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Beckham auf der Guillotine

Alexander Kühn am Samstag den 24. Dezember 2011
David Beckham an einem Freudschaftsspiel von LA Galaxy in Melbourne, 6. Dezember 2011.

Seine Lohnvorstellungen kommen nicht gut an in Frankreich: David Beckham an einem Freudschaftsspiel von LA Galaxy in Melbourne, 6. Dezember 2011.

Beim Namen David Beckham sehen Frankreichs Politiker rot und längst nicht nur jene des linken Spektrums. Beckham hat seinen Vertrag bei Paris St-Germain zwar noch gar nicht unterschrieben, wie viel der alternde Fussballstar aus England verdienen soll, weiss aber schon jetzt jeder: 800’000 Euro. Pro Monat, nicht pro Jahr. «Ich bin schockiert. Und nicht nur ein bisschen, sondern vielmehr als das», sagte Nicolas Dupont-Aignan von der gaullistischen Partei Debout la République stellvertretend für seine Zunft. In Grossbritannien, dessen Hauptstadt London eine Finanzmetropole ist, und in Spanien, wo Fussballer wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo den Statuts von Halbgöttern geniessen, mag ein solches Salär noch angehen, nicht aber im Land der Französischen Revolution, wo die Köpfe der Adligen einst wie Fussbälle aus der Guillotine purzelten.

Angesichts der Krise auf den internationalen Märkten und des Euro-Niedergangs empfinden viele Franzosen Beckhams königliche Bezüge als Schlag ins Gesicht. In einer Umfrage der Zeitung «Le Figaro» erklärten 80 Prozent von rund 9000 Befragten, die kolportierten Zahlen seien unmoralisch. Die Wut des Volkes richtet sich also für einmal nicht gegen Politiker oder Banker, sondern gegen einen Fussballer, der doch nur die Früchte einer rasanten finanziellen Entwicklung geniesst, welche die Grossklubs wie Real Madrid oder der FC Chelsea befeuert haben.

Beckham gibt den Tarif durch: David Beckham macht auf sich aufmerksam.

David Beckham gibt den Tarif durch: Der Engländer macht auf sich aufmerksam.

Gewiss ist es nicht gerecht, dass ein Arbeiter mit ein paar Tausend Euro im Monat auskommen muss, während Beckham das Geld förmlich in den Allerwertesten gesteckt wird, den 115-fachen englischen Nationalspieler als einen finanztechnischen Nimmersatt darzustellen, der auf seine alten Tage noch einmal absahnen will, ist aber falsch. Beckham liefert seinen Arbeitgebern auch mit 36 Jahren noch einen guten Return on Investment. Zum einen zeigt er auf dem Feld dank Leidenschaft und seinem genialen rechten Fuss starke Leistungen, zum anderen ist es so sicher wie das Amen in der Kirche, dass Paris St-Germain die Trikots mit seinem Namenszug wie warme Baguettes verkaufen wird.

Das Problem im Fussball sind nicht die Spieler, die sich verständlicherweise nicht gegen ihre Gehälter wehren, sondern Investoren und Klubchefs mit Allmachtsfantasien, die den Erfolg mit allen Mitteln erkaufen wollen und so der Vernunft Stück für Stück entsagen. Es läge in den Händen der Ligen, dieser Entwicklung einen Riegel zu schieben, indem sie ihr Hoheitsgebiet für Milliardäre aus 1001 Nacht unattraktiv machen und gleichzeitig in Kauf nehmen, dass dies für die Vereine im internationalen Wettbewerb ein Nachteil ist.

Die Deutsche Fussball-Liga (DFL) etwa verbietet mittels der sogenannten 50+1-Regel, dass Kapitalanleger die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften übernehmen, in die Fussballklubs ihre Profimannschaften ausgliedern. Selbst bei der TSG Hoffenheim Fussball-Spielbetriebs GmbH, die ihren Platz in der Bundesliga ausschliesslich dem milliardenschweren Software-Unternehmer Dietmar Hopp verdankt, besitzt der Mutterverein noch immer die Stimmenmehrheit. Obwohl die GmbH zu 96 Prozent Hopp gehört.

Für den Fussball-Fan stellt sich heutzutage die Glaubensfrage: Will er für das Produkt eines Investors in der Champions League die Fahne schwenken oder in einer tieferen Liga einem Fussballklub klassischen Zuschnitts die Daumen drücken. Erboste Anhänger von Manchester United wollten nach dem Einstieg des US-Milliardärs Malcolm Glazer Letzteres, kündigten dem 19-fachen englischen Meister die Liebe und gründeten den FC United of Manchester, ohne Millionen, aber auch ohne den ungeliebten Glazer.

Über die Feiertage kann es vorkommen, dass Kommentare nicht freigeschaltet werden. Das wird spätestens am 27. Dezember geschehen. Frohes Fest!

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22 Kommentare zu “Beckham auf der Guillotine”

  1. Jules Bonhomme sagt:

    Die Fans haben es in der Hand, solche Auswüchse zu vermeiden. Das gilt für Beckham in Paris wie im Kleinen in der Schweiz.
    Sind sie nicht einverstanden mit solchen Entscheiden, so bleiben sie aus Protest den Spielen fern. Muss deshalb vor halbleeren Rängen gespielt werden, dann wird sich das rasch ändern.

    • christoph fischer sagt:

      das bringt nichts. an den matches ist nicht viel zu verdienen. die glotze sollte schwarz bleiben – dort kommt das geld rein!

  2. Thommen sagt:

    eine absolute Gemeinheit gegenüber dem Fussball. Ich unterstütze und sehe kein Fussball mehr. ES KOTZT MICH AN!!!!!!!!!!

  3. Ist nicht verwunderlich, wenn man sich die Besitzer von PSG ansieht: Investoren aus Qatar (70%) und eine Investmentfirma aus den U.S.A. (Colony Capital, 30%). Offenbar soll die Popularität von Beckham für Qatar ausgenutzt werden – eine Marketingmassnahme, also.
    Ob sich das ganze sportlich für PSG rechnet ist eine andere Frage, aber offenbar spielt Geld keine Rolle.

  4. roger sagt:

    dann geht nicht ins stadion, also keine eintrittspreise mehr fuer die abzocker, dann gibts auch weniger in der kasse.
    eine frechheit fuer alle die nomal arbeiten, sogar fuer jeden politikker der das lande fuehrt und im jahr 1/4 verdientt was er im monat.

    • W N sagt:

      Eintrittspreise sind nichts im Vergkeich zu de Sponsorbetraegen und dem Werbeerloes.
      Die Produkte nicht mehr kaufen ist die Loesung.

  5. Romeo sagt:

    Komischer Satz, da ging wohl etwas verloren:
    Erboste Anhänger von Manchester United wollten nach dem Einstieg des US-Milliardärs Malcolm Glazer Letzteres, kündigten dem 19-fachen englischen Meister die Liebe und gründeten den FC United of Manchester, ohne Millionen, aber auch ohne den ungeliebten Glazer.

  6. christoph fischer sagt:

    David Beckham ist ein Gott, wohl verstanden, ein Fussball-Gott. PSG wird sehr viel Geld an ihm verdienen, um somit ist es eine Französische Idee, mit Beckham Geld zu machen. Wenn Beckham wirklich noch so gut ist und wundersam wie einst, dann wird er auch an die EM gehen. David Beckham ist der in allen Belangen grösste Fussballer, der je von England kam.

    • Pedro sagt:

      Also bitte, man kann den Beckham ja moegen und er hat einen super rechten Fuss, aber der Beste der ja aus England kam, dass ist er beim besten Willen nicht. George Best war der Beste, auch wenn er Nordire war, Bobby Charlton, Bobby Moore, Geoff Hurst, Alf Ramsey und die neueren Gaza, Dalglish/Sco, Keegan, Shearer, Glenn Hoddle/my favourite, Lineker, Robson, wahrscheinlich habe ich Einige vergessen.
      Und einen Vorwurf kann man ihm ja wohl nicht machen, nicht mal den Verantwortlichen von PSG Ist ja nicht ihr Geld, welches sie ausgeben 🙂 ).
      Auch wenn ich diese Gehaltsauswuechse ebenfalls unverschaemt finde, aber die Jungs unterhalten mich und deshalb goenne ich denen die Kohle. CHEERS

    • Remo Nydegger sagt:

      Bei allem Respekt vor Beckham, den ich stets (und immer noch) bewundert habe, aber der grösste englische Fussballer aller Zeiten ist er bei weitem nicht. Die spielerische und vollkommene Genialität eines Gascoignes, die Treffsicherheit eines Linekers oder die Cleverness eines McManamans hatte er nie. Und das sind lediglich Spieler der letzten 20 Jahre, vorher gabs noch eine Menge anderer Helden.
      Was ihn so speziell macht ist (in meinen Augen) dass er eigentlich einer anderen englischen Spielergeneration angehört. Obwohl zigfacher Millionär und Superstar, obwohl er im Clubfussball so ziemlich alles gewonnen hat, obwohl er an zig WM`s und EM`s dabei war – er ist immer noch da, gibt immer noch Vollgas, zeigt immer noch den unbedingten Siegeswillen.

      Er vereint all die Attribute, die den englischen Fussball früher so unglaublich schön gemacht haben: Einsatzbereitschaft, Kameradschaft, Siegeswillen, Fairness. Leider interessiert das die heutigen Fürze (Ashley Cole, Lampard, Crouch usw.) nicht mehr, weshalb sie nur noch lustlos wie eine x-beliebige Mannschaft auf dem Feld rumstapfen. Schade!

    • Bryan sagt:

      Christoph! – Bitte! – Ich weiss, dass England nicht die besten sind aber, Beckham als groesste Fussbller von England!!? Was hat er mit England gewonnen (nichts!!). Er ist nuer die beste Geldmaschine – mehr nichts!

  7. Franz sagt:

    Sein Salär ist das eine. Sein Einfluss das andere. Wie man hört und liest, soll der Glamourboy seine Zusage davon abhängig gemacht haben, dass Kombouaré durch Ancelotti ersetzt wird. Was ja inzwischen geschehen ist. Dass Leonardo, der PSG-Manager, und der arbeitslose ehemalige Milan- und Chelsea-Trainer befreundet sind, erleichterte die Operation. Wir sprechen von einem Klub, der zwar dauernd in den Medien präsent ist, dessen Palmarès sich jedoch höchst bescheiden ausnimmt: lediglich zwei Meistertitel (vor 17 Jahren der letzte). Im Cup sieht die Bilanz besser aus. (Die Parallelen zum FC Sion sind frappant.) Obwohl der PSG an der Tabellenspitze steht, wurde der Trainer schon seit längerem von seinem Vorgesetzten Leonardo destabilisiert. Es fehlte ihm der Glamourfaktor, das Bling-Bling, das diesen Möchtegern-Topklub schon immer charakterisierte.
    PS: Die 50+1-Regel wurde diesen Sommer übrigens etwas aufgeweicht. Wer einen BL-Klub mind. 20 Jahre als Financier, Mäzen oder Sponsor in bedeutendem Masse unterstützt hat, darf die Stimmenmehrheit übernehmen. (Bei Wolfsburg und Leverkusen ist das ja schon lange der Fall.) Die Frage bleibt weiterhin, ob diese Regelung des DFB gerichtlich überhaupt durchsetzbar wäre.

  8. RonnieBarca sagt:

    Beckham war NIE ein FussballGott…er war u ist ein VermarktungsGott…
    Fussballerisch gehörte er nie u nimmer unter die Top20, doch er (oder seine Frau) wusste sich einfach optimalst zu vermarkten.
    Warum sich allerdings die Leute in F aufregen, verstehe wer will, ich tus nicht. Die Saläre werden ja von keinen Franzosen bezahlt u evt kriegen sie ja noch was ab, sollte BEckham einen Teil seines EInkommens in F versteuern.
    ZUdem werden wohl vermehrt chinesische, russische, katarische Fernsehsender in la ligue investieren, um Beckham zu sehn.
    Also summasummarum könnte das sogar ein gutes GEschäft für die Franzosen werden…

  9. Chriss sagt:

    Man sollte (in jedem Land) eine alternative Tabelle führen, in der die Punktezahl durch das Club-Budget dividiert wird. Dann hätte man eine politisch korrekte Rangliste… Könnte auch in anderen Sportarten angewendet werden – wär sicher interessant.

  10. Rolf Staub sagt:

    Nur ein rechter Fuss und ein kopfball-geschütteltes Hirn = € 800’000 / Monat.
    Wie wenig haben Bankster?

  11. thomas baechler sagt:

    Bei der Verteidigung von Fussballerlöhnen in der Höhe von 800 000 Euro pro Monat mit dem Trikotverkauf zu argumentieren, scheint mir reichlich verwegen. Erstens beschränkt sich der Markt von Fussballfans, die ein Originaltrikot des Herstellers für 100 Euro erwerben auf wenige Länder. Wer in Südamerika, Afrika oder Asien gereist ist, weiss zwar dass Fussballtrikots populär sind. Aber wer kauft sich schon das Originalshirt? Niemand. Nun gut. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass auserhalb von Paris, nein, seien wir grosszügiger ausserhalb von Frankreich ein paar verrückte Paris St. Germain Fans nach einem Weihnachtsgeschenk, für sich selbst oder ein Geburtstagsgeschenk für den Göttibuben suchen: Sie glauben doch nicht im Ernst, dass Monat für Monat 8000 Paris St. Germain Trikots mit der Aufschrift “Beckham” verkauft werden. Da ist ja die Chance, dass Heinz Hermann ab nächstem Jahr wieder bei GC stürmt grösser.

    • Placebo Domingo sagt:

      das salär/die verhältnismässigkeit ist jenseits, keine frage. nur, die investition wird aufgehen.

      sie werden die wette verlieren, denn was sind schon 8000 trikots. im ersten monat bei la galaxy wurden über 250’000 beckham-shirts verkauft

  12. Heinz Schaedler sagt:

    Die deutsche Bundesliga hat zum Glück in den letzten Jahren diesen unsäglichen Auswüchsen im Profi-Fussball einen Riegel geschoben. Die Liga ist zwar nicht absolute Weltklasse, aber das Resultat kann sich doch sehen lassen: gesunde Finanzen, Kontinuität in den Kadern, volle Stadien, Fans, die sich mit ihren Vereinen identifizieren, attraktiver Offensivfussball und wenig Gewalt. Die anderen Fussballverbände sollten sich dringengend daran ein Vorbild nehmen!

  13. Andi Meier sagt:

    Fast 10 Mio. pro Jahr sind schon extrem viel, aber wenn er den Investoren so viel wert ist, sollen sie das halt bezahlen. Als PSG-Fan würde es mich aber schon stören, weil man von dem Geld, die Gehälter von 3 Top-Spielern bezahlen könnte. Dass die Politiker so einen Aufstand machen, verstehe ich nicht so ganz, schliesslich muss Beckham bei dem Gehalt auch kräftig Steuern abliefern. Die Herren aus Qatar und den USA könnten das Geld ja auch woanders ausgeben als in Frankreich.

  14. Georg Stamm sagt:

    Damit würde der Mann in 2 Wochen soviel verdienen wie der franz. Regierungschef in 1 Jahr oder wie ein franz. Primarlehrer in 10 Jahren. Das ist gelebte “Egalité” und “Fraternité”. Ob der Mann auf dem Rasen überhaupt noch etwas bemerkenswertes zustande bringt ist auch noch eine andere Frage. Diese Sache ist einfach nur pervers ! Beckham und der Club sollten sich schämen.

  15. Siero sagt:

    Beckham ist zwar ein überdurchschnittlicher Fussballer; kocht allerdings auch bloss mit Wasser. Aber er weiss sehr gut, wie er sich vermarkten kann. Auch seine Frau trägt ihren Teil dazu bei. Ich verstehe allerdings nicht, weshalb PSG soviel zahlen will – schliesslich neigt sich die Karriere von Becks steil dem Ende entgegen. Als er noch bei Real spielte und seine Transfer-summe allein durch den Fanartikel-Verkauf in Asien wieder einspielte, war er doch noch einiges besser zu vermarkten als dies heute der Fall sein dürfte.