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Freundschaftspiele haben ausgedient

Mämä Sykora am Montag den 8. August 2011

Hurra, die Schweizer Nati spielt endlich wieder! Ein Grund zur Freude? Mitnichten. Wenn man mal vom engagierten Auftritt im Wembley absieht, waren die Auftritte unter Hitzfeld stets eine Qual zum Schauen. Getoppt wurden die Darbietungen in der WM- und EM-Quali noch von einer Sache: von Freundschaftsspielen.

Wir blicken mal zurück: Malta (0:0), Ukraine (0:0), Australien (0:0), Österreich (1:0), Italien (1:1), Costa Rica (0:1), Uruguay (1:3), Norwegen (0:1). Ganze drei Testspiele hat die Schweiz unter Hitzfeld gewonnen (Österreich, Finnland und Zypern), diese magere Ausbeute ist aber nicht einmal das Schlimmste daran. Die Art und Weise, wie die Nati dabei aufgetreten ist, war teilweise eine Frechheit gegenüber den Zuschauern, die dafür auch noch Eintritt bezahlt hatten.

Lustlos, uninspiriert, demotiviert, zurückhaltend, enttäuschend – diese Adjektive wurden in den Spielberichten bemüht, und das war noch eher beschönigend. Wenn es lediglich um die goldene Ananas geht, zeigen sich die Herren im Schweizer Dress nicht bereit, an ihre Leistungsgrenzen zu gehen.

Nur: Wozu sollten sie auch? Bei allem Respekt ist Liechtenstein, der Gegner von Mittwoch, nicht eben der Traumgegner jedes Nationalspielers. Zudem ist der sportliche Wert einer solchen Partie höchst umstritten. Es ist ein Gegner, den man ganz einfach schlagen muss. Hitzfeld wird daraus keine neuen Schlüsse ziehen können, wie man eine Mannschaft von diesem Format am besten knackt. Zudem stehen sämtliche Auslandprofis mit ihren Vereinen kurz vor dem Saisonstart und nichts wäre ärgerlicher, als sich in so einer unbedeutenden Partie eine Verletzung zuzuziehen. Wen wundert es also, wenn die Spieler da nicht 100 Prozent geben?

Mit dieser Voraussetzung wird auch der gerne bemühten Aussage, dass sich in solchen Partien Spieler aus der zweiten Garde für einen Einsatz in der Startelf empfehlen können, jegliche Berechtigung genommen. Auch Hitzfeld weiss, dass sich einer wie Inler am Mittwoch eher zurückhalten wird. Selbst wenn Lustenberger das Spiel seines Lebens absolvieren sollte, wird er beim nächsten Ernstkampf dennoch wieder höchstens auf der Bank sitzen dürfen. Die meisten Positionen in der Schweizer Mannschaft sind fix vergeben, und wenn sich daran was ändern sollte, dann nicht wegen phänomenalen Auftritten in einem Freundschaftsspiel gegen einen Fussballzwerg, sondern wegen guten Leistungen über mehrere Wochen im Verein.

Früher waren Freundschaftsspiele noch ein Erlebnis. Es ergab sich mangels TV-Übertragungen nur selten die Gelegenheit, die eigene Mannschaft bei der Arbeit bewundern zu können. Die Gegner kannte man meist überhaupt nicht, die Neugier und das Interesse waren riesig. Unter diesen Umständen bemühten sich auch die Akteure auf dem Rasen, den Zuschauern etwas zurückzugeben und für den Trainer, der seine Schützlinge nicht so akribisch beobachten konnte, wie dies heute der Fall ist, hatte so ein Spiel auch eine Aussagekraft.

Heute ist es nur noch ein Ärgernis. Verzweifelt versuchen die Verbände, für ein Testspiel eine der ganz grossen Nationen zu gewinnen. Diese nutzen dies aus, indem sie für eine Zusage irrsinnige Beträge verlangen. Der Verband von Tansania nahm bei der Bank ein Darlehen auf, um die 2,5 Millionen Dollar für ein Spiel gegen Brasilien im letzten Sommer zu bezahlen, das zum finanziellen Desaster wurde. Dreist liess der damalige Trainer Dunga nach dem 5:1 verlauten, es sei «ein guter Test gegen einen guten Gegner gewesen, der sehr gut organsiert gewesen sei.»

Ein «guter Test» ist es, wenn zwei gleichwertige Gegner aufeinander treffen, die beide alles geben. Das ist bei einem Freundschaftsspiel nahezu nie der Fall. Kubilay Türkyilmaz tat das einzig richtige, als er sich jeweils kurz vor solchen Test eine kleinere «Verletzung» zugezogen hat. Lasst es doch am besten gleich ganz bleiben. Die Freundschaftsspiele haben ausgedient.

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35 Kommentare zu “Freundschaftspiele haben ausgedient”

  1. Antonio H. sagt:

    Ein Freundschaftsspiel am Mittwoch ist lässig. Aber warum muss der Gegner ein solches Zwergenland sein. Spannend wäre ein ernst zu nehmender Gegner gewesen. Italien. Oder auch Schweden. Frankreich. Fürchtet sich der SFV vor Polemik um Hitzfeld, wenn es eine Niederlage geben hätte?

  2. Auguste sagt:

    hmm…, gegen einen aussagekräftigen gegner haben testspiele natürlich schon einen wert. liechtenstein scheint auf dem papier wirklich kein gegner zu sein, für die u21. aber für die a-nati ist liechtenstein perfekt – ungefähr so stark wie luxemburg oder malta.

    • Severin Brunner sagt:

      Bin überhaupt nicht einverstanden. Auch gegen Liechtenstein hätte das Spiel einen Wert. Wenn denn die Schweiz dominant auftreten würde und den Ländlern eine Kanterniederlage beifügen würde. Weil die Schweiz dazu aber wahrscheinlich nicht in der Lage sein wird, können wir froh sein, dass wir gegen die Ländler nicht sogar eine Niederlage beziehen werden … Ich habe keine Ahnung, wie Hitzfeld mit Dortmund Erfolg haben konnte (bei Bayern scheint es mir einfach, das Starensemble angemessen zu betreuen).. eines ist mir aber klar geworden: Hitzfeld ist alles Andere als ein “Über-Trainer”. Schade, wirklich sehr schade, für ihn und die Schweiz. Aber vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ein Deutscher niemals begreifen wird, wie wir Schweizer funktionieren …

      • Hopp Züri sagt:

        Buah… und dann noch den letzten Satz vom Deutschen… Aber Fink ist ja weder Deutscher noch ein Erfolgstrainer. Solche Aussagen sind einfach nur blöd. Sorry SB.

        • Severin Brunner sagt:

          Na ja, ich nehm an, du bist ein Basler ? Klar seid ihr auf eure Deutschland-Connection stolz … das ist schon klar … ihr seid finanziell ja auch abhängig davon 🙂

          • Hopp Züri sagt:

            Lesen ist Glücksache…. Aber ich helfe dir gerne auf die Sprünge: ich bin Zürcher, durch und durch und etwas anderes als die SK gibt es für mich nicht (dementsprechend würde ich nie Hopp B….. schreiben).

            Wärst du in Geschichte ein wenig bewandert, wüsstest du, wie fest die Zürcher mit den Süddeutschen geliebäugelt haben – die waren ihnen wichtiger als die Innerschweizer – trotz vermeintlichen frühen Eintritt in die Eidgenossenschaft.

            Wie auch immer SB, du hast dich im zweiten Posting leider auch noch gleich lächerlich gemacht . Nochmals, sorry SB.

            Gruess.

          • Severin Brunner sagt:

            Lach. Du bist wirklich ein Lustiger. 1. bin ich sowohl halb Basler als auch halb Zürcher und 2. hab ich sogar noch dazu süd-deutsche Vorfahren. Die Tour mit “deutschenfeindlich” kannst du bei mir also nicht fahren … du bist wirklich süss. Aber kannst du mir noch erklären, was SK bedeutet ?

  3. Geni Meier sagt:

    Statt Testspiele gegen lächerliche “Gegner”, die im besten Fall zu Überbewertung der eigenen Leistung führen kann man auch CH-intern z.B. die Nati gegen einen SL-Club spielen lassen. Bin mir gar nicht sicher, ob die Nati gewinnen würde.

  4. micha sagt:

    Effektiv nicht besonders überlegt, gegen Liechtenstein zu testen. Was soll das? Für den Rest der EM-Quali spielt die Nati gegen deutlich stärkere Teams. Es gibt rund 10-15 Teams in Europa, die vergleichbar sind mit Mannschaften wie Bulgarien, Montenegro oder Wales. Muss nicht einer der top 5 in Europa sein, weil dann wieder eine komplett defensive Ausrichtung angezeigt gewesen wäre.

  5. Peer Anders sagt:

    Ein Trainingsspiel macht schon Sinn. Und im Moment auch die Partie gegen Liechtenstein. Da kann man eventuell verlerntes Angriffsspiel zelebrieren, vorausgesetzt Cheftrainer Hitzfeld ist mal ausnahmsweise bereit mit 3 Stürmern zu agieren. Schön ist immerhin, zu wissen, dass er nicht wieder Frei und Streller aufbieten kann …

  6. Theo Zehnder sagt:

    Wieder einmal gegen Liechtenstein…diesen Gegner mit grossen Qualitäten..lol..! Wer vom Fussballverband ist auf diese
    Schnapsidee gekommen ? Der nächste Gegner heisst Bulgarien, und auch in der WM Qualifikation hat es ganz andere
    Kaliber ! Also was soll dieses Spiel bringen ? Nachbarschaftshilfe ?

  7. Baltisberger Rolf sagt:

    Was hätte früher O.Hitzfeld seinen Bayern Stars gesagt, wenn sie gegen ein Liechtenstein zu einem Freundschaftsspiel hätten antreten müssen? “Macht mir ja nicht eure Knochen kaputt !?”

  8. Martin Locher sagt:

    Ich hoffe mal dieses lächerliche Freundschaftsspiel gegen Lichtenstein wird nich auch noch auf Kosten der Gebührenzahler im TV übertragen. Mich würde zum Beispiel eine Sendung über die Kommaregeln in der Deutschen Sprache interessieren. (Habe meine amateurhaft gesetzten Kommas nun absichtlich wieder entfernt)

  9. Grampus sagt:

    freundschaftsspiele sind doch eh bloss für die wettmafia da, um spiele und resultate zu kaufen, resp. verkaufen…ansonsten sehe ich den reiz eines freundschaftsspiele überhaupt nicht…

  10. Petar Radenkovic sagt:

    Gegen Zwergenland oder laecherlichen Gegner zu spielen, geht wohl ueber die Ehre einiger Schweizer.

    Dabei wird vergessen, dass die schweizer Nati fuer andere ‘Groessen’ auch ein Zwergenland oder laecherlicher Gegner sein koennte.

    • Auguste sagt:

      hmm…, hätte nicht gedacht, dass man sich auch heute noch an den grossen 60er torwart und sänger radi erinnert…

      youtube: petar radenkovic – bin i radi, bin i könig (1965)

  11. Dustin Peters sagt:

    haha, der gute alte Hersiauer mal wieder…
    Wie dem auch sei: seit gefühlten 26 Jahren hat die CH nicht ein Freundschaftsspiel anständig abgeliefert: Jedes mal dasselbe: Vor dem Spiel werden den Journis irgendwelche Phrasen ins Heft diktiert, von wegen wie wichtig das Spiel sei, und dann war’s wieder der selbe Mist wie immer…

  12. hascho sagt:

    O.H. will doch den Teamgeist förden, Empfehle deshalb dieses Länderspiel nicht in Vaduz auszutragen. Das schmucke,kleine und europas höchst gelegene Stadion in Triesenberg würde sich besser eignen. Die CH-Nati-Spieler fassen 2 Std. vor Spielbeginn in Vaduz ein Dreigang-Velo und radelt nach Triesenbeg (Beat Breu als Berater). Die ersten 11 Radler werden in der Startelf berücksichtigt. Die Nachkömmlinge müssen im nahe gelegen Schwimmbad einen 2 Km Schwimmtest absolvieren.
    Höhenluft fördert die Kondition! Nach gewonnenem Spiel werden bei Matha Bühler`s Restaurant in Triesenberg die besten Spätzli europaweit serviert. En Guete!

  13. Tom sagt:

    Nati-Spiele sind momentan ein wahrer Graus. Dagegen ist das Geknorze meines FCBs sogar ein Leckerbissen…

  14. Marcel Koller sagt:

    Freundschaftsländerspiele dienen den Verbänden zur Finanzbeschaffung. So bringt ein Länderspiel dem DFB mehrere Millionen Euro aus Werbung und TV Rechten und Eintrittsgeldern. Das ist der wahre Grund, sportlich haben sie in der Tat keinen Nutzen.

  15. kurt abächerli sagt:

    die testspiele unter hitzfeld hatten – wie die ernstkämpfe – einen entscheidenden fehler. es stand ein falscher trainer an der seitenlinie. ich bin mir übrigens nicht sicher, ob es die nati mit der otti-taktik zu einem einfachen sieg reicht. OH lätz

  16. n.v. sagt:

    Ein Test gegen Lichtenstein ist sicher sinnvoll. Die Schweiz hat gegen gleichwertige oder schwächere Gegner stets Mühe das Spiel zu gestalten bzw. Hitzfeld lässt immer diesen schrecklichen defensiven Angshasenfussball spielen. Die Schweiz hat ausserordentliches Offensiv-Potential; d.h. gegen alle Gegner ist in Freundschaftsspielen immer voll auf Risiko/Angriff zu spielen und somit sind diese Qualitäten testbar. Danach könnte ich mir vorstellen zukünftig eine offensive Schweizer Nati in Ernstkämpfen bewundern zu können, denn wir müssen uns gegen niemanden verstecken.

  17. Francis Kappa sagt:

    Die Schweiz gehört zur Zeit ohne Zweifel mit zur Spitze des europäischen Fussballs. Deutschland zum Beispiel würden wir locker mit 1 bis 2:0 boddigen. Mit unserem neuen Sturm um Shaqiri würde die Truppe von Jogi Löw alt aussehen. Einen Vorgeschmack auf unsere Stärke werden wir nächste Woche sehen, wenn der FCZ den Bayern die Lederhosen auszieht.
    Hopp Schwiiz!

  18. Daniel von Matt sagt:

    Einerseits soll daran Erinnert werden, dass sie Schweiz gegen Fussballzwerge nicht automatisch gewonnen hat. Liechtenstein ist meine Erachtens kein vollwertiges Land, deshalb sind die Siegeschancen, auch mit Trainer O. Hitzfeld, leicht erhöht. Dennoch zweifle auch ich an der Bedeutung von Freundschaftsspielen, wo doch heute die Ligen schon sehr intensiv sind.

  19. Auguste sagt:

    hmm…, daniel von matt, das fürstentum mag zwar eine etwas antiquierte staatsform sein, aber als minderwertig darf man liechtenstein keineswegs bezeichnen, auch wenn sie fussballerisch zwerge sind, und bischof haas dort sein unwesen treibt.

  20. Tüpflischisser sagt:

    Das nächste Mal besser recherchieren Mämä (wenn überhaupt nötig-keine 12 Monate sind seither vergangen..)

    Schweiz-Ukraine endete 2:2 (Frei Doppeltorschütze).

    Freundschaftsspiel gegen Liechtenstein ist für die Katz. Zumindest ein gleichwertiger Gegner ist angebracht.

  21. Hopp Züri sagt:

    In erster Linie hoffe ich, dass die FCZ-Spieler nicht allzu sehr eingesetzt werden. Der Baselmatch am Samstag und dann die Bayern sind zzt. wichtiger und bringen auch den CH-Fussball insgesamt weiter als ein Testspiel gegen Lichtenstein zu diesem Zeitpunkt. Und was ist, wenn sich Mehmedi oder auf der anderen Seite ein Shaqiri sich verletzen würden? Es wäre eine fussballerische Katastrophe!

    Ein Testspiel sollte ein Testspiel sein. In erster Linie sollten Spielzüge, Kombinationen der Zusammensetzung etc. Priorität haben. Das Resultat sollte gleichgültig sein. Und die Resultate sollten auf UEFA-Ebene nicht zählen, was sie aber tun. Absurderweise hätten die Niederlande mit einem Sieg gegen England und bei gleichzeitigem Verlieren der Spanier gegen Italien die Weltrangliste angeführt – sprich wären das Weltbeste Team. Konjunktiv weil der Match GB-NL wegen den Krawallen abgesagt wurde.

  22. Auguste sagt:

    hmm…, hat jemand das spiel geschaut – ein paar zapps weiter spielten deutschland gegen brasilien. ok, man hätte sich den sinnlosen provinzkick antun können oder aber mario götze zuschauen, wie fussball gespielt wird, wenn man mit einem talent gesegnet ist, wo nur noch messi als vergleich beigezogen werden kann. wer fussball liebt, musste umschalten. wer es nicht tat, war ein stromverschwender.

  23. Eric Cerf sagt:

    Die Führungsriege im SFV gehört abegsetzt, wer ein Trainingsmätschli gegen Liechtenstein organisert, ist ein Armleuchter, gelinde ausgedrückt. Was nützen der CH- Mannschaft solche Zusammenzüge? Nichts, rien, niente. Amateuerhaft, diese Typen aus der Provinz, die im Geiste von vorgestern Fussballernstkämpfe gegen Fussballzwerge organisieren. Auch wenn Liechtenstein alles gab, und beianhe den Ausgleich erzielen konnte. Es ist doch schon lange bekannt, dass unseren Mannen Spiele gegen Liechtensteimn grausam stinken. Nur die Herren Funktionäre wollen das partout nicht sehen. Handtuch werden, zurücktreten und Leuten platz machen, die fähig sind, ernsthaftere Gegner für die Nati einzuladen. Kein Wunder, dass alle beteiligten CH-Kicker nur mit angezogener Handbremse spielten, um Verletzungen auszuweichen.