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Spreu und Weizen

Thomas Kobler am Montag den 26. August 2013
valentin stocker

Bleibt er Basel treu? Valentin Stocker bejubelt seinen Treffer gegen Tel Aviv. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Diese Runde war die erste Zwischenprüfung der laufenden Super-League-Saison. Die Begegnungen des sechsten Spieltags lieferten noch einmal aufschlussreiche Antworten, bevor sich die Transferperiode am 31. August ihrem Ende nähert, und die weitere Entwicklung bis zum Abschluss der Vorrunde nicht mehr mit externer Hilfe beeinflusst werden kann. Lassen wir also die Zwischentabelle zu Wort kommen:

Der FC Sion hat diese Saison nur noch drei Gegner – Lausanne Sports, Christian Constantin und sich selbst. Drama in den Alpen – CC und sein Club gehörten eigentlich in die «Glückspost» mit ihren Geschichten. In Lausanne, dem andern welschen Krisenherd, sieht es noch schlechter aus. Erstaunlich, während die Genferseeregion wirtschaftlich blüht, geht der Spitzenfussball dort den Bach runter.

Verlässt man das Tal der Tränen, gelangt man in jene Region, die sich im weiteren Verlauf der Spielzeit in diesen schrecklichen Ort namens Tabellen-Niemandsland verwandeln wird. Nach hinten ist die Sache meist klar und nach vorne leider auch. Länger als dort kommt einem die Saison nirgends vor. Aarau wird sich dort tummeln, aber als Aufsteiger hat das böse Spiel wenigstens Neuigkeitswert, und die Challenge League ist ein noch gruseligerer Ort. St. Gallen wird von dort auch nicht wegkommen, solange sie ihre Chancen nicht verwerten können und das Passspiel nicht schneller und genauer wird. Gestern stand der FCZ so weit vom Gegner weg, wie ein Fluggast am Seehafen, und das ordentliche Spiel gegen Spartak sollte nicht überbewertet werden – die Moskauer waren bieder. In diese Gruppe gehört momentan auch noch der FC Thun,  aber wenigstens sind die Berner Oberländer unterhaltsam. Hinten undicht und vorne unerschrocken bis verwegen. Da muss man kein Raketenwissenschaftler sein, um festzustellen, wo der Hebel anzusetzen wäre. Und siehe da.

Mit «hit and miss» wird im Mutterland des Fussballs das Erratische umschrieben. Der FCZ könnte bei der Schaffung dieses Idioms Pate gestanden haben – oder Salah. Gegen den Meister siegen und gegen St. Gallen stagnieren – der FCZ bleibt sich treu und höchstens in der Mitte der Rangliste.

GC kämpft noch immer mit der alten Schwäche – zu wenig Durchschlagskraft. Skibbe macht, was seine Angreifer anbelangt, einen ähnlich hilflosen Eindruck wie Forte zuvor. Liegt es vielleicht doch an den Spielern? Allerdings denke ich, dass es doch menschenmöglich sein müsste, Anatole und Ben-Khalifa tödlichere Abschlüsse beizubringen. Gegen YB klappte es mit viel Dusel auch nur auf den letzten Drücker, weil von Bergen schlief. Dennoch, GC bleibt unbequem und dran.

Basel lässt wegen dem zukunftsweisenden Rückspiel gegen Ludogorez Rasgard in Luzern zwei wichtige Punkte liegen, aber YB verpasst es, die Big Points zu machen. Im Spitzenkampf bestätigte die Luzerner Wundertüte der Saison mit einem mehr als glücklichen Unentschieden gegen die fast sicheren Champions-League-Teilnehmer aus Basel ihre wiedergefundene Heimstärke. Schöne Wende am Vierwaldstättersee. Ab Wochenmitte wird der FCB mit weiteren 20 Millionen im Rücken sicherstellen, dass die direkte Champions-League-Teilnahme 2014/15 nicht unnötig in Gefahr gerät. Lassen wir uns überraschen, wer als weitere Verstärkung(en) bald in Rot-Blau die Jagd auf die Young Boys aufnehmen soll – oder zu Schalke wechselt.

Geht oder bleibt Stocker – was tippt ihr, Sportsfreunde? Und wann wird YB (wie üblich) abgefangen werden?

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