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Der falsche Franz und andere Fussballkuriositäten

Simon Zimmerli am Donnerstag den 22. August 2013
Die Mannschaft des FC Farnborough. David Parry/PA

Klingende Namen: Die Mannschaft des FC Farnborough. (Foto: David Parry/PA)

Gerne hätte ich Euch Bilder aus einem feurigen und rauchgeschwängerten griechischen Fanblock geschickt, damit Ihr seht, mit was für Lappalien wir uns in der Schweiz herumschlagen müssen. Leider fand in der Nähe meines Feriendomizils kein Spiel statt. Und Damian Bellón, den mein Kollege, ein eingefleischter Panathinaikos-Fan, per Zufall auf der Kaderliste des Gegners, Panaitolikos, entdeckte, befand ich unter dem Strich auch als zu wenig, um ihm eigens ein Blog zu widmen. Zumal der Schweizer U-21-Internationale (1 Länderspiel) auch nicht gespielt hat. Und da mir schrecklich langweilig ist hier und ich nicht daran glaube, dass sich das SRF-Traumpaar Ruefer/Latour innert der nächsten Jahre auf ein ansprechendes Niveau steigert – dieser Blog wird leider auch in fünf Jahren noch aktuell sein – machte ich mich auf die Suche nach Kuriositäten aus der Fussballwelt.

Der englische Sechstligist FC Farnborough hat zwar kein Geld, dafür aber eine Mannschaft voller klingender Namen. Von Paul Gascoigne über Gary Lineker, Franz Beckenbauer und Johan Cruyff bis zu Diego Maradona ist in der Kaderliste alles aufgeführt, was im Weltfussball einst Rang und Namen hatte. Zu einem überraschenden Comeback hat sich aber nicht einmal die klamme Skandalnudel Gascoigne überreden lassen. Nein, die Beckenbauers und Maradonas aus Farnborough sind kickende Mogelpackungen. Sie haben ganz einfach Künstlernamen angenommen, was in Grossbritannien keine grossen Mühen erfordert. Für umgerechnet rund 140 Franken kann man sich nennen, wie man möchte, natürlich unter Einhaltung gewisser Anstandsregeln, und den gewählten Namen im Pass eintragen lassen. So ist es auch möglich geworden, dass beim FC Farnborough unter der Rubrik Trainer José Mourinho steht, obwohl das Original aus Portugal gerade erst zu seinem Ex-Club FC Chelsea zurückgekehrt ist. Der falsche Mourinho hiess ursprünglich Spencer Trethewy, ehe er sich nach dem Mädchennamen seiner Mutter Spencer Day nannte, und ist eine überaus schillernde Figur. Trethewy/Day/Mourinho sass wegen Wirtschaftsdelikten einst elf Monate im Gefängnis, soll heute dank Immobiliengeschäften aber ein Vermögen von 12 Millionen Pfund besitzen, dazu mehrere Yachten und Helikopter. Hinter dem Lausbubenstreich in Farnborough, der den englischen Fussballautoritäten gar nicht in den Kram passt, steht aber nicht der 42-jährige Tausendsassa mit der Knastvergangenheit, sondern ein Wettbüro von den Kanalinseln. Dieses tritt als Brustsponsor und Namensgeber des Stadions auf und liess sich dafür die Umsetzung des Scherzes mit den klingenden Namen zusichern. Die Liga versagt dem Club, der seine ärgsten Schwierigkeiten nach der Finanzspritze des Sponsors überstanden glaubte, aber bislang die Spielgenehmigung. Die Partien mit Beteiligung Farnboroughs wurden nach hinten verschoben. Dafür berichten nun Medien aus aller Welt über den kleinen Verein aus dem kleinen Städtchen zwischen Southampton und London.

Das grösste Schelmenstück im Fussballgeschäft geht aber nicht auf das Konto des FC Farnborough, sondern auf jenes des österreichischen Clubs Grazer AK. Der damalige Bundesligist verkaufte den Journalisten 1999 den verkleideten Komiker Hape Kerkeling als litauischen Fussballtrainer namens Albertas Klimawiszys, der die Nachfolge des deutschen Weltmeisters Klaus Augenthaler antreten werde. Kerkeling/Klimawiszys erzählte während der Pressekonferenz, zu der auch Augenthaler erschienen war, wirres Zeug, sang ein merkwürdiges Lied und liess die GAK-Profis anschliessend noch merkwürdigere Übungen auf dem Trainingsplatz ausführen. Das Lokalradio berichtete unterdessen über die so sensationell anmutende Personalrochade beim traditionsreichen Verein, der tags darauf das Derby gegen den Stadtrivalen Sturm Graz bestreiten sollte. Erst als sich Kerkeling zu erkennen gab, begriff auch der letzte der begriffsstutzigen Reporter, dass ihnen ein riesiger Bären aufgebunden worden war. Das Video des denkwürdigen Kerkeling-Auftritts ist heute ein Klassiker auf Youtube.Neben dieser Aktion wirken die Werbebemühungen des einstigen Europacup-Finalisten Lok Leipzig geradezu hausbacken an. Nach dem Konkurs und dem Neubeginn in der untersten Spielklasse setzten die Leipziger in der Saison 2004/05 den früheren Nationalspieler Heiko Scholz und den damals bereits 62-jährigen Henning Frenzel, der mit der DDR 1964 Olympia-Bronze gewonnen hatte, in Pflichtspielen ein. Dies brachte landesweite Beachtung und massenhaft Zuschauer. Das Spiel gegen die zweite Mannschaft von Eintracht Grossdeuben verfolgten 12’421 Fans. Als Krönung gab der Rekordinternationale Lothar Matthäus im Stadtpokal-Halbfinale sein Comeback für Lok. Und ja, es war der echte Matthäus.

Vielleicht kann ich nächste Woche über ein Spiel aus der Kategoria e Parë berichten, der höchsten albanischen Liga, bis dahin «ta leme».

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2 Kommentare zu “Der falsche Franz und andere Fussballkuriositäten”

  1. E. Schönbächler sagt:

    Da würde Kaiser Franz fragen: “Ja, is’ denn immer noch Sauregurkenzeit?”

  2. Hans Füglistaller sagt:

    Endlich mal wieder ein guter Beitrag in diesem Blog. Diese wurden ja seit dem Abgang von Mämä so selten. DANKE!