender als ein paar Zentimeter (die z.b. durch Sprungkraft kompensiert werden können) ist die Leistung. Ich habe noch nie einen Verein gesehen, der Torhüter aufgrund der Körpergrösse wählt.

    • Maiko Laugun sagt:

      @Weisskopf: Quatsch. Leistung ist die Grundvoraussetzung auf jeder Position. Bei einem Torhüter zusätzlich die Körpergrösse.

    • cyan jaeger sagt:

      Da haben Sie wohl noch nie einen Sichtungslehrgang bzw. Juniorenauswahlen besucht…..dort wird bei den Torhütern grundsätzlich erst mal die Grösse bewertet. Ein zu kleiner Junior hat keine Chance – und bei den “Grossen” Setzt sich das fort….kleine Torhüter müssen im Vergleich zu grossgewachsenen Konkurrenten einiges mehr an Talent, Können und Willen an den Tag legen um überhaupt eine Chance zu erhalten.

  7. Leo Schmidli sagt:

    Die Geschichte mit Hildebrandt geht aber noch weiter: Mittlerweile spielt Hildebrand regelmässig erfolgreich in der Champions League mit Schalke, Ulreich dagegen ist mit dem VFB international bereits ausgeschieden und wird wohl um den Klassenerhalt kämpfen müssen.

  8. Christian Häni sagt:

    Ganz klar, Sommer ist ein guter Torhüter. Bürki und Benaglio sind aber besser und vorallem haben sie die Gardemasse. Für eine ganz grosse Karriere ist Yan Sommer aber zu klein.

  9. Pedro sagt:

    Körperlänge mag ein Faktor sein, ist aber nur einer unter vielen und zudem überbewertet. Charly Elsener (179 cm) war vielleicht der beste Schweizer Goalie aller Zeiten. Jorge Campos (168 cm) war 130facher mexikanischer Nationalspieler. Unvergessen ist auch “El Loco” Higuita (175 cm). Solche verrückte Goalies, die schon allein das Eintrittsgeld wert waren, gibt es leider nicht mehr. Übrigens ist auch Iker Casillas kaum grösser als Sommer, Real Madrid ist also immer noch eine Option…

  10. Georgios sagt:

    Hallo Herr Kobler. Ich kann Ihrer Argumentation betreffend Körperlänge nicht ganz folgen. Dino Zoff war “nur” 182 cm lang und wurde immerhin Welt- und Europameister – nebst allen anderen Titeln, die er mit dem Club “geholt” hat.

    • nino bosch sagt:

      @Georgios: Die Zeiten haben sich geändert und die Zeit des Dino Zoff sind schon 30 Jahre vorbei. Aber du siehst das nicht falsch.
      Wenn ich die Auswahl habe an einem gleichwertigen grossen >1.90m Torhüter und Yann Sommer, dann nehme ich nicht Sommer. Ein grosser Torhüter (Talent vorausgesetzt, ….Zuberbühler ausgenommen…) hat eine viel bessere Ausstrahlung als ein kleiner. Heute sind so viele grossgewachsene Klassekeeper auf dem internationalen Markt, da wird es Yann Sommer schwer haben eine Chance zu kriegen. Sommer hat internationale Klasse, es fehlt ihm nur das gewisse etwas!

      • Georgios sagt:

        Wenn er gleichwertig und über 1.9 ist, ok, ja, einverstanden. Ich wollte nur festhalten, dass Sommer auch mit seinem Delta an Grösse sehr wohl ein ganz Grosser werden kann, wie mein Beispiel – und nicht nur meines (siehe auch andere Kommentare) – zeigt.

  11. Fabio Weber sagt:

    Weder Casillas noch Valdes sind 188cm gross und beide kann man getrost zur Torhüter-Elite dazuzählen, obwohl sie nicht besonders gross sind…..

  12. Raylan sagt:

    Habe fuer Jahre selbst als Torhueter mit 2 meter Groesse gespielt. Ich glaube kaum, dass seine Groesse eine ausgezeichnete internationalle Karriere verhindern wird. Seine Stellungsspiel ist hervorragend und die Reflexe sind exzellent. Dazu kommt noch eine sehr gute Sprungkraft und presto man einen Top Torhueter. Ich persoehnlich ziehe Yann Sommer auf jedem Fall David de Gea vor, der zwar 8 cm groesser ist aber 3 kg leichter ist und somit viel weniger Presenz hat

  13. nino bosch sagt:

    Pflichtenheft für Scout: Gesucht ist ein Torhüter, gross (>1.90m), mit Talent, nicht verletzungsanfällig, Erfahrung, Charakter und ganz wichtig mit Ausstrahlung!
    Yvan Sommer hat fast alles, ausser er misst ‘nur’ 1.83m und nicht die ‘ganz’ grosse Ausstrahlung.
    Er gleicht diese kleineren Schwächen aber aus mit super Antizipation (Flanken, Herauslaufen) und grossem Talent.
    Trotz allem er hat einen Nachteil, ist aber ein super Torhüter.

  14. Leo Schmidli sagt:

    Natürlich ist Sommer für einen Torwart klein und natürlich wissen dies auch potentielle Interessenten. Aber bei hunderten aktiven und ehemaligen Torhütern wurden gerade eine Hand voll kleiner Keeper aufgezählt. Diese sind aber nur die Ausnahme, besonders im heutigen Fussball. Ich könnte jetzt auch Jan Koller, Vratislav Lokvenc als Beispiele für besonders grosse Feldspieler nennen, dann hört es aber auch schon sehr bald auf. Nicht ohne Grund. Blöder Spruch: “Ausnahmen bestätigen die Regel!”

    • Pedro sagt:

      Unter den anerkannt besten Goalies aller Zeiten sind aber die langen Lulatsche doch eher schwach vertreten. Dino Zoff, Gordon Banks, Sepp Maier – keiner war grösser als 1,85. Und auch die meistgenannte Nummer 1, Lev Jaschin, war mit seinen 1,89 zwar gross, aber kein Riese. Sogar mit zwergenhaften 1,72 kann man zur Torhüterlegende werden, wie der unvergessliche Frantisek Planicka bewies.

  15. Norbert sagt:

    Was für ein Fässlein haben wir denn hier???
    Iker Casillas (185 cm) wurde – als Vertreter der sportlichen Ausnahmekönner – schon genannt. Fabien Bathez – “nur” 180 (!) cm – ist ein anderes Beispiel:
    Europa- und Weltmeister mit Frankreich, Champions League Sieger und diverse nationale Titel mit Marseille (?) und ManU …
    Vielleicht kommt es manchmal einfach auf den “richtigen” Moment und die “richtigen” Umstände an?

    • J. Kraft sagt:

      Nicht zu vergessen Tomislav Piplica natürlich. Nur 182 cm aber ein unglaublicher Mann und Torhüter.

      • nino bosch sagt:

        @J.Kraft: Piplica, ist nicht dein ernst? Er war schon unglaublich, vor allem in Erinnerung habe ich sein Kopfball-Eigentor, unglaubliches Tor des Monats :-). Seine Strafraumbeherrschung, bestand aus vorbeisegeln an Flankenbällen. Auf der Linie war er gut, ok, gesamthaft ein mittelmässiger 2./3.Liga Torhüter.

  16. Daniel Sanchis sagt:

    Der für mich beste Torhüter der Welt misst gerade mal 185 cm und ist Europa- und Weltmeister und hat schon zweimal die Champions League gewonnen. Was ihm an körperliche Grösse fehlt, macht er mit anderen Vorzügen wett.

  17. Adam Gretener sagt:

    Wie wurden Basler Spieler als zukünftige Superstars gefeiert und als sie gingen, waren sie schnell wieder zurück. Klappt eben nur im Biotop Basel. Ich rufe die Degen-Zwillinge in Erinnerung. Ausser die Linie rauf und runter rennen war da nicht viel.

  18. peter sagt:

    das zürcher Stimmvolk würde es schon stören, dass es im Letzigrund zieht… nur ist das zürcher Stimmvolk nie dort 😉