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Tiki-Taka ist tot

Thomas Kobler am Samstag den 24. August 2013

Mit dem krankheitsbedingten Ausscheiden von Tito Vilanova endete wohl auch die Ära des stilbildenden katalanischen Tiki-Taka, das aus dem FC Barcelona das Musterbeispiel für modernen Fussball schlechthin machte und der spanischen Nationalmannschaft endlich die so lang ersehnten Titel brachte. Damit könnte ab dieser Saison aber Schluss sein – sogar bei beiden.

In Barcelona tritt ein neuer Trainer sein Amt an, der von weit aussen kommt – den Newell’s Old Boys aus Rosario, Argentina, um genau zu sein. Gerardo Martino will zwar gemäss eigener Aussage den Stil seiner Vorgänger beibehalten, aber das genügte in den vergangen zwei Saisons immer weniger, um den hohen katalanischen Titelansprüchen gerecht zu werden. Zudem hat man mit Neymar ein aufregendes Angriffselement eingekauft, das auch richtig bedient werden muss, damit es Wirkung erzielt. Genügt dazu das Mittelfeld-Dreieck aus Busquets, Iniesta und dem alternden Xavi noch? Und war der Verkauf von Thiago Alcántara nicht auch eine kleine Absage an die Zukunft des Tiki-Taka? Man darf gespannt sein auf Messi & Co. unter Martino.

Weil Totgesagte sprichwörtlich aber oft noch länger leben sollen, hat sich der Zerstörer der alten Ordnung – der FC Bayern – auf die neue Saison hin den Maestro des Tiki-Taka auf die Trainerbank geholt und spielt, so wie es bis jetzt den Anschein macht, den Retter einer aussterbenden Kunst. Mit Pep Guardiola soll noch mehr als das historische Triple der letzten Spielzeit erreicht werden – quasi die Steigerung des Superlativs. In der FAZ stand jüngst, dass im Wachzustand in Guardiolas  Kopf Spielideen fast wie Flipperkugeln konstant umher sausen, und er daraus versucht das Beste für seine Mannschaft herauszufiltern. Beim Flippern, wie beim Kicken, ist es toll, wenn die Kugel weit weg von dir schnell hin und her flitzt und punktet, aber tödlich, wenn sie oft in der Mitte auf dich zu rollt. «Game over» kann es dann schnell mal heissen. In der letzten Saison verhinderte das Jupp Heynckes’ 4-2-3-1 und Bastian Schweinsteiger zusammen mit Javi Martínez nahezu perfekt. In der neuen soll zu Beginn ein – ja was eigentlich? – zum Erfolg führen. Wird das Tika-Taka nicht nur vor dem Aussterben bewahrt werden  können, sondern gar noch auf eine höhere Ebene gehoben? Der Glaube war schon immer stark in München, wo im Zweifel gilt: Mia san mia.

In Madrid soll es eine blitzschnelle, wuchtige und sündhaft teure Flügelzange aus Ronaldo und Bale wieder richten. In Dortmund generell blitzschnelle Angreifer auf allen Positionen.  Bei Chelsea bastelt Mourinho noch, aber Tika-Taka hasst der «Special One» nach den bestenfalls durchzogenen Jahren in Madrid. In Manchester passt bei Rot und Skyblue noch zu wenig, und im Emirates zaudert Wenger weiter. Juve hat sein Mittelstürmerproblem mit Llorente und Tévez wohl behoben, aber Tiki-Taka ist keine Piemonteser Spezialität. Die Fiorentina geht gar den klassischen Weg und setzt mit Gomez auf den grossen Goalgetter am Boden und in der Luft. Und in Paris könnten Ibra und Cavani zu einem weiteren tödlichen Stosstrupp werden.

Wohin man blickt, das erfolgreichste Konzept im Fussball der letzten Jahre findet keine neuen Nachahmer – sieht man einmal von den Münchnern ab, aber die zählen nicht, weil die haben sich ja dessen Erfinder auf die Bank geholt. Die Aufrüstung in der laufenden Transferperiode war ja geradezu hemmungslos. Wenn sich daraus nichts Stilbildendes entwickeln würde, dann wäre ich echt enttäuscht.

In welche Richtung wird die Taktik-Reise abgehen – was denkt ihr, Sportsfreunde?

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14 Kommentare zu “Tiki-Taka ist tot”

  1. Clöde sagt:

    Lustiger Artikel. Tiki-Taka kennt man ja eh nur von Barca und der Spanischen Nationalmannschaft, weil nur die das spielen konnten. Jetzt schreiben Sie, dass Barca dieses Konzept beibehalten will und die erfolgreichste Mannschaft des letzten Jahres sich auch auf Tiki Taka ausrichtet. So gesehen hat sich der Tiki Taka Anteil auf Clubebene verdoppelt.

  2. DK sagt:

    Tiki-Taka ist nicht nur das erfolgreichste Konzept der letzten Jahre, sondern auch mit Abstand das langweiligste. Da bin ich froh, wenn es sich auf 2 Mannschaften (Barcelona und Spanien) beschränkt und die anderen Trainer noch richtigen Fussball spielen lassen.

    Und Barcelona wäre vielleicht auch mit was anderem als Tiki-Taka erfolgreich (gewesen), denn es verfügt ganz einfach über überragende Spieler.

  3. balljunge sagt:

    Ja, Zum Glück ist Tiki Taka tot ! Dieses ewige hin-und her ‘Töggelen’ des runden Leders war ja nicht (mehr) zum aushalten…. Höchste Zeit, dass wieder Fussball gespielt wird.

    • Patrick sagt:

      Finde ich immer lustig dass ausgerechnet in der Schweiz über das tiki taka gelästert wird. Als ob in der Super league richtigen Fussball gespielt wird. Zuerst lieber mal auf die eigenen Mannschaften schauen, bevor man über Andere urteilen kann. Keine Nation hat in den letzten Jahren so viele Titel eingesammelt wie Spanien, Weltmeister, Europameister, Champions – League Sieger. Davon können ander Nationen nur träumen.

  4. Maiko Laugun sagt:

    Für Tiki Taka sollte es einen Freistoss für den Gegner geben wegen Spielverzögerung.

  5. Strunz sagt:

    ..einmal mehr zeigt ein Artikel, wie wenig der Schreiber über das Thema versteht, von welchem er berichtet. Fangn wir von vorne an: Das Tiki Taka wurde nicht von Pep Guardiola erfunden, sondern ist auf der “Masia” (Trainingscamp Barcelona) von einem gewissen Johan Cruyff eingeführt worden. So sieht man schon seit ca. 10 Jahren, Van Gaal, Rieekaard…….und Guardiola immer den gleichen technisch perfekten globalfussball ganz nach dem Stil von Johan Cruyff. Des weiteren bin ich der Meinung, dass genau der Ticki Tacka nach Barca und spanischer Art für einen Kenner, das höchste der Gefühle ist !!

  6. fasi sagt:

    2 Ein gutes Beispiel ist der U21 Final CH ES.Die Spanier haben immer einen Mann mehr hinter und vor dem Ball weil sie mehr und besser Laufen.Zudem werden in Spanien im Juniorenbereich fast alle Spieler zu Mittelfeldspielern ausgebildet was für eine hohe tech. Ausbildung sorgt. Je höher das Niveau dieser Eigenschaften ist,desto höher wird die Möglichkeit den Gegner zu dominieren.Dem Ball wird sorge getragen und die Angriffsauslösung und der Torabschluss nur bei optimaler Möglichkeit ausgefürt. Wenn man zudem Spieler wie Xavi und co.hat umso besser.Für Thiagoersatz ist bereits gesorgt .

  7. richard a. sagt:

    wo auf wirtschaftlicher und persönlicher ebene in schweizer medien ein “deutschland bashing“ stattfindet.ist es beim sport ein “spanien bashing“ egal ob beim fussball mit barcelona,real und nationalmannschaft ist es beim tennis rafael nadal.

    nichts für ungut,aber man muss sich nur das ranking ansehen.

  8. Mike sagt:

    Also wer TikiTakaSupertech Fussball a la Barca nicht geil findet, der liebt dafür das Gewürge von Bayern oder der CH Nati…auch ok…meins wärs nicht…
    Aber: Bayern wird sicher kein neues Barca…dazu sind die Spieler techn kaum in der Lage…
    Guardiola hat das ja auch bemerkt u hat darum einige sehr gute Leute geholt…
    und Gomez, Schweinsteiger, Müller, Mancukic u wie sie alle heissen kommen sicher in andern Mannschaften unter.
    Denn der Pep will nun mal kein Gemurks, sondern so nah wie möglich an die Spielweise Barcas ran…

  9. Markus sagt:

    Wenn man keine Ahnung hat, soll man die Frs… halten (irgendeiner der Frankfurter Schule). Barca behält nicht nur seinen Stil bei, sondern Tata geht wieder zurück zu den Wurzeln. Hohes Gegenpressing, offensive 8er etc.. Tiqui Taqua wird dann langweillig, wenn der Gegener destruktiv spielt.. die Schuld liegt also nicht beim Tiqui Taqua. Wenn der Gegner nämlich mitspielt, dann gibts Fussballfestvals wie Barca – Levante (8:0) vor 2 Wochen, Spanien – Italien (3:0) EM Finale, Barca – Real (5:0) etc…

    Aber mir ist schon klar, dass ungelenkige brachial Schweizer das Tiqui Taqua nicht verstehen…

  10. Markus sagt:

    Ach ja, was mir immer wieder auffällt: Meistens sind es Leute die selbst nie Fussball gespielt haben, die Tiqui-Taqua hassen..

  11. Antonio sagt:

    Erstens ist Tito ein Schüler und ehemaliger Spielwr von Bisela, der auch Guardiolas Vorbild war und ein Verfechter des Ballbesitzdpiels ist. Zweitens wurde Barcelona letztes Jahr mit Rekordpunktezahl span. Meister und das Ausscheiden im CL HF ist nicht eine Folge des Tiqui Taqua, sondern der Überspielthwit wichtiger Spieler (xavi, messi, busquets) und der mangelnden Umsetzung des Total Fotbol: kein Gegenpressing, zu tiefes stehen und zu starke Fokussierung auf Messi… Vlt sollte an dieser Stelle mal eine Begriffsklärung stattfinden. Ich empfehle spielverlagerung.de für wirklich Interessierte.